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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vioxx weg vom Markt



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tonexxx
05.10.2004, 20:38
Ganz großer Sport!

Hab das einen Tag vorher noch zur Analgesie nach Op. mitbekommen.

Aber ein Indianer spürt ja eh keinen Schmerz und somit hab ich eh nix genommen. :-))

Und von Langzeit war bei mir ja auch keine Rede.

Froschkönig
05.10.2004, 20:45
Oh, sach bloss....

Haettste jetzt auch auf Latein bringen koennen! ;-) Na dann Klugscheißen wir doch einfach mal noch etwas *ggg*:

Dosis sola facit venenum (Paracelsus)


:-D

test
05.10.2004, 22:34
Und dann klugscheissen wir noch etwas weiter, die korrekte Übersetzung heißt:
nur die Dosis MACHT das Gift :-)) :-)) :-))

Froschkönig
05.10.2004, 22:38
Und dann klugscheissen wir noch etwas weiter, die korrekte Übersetzung heißt:
nur die Dosis MACHT das Gift :-)) :-)) :-))
[Oberklugscheißmodus]
"Allein die Dosis machet das Gift"
[/Oberklugscheißmodus]

;-) :-)) :-)) :-)) :-keks

hobbes
05.10.2004, 23:32
Die Dosis ist das Gift (Paracelsus).

"Allein die Dosis machet das Gift"

Dosis sola facit venenum



Dreimal die gleiche inhaltliche Aussage. Es geht mir nicht ums klugscheissern, aber Paracelsus hat eine Weisheit formuliert, die sich auf den unsachgemässen Gebrauch von Vioxx (R) anwenden lässt.

Punkt.

Evil
07.10.2004, 14:27
Dreimal die gleiche inhaltliche Aussage. Es geht mir nicht ums klugscheissern, aber Paracelsus hat eine Weisheit formuliert, die sich auf den unsachgemässen Gebrauch von Vioxx (R) anwenden lässt.

Punkt.

Mmh, bevor ich jemandem unsachgemaessen Gebrauch unterstelle, wuerde ich ja doch erstmal GENAUER abklaeren, wieviel da im einzelnen gegeben wurde.

:-meinung

So genau weiss ich das leider nicht mehr, sorry, ich geh aber einfach davon aus, das der Durchschnitts - Anaesthesist (was immer das sein mag) weiss, was er tut. Dieser Arzt machte im Seminar jedenfalls einen kompetenten Eindruck.

hobbes
07.10.2004, 16:43
Mmh, bevor ich jemandem unsachgemaessen Gebrauch unterstelle, wuerde ich ja doch erstmal GENAUER abklaeren, wieviel da im einzelnen gegeben wurde.
So genau weiss ich das leider nicht mehr, sorry, ich geh aber einfach davon aus, das der Durchschnitts - Anaesthesist (was immer das sein mag) weiss, was er tut. Dieser Arzt machte im Seminar jedenfalls einen kompetenten Eindruck.

Weiss natürlich auch nicht was er gemeint hat. Aber: die maximale zugelassene Tagesdosis Vioxx waren 50mg und dies beschränkt auf "Akutphase", also nicht zum Langzeitgebrauch. Zudem war Vioxx nur bei postoperativen Schmerzen in der Orthopädie und Zahnheilkunde zugelassen (neben Arthrose und Dysmenorrhoe). Eine "hochdosierte Therapie" gab es also offiziell nicht.
So, nun kann ich mir wirklich nicht vorstellen, dass Vioxx 50mg in Bezug auf die Selektivität nicht untersucht wurde, bzw. hier die Selektivität aufgehoben war. Das wäre nun ja wirklich Bauernfängerei.

Evil
08.10.2004, 12:42
Es geht mir nicht ums klugscheissern....
:-D :-D Dann bist Du hier im falschen Forum..... :-D :-D

Sebastian1
10.10.2004, 19:25
Mal eine vielleicht ganz dumme Frage:

Warum eigentlich haben dann nicht unselektive COX-Hemmstoffe dieselben Wirkungen? Wegen der Thrombozytenaggregationshemmung, die bei selektiven COX2-Hemmern wegfällt?

test
10.10.2004, 20:24
Unspezifische COX Hemmer haben auch ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Allerdings hatte VIOXX wohl im Vergleich zu ihnen nochmal ein höheres. :-nix

Hellequin
14.10.2004, 10:38
Mittlerweile ist die erste Anzeige gegen die Firma Merck eingegangen!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,323041,00.html

Die Niere
14.10.2004, 13:17
Mittlerweile ist die erste Anzeige gegen die Firma Merck eingegangen!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,323041,00.htmlIch hatte schon was bzgl. Sammelklagen in USA gehört...oder meinst Du jetzt direkt auf D bezogen.

gruesse, die niere

Evil
14.10.2004, 13:20
Mittlerweile ist die erste Anzeige gegen die Firma Merck eingegangen!

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,323041,00.html
Der Link funktioniert nicht, was steht denn in dem Artikel? Hab's bei Spiegel online nicht gefunden...

Hellequin
14.10.2004, 13:34
Faszinierend, die beim Spiegel scheinen den Artikel komplett rausgenommen zu haben.

