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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Frage zu scharfem Essen und Lymphdrainage



Nachtschicht
21.09.2004, 15:15
Hallo zusammen!

Ich wurde mal wieder ein paar schöne Dinge gefragt (nach dem Motto "Du studierst doch Medizin und ..."), die ich leider - wie so oft - nicht zufriedenstellend beantworten konnte. Vielleicht könnt ihr mir ja helfen.

1. Warum beginnt man zu schwitzen, wenn man ein scharfes Gericht zu sich nimmt?
- Liegt es vielleicht daran, dass "scharf" als Schmerzqualität wahrgenommen wird und der Körper mit einer Art "arousal" reagiert?

2. Wenn bei einer Brustkrebs-OP die Lymphknoten der Axillargegend entfernt worden sind, müsste der Lymphabfluss gestört sein. Wie fließt die Lymphe denn nun ab? Bilden sich nun dauerhaft (leichte) Ödeme? Werden die entsprechenden Lymphgefäße "verschlossen" oder fließt die Lymphe ins Interstitium ab, wo früher die Lymphknoten waren? ... Wie muss ich mir das vorstellen?

Hab da noch ein paar Klassiker, die immer mal wieder gefragt werden ;-) , aber die beiden würden mir fürs erste reichen.

Vielen Dank im Voraus

lg
Seb

He-Man
21.09.2004, 15:33
Hallo!
Ich kann vielleicht die erste Frage beantworten: der scharfe Bestandteil von "hot chilli peppers" ist Capsaicin. Capsaicin bindet an TRPV1 (transient receptor potential-Familie). Dieser Kanal in freien Nervenendigungen wird auch durch Temperaturen um 42 Grad Celsius geöffnet, die wir als schmerzhaft erfahren. (Schon mal eine Pepperoni im Auge zerrieben?). Vielleicht wird nun nach Aktivierung dieser Fasern nicht nur die Schmerzwahrnehmung mit allen ihren Folgen ausgelöst, sondern auch der Input für die Temperaturregulation verändert? Wobei ich denke, daß diese Schwitzreaktion individuell verschieden ist.

Hellequin
21.09.2004, 15:56
2. Wenn bei einer Brustkrebs-OP die Lymphknoten der Axillargegend entfernt worden sind, müsste der Lymphabfluss gestört sein. Wie fließt die Lymphe denn nun ab? Bilden sich nun dauerhaft (leichte) Ödeme? Werden die entsprechenden Lymphgefäße "verschlossen" oder fließt die Lymphe ins Interstitium ab, wo früher die Lymphknoten waren? ... Wie muss ich mir das vorstellen?

Lymphödeme sind eigentlich das typische Problem nach der Entfernung der Lymphknoten. Typische Therapie dabei ist halt die Lymphdrainage, bei dem
halt der Abtransport über die verbleibenden Lymphknoten gefördert werden soll. Es wird häufig auch mit Kompressionsverfahren gearbeitet, um unteranderem auch den venösen Rückstrom zu fördern.

alex1
22.09.2004, 19:16
Früher dachte man auch daß die Sterahlentherapie der Brust oft Schuld ans Lymphödem war.
Neuerdings weiß man allerdings daß radikale Axilladissektionen eher schuld dran sind. In Prinzip wird die Axilla ja relativ selten mitbestrahlt, auch wenn sie befallen war.

In den letzten Jahren scheint es, daß radikale Axilladissektionen immer mehr in den Hintegrund treten. Man macht eine Sentinel LK Exstirpation und untersucht die. Danach kommt eine adjuvante Chemo und eine Strahlentherapie. Bei Befall von axillären LK ist das Problem ja nicht unbedingt die lokale LK Progredienz, sondern eher die schon vorhandenen Mikrometastasen in Organen. Ein MammaCa das schon in die Axilla metastasiert ist, hat ein ordentliches Risiko für Organmetastasen, die ja auch prognostich entscheidend sind.
Insofern bringt die radikale LK Ausräumung prognostisch gesehen nicht so viel bei geringme Befall und ist vor allem mit einem orderntlichen Lymphödem verbunden.

milz
22.09.2004, 19:38
Wie hoch ist eigentlich die 5-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit bei Lk-Befall der Axilla?
Stimmt es, daß die Chemo hier tatsächlich nur den TU verkleinert, aber nicht das Leben verlängert?

Vystup
22.09.2004, 19:57
Wobei ich denke, daß diese Schwitzreaktion individuell verschieden ist.

Definitiv. Ich bin ja wirklich ein grosser Freund von scharfem Essen, aber was die Asiaten hier ohne das geringste Anzeichen von aussergewoehnlich starker Geschmacksempfindung verspeisen bringt mich schon ordentlich ins Schwitzen... Lecker ist es aber trotzdem :-D