Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Was macht die Krankenpflege-Ausbildung?
@ Nursery Crime
Du scheinst ja ziemlich frustriert zu sein.
Ich habe meine Ausbildung in einem Haus mit 1500 Betten gemacht und 2 Jahre auf einer Operativen ITS geabreitet.
Ich habe viele Assistenzärzte kommen und gehen sehen.Viele waren sehr nett,einige weniger nett und vereinzelt waren unausstehliche Typen dabei. Ich hatte aber ebenso Kollegen im Team mit denen nicht gut Kirschen essen war. So wie das nunmal ist im Leben.
Was heisst fachlich ? Für dich heisst fachlich, fachlich in Bezug auf Anästhesie und Intensivmedizin. Du hast sicherlich recht, dass Jungassis diesbezüglich eher wenig Ahnung haben. Aber das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt der Medizin. In anderen Bereichen, wie Anatomie,Physiologie,Pharmakologie u.v.m. wird dir der Jungassi überlegen sein, weil er eine tiefgreifendere theoretische Ausbildung hat.
Das Problem, welches du ansprichst liegt ganz woanders. Jungassis werden ohne oder mit unzureichender Einarbeitung und viel zu früh auf die ITS geschubst, nach dem Motto "learning by doing". Woher soll er denn beispielsweise wissen wie man ein Beatmungsgerät einstellt ? Neben den theoretischen Kenntnissen sind hier Erfahrungswerte sehr wichtig, welche ihm natürlich fehlen.
Auch Reas sind für viele kein Alltag. Das muss man sich mal vor Augen führen.
Warst du ganz cool bei deinen ersten Reas ? Ich glaube nicht.
Leider ist das Studium immer noch sehr theoretisch und die "echte" Praxis bekommt man erst nach dem Studium.
Du hast eine spezielle Fachweiterbildung, welche ein Jungassi (noch) gar nicht haben kann !
Es ist der alte Kampf Pflege gegen Ärzteschaft. Vorurteile beherrschen doch den Alltag. Wenn jeder sich nur ein wenig in die Situation des anderen hineinversetzen könnte , würde man sich viele Konflikte und Probleme ersparen.
just my 2 cents
Nursery Crime
07.01.2009, 15:12
Natürlich kann man als ärztlicher Anfänger nicht alles wissen/können. Was mich nervt, ist die Einstellung vieler Studenten oder ärztlicher Berufsanfänger, die dem Pfegepersonal arrogant gegenüber treten, aber selbst in keiner Weise fachlich qualifiziert wären, die Arbeit der pflegerischen Berufsgruppe auf meiner Station durchzuführen.
Vielleicht mag es in einer Uni-Klinik so sein, dass Studenten oder Jungassistenten von ihren Oberärzten eingearbeitet werden, bei uns ist das leider nicht so, soll heissen: letztlich bleibt es an der Pflege hängen, wenn man produktiv zusammen arbeiten will.
Wenn ich als Pflegekraft 4 Beatmungspatienten mit Katecholamintherapie zu betreuen habe und dann einem Arzt eine Stunde lang bei der ZVK-Anlage assistieren muss, weil er die Technik nicht beherrscht, trage letztlich ich als Pfleger die Verantwortung dafür, dass es den anderen 3 Patienten während dieser Zeit gut geht.
Wenn mir ein Arzt einen fragwürdigen Therapieplan vorlegt und ich diese Anordnungen nicht überprüfe und trotzdem durchführe, bin ich rechtlich haftbar zu machen.
Wenn ich bei einer Reanimation auf Anordnung eines unerfahrenen Arztes ein falsch dosiertes Medikament spritze, bin