Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Fahrenheit 9/11
Daß Bushs Politik äußerst fragwürdig ist brauchen wir ja wohl auch nicht zu diskutieren...
luckyblue
13.08.2004, 20:58
filmisch auch keine Meisterleistung nach jeder getroffenen Aussage eine Ablichtung eines Dokuments zu zeigen.
Das wäre wohl weder nötig noch wünschenswert. Ich zweifle auch nicht daran, dass Moore fleißig recherchiert hat und mit mehr Dokumenten aufwarten kann; zumal er ja eine Veröffentlichung derselben auf seiner Homepage angekündigt hat. Auch gegen Schwerpunktsetzung bei der Darstellung der Sachverhalte und eine eher tendenziöse Evaluation ist zunächst mal nichts auszusetzen. Moore will seinen Film schließlich erklärtermaßen weniger als Dokumentation, sondern eher als Kommentar verstanden wissen. Das ist sein gutes Recht, entbindet aber nicht von journalistischen Sorgfaltspflichten. Was mich hier stört, ist die Vermischung der Ebenen. Eine Unterscheidung zwischen Tatsachen, Tatsachenbehauptungen und Schlussfolgerungen ist kaum möglich. In der Dauerpräsenz des kommentierten Interviews zeigt sich hier wohl auch eine handwerkliche Schwäche.
Dass - wie Rico schon schrieb - ein Film sich auch am Potential des Themas muss messen lassen, entspricht meinem Standpunkt. Fraglich ist jedoch, ob Moore mit der Bevorzugung des Kommentars vor der Dokumentation dem Thema gerecht wird. Das bezweifle ich. Polarisierung ist zwar medienwirksam und erregt die Aufmerksamkeit der Masse, entkräftet aber die Argumente des Gegners wenig.
Moore wurde ja nicht den Demokraten engagiert, für die einen Wahlwerbespot zu drehen. Deshalb kann man Moore nicht vorwerfen, irgendwo versagt zu haben. Er wollte einen Film über Bush und seine Inkompetenz drehen und das hat er gemacht.Erklärtes Ziel Moores ist die Verhinderung der Wiederwahl Bush kraft des Films.
Wenn wir das Schaffen von Michael Moore mit dem politischen Film des letzten Jahrhunderts vergleichen, fällt er weit ab. Moore ist ein Polemiker, seine Werke sind plump, aggressiv, viel zu direkt und eingleisig. Falls Moore zum Denken anregt, dann nur in der Dimension, dass er Recht hat. Ob ein profilgieriger Egozentriker einen guten politischen Film drehen kann?
Man vergleiche mit Klassikern, mit Filmen, welche sich nicht als direkt politisch outeten und nicht auf die direkte Propaganda, Entlarvung oder Gegenpropaganda spielten, sondern durch überspitzte Darstellung der Realtität nachdenklich stimmten und den Zuschauer seiner eigenen Einstellung gegenüber zur Reflektion aufforderten. So beispielsweise Charlie Chaplins Diktator.
Ein Trost bleibt. Moore verliert extrem schnell an Aktualität. Schon in 20 Jahren wird sein Werk vergessen sein. Denn er ist nicht ein intellektueller Schaffer, er münzt - wie Bush - auf den raschen Erfolg.
luckyblue
15.08.2004, 00:43
Moore mag ein Polemiker sein, aber er ist nicht der einzige; auf dem Erdenrund im Allgemeinen und hier im Forum im Besonderen. Mir stellt sich die Frage, ob überhaupt jeder der hier anwesenden Diskutanten den Film gesehen hat. Falls nicht, ja - dann wäre ja jedes Wort der Kritik am Oeuvre Moores ziemlich leeres Geblubber. Schlimmer noch, es wäre Polemik. O Schmach und Schande.
Ob ein profilgieriger Egozentriker einen guten politischen Film drehen kann?
Zunächst mal die Frage: Ist Moore ein "profilgieriger Egozentriker". Sein Outfit - edler Zwirn aus einem Walmart-Shoppingzentrum, sein Schuhwerk - gammlige Turnschuhe mit abgelaufenem Profil; und sein Weltbild schustert er sich mit dem Lego-Baukasten seiner Tochter zusammen. Der Fall ist also auch ohne Expertise des US-amerikanischen Geheimdienst klar: Mr. Moore ist ein "profilgieriger Egozentriker". Andere Schlussfolgerungen lassen sich nicht ziehen. Jedenfalls nicht aus der Zusammenschau seiner Werke.
