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Slim
20.02.2002, 06:27
cool argumentiert, Simon, Hut ab!

Diese Aussage 'laß es lieber sein' habe ich auch immer wieder gehört, oft genug habe ich (oder auch Kommilitonen) nicht mal danach gefragt...
Während des Blockpraktikums mußten ein Freund von mir und ich uns unaufgefordert anhören: Schon wieder ein paar Figuren, die für die Arbeitslosigkeit studieren!

oder

'unsere Abteilung ist ein Pavianfelsen - der Chef scharrt die Weibchen um sich (15!!!!) und wir Männer (3 außer Chef) bekommen ab und zu einen Biss in den A.....'

oder

'wenn Sie bei uns anfangen, stehen sie von 7-16 Uhr im OP, anschließend muß natülich noch die Stationsarbeit gemacht werden...'

und, und und.

Wohl gesagt - sog. akademische Lehrkrankenhäuser!

Gut, daß ich bis dahin schon reichlich famuliert hatte und auch andere Häuser kennengelernt hatte, sonst hätte ich vielleicht wirklich den Eindruck bekommen (an der Uni ist es auch nicht anders!), es gäbe nix anderes...

Um es kurz zu machen: Ich hab mich auf die Diskussion eingelassen, bzw. eine richtig fette angezettelt. Auf meine Frage, die Herren OÄ denn glaubten, mit solchen Aussagen könne man noch jemanden für diesen Job motivieren, kam nichts als verlegenes Gestammel.

Soll heißen: Ich will mit daran arbeiten, daß Medizin wieder ein Traumberuf wird, zumindest soll es dieser für mich sein!

Wenn Du nun Gesundheitsökonomie studierst, dann vergiß und arme Racker wenigtens in Zukunft nicht, denn der Hebel muß an mehreren Stellen gelichzeitig angesetzt werden, fast alle Bereiche kränkeln - Ausbildung und Studium, Behandlungsqualität, Wirtschaftlichkeit und Arbeitszeit des Personals, vor allem der Ärzte!

Solange diskutiert wird, tut sich auch was!

In diesem Sinne!
Slim

xxxxmr
20.02.2002, 07:47
Leider, lieber Simon, muß ich Dich auch in diesem Argument enttäuschen: Ich habe auch schon die "bittere" Erfahrung eines Studium-Abbruchs gemacht , weil ich zunächst was anderes studiert ... allerdings weil ich glaubte mich damit abfinden zu müssen, daß ich mit meinem Abi-Schnitt 3,x) sowieso nie einen Platz kriegen würde ... Also hab ich erstmal was anderes angefangen bis ich dann nach drei-vier Semester gemerkt hab, daß es das nicht ist und ich - koste es was es will - auf jeden Fall Medizin studieren will.

Hauptberuflich und nebenher arbeitend hab ich mich auch mit den damaligen Ärzten (vor allem den Assistenten) unterhalten und auch die haben mir geraten (zur damaligen Zeit, wohlgemerkt !!!) "lern lieber was gscheites" usw. . Aus deren Sicht auch verständlich - heute siehts ganz anders aus. Unterhalte ich mich heute (beimNebenjob im Klinikum) mit Ärzten, sieht die Antwort ganz anders aus ...
Und das liegt im wesentlichen daran, daß sich a) an den Rahmenbedingungen was geändert hat (durch ein gewisses EuGh-Urteil) und daß seitdem immer mehr Ärzte aufmucken !!!

Klar: Physik, Chemie und die ganzen anderen hochinteressanten und -wichtigen Fächer der Vorklinik (einige sind aber sehrwohl wichtig!)... das sind Fächer die jeden Foppen und auch abschrecken (sollen) ... was ja bei Dir anscheinend auch gewirkt hat. Und wenn einer sagt, daß es ihm das nicht Wert ist -> eines jeen guten Recht ! Aber: Dann hat der Ehrgeiz, der Biß (oder vielleicht einfach nur der Durchblick ?) gefehlt, sich darauf einzulassen ... und vielleicht ist Medizin dann vielleicht doch nicht das richtige ? Es ist nu halt mal mehr als die anderen Berufe "im Gesundheitswesen" - wobei ich diese Berufsgattungen gar nicht hoch genug schätzen kann ! Im Gesundheitswesen habe ich vor (fast) allen Respekt, insbesondere von Krankenpflegepersonal, Rettungsdienst, Physiotherapeuten, Hausmeister etc. bis hin zum krankenhauseigenen "Müllmann". Also mach Dir nix draus !

Gruß
Jens

Pascal
20.02.2002, 08:32
Original geschrieben von Unregistered
Ich habe mich dann eingehend mit Prognosen für die Zukunft beschäftigt und mich erneut mit Ärzten unterhalten. Tenor war folgender: Lass´es lieber sein, es lohnt sich auch für die Zukunft nicht!


Und genau da liegst du falsch. Du hast dich anscheinend nicht mit den aussichten und Prognosen für die Zukunft beschäftigt. Als ich Abi gemacht habe, und das ist mit 5 Jährchen auch nochnicht sooooo lange her. Haben immernoch alle geschriehen Medizin, Da wird man blos Arbeitslos. Genau das Gleiche für Lehrer. Tja, wenn man sich mal ein bischen genauer die Zahlen und Fakten angeguckt hat war damals schon lange absehbar, das das Blödsinn war. Klar vor fünf Jahren sah es auf dem Arbeitsmarkt schlecht aus. Aber alleine aus der Altersstruktur der Ärzteschaft und den Studienzahlen konnte man ersehen, daß sich das in den nächsten 5 bis 8 Jahren Grundlegend ändern würde. Das selbe bei den Lehrern. Konnte mich immer fast kringelig lachen wenn ich gehört habe Gymnasiallehrer da iß doch alles dicht. Klar wenn ich mir unser Lehrerkolegium angeguckt habe. Der Jüngste ist damals gerade 50 geworden. Die Schlußfolgerung aus solchen Fakten ist ganz einfach.

