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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hat Krankheit einen Sinn?



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Pünktchen
27.11.2004, 10:03
klar kann man nicht jedem atienten dabei helfen den sinn der Krankheit für seinen eigenen Lebensweg kalr zu machen, aber ich finde es interessant mal darüber nachzudenken und alles etwas einfacher zu sehen. Jemand mit ner marschfraktur ist einfach zulange gelaufen udn irgendwann über seine physiologischen grenzen gestolpert udn nun sollte er mal Nachdenken darüber was er seinem Körper antut und ob es nicht einen anderen Weg gibt. Jemand der einen Herzinfarkt erleidet, seinen Hypertonus und seine Adipositas hat sollte daran erinnert werden, wie er seinem Körper selbst schadet.

Darin sehe ich einen Sinn einer Krankheit...ich bin kein gottgläubiger Mensch ich denke die Schulmedizin hat ihren Platz (besonders in AkutSituationen) und selbst wenn wir wissen welchen Sinn eine Krankheit haben kann, so obliegt es doch dem Patienten selbst herauszufinden warum er krank geworden ist udn das alles in seine Lebengeschichte einzubauen und es zu verarbeiten.

Ein Beispiel was vielleicht in eine andere Richtung geht, zeigt doch deutlich das der Körper schon seine Signale setzt. Liebeskummer, nichtverarbeitete Probleme....Konversionssyndrome...ein psychisches Ungleichgewicht wandelt sich in körperliche Symptome um. :-nix
Der Beinbruch kommt einigen zu Gute, weil er vielleicht zu viel gearbeitet hat....vielelicht aber auch weil irgendwas anderes in seinem Leben nicht stimmt und er einfach wieder Ruhe braucht um sich zu besinnen.

Ich finde solche Ansätze ziemlich interessant...einfach mal weiter als nur bis zum wissenschaftlichen Grund gedacht. Es wird sich nie in der Realität ums etzen lassen, sich damit zu befassen, aber trotzdem sollte man sich daran erinnern, das hinter jedem Patienten eine eigne individuelle Geschichte steht.

die chondropathia
27.11.2004, 11:06
"Hat Krankheit einen Sinn?"

Ähm, man könnte auch fragen, ob Gesundheit einen Sinn hat, die ja von der WHO letztlich sehr weitgefaßt definiert worden ist, jedoch nur als Wort existiert, weil es Nicht-Gesundheit gibt. Das als Alleinsinn ist allerdings unbefriedigend. Daher erreicht man alsbald die Frage, was der Sinn des Lebens ist; und der wiederum wäre, kafkaesk geantwortet, dass es ein Ende hat.

hobbes
27.11.2004, 12:33
aber ich finde es interessant mal darüber nachzudenken und alles etwas einfacher zu sehen. Jemand mit ner marschfraktur ist einfach zulange gelaufen udn irgendwann über seine physiologischen grenzen gestolpert udn nun sollte er mal Nachdenken darüber was er seinem Körper antut und ob es nicht einen anderen Weg gibt. Jemand der einen Herzinfarkt erleidet, seinen Hypertonus und seine Adipositas hat sollte daran erinnert werden, wie er seinem Körper selbst schadet.

Darin sehe ich einen Sinn einer Krankheit...

Aber macht denn eine Marschfraktur, ein Herzinfarkt, ein Hypertonus oder Adipositas wirklich Sinn? Wäre ein Leben ohne diese Krankheiten nicht genauso möglich? Was ich sagen will (etwas komplex): zu langes monotones Laufen mündet in einer Überforderung des menschlichen Schenkelhalses bis dieser schliesslich bricht, es entsteht die Marschfraktur. Daraus leitest du den Sinn ab: die Marschfraktur ist eine Warnung an dich, dass du zuviel gehst!

Nun die Frage: weshalb braucht es eine solche Warnung? Weshalb darf dieser arme Mensch nicht soviel gehen wie er will? Weshalb darf der adipöse nicht fressen was er will? Genauso beim Hypertoniker, Hypercholesterinämiker und beim Patienten mit Herzinfarkt. Allein die Tatsache, dass ein gewissen Verhalten zu einer Erkrankung führt, gibt dieser Erkrankung noch lange keinen (phillosophischen) Sinn?

Die Überlegung wie man ein Fortschreiten derr Erkrankung verhindern kann, gehört zur Sekundärprophylaxe. Da bin ich völlig einverstanden. Aber ich sehe dies eher pragmatisch, denn als Einsicht in das Fehlverhalten des Patienten.

die chondropathia
27.11.2004, 13:11
zu langes monotones Laufen mündet in einer Überforderung des menschlichen Schenkelhalses bis dieser schliesslich bricht, es entsteht die Marschfraktur. Daraus leitest du den Sinn ab: die Marschfraktur ist eine Warnung an dich, dass du zuviel gehst!

Ähm, ja. Kann schon mal passieren, dass einem bei einem Winterspaziergang die Beine wegbrechen. Grund dafür ist aber meistens das Eis auf dem man geht und weniger der Schenkelhals...

