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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Darf man schwerkranke Menschen "einfach" sterben?



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airmaria
16.11.2001, 15:44
War ein Kommentar im Radio (WDR2) bezüglich eines Interviews im Stern/Spiegel? eines deutschen Kardinals (Name?) im Zusammenhang mit Bin Laden.
Grüße "Mary" airmaria

16.11.2001, 18:59
dvdvdvdvdv

Ulrich Sündermann
16.11.2001, 18:59
Anfrage beim WDR läuft.

Danke für den Tipp.

Werde Originalzitat sofort veröffendlichen, wenn Text vorliegt.

16.11.2001, 19:27
Als Radiologieassistent im praktischen JAhr bestrahle ich in der Strahlentherapie am Tag etwa 50 Leute präfinal oder zumindest mit schlechter Prognose .
Inoperabler Krebs als ständiger Gegner. Zweifelhaft die einzige Waffe dagegen. Bestrahlung.
Man sieht soviele Schicksale und perverse Abwandlungen des Leidens,daß man sich fragt, was aus medizinischer Sicht hier überhaupt diskutiert wird.
Menschen die nach kombinierter Radio+Chemotherapie trotzdem Rezidive entwickeln. Eine Mutter die ihrer ebenfalls am MAmma CA gestorbene Tochter nachfolgt. Ein Mann der um den Tod bettelt, weil sein Hals vom Tumor und Op zerfressen ist.
Meine Meinung festigte sich ,als eine sehr nette Frau, die ich zufällig in allen Fachrichtungen der radiologischen Diagnostik antraf, da ich dort Praktikum hatte. Ich sah sie mit multiplen Lymphomen sich invasiv im Körper ausbreiteten. Innerhalb von einer Woche war diese Frau so gepeinigt von ihren Schmerzen und der Chemo+ Radiatio , dass Sie aufgab. Im MR mußten 6 Mann die zierliche Frau anheben , da es unmöglich war sie anzufassen . Sie schrie wie verrückt vor Schmerzen.
Als ich sie in den Magneten fuhr sagte die einst fröhliche Frau: An die Enge kann ich wohl jetzt schon mal gewöhnen, oder?Demächst im Sarg!
Ich war total fertig. Sie wollte nach eigener Aussage nur noch abtreten. Trotzdem wurde jegliches bildgebendes Verfahren an ihr durchexerziert.
Es muß möglich sein würdevoll zu sterben...

Tracy
16.11.2001, 19:38
:-lesen
Wir haben in der Ausbildung zur Krankenschwester ein Hospitz
in Bethel besucht, die Einrichtung hat mir sehr gut gefallen.


Wie sind den in anderen Hospitzen die Aufnahmebedingungen?

-In Bielefeld wurden Patienten aufgenommen die noch eine Lebenserwartung von 3Mon. haben!

In wieweit werden sterbende Kinder in den Hospitzen begleitet?

Sandra

airmaria
16.11.2001, 22:25
Original geschrieben von Holger
Es muß möglich sein würdevoll zu sterben...
Hallo Holger!
Ich finde Deinen Beitrag sehr gut, weil Du sehr eindringlich die Wirklichkeit beschreibst.
Meine Frage ist hier, ob Du der Meinung bist, daß all diese Menschen in einem Hospitz gut aufgehoben wären, oder ob Du vielleicht bei dem einen oder anderen eine "aktive Tötung" in betracht ziehen würdest?
Grüße Mary

cons
18.11.2001, 23:24
Deine Geschichte erstaunt mich, grenzt ja schon an Freiheitsberaubung.

Wenn man mal davon ausgeht, dass die Patientin nicht völlig durch die Therapie, Krankheit oder Ähnliches ihren Willen und Autonomie verloren hat, dann kann sie, vom Arzt angemessen aufgeklärt, doch jede Therapie und Massnahmen zur weiteren Diagnose verweigern. Welcher Arzt hat sich nicht getraut, dass mit ihr zu besprechen?

Denn genau dies haben wir am Samstag im Ethik-Seminar "Palliativmedizin" am Klinikum Mannheim besprochen - dort ging es allerdings um einen Fall, in dem der Patient keine Behandlung wünschte, obwohl die Ärzte noch Hoffnung hatten - aber auch hier wurde keine weitere Chemo oder ähnliches durchgeführt.

Gruss, Constantin.

cons
18.11.2001, 23:40
es scheint hier etwas Verwirrung zu herrschen - wir sollten doch bei der Duskussion über Sterbehilfe nicht vergessen, was das denn genau sein soll (vor zwei Tagen hatte ich ein Gespräch mit einer leitenden Oberärztin einer Palliativstation, die auch die Unterschiede nicht kannte - leider).

es sollte ganz streng getrennt werden, ob es sich um einen Patientin mit infauster Prognose handelt, der aber noch lange nicgt sterben wird - denn beim Herbeiführen dessen Todes wäre es dann Beihilfe zum Siuicid und hätte überhaupt nicht mit dem Begriff Sterbehilfe zu tun.
Ab wann man aber einen Menschen als "sterbend" ansehen kann, ist sicher strittig. Einige sagen, man stirbt ab Geburt, also sei alles Sterbehilfe... Auch für die indirekte Passive Sterbehilfe (Durch eine sinnvolle Therapiemassnahme eine Lebensverkürzung evtl. in Kauf nehmend) ist umstritten, ob es so etwas überhaupt gibt. Es gibt einige Intensivmediziner, die sagen, dass man jeden Patienten einigermassen schmerzfrei bekommt, ohne durch die grosse Menge von Opiaten das Atemzentrum zu lähmen (dazu muss man nur genug Erfahrung haben).