Wer den Drang hat, einen guten Job zu machen, ist nicht von vornherein blind für die Wirklichkeit. Ein Günter Wallraff (wenn er sich so schreibt) ist sicher auch nicht der Gralshüter der selbstdistanzierten Berichterstattung. Trotzdem wird man seinem Werk eine fundamentale politische Bedeutung nicht absprechen wollen. Stern-Gründer Henri Nannen postulierte als für den guten Journalismus konstitutives Kriterium das Vermögen des Journalisten, sich auch mit der "richtigen" Sache nicht gemein zu machen. Das klingt erst mal toll, so richtig nach objektiver Berichterstattung, trägt den Nimbus der Demokratie und so. In der Realität entpuppt sich dieser ANsatz jedoch schnell als Danaidenfass. Journalistische Arbeit ohne subjektive Implikationen ist überhaupt nicht möglich. Das ist ein fait accompli. Der aktuelle Erfolg der Webblogs (oder wie das heißt) als Nachrichten-Medium manifestiert dieses auch gerade: Offenbar befindet die User-Gemeinde den unverhohlenen Blickwinkel durch die Brille des INdividuums als für den politischen Meinungsbildungsprozess brauchbarer als die demokratisch aufpolierte Fassade der öffentlichen Mainstream-Medien.
Selbst wenn Moore wirklich ein profilsüchtiger Egozentriker wäre, dürfte dies nicht a priori einen guten Film konterkarieren.
Man vergleiche mit Klassikern, mit Filmen, welche sich nicht als direkt politisch outeten und nicht auf die direkte Propaganda, Entlarvung oder Gegenpropaganda spielten ...Dieser Ansatz führt doch zu nichts. Jeder gewissermaßen "belletristische" Film, egal ob nun Hollywood-Schmalz oder irgendeine Low-Budget-Produktion, hat auch eine politische Dimension. Manchmal gewollt, manchmal unbewusst. Dass ein "literarischer" Film eine Reflexion über gesellschaftliche Umstände evozieren kann, lässt sich nicht leugnen. Das ist dann jedoch keine Aufklärung, sondern eine Katharsis wie im griechischen Drama. Ein Dokumentarfilm zielt aber nicht auf eine Läuterung des Rezipienten, sondern auf eine Aufklärung von Sachverhalten. Niemand wird daher einen Roman oder ein Drama mit einer Dokumentation vergleichen wollen. Beide sind im Ansatz schließlich gänzlich verschieden. Man kann Moore nun wirklich nicht vorwerfen, dass er so etwas Ähnliches wie eine tendenziös kommentierte Dokumentation drehen und kein Remake von Chaplins "Diktator" auf Zelluloid bannen wollte. Das wäre ziemlich unredlich.
er ist nicht ein intellektueller Schaffer, er münzt - wie Bush - auf den raschen Erfolg.
Ein Anflug von Bush-Kritik aus deiner Feder? Es geschehen noch Zeichen und Wunder.:-stud
Mit wie viel intellektuellem Habitus darf ein irgendwie dem journalistischem Genre verhafteter Film daher kommen, wenn er sich am mentalen Equipment der Masse zu orientieren versucht? Insbesondere, wenn er die Masse wachrütteln will.
Dass Journalisten noch schneller vergessen sind als ihre Werke, ist traurig, aber wahr. Wen kümmert's.
Fazit:
Man kann die Methodik des Films getrost kritisieren. Aber Moores im weitesten Sinne journalistisch verwurzeltes Werk mit belletristisch determinierten Filmen (wie z. B. Chaplins "Der Diktator") vergleichen zu wollen, halte ich für einen falschen Ansatz.
Zunächst mal die Frage: Ist Moore ein "profilgieriger Egozentriker". Sein Outfit - edler Zwirn aus einem Walmart-Shoppingzentrum, sein Schuhwerk - gammlige Turnschuhe mit abgelaufenem Profil; und sein Weltbild schustert er sich mit dem Lego-Baukasten seiner Tochter zusammen. Der Fall ist also auch ohne Expertise des US-amerikanischen Geheimdienst klar: Mr. Moore ist ein "profilgieriger Egozentriker". Andere Schlussfolgerungen lassen sich nicht ziehen.
