Feuerblick
02.06.2004, 20:52
Die Wirkdauer war es, die mich so stutzig gemacht hat. Denn wenn ich mich recht erinnere, schrieb Älgen was von 1 1/2 Stunden später. Das allerdings wäre für Narcanti (schon gar in dieser Minidosierung, oder hast du den Rest der Ampulle auch noch reingespritzt, Elch?) ein wenig zu spät, oder? Ich kenne für Narcanti eine angepeilte Wirkdauer von max. 1 Stunde... Daher mein Grübeln.
Drogenscreening würde ich jetzt aber wirklich haben wollen - mitten in der Nacht hin oder her! Wer weiß, was der Knabe noch so alles intus hat...
Tja - Lehrbuch & die Realität ...
@ Punkt: Pupillen recht klein, aber noch normal, "Eingeborener" hier in S, keine bekannten kirminellen Aktivetäten, kein Sturz/Trauma in der Anamnese. War aber auch nicht das Problem.
Er hatte wirklich nur 0,12 mg Naloxon bekommen beim ersten Mal & Drogenscreening werde ich hier wie gesagt außer dem Teststreifen nicht bekommen - wollte es auch nicht in dem Fall. Wollte allerdings definitiv wissen, ob's wirklich nur 'ne Intox war & hab' ihn nicht intubiert (war ja gut zu beatmen, schwer zu intubieren & nach der Magenspülung definitiv nüchtern ...) sondern ihm halt nochmal 'ne Ampulle (diesmal die ganze ...) Naloxon verpasst i.v. & als der Herr nach 'ner halben (hab' diesmal schneller gesprizt ...) wieder die Augen aufschlug gab's dann gleich noch eine s.c. hinterher.
Was das mit den "Wirkzeiten" angeht sind das in der Regel die Halbwertszeiten, was ja nunmal nur besagt, daß die Konzentration auf die Hälfte abgesunken ist & NICHT, dass mit einem Schlag die komplette Wirkung weg ist. & auch die Konzentration des Opioids fällt kontinuierlich ab. Wenn Naloxon schneller abgebaut wird, was bei den meisten Präparaten im ambulanten Bereich (ausser Fentayl & Co ...) der Fall ist, bzw die Konzentration des Opioids anfänglich so hoch war, dass auch eine (u.U. mehrfache) Halbierung der Menge noch für eine Atemsuppression ausreichen, übersteigt die agonistische Wirkung langsam wieder die antagonistische, was dann zu einer langsamen Eintrübung/Abnahme der Atmung fürt; dieses endet dann wiederum irgendwann im Atemstillstand, was durch die CO2-Retention (durch die sich ja verstärkende AmtemDEPRESSION) verstärkt wird.
Soviel zu Lehrburchwerten & Naloxon & der Tatsache, dass er 1,5 Stunden gebraucht hat, um wieder mit dem Atmen aufzuhören.
Weiter hab' ich den Patienten dann, als er wieder vollständig wach war erstmal nach allen Regeln der ärztlichen Kunst zur Schnecke gemacht & aus ihm herauslocken können, dass er doch noch ein heimliches Döschen hätte, von dem seine Frau nix wüsste & welches mit Methadon gefüllt sei, wovon er am Vorabend 2 Tbl genommen hätte; er gab' nach mehr Druck 2 weitere Tbl am Vorabend zu - wie viel Es letzendlich wirklich war haben wir nie erfahren.
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