Was ich damit sagen will. Du magst die Aussage: "Aber es lohnt sich." Für unverständlich, naiv, dumm oder was auch immer zu halten. Ich persönlich halte es eher für naiv wegen Prognosen von Stern, Focus, Spiegel oder Arbeitsamt (besonders da hat man ja mal wieder gesehen wieviel die Wert sind) seine Berufsentscheidung zu treffen. Bei der Treffsicherheit die die beweisen, kann ich das leider nur als Populärwissenschaftlichen Müll bezeichnen. Das machen was einen interessiert muß heute für jeden der die Möglichkeit hat die Deviese sein. Und wenn ich schon irgendwelche Zahlen zu rate ziehe. Dann nimm heutige Fakten und möglichst grundlegende Zahlen und mach dir dein eigenes Bild. Das Problem ist, das unsere Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt nur noch ganz eingeschrenkt beurteilbar ist. Siehe IT Brance. Was da an Chrashs in den letzten zwei Jahren gelaufen ist ist ja nicht mehr feierlich. Aber auch da wirds sich wieder rappeln.

Fazit: Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.

xxxxmr
20.02.2002, 09:18
Original geschrieben von Pascal
Fazit: Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.

haste schon mit Deiner Doktorarbeit angefangen, oder wie ??? (grins)

Nix für ungut !

Jens

Pascal
20.02.2002, 10:02
Nee. Noch nicht. Schieb ich irgendwie vor mir her. Auch nicht so clever. Aber einen Monat vor dem 1. Stex such ich mir nu auch nix. Das muß dann doch noch warten.

Danach kümmere ich mich um meine Statistiken :-))

Schanni
22.02.2002, 23:52
Da gibt es schon Gründe:
1. Helfen
2. Interesse an Naturwissenschaft
3. Faszination Mensch
.
.
.

Außerdem, man muss ja nicht in Deutschland praktizieren. Man kann auch woanders hingehen, z.B. in die USA, auch wenn man dann die Prüfungen dort extra machen muss.

Also, wer Medizin studieren will, die Betonung liegt auf "will", der sollt's ruhig machen. Alle anderen, die das wegen Geld machen, würde ich es nicht empfehlen. Da würd ich eher ne Millionär heiraten. :-meinung

Casimir
25.02.2002, 13:00
Original geschrieben von Slim
Du hast vollkommen Recht:
Auf Dauer machen die derzeitigen Bedingungen selbst die größte Motivation kaputt - wenn es an die eigene Wäsche geht, ist es nicht mehr weit her mit der Hilfsbereitschaft für andere...

Aber:
Mediziner haben ein höheres Leidenspotential als andere, sie funktionieren auch dann noch, wenn zuhause die Familie sehnsüchtig auf dich wartet, aber gerade dann ein 90-jähriges Öhmchen ihren fünften Reapoplex schießt.

Sie tun sich diese merkwürdige Ausbildung an, um Nachts um halb drei von einem sturzbesoffenen Halbstarken aus dem Tiefschlaf gerissen zu werden, weil er sich im Suff das Knie aufgeschlagen hat und vor Schmerzen in deine Ambulanz kotzt...

Und dann gibt es da noch dieses einzigartige Lächeln Deines Patienten, den du mit wenigen Handgriffen vor dem Jenseits bewahrt hast - das hat leider keinen Wert in Deutschmark oder Euro...

Von 'antun' kann also nur die Rede sein, wenn die Gegenleistung die eigene Investition bei weitem übertrifft - wann ist also Deiner Meinung nach dieser Punkt erreicht?

Diese Gesellschaft lebt von einigen wenigen Extremen, Menschen die das tun, was so manch anderer nicht mal im Traum zu denken wagt, mehr als man in Währung gegenrechen kann, viel mehr, als man objektiv einfach nur beschreiben könnte -wie wär's mit
Liebe zu Beruf, einer Berufung?

Medizin ist lange keine Geldquelle mehr - ist es denn Dein Beruf,
oder: In welchem Job muß man sich nix antun???

Lass mal hören, bitte!

Slim


Also ich muß sagen das ich zu diesen oben zitierten nichts mehr hinzufügen kann!!! Auch wenn ich leider noch nicht studiere!!! Aber ich sehe das genau SO!!! Und mir geht es nicht um den Stautus oder die angeblich "große" Kohle!!! Weil die gibt es nicht mehr wirklich meiner Meinung nach!!!!! :-meinung :-meinung :-meinung

xxxxmr
25.02.2002, 13:50
Mir scheint, wir haben ihn überzeugt. Er schweigt !

Alsdenn ... auf ins nächste Forum ...
Gruß
Jens

Pascal
25.02.2002, 13:58
Mensch Jens deine Aktion findet echt Freunde.

25.02.2002, 20:48
@Casimir:

Dass Ärzte nicht viel verdienen haben wir hier schon vor Urzeiten geklärt, und wenn Du unsere Postings aufmerksam verfolgt hättest, dann hättest Du das auch mitbekommen.

Simon