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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Arbeit an Leichen



schwachbrust
10.06.2004, 18:34
hi ihr zahnis,
ich habe mal eine frage die warscheinlich viele angehende studenten der zahnmedizin interessiert :
muss man während des studiums an leichen arbeiten oder gibt es da nicht irgendwelche neuen methoden?? was muss man mit den leichen denn alles so machen und wie lange dauert diese phase und wann steht das während des studiums an?? außerdem würde mich interessieren wie viele studenten an einem toten menschen praktizieren (oder nur der professor???) ich würde mich freuen wenn möglichst viele leute ihre erfahrungen mitteilen vielen dank schwachi

THawk
10.06.2004, 18:52
Hallo,

bei uns arbeiten die Zahnis ganz normal im Präpkurs (hier 2. Semester) an der Leiche mit. Pro Leiche sind 4 Zahnis eingeteilt und präparieren zusammen den Bereich Kopf / Hals.
Geprüft werden sie aber auch zu den anderen Themengebieten, sodass ihnen die Auseinandersetzung mit dem restlichen Körper auch nicht "erspart" bleibt.
Professoren / studentische Tutoren stehen nur für Fragen und Probleme zur Verfügung, das praktische Arbeiten muss natürlich von den Studenten selbst gemacht werden.

Aber mach dich mal nicht allzu bange darum - am Anfang ist es sicherlich erst selbtsam, aber nach einigen Wochen ist es auch für die KommilitonInnen ganz normal geworden an der Leiche zu arbeiten, die vorher große Angst davor hatten.


Lars

PhilippeD
10.06.2004, 22:23
Das mit der "Gesamtleiche" ist zwar im Präpkurs sowas neues....aber die derzeitige Approbationsordnung regelt im Physikum, daß hier nicht alles geprüft werden darf !!!! :-dafür

Aber juristisch ist das alles nicht haltbar, denn auch die Kursinhalte müssen sich auf unsere Approbationsordnung stützen können. Eine neue Ordnung ist offiziell noch nicht verabschiedet.

Bleibt abzuwarten......ich studiere glücklicherwiese noch nach der alten Ordnung weiter. :-)

schwachbrust
11.06.2004, 00:25
cool danke für die antworten,

aber was müsst ihr da genau machen/lernen kann es mir irgendwie nicht vorstellen beschreibt mal genauer was ihr da machen müsst muss man da auch das gehirn/auge/ohr etc. auseinanderschneiden ... natürlich mundbereich auch aber wenn man da alles zerscheidet ..was passiert später mit der leiche?? wie sehen die klausuren dann aus und die leichen müssen doch irgendwie vor dem verwesen geschützt werden ...wie läuft das ??
würde mich über ein paar ausführliche antworten freuen

vielen dank

Smibo
11.06.2004, 13:57
In Bonn ist es so, dass wir etwa 8Studenten an einer Leiche arbeiten, aber dafür machen wir jede einzelne Präparation selbständig. D.h. einige arbeiten am Kopf, die anderen an der Brust und die restlichen am Bauch (ich glaub jetzt auch an den Extremitäten)

Man muss einzelne Regionen freipräparieren und z.B. Nerven und Blutgefäße darstellen oder einzelne Organe, Muskeln oder Faszien. Z.T. eröffnet man auch einzelne Organe um ihr inneres zu studieren. Das macht man vorallem beim Herz und am Gehirn bzw. Lunge.

Es hört sich alles ziemlich makaber an, aber innerhalb von 2Kurstagen wirst du nicht mehr daran denken, dass es eine Leiche ist sondern wirst eher denken wie du die ganze Lernerei hinbekommst.

In Bonn wird man direkt an der Leiche mündlich geprüft. Der Prof stellt fragen wie: "Welcher Nerv innerviert den M.sternocleidomastoideus" oder man muss einige Strukturen vorzeigen und etwas zu erzählen.

Das gruselige an Anatomie sind nicht die Toten sondern der Stoff den du innerhalb von so einer kurzer Zeit auswendig lernen musst.

Smibo
11.06.2004, 13:59
Ps: die Leichen werden mit Formalin frisch gehalten. Das ist auch der typische Geruch vom Präpsaal und leider reizt Formalin die Schleimhäute und die Augen andauernd.

THawk
11.06.2004, 15:26
Das ist bei uns genauso.
Geprüft wird mündlich an der Leiche, entweder alleine oder in Gruppe mit bis zu 8 Leuten (meist aber maximal mit 2 oder 4 gleichzeitig). Wie du genau vorzugehen hast steht in einem Skript. Natürlich kennt man am Anfang nicht die Strukturen, die du freipräparieren sollst, dafür musst du dich dann mit nem Atlas vorbereiten. Allerdings ist natürlich nicht immer das Präpariergebiet auch das Prüfgebiet (z.B. präparierst du den Fuß, wirst aber zum Bauchsitus geprüft).

Ergänzung: Die Leichen werden nach den letzten Prüfungen im Krematorium verbrannt und dann (zumindest hier in DD) im Zuge einer Trauerfeier von uns Studenten mit den Angehörigen in einem großen Grab der Fakultät auf dem öffentlichen Friedhof bestattet. Dafür werden während der Präparation alle Sachen, die man von der Leiche entfernt (Fett, Haut...) gesammelt und nachher mit der Leiche verbrannt.

sunshiny
15.06.2004, 14:57
Meine Frage ist: Wie viele Semester muss man denn den Präpkurs belegen, d.h. an Leichen arbeiten? Ich habe wirklich totale Angst davor, will Zahnmedizin aber trotzdem studieren... :( Dachte von dem Präpkurs sind nur Mediziner betroffen...

Hellequin
15.06.2004, 15:56
Original geschrieben von sunshiny
Dachte von dem Präpkurs sind nur Mediziner betroffen...
Es sind ja auch nur Mediziner davon betroffen: Zahnmediziner und Humanmediziner! ;-)


Meine Frage ist: Wie viele Semester muss man denn den Präpkurs belegen, d.h. an Leichen arbeiten?
Das hängt von der jeweiligen Uni ab, an einigen Unis geht der Präpkurs über 1 Semester, an anderen über 2 Semester. Die Nettostundenzahl ist aber in etwa gleich.


Ich habe wirklich totale Angst davor, will Zahnmedizin aber trotzdem studieren...
Es ist bei weitem nicht so schlimm wie man vorher denkt!!

Und Smibo hat schon recht mit seiner Aussage:

Das gruselige an Anatomie sind nicht die Toten sondern der Stoff den du innerhalb von so einer kurzer Zeit auswendig lernen musst. :-)) :-))

Canini
17.06.2004, 22:58
Präpariert wird zu acht an einem Körper. Der Kopf wird dabei 2 Zahnis zugeteilt.
Die Leichen sind in Köln mit Formalin haltbar gemacht. Das riecht leider unangenehm. Das Gewebe fühlt sich dadurch viel fester/derber an.
Das Auge wird nicht zerschnitten. Auch die Augenlider bleiben bis kurz vor Kursende unangetastet. Dadurch und durch das andere "Anfassgefühl", hat man das Gefühl an einer Puppe zu arbeiten.
Die Leichen werden in Köln nach Beendigung des Kurses eingeäschert. Zusammen mit den Verwandten und den Studenten findet am Ende des Kurses ein Abschiedsgottesdienst für die Verstorbenen statt.
:-blush