Neujahrsrakete
27.11.2004, 13:24
Ähm, ja. Kann schon mal passieren, dass einem bei einem Winterspaziergang die Beine wegbrechen. Grund dafür ist aber meistens das Eis auf dem man geht und weniger der Schenkelhals...
Das klingt so, als ob Du nicht wissen würdest, daß es eine Marschfraktur gibt.
Aber meines Wissens nach betrifft sie meistens irgendeinen Knochen im Fuß (die kann man ja nicht alle kennen :-))) und weniger den Schenkelhals.

hobbes
27.11.2004, 13:30
Meistens betrifft die Marschfraktur Metatarsale II und III, kann aber durchaus auch das proximale Femur betreffen (etwas eindrücklicher als eine Metatarsale-Fx und passt daher besser in diese Diskussion).

die chondropathia
27.11.2004, 13:40
@Neujahrsrakete - GUTEN MORGEN! (schon mal was von Ironie gehört?)

@hobbes: Wo hast Du denn das her, dass einem der proximale Femurhals ohne traumatisches Ereignis einfach so wegfrakturiert und dass man das dann auch noch MARSCHFRAKTUR nennt?
Selbst wenn dies bei einem Menschen im Senium möglich wäre - die allermeisten gehen doch weniger so lange Strecken,oder?

echelle, mit Wissenslücken konfrontiert...

hobbes
27.11.2004, 14:01
Auf das Risiko vom Thema abzukommen, gebe ich die Antwort gerne:

Betrachten wir Marschfraktur, Ermüdungsfraktur und Stressfraktur mal als Synonyme. Stressfrakturen kommen bei erhöhter Belastung (Sportler) mit repetitiven gleichförmigen Belastungen mit unzureichenden Regenerationsphasen vor. Dabei kommt es zu einer Osteoklastenüberaktivität. Typische Lokalisationen sind: Mittelfuss, Femur, Tibia, Fibula, aber auch das Sakrum. Insbesondere aber auch der mediale Schenkelhals kann betroffen sein, und dies auch bei Patienten ohne osteoporotische Vorbelastung.

vgl. Heyden/ Schultz in Sportverl Sportschaden 2002, Band 16, S. 39-41

zufrieden?

die chondropathia
27.11.2004, 14:11
:-top, gut recherchiert!

hobbes
27.11.2004, 14:16
wenn wir schon dabei sind: auch (spondylolytische) Spondylolisthese bei Sportlern (v.a. bei Sportarten mit Hyperextension und Rotation der Lendenwirbelsäulen) können ermüdungsbedingt sein.

Niethard, Pfeil, Weber in Orthopäde, 1997, Band 26, Seite 750-754

He-Man
27.11.2004, 14:59
Vielleicht sollte man sich bei dieser Diskussion immer die mindestens zwei Bedeutungen von "Sinn" vor Augen halten: einerseits "Bedeutung", andererseits "Grund, Ursache" (und hier wieder aufgefächert in Zweckursache, Materialurasache usw.)
Ich glaube, niemand hier bestreitet die Tatsache, daß einem Menschen seine Krankheit existentiell wichtig werden kann. Dieses Existentielle fällt aber in eine moralische Kategorie, die Entstehungszusammenhänge der Krankheit dagegen sind naturgesetzlicher Art. (Wie ich die Frage "Wie verhalte ich mich angesichts meiner Krankheit?" beantworte, hat nichts mit der Pathogenese der Krankheit zu tun. Die große Ausnahme hier ist die Psychosomatik.

Ein Beispiel was vielleicht in eine andere Richtung geht, zeigt doch deutlich das der Körper schon seine Signale setzt. Liebeskummer, nichtverarbeitete Probleme....Konversionssyndrome...ein psychisches Ungleichgewicht wandelt sich in körperliche Symptome um. :-nix
Und hier besteht die große Gefahr, nun dieses Phänomen auf alle Krankheiten zu generalisieren und hinter jeder Krankheit ein "psychisches Ungleichgewicht" zu suchen. Wie hier schon gesagt wurde, finde ich einen Arzt, der sich verständnisvoll-lebensweise zum flüsternden Mund des Patienten beugt, um dessen Beichte abzunehmen, einfach nur daneben und vermessen.

die chondropathia
27.11.2004, 15:07
Wie hier schon gesagt wurde, finde ich einen Arzt, der sich verständnisvoll-lebensweise zum flüsternden Mund des Patienten beugt, um dessen Beichte abzunehmen, einfach nur daneben und vermessen.

Bitte, was? Sinn von Krankheit - Arzt - Pfarrer ???
Worum geht es?

He-Man
27.11.2004, 15:14
Na, genau um die Unterscheidung von Arzt und Pfarrer!

hobbes
27.11.2004, 15:26
Worum geht es?

HeMan liegt genau richtig, es geht um die Unterscheidung zwischen Krankheitsursache (Adipositas, Ernährung, körperliche Überforderung) und Krankheitssinn (die Krankheit bewirkt eine Reflexion über sich selbst beim Patienten, eine Hinterfragung der bisherigen persönlichen Situation, eine evt. gewinnbringende Veränderung).