Also sinngemäß stand drin, das bei der Münchner Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Merck wegen Körperverletzung und fahrlässiger Tötung gestellt wurde. Es geht wohl um den Fall eines Berliner Professors, der Vioxx längere Zeit genommen hat und die Angehörigen glauben nun, das Merck bereits seit längerer Zeit von den NW wußte, diese aber wegen Profitgier unter den Tisch hat fallen lassen. Es stand noch was von mutmaßlichen weiteren 50 Fällen in Deutschland, die man auf die Vioxxmedikation zurückführen kann, drin. Und noch der Verweis auf mehrere amerik. Sammelklagen, wo aber wohl noch nicht entschieden ist, ob diese vor Gericht zugelassen werden.

EDIT: Mittlerweile funktioniert der Link auch wieder, die Spiegelleute haben den Artikel noch erweitert. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,323041,00.html

Evil
14.10.2004, 13:47
Das erinnert mich etwas an den Richter, der Nestle verklagen wollte, weil er sich nur von Cola und Snickers ernaehrt hat und dann Diabetes gekriegt hat.....

Ich hab ja immer den Verdacht, dass die Leute bloss daraus Profit schlagen wollen.....

hobbes
14.10.2004, 15:45
Für Merck ist die Sache "Vioxx" wohl noch lange nicht ausgestanden. Die Prozesslawine wird rollen, v.a. werden die Prozesse und Strafen bzw. Schadenersatzforderung in den USA weh tun. Die Sache ist natürlich zweischneidig:

auf der einen Seite ist es billig, jeden Misserfolg finanziell auszukosten seine Opferrolle (hier als Patient) hochzustilisieren. Die Sammelklagen in den USA angeführt von profitgierigen "Prozessanwälten" sind wichtige Kostenfaktoren in der Entwicklung von Pharmazeutika und überhaupt in der Medizin. Wo immer das Damoklesschwert des Schadenersatz-Prozesses hängt, dort wird Inovation im Keim erstickt und die Lancierung von Medikamenten, welche keine Blockbuster sind, verunmöglicht. Es erscheint wichtig, dass der Missbrauch der Schadenersatzforderung eingedämmt wird und zwar v.a. in den USA - dem grössten Markt. Alleine die Kosten für Malpractise Insurance betragen in den USA über 21 Mrd Dollar. Die Bush-Administration ist in ihrer Malpractise Liability Reform dabei, diese Kosten zu limitieren (vgl. Liability for Medical Malpractise, a Joint Economic Comittee Study, United States Congress, May 2003). [Randnotiz: Kerry's designierter Vize Edwards ist selbst Prozessanwalt - wohl ein schlechtes Ohmen für eine Besserung in dieser Sache bei seiner Wahl].

Auf der anderen Seite steht tatsächlich der Schutz der Patienten. Und hier scheinen bei Vioxx tatsächlich die Kontrollmechanismen des FDA (aber auch anderer Regulationsbehörden), der Wissenschaft und die Sorgfaltsmechanismen von Merck selbst, versagt zu haben. Ob absichtlich, fahrlässig oder nicht, bleibt zu diskutieren. Anstoss zu Diskussion , aber auch zu Klagen, wird sicherlich der Beitrag von Eric J Topol im New England Journal of Medicin geben. Er selbst war in die Prüfung von Vioxx involviert. Nun schreibt er:

It was not until February 8, 2001, that the FDA Arthritis Advisory Committee met to discuss concern about the potential cardiovascular risks associated
with rofecoxib. It remains unclear why the FDA waited two years after its review and approval of rofecoxib to conduct this meeting. My colleagues
and I reviewed the data from the meeting [...] on August 22, 2001.Our primary conclusion, based on the clear-cut excess number of [...] myocardial
infarctions associated with rofecoxib [..] was that “it is mandatory to conduct a trial specifically assessing cardiovascular risk and benefit of these agents.” [...] Unfortunately, such a trial was never done. [...] Instead of conducting such a trial at any point [...] Merck issued a relentless series of publications,[...] sponsored countless continuing medical
“education” symposiums at national meetings in an effort to debunk the concern about adverse cardiovascular effects. [...] The senior executives at
Merck and the leadership at the FDA share responsibility for not having taken appropriate action and not recognizing that they are accountable for the
public health. Sadly, it is clear to me that Merck’s commercial interest in rofecoxib sales exceeded its concern about the drug’s potential cardiovascular
toxicity. Had the company not valued sales over safety, a suitable trial could have been initiated rapidly at a fraction of the cost of Merck’s direct-toconsumer advertising campaign. [...] In my view, the FDA’s passive position of waiting for data to accrue is not acceptable, given the strong signals that there was a problem and the vast number of patients who were being exposed. [...] all the facts can and should be scrutinized closely in a ongressional review in order to avert such a catastrophe in
the future.
(Eric J Topol, N Engl J Med 351 (2004):1707)

Diese Aussagen sind aussergewöhnlich scharf und kritisch. Falls sie zutreffen, ist nicht nur der jetztige unerwartete Rückzug von Vioxx verständlich, sondern auch manche Klage.