Und das leitet über, dass es zwar furchtbar ist, wenn Ärzte nicht wissen, wie man einen Patienten in seinem letzten Lebensabschnitt richtig begleitet - und etwa Angst vor einer Abhängigkeit hat oder "nicht weiss", wie man ein BTM-Rezept ausstellt (steht in jeder "Roten Liste", und welcher Arzt hat die nicht???), und deshalb dem Patienten Schmerzmedikamente nicht in ausreichender Menge und Wirkung bekommt. Wenn ich nicht weiss, wie man einen Blinddarm operiert, dann schicke ich den Patienten doch auch nicht nach Hause sondern dorthin, wo jemand ist, der es weiss - oder ich suche selber jemand.

gute Nacht, Constantin.

Ulrich Sündermann
19.11.2001, 14:24
"Wie sind den in anderen Hospitzen die Aufnahmebedingungen? "

Bitte frage dazu einfach im nächstliegendem Hospiz. Eine Aufnahme erfolgt immer nach individuellem Vorgespräch.

"In wieweit werden sterbende Kinder in den Hospitzen begleitet?"

Ambulant übernimmt fast jeder Hospizdienst die Begleitung - meist durch besonders vorbereitete Hospizhelfer.

In ganz Deutschland gibt es allerdings nur das eine stationäre Kinderhospiz in Olpe.

Neu dazu kommt das http://www.kinderhospiz-löwenherz.de/

Kinderhospiz Löwenherz
Schützenstr. 17, 27232 Sulingen
Tel. 04271/952972

das im April 2002 Baubeginn in SYKE (NAEHE BREMEN) - Niedersachsen hat und 2003 im April fertig sein soll.

Bisher werden Kinder (selten) in den "Erwachsenen" Hospizen mit max. einer Begleitperson aufgenommen.

Bei Kindern ist die Finanzierung noch (maximal) schwerer. Das Kinderhospiz Löwenherz braucht z.B. rund 3 MIO. DM zum bauen -ausschließlich aus Spenden !!!!!!!!!!!

Grüße

Ulrich Sündermann
22.11.2001, 08:13
ICH DANKE ALLEN,DIE MITGELESEN, MITGEREDET; GEMAILT ODER GESCHRIEBEN HABEN.

MEHR UND NEUE INFOS UNTER

Niedersachsen http://www.hospiz-nds.de

Bundesweit http://www.hospiz.net

"Wer seinen Horizont erweitert, verkleinert den Himmel" - Nikolausz Günther Nakszynski - besser bekannt als Klaus Kinski.

Tina
26.11.2001, 14:50
Ich finde es eine Schweinerei wenn alte oder schwerkranke Menschen einfach in heime abgeschoben werden , nur um keine arbeit mit ihnen zu haben.
mein Oma lebte schon seit 20 Jahren bei meinen Eltern und mir.Als sie vor 7 Jahren nach einem Schlaganfallnicht mehr bei vollem Bewusstsein war (aber noch mit Hilfe gehen konnte) . Verlegten wir ihr Zimmer ins Erdgeschoss( Ausgestattet mit einem teil ihrer alten möbel und einem neuen Krankenbett) Obwohl sie sehr viel Arbeit machte und es manchmal schon anstrenngend war (vorallem wenn eine Freundin da war und man jede viertelstunde nach ihr sehen musste und sie evtl. zur toilette bringen oder füttern musste) aber sie war doch da. Als sie 3 Jahre später nach einem Schlaganfall nicht mehr aufstehen konnte und vollkommen auf die hilfe andererer angewiesen war wurde es noch schwieriger aber wir haben sie bis zum Ende zuhause gepflegt. Sie hatte immer Menschen um sich .Und kurz bevor sie starb war gerade nochmal die ganze Familie bei ihr drehte sie ihren Kopf zu uns lächelte uns an drehte sich zurück und Schlief ein.
Ich finde das ist ein würdiger Abschied für alle.

Ulrich Sündermann
26.11.2001, 15:40
Danke

Ich würde es nicht anders machen.

Pascal
28.11.2001, 10:02
Auch wenn ich nicht unbedingt Herr Sündermanns Meinung uneingeschrenkt teile, wie man auch bemerkt haben dürfte, so finde ich Tinas Beitrag trotzdem sehr gut und halte ihn für einen guten Denkanstoß.
Ändert aber nix an meiner Meinung, da es nicht direkt um den Streitpunkt aktive, passive sterbehilfe geht.

xxxxmr
29.11.2001, 08:57
Hi Tina !
Ähnliches habe ich mit meinem Daddy durchgemacht (allerdings wg Krebs) ! Das war eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Leben und das bringt einem mehr als (naja, sagen wir mal) 4 Jahre Studium !!! Und es ist ein supergutes Gefühl, findest Du nicht ?!
Neben dem Studium arbeite ich noch im Rettungsdienst und inner Notaufnahme ... und hab schon mit einigen Angehörigen von Patienten über das Thema gesprochen. Da muß man nen starken Buckel haben, bei den "Ausreden", die einem da an den Kopf geworfen werden !!!
Wichtig ist meiner Meinung nach, Tina, daß Du Deine Erfahrungen vielen Leuten mitteilst ! Vielleicht verlieren die dann die Angst vor dem Tod und vor dem Begleiten eines Sterbenden !
Gruß
Jens