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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fall 09/2004



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Pünktchen
03.06.2004, 13:05
Original geschrieben von Turnusknecht
...ob er "ein Pulverl zur Blutverdünnung" einnimmt...


:-? Ist interessant in welchen Zubereitungen es orale Anti-Koagulanzien gibt :-D gibt das nur in Österreich? ok ASS gibts ja neuerdings auch als Pulver...aber mit ner anderen Indikation :-)


*beitragzurvölkerverständigung*


Gruß
pünktchen :-)

Bille11
03.06.2004, 14:26
vielleicht ist mit "pulverl zur..." ja auch "medikament in jeder form zur..." gemeint...

stephi
03.06.2004, 17:10
mit pulverl ist jede Form gemeint....jaja...wir Österreicher sollten uns doch manchmal deutlicher ausdrücken, oder? :)

Also dann, Baba!

Turnusknecht
04.06.2004, 09:27
Ja, damit ihr nicht nur was über Neuro lernt, sondern wir bringen Euch multimedial-digital die Erhebung der Anamnese in einer fremden Sprache näher.......heute ist österreichisch dran. :-D


Also, gerade die einfachen, älteren Leute, meist noch dazu vom Lande haben keine Ahnung daß sie "oral antikoaguliert" werden.

Aber die meisten wissen oder geben an, daß "ihr Blut verdünnt" wird. Und daß sie dazu "Pulverl" (Medikament, Tablette, sonstwas) nehmen und zum "Dokta" regelmäßig gehen müssen. Ob das jetzt "ThromboASS", "Macoumar" oder "Sintrom" heißt, wissen sie natürlich wieder nicht.

Beispiel:
Mein Opa klagte immer, daß er wegen dem "Schei**-Pulverl" dauernd so lang "schweißen" muss (=bluten, war a alter "Jaga", da Opa *gg*), wenn er sie beim Rasieren schneidet. :-)) :-))

Wie sagen bei Euch die älteren Leute dazu? ;-)

Aber wir gehen leider vom Thema ab.......

hiddl
04.06.2004, 12:03
Hihi, Pulver nimmt er nicht ein...
und der internistische Status - nun ja, ich bin ja Neurologe... :-blush ... wir schreiten also zum äußersten und fühlen den Puls: rhythmisch! Juchu! Frequenz so um die 70 (ich bin so schlecht im Kopfrechnen) dann horchen wir mal kurz auf's Herz: klingt ganz gut aus unserem Laien-Stethoskop. Die Lunge ist vielleicht ein bißchen hypersonor, aber ansonsten nix, was uns dazu bringt, einen Internisten zu bemühen. ;-) Blutdruck an beiden Armen etwa 170/90.

Der Patient hängt also immer noch im CT, die MTA ist schon leicht genervt, weil er eine Liege blockiert und die blöde Neurologin die ganze Zeit im Weg rumsteht und mit ihrem Oberarzt quatscht. Ich finde die Entscheidung, den Patienten mal auf eine vernünftie Station zu verbringen ganz gut. Stellt sich die Frage welche: Gegen stroke-unit spricht ein bißchen, daß wir dort a) immer nur so wenig Betten haben und b) daß das ganze ja schon über 24 h her ist und damit definitionsgemäß nicht mehr frisch ist.

Wir gucken uns also mal kurz die Gefäße im Ultraschall an finden :-( eine hochgradige Carotisstenose auf der rechten und einen Carotisverschluß auf der linken Seite. Der Rest ist arteriosklerotisch verändert, aber keine höhergradigen Stenosen. Das ganze erklärt aber den hämodynamischen Infarkt, der ja im Gegensatz zum embolischen Infarkt wirklich durch ein "letzte Wiese" Phänomen verursacht wird. (Und nicht besonders häufig ist). Wir verfrachten den Patienten also doch mal lieber auf die Stroke-unit.

Blut hatten wir natürlich in der Notaufnahme schon abgenommen, ich hab's ehrlich gesagt nicht so genau im Kopf, aber auf jeden Fall nichts weltbewegendes, was uns Sorgen machen müßte.

Und nu? :-D

Pünktchen
04.06.2004, 12:51
Kurze Zwischenfrage:
wie sieht denn ein hämodynamischer Infarkt im CT aus?

Bille11
05.06.2004, 10:39
*lach*

cool, hier lernt man jetzt also schweizerisch und österreichisch... :-)

(das erweitert meinen aus christine nöstlingerbüchern gesammelten wortschatz ganz ungemein.. :-)))))

lala
05.06.2004, 11:05
Hmmm...der Infarkt ist bereits demarkiert und die linke ACI zu....
Da nützt auch ne Früh-OP nun nichts mehr :-)
Da aber wohl von rechts trotz hochgradiger (asymptomatischer) Stenose noch genug ankommt: schön überwachen und den Druck hochhalten und hoffen dass der Infarkt nicht sooo groß ist und dass die rechte ACI erstmal offen bleibt ....
Wenn Patient stabil ist möglichst bald Carotis-OP rechts anstreben da er die Kollateralen wohl brauchen wird ;-)

Pünktchen
05.06.2004, 11:09
wieso ne Carotis OP rechts und nicht links? Schließlich ist links doch komplett zu... :-((

Bille11
05.06.2004, 12:20
vielleicht, da kollateralen (laut lala) und dann via a. basilaris eine umgehung der stenosierten stelle der a. carotis (interna???) möglich ist, das führt zu einer stärkeren belastung der basilaris und der carotis interna kontralateral, diese müssen dann "vernünftig designt" sein.. *vermutungen anstell* :-?

lala
05.06.2004, 12:41
Na Punkt links ist doch dicht jetzt, d.h. da ist die Ischämie da, die machste nicht mehr rückgängig und die wird nun auch nicht mehr schlimmer (also die Ischämie nicht - das Ödem kann natürlich trotzdem noch Probleme machen!). Wenn Du da jetzt plötzlich "auf" machst fließt da ganz plötzlich wieder volles Rohr Blut rein und Du riskierst eine ordentliche Einblutung in das frisch infarzierte Gewebe (Reperfusiontrauma).
Von daher jetzt retten was noch zu retten ist -nämlich die kontralaterale Seite weil (u.a.)von da aus kollateralisiert werden muss. Natürlich vorher Doppler machen inkl. Carotisdruckversuch :-)

Faust601
05.06.2004, 12:44
Original geschrieben von Pünktchen
wieso ne Carotis OP rechts und nicht links? Schließlich ist links doch komplett zu... :-((
Ich weiß es! *freu* Hatte nämlich gerade erst Gefäßchirurgie.

Einen vollständigen Verschluss kannst du grundsätzlich nicht operieren, es sei denn er ist wirklich erstwenige Minuten alt.

Bei einem vollständigen Verschluss der ACI hast du distal bis zum nächsten Kollateralzufluss eine stehende Blutsäule. Und die thrombosiert dir natürlich.

Der nächste Zufluss ist die A. ophthalmica und die befindet sich nunmal innerhalb des Schädels.

Diese gesamte Strecke (man bedenke auch die Biegungen) kann man völlig unmöglich leerräumen.

Fazit: Eine selbst 99 %-ige Stenose ist prinzipiell operabel, sobald das Gefäß aber vollständig dicht ist, ist aus mit OP.