Die Krankheitsursache soll grundsätzlich pragmatisch exploriert werden und nur im Sinne einer Sekundärprophylaxe angegangen werden. Dem Raucher mit Hirnmetastasen eines Bronchialkarzinoms brauche ich nicht mehr zu sagen, dass Rauchen schädlich ist.

Der Krankheitssinn ist schon vielmehr etwas umstrittenes. Ich bin nicht der Überzeugung das Krankheit Sinn hat. Die Krankheit bringt eine Auszeit, welche zur persönlichen Reflexion genutzt werden kann - aber dies mehr im Sinne eines Kollateralphänomens. Der Patient kann allenfalls dazu angehalten werden, sich Gedanken über die Zukunft zu machen (sofern er eine solche hat). Aber genau hier ist die Rolle von Pfarrer und Arzt nicht zu verwechseln.

Pünktchen
27.11.2004, 15:28
ich hab nicht behauptet, daß man meine Meinung verallgemeinern kann...und auch wenn man sich bewusst ist, daß es möglicherweise für diese Person einen Sinn hat, nicht mehr gehen können (für eine bestimmte Zeit)... halt ich doch viel von der Schulmedizin!!! und bevorzuge beim akuten Herzinfarkt doch die medikamentöse Behandlung als Gut zureden :-)) um das mal klar zu stellen.......

@hobbes
jepp genau so meine ich das (bezogen auf das erste post von dir)...eine "Krankheit" ist ein Leiden, das entsteht wenn der Körper der uns gegeben ist nicht mehr richtig funktioniert....wenn ein Auto das flasche Benzin bekommt oder zu wenig Öl hat gehts auch kaputt...und je länger es fährt um so mehr Reparaturen braucht es...der Sinn einer Krankheit kann sein, daß der Körper zu mehr Verantwortlichkeit aufruft...ein Körper ist für physiologische Belastungen geschaffen und begrenzt unphysiologische...und Beschwerden entstehen, wenn man sich übernimmt.

Ob das der Patient versteht und ob mal als Arzt die Rolle des Vermittlers einnehmen sollte steht auf einem anderen Blatt.


Sinn einer Erkrankung ist nicht gleich der Ursache, aber man könnte in dem Zusammenhang zur Ursachenfindung schreiten :-top

Neujahrsrakete
27.11.2004, 15:33
@Neujahrsrakete - GUTEN MORGEN! (schon mal was von Ironie gehört?)
Nix für ungut.
Ironie kommt in einem schriftlichen Medium manchmal nicht richtig rüber.
Verspreche aber Besserung!!!

He-Man
27.11.2004, 16:01
eine "Krankheit" ist ein Leiden, das entsteht wenn der Körper der uns gegeben ist nicht mehr richtig funktioniert[...]der Sinn einer Krankheit kann sein, daß der Körper zu mehr Verantwortlichkeit aufruft...ein Körper ist für physiologische Belastungen geschaffen und begrenzt unphysiologische...und Beschwerden entstehen, wenn man sich übernimmt. Hmm, das ist eine Interpretation von "Krankheit". Eine andere kam zu Anfang des Threads (im Zusammenhang mit Evolution und Selektionsmechanismen). Wiederum eine andere lieferten die alten Ägypter (warens die?), die die Epilepsie als Gottesanwesenheit/Dämonenanwesenheit im menschlichen Körper interpretierten (wohlbemerkt: das ändert nichts an der Tatsache, daß Epilepsie damals wie heute auf den gleichen pathophysiologischen Mechanismen beruhte). Wertvoller ist es vielleicht zu fragen, welche Tendenzen denn hinter einer bestimmten Interpretationsperspektive stehen könnten.

Jemine
27.11.2004, 16:17
Ich wollt auch nur noch mal kurz klarstellen, dass ich Krankheiten nicht nur auf der philosophischen Schiene "beurteile"!
Ich finde, es spielen da BEIDE Seiten eine große Rolle.
Eben das, was ihr wissenschaftlich nennt (wenn ich euch richtig verstanden habe, meint ihr damit so Sachen wie Überbelastung, Umwelteinflüsse,Risikofaktoren,...) aber auch das, was hier als philosophisch oder göttlich (von dem Wort will ich mich aber fernhalten!) betitelt wird.
Bei dem einen Patienten wohl das eine mehr, bei dem anderen das andere.
Wenn ein Sportler wegen Überlastung irgendwelche Schäden an den Knochen bekommt (bitte entschuldigt diese laienhafte Beschreibung :-blush ) und sein Körper somit irgendwann einen Warnschuß losläßt, sollte ihn das zum Nachdenken bewegen. Raucher wissen, was sie ihrem Körper antun, aber z.B. ein Sportler (ausgenommen Leistungssportler, die sollten das wissen, halten sich aber auch net immer dran) weiß gar nicht, dass zu viel Training einen gewaltigen Schuß in den Ofen darstellen kann. Wenn dann was aus eben diesen ganzen wissenschaftlichen Gründen passiert ist, macht er sich vielleicht mal Gedanken darüber.
??? :peace: