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BieneMaja
21.02.2004, 09:28
Hallo,

habt Ihr Euch schonmal bei Eurer Arbeit im Krankenhaus etc. mit potentiell infektiösen Gegenständen verletzt?
Wie gross sind die Gefahren, sich dabei HIV oder Hep C einzufangen?

Ich hatte mir dazu so ziemlich gar keine Gedanken gemacht...und dann ist es mir passiert: ich habe mich mit einer Nadel in den Finger gestochen:-( Mir haben zwar alle gesagt, dass Risiko, sich dabei z.B mit HIV anzustecken wäre fast 0%, aber mir geht´s trotzdem mies. Der Patient ist ein 75 Jähriger Mann...von dem man zumindest nicht weiss, dass er HiV pos oder Hep C hat...

Wäre nett, mal Eure Meinung zu diesem Thema zu hören. In der Suchfunktion habe ich nämlich nichts gefunden!

Ach ja, nochwas: ich habe gelesen, dass es Menschen gibt, die erst nach mehrerern Jahren Antikörper gegen HIV bilden...dann kann man doch nach 3 Monaten gar nicht sicher sein, wenn das Ergebnis negativ ist, oder habe ich da einen Verständnisfehler????

LG,
die BieneMaja

Lisa
21.02.2004, 09:52
Wenn's dich so beunruhigt, geh zum Betriebsarzt.

Da vom Patienten weder HIV noch Hep bekannt ist, kannst du dich zurücklehnen. NIEMAND würde in so einem Fall eine medikamentöse Prophylaxe empfehlen oder auch nur anbieten, weil die Chance einer Infektion quasi schwindend gering ist.

Aber zu deiner Beruhigung kannst du ja ne Serologie machen lassen.



PS: Ich hab's bisher ein einziges Mal geschafft, mir eine Nadel in den Finger zu rammen. Kurzer Herzstolperer...und dann: Ui, war mein eigenes Blut, mit dem ich gerade im Labor gepanscht hatte. :-D Glück im Unglück, zumal ich sonst viel mit HepC-Blut arbeite.
Sieht aber verdammt martialisch aus, wenn ein Handschuhfinger voll Blut läuft..

Faust601
21.02.2004, 10:31
Ich hatte das Thema diese Woche erst in der Virologie.
Das Risiko einer Ansteckung, selbst wenn ein Patient nachweislich HIV oder HCV trägt, ist enorm gering. Für HIV gerade einmal 0,3 %.
Und da ältere Herren nicht unbedingt eine klassische Risikogruppe für HIV sind, kannst du dich eigentlich zurücklehnen.
Aber wie schon gesagt: Wenn du trotzdem Angst hast, geh zum Betriebsarzt. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Ich kann halbwegs nachvollziehen, wie du dich gerade fühlst. Ich hab mich auch mal mit einer Nadel gestochen. War zwar nur ein Insulin-Nädelchen, das ich mir nicht wirklich tief in den Finger gesteckt habe, aber meine Herzfrequenz hat sich da auch ein wenig gesteigert. Im Endeffekt war aber alles harmlos.

Sternchen983
21.02.2004, 11:47
Huhu BieneMaja,
ich kann deine Beunruhigung sehr sehr gut nachvollziehen.In meinem Pflegepraktikum hab ich mich selbst einmal an einer Nadel einer Thrombosespritze gestochen.Obwohl mich alle Schwestern beruhigt haben, da bei der Patientin(eine fast 80-jährige Frau), keine ansteckenden Krankheiten bekannt waren, war ich ziemlich am Ende und hätte nur noch heulen können.Ich war dann auch beim Betriebsarzt und hab mein Blut untersuchen lassen.ZUm Glück war alles ok und ich war echt erleichtert.
Aber der Tag, an dem das passiert war, war echt heftig für mich.Die Schwestern meinten alle nur:Ist nicht so schlimm, das ist uns auch schon passiert und Frau X hat nichts!Ich mußte mich trotzdem echt zusammenreißen, weil ich echt geschockt war.Das war der reinste Albtraum für mich.
ZUm Glück ist alles gut ausgegangen und jetzt hab ich mit der ganzen Sache abgeschlossen.
Liebe Grüsse von Sternchen

Turtle
21.02.2004, 11:49
Hab mich auch schon mal gestochen als ich Zeugs von nem ZVK weggeräumt habe. Ist ein scheiß Gefühl.
Du solltest auf jeden Fall zum Betriebsarzt gehen und den Unfall mußt du natürlich auch melden!
Aber: Du hast Faust´s Posting ja gelesen und ich habe das Virologie-Skript auch: bisher sind in Deutschland nur 48 Fälle beruflicher Ansteckung mit HIV bekannt. Und du siehst wieviele Leute sich hier melden, die sich schon gestochen haben.
Mit HCV ist die Ansteckungsgefahr zwar größer, aber wenn man die Infektion nachweisen kann und sie verzieht sich nicht von selbst nach einer gewissen Zeit, dann kann man mit Interferon eine Chronifizierung vermeiden. Gegen HBV bist du ja sicher geimpft. Und der Typ war 75!! Also alles in allem zwar $hit, aber ich würde mir keine großen Sorgen machen.

Viele Grüße

Sani
21.02.2004, 12:00
ich habs leider auch nicht mehr im Kopf, wie hoch die Ansteckungsgefahr ist.

Toi Toi Toi, ich hab mich bis etz nur wenige Male an Nadeln gestochen, aber die waren noch net am Patienten gewesen .... hab damit nur Medis aufgezogen (während der Fahrt) und dabei abgerutscht.

BieneMaja
21.02.2004, 12:42
Danke, Eure Beiträge beruhigen mich schon etwas...
Ich war sofort in der Ambulanz, das wurde als Unfall aufgenommen und mir wurde Blut abgenommen....;

trotzdem fand ich das alles irgenwie komisch, wie locker das anscheinend hingenommen wird, so nach dem Motto: ach, das passiert uns hier täglich, ist doch egal....?
Und niemand hat mir erklärt, wie das nun weitergeht...

Ich werde auf jeden Fall in 6 Wochen und 3 Monaten nochmal mein Blut untersuchen lassen!

hibbert
21.02.2004, 12:50
Hier ist auch noch was dazu:


http://www.thieme.de/viamedici/politik/artikel/hiv1.html


http://www.thieme.de/viamedici/politik/artikel/hiv2.html


Ich fand die ganz interessant.... :-top

Alles wird gut
21.02.2004, 16:15
Original geschrieben von BieneMaja
Ach ja, nochwas: ich habe gelesen, dass es Menschen gibt, die erst nach mehrerern Jahren Antikörper gegen HIV bilden...dann kann man doch nach 3 Monaten gar nicht sicher sein, wenn das Ergebnis negativ ist, oder habe ich da einen Verständnisfehler????

LG,
die BieneMaja

Das hast Du schon richtig verstanden... die Antikörper kann man erst teilweise sehr spät nachweisen.
Eine PCR zum Nachweis von viraler DNA kann man allerdings schon früheren Zeitpunkts machen. Die wird aber, glaub ich, nicht standardmässig gemacht, sondern für gewöhnlich erst zur Validierung, wenn der ELISA positiv war.

katja82
22.02.2004, 21:38
hab auch nochmal eine frage: wie sicher sind denn eigentlich die handschuhe, die wir tragen?? da geht doch sicher auch was durch oder????? (ich meine mich zu erinnern, dass mir das mal gesagt wurde)

liebe grüße

Lisa
22.02.2004, 21:45
Original geschrieben von katja82
hab auch nochmal eine frage: wie sicher sind denn eigentlich die handschuhe, die wir tragen?? da geht doch sicher auch was durch oder????? (ich meine mich zu erinnern, dass mir das mal gesagt wurde)liebe grüße Mit Loch drin ist schlecht...

hibbert
22.02.2004, 21:53
Waren die nicht zu 99% dicht? :-))

Pünktchen
22.02.2004, 22:03
oh... da streu ich doch mal Zweifel ein....auch letzten Sommer Gyn-Famulatur....ging es um die latexfreien Handschuhe *glaub* und da meinten die Schwestern und auch ne Ärztin, daß doch einige Handschuhe Blut durchlassen...fragt mich nicht wie und warum, aber soetwas scheint es zu geben...

@lisa
nein da war kein Loch drin...

BieneMaja
23.02.2004, 09:14
Aber wenn Blut auf die Hand kommt, ohne dass man sich verletzt, ist das doch nicht so schlimm, als wenn man sich sticht, oder?

Um sich z.B. mit HIV anzustecken muss ja eine infektiöse Substanz entweder auf Schleimhäute oder klaffende Wunden kommen, meine ich...

und wenn das Risiko schon beim "stechen" nur 0,3% ist, dann muss es ja bei durchlässigen Handschuhen wirklich gleich 0 sein....hoffe ich.
Aber wir müssen uns eh alle darüber im Klaren sein, dass wir uns täglich mit fiesen Sachen anstecken könnten...