Kleider machen zwar Leute - aber die Diagnose des profilgierigen Egozentrik schlussfolgere ich nicht aus seiner Aufmache. Der Mann steht doch jedenfalls nur zugerne im Rampenlicht und gefällt sich ungemein in seiner Rolle als Provokateur (man erinnere sich an die zur Propaganda missbrauchten Oskar-Verleihung).
Die Niere
16.08.2004, 08:12
eine keine Randbemerkung:
http://www.gmx.net/de/themen/unterhaltung/film/news/351292,cc=000000182500003512921bX5P2.html
gruesse, die niere
orginal von GMX (http://www.gmx.net/de/themen/unterhaltung/film/news/351292,cc=000000182500003512921bX5P2.html)
Der Zeitung schrieb er aber, dass der Fehler "keinen Unterschied zur redaktionellen Aussage machtDas ist natürlich bezeichnend für Moores Verständnis von "dokumentarischer Wiedergabe" seiner recherchierten Artikel.
Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob der Aufmacher eines Leserbriefes (der ja per definitionem und per disclaimer nicht die Meinung der Redaktion wiederspiegeln muß) als Schlagzeile auf die Titelseite redigiert wird.
Die Titelseite ist ja weniger ein Ort für Leserbriefe und dort stehen für gewöhnlich Beiträge, die sehr wohl der redaktionellen Verantwortung der Zeitung unterliegen.
Moore legt hier der Redaktion seine Parolen in den Mund. Wen interessiert schon ein pissiger Leserbrief auf Seite 29? Aber der Aufmacher einer großen Tageszeitung... das hat Gewicht. :-dagegen
Die Niere
16.08.2004, 10:32
Da ich den Film ja leider noch nicht gesehen habe, wäre ich dankbar, wenn jemand einmal kurz den Zusammenhang bzgl. dieses "Aritkels" zusammenfassen könnte - vielen Dank.
gruesse, die niere
Mir fehlen die Worte.
Kann man diesen Film ernst nehmen oder ist das zu subjektiv aus der Sicht von M. M. ?
Ich bin wirklich geschockt.
Goldmarie84
01.11.2004, 21:08
Ich finde ihn auch erschreckend, aber meiner Meinung nach ist er auch etwas einseitig recherchiert... Da war Bowling for Columbine überzeugender...
Sidewinder
01.11.2004, 21:23
Also vorneweg muss ich mal sagen, dass ich nach der Hälfte abgeschaltet habe, was aber weniger am Film lag, als an den ewigen deutschen Untertiteln und dem Sprachenmischmasch, der da entstand...sowas stört mich einfach, deswegen werde ich mir den Film im Original holen und nochmal ansehen.
Zu dem was ich bisher gesehen habe kann ich nur recht subjektiv urteilen, da ich selbst erklärter Bush-Gegner bin und mir Michael Moores Argumente da natürlich entgegen kommen!
Trotzdem muss man sicherlich auch sagen, dass der Film erklärterweise darauf abzielt Bush schlecht aussehen zu lassen und deswegen natürlich schon vorweg nimmt, dass die Recherche etwas einseitig ist!
Soweit ich mitbekommen habe kann Moore seine Argumente ja auch schlagkräftig mit Beweismaterial untermauern und dass viel Geld und auch viele Beziehungen im Spiel sind, das ist ja klar...so wird Politik eben gemacht, da ist Bush aber nicht der einzige, wenn ich das mal so sagen darf!
Ich werde ein entgültiges Urteil über den Film erst dann fällen, wenn ich ihn ganz gesehen habe, was ich aber schon jetzt sagen kann ist, dass man immer etwas findet, wenn man nur lange genug sucht!
Blind vertrauen würde ich auf die im Film dargelegten Fakten auf keinen Fall!
Wie dem auch sei, wollen wir hoffen, dass die Ära Bush Morgen vorbei ist!
Die Niere
01.11.2004, 21:28
Den Thread gabs schon mal (und ich fand ihn sehr gut) - hab mal zusammengeführt, was zusammen gehört
gruesse, die niere
huch!
aber danke war irgendwie nur etwas verwirrt, wieso mein beitrag plötzlich weg war bzw. wo anders...
ja, hoffen wir, dass bush seine letzte nacht als präsident hat.
Powered by vBulletin® Version 4.2.3 Copyright ©2026 Adduco Digital e.K. und vBulletin Solutions, Inc. Alle Rechte vorbehalten.