Als ich will auf jeden Fall nix Chirurgisches machen, da schneide ich mich bestimmt dauernd:-))))))

Alles wird gut
23.02.2004, 10:06
Die wenigsten Erreger können über die intakte Haut hinweg gefährlich werden. Gerade Viren sind ja auch eher "passive" Zeitgenossen und produzieren keine Kollagenasen, Elastasen oder sonstige Asen um irgendwo durch zu stoßen. Wenn man aber in der vermeindlich gesunden Haut irgendwelche Mikrotraumen hat, dann sieht die Sache schon anders aus...
Und gerade jetzt in der kalten Jahreszeit bei chronischem Sterilium-Abusus reisst die Haut schnell mal ein.

Pünktchen
23.02.2004, 11:00
Also ich finde es nicht gut wenn man denkt, och ich zieh mir nen Handschuh an, da kann nichts passieren :-(( und auch wenn das Risiko gegen null geht, sollte man das wissen...

Rissige Hände oder verletzte Haut haben manche halt öfters.

Aber trotzdem mindert das Tragen von Handschuhen das Risiko sich HIV, HCV, HBV! u.a. zu infizieren.


Achja hauptsächlich gehts ja auch nicht um die Ansteckung mit HIV, sondern eher um die Ansteckungsgefahr mit HBV die beträgt nach einer Stichverletzung 10-30%, aber deswegen gibt es ja auch schließlich nen vorgeschriebenen Impfschutz.

eltje
23.02.2004, 11:00
Moinsen,
na, nicht nur die Chirurgen können sich was wegholen, wir in der Akutpsychiatrie z.B. haben viel mit infizierten Patienten zu tun.
Das Procedere bei einer Stichverletzung mit einer infizierten Nadel ist wohl überall gleich: SOFORT melden, zum Durchgangsarzt ( meist die Ambulanz) und Betriebsarzt - Serologie in den entsprechenden Abständen abnehmen lassen, dann geht es weiter in die nächstgelegene HiV- Ambulanz ( oft kennen die sogar die Patienten, bei dem man sich evtl angesteckt haben könnte), dort bekommt man eine Beratung zum Thema "Postexpositionsprophylaxe", bei Stichverletzungen mit infizierten Material sollte man sofort mit der Prophylaxe loslegen. Dann muss man schauen, wie hoch die Viruslast bei dem betroffenen Patienten ist, danach richtet sich die Dauer der Medikamenten Einnahme ( meist sag man jedoch so vier Wochen) und auch die Ansteckungswahrscheinlichkeit.
Bei HepC ist leider die Ansteckungsgefahr sehr viel höher und man hat auch keine Maßnahmen, die man dann einleiten könnte.
Bei Schnitt - oder anderen kleineren Verletzungen liegt die Ansteckungswahrscheinlichkeit für HiV und auch HepC im Promillebereich.
Wichtig ist aber ... sofort tätig zu werden und nicht erst ein, zwei Tage später .. allein, damit es als BG- lich anerkannt weden kann !!

lieben Gruß
eltje

Pünktchen
23.02.2004, 11:05
Da fällt mir ein das es Ärzte, ausgenommen die die ständig damit zu tun haben, und Schwestern gibt, die noch nie was von einer PostexpositionsProphlaxe gehört haben. Das finde ich traurig.

Lisa
23.02.2004, 11:31
Allerdings ist vielen auch nicht wirklich klar, was diese Expositionsprophylaxe eigentlich bedeutet. Das ist ein Medikamentencocktail, der erstens einigermaßen unberechenbar ist, weil er immerwieder ziemlich überstürzt nach dem Stand der Forschung in seiner Zusammensetzung aktualisiert wird, und zweitens dazu verhilft, spätestens ab der dritten Woche nur noch reiernd überm Klo zu hängen. Arbeitsfähig ist man dann wohl kaum noch.
Das ist eine ordentliche Tortur, deren Indikation wirklich anständig abgewogen sein sollte.

Pünktchen
23.02.2004, 11:39
ist mir klar...aber wer es nicht weiß, wird sich aus Scham manchmal nicht sofort melden, auch wenn er weiß, daß der Patient HIV positiv war und eine mögliche Infektion besteht. Es gibt doch nen Zeitfenster für ne PostExP und wenn man das aus Unwissenheit verpasst, finde ich das nicht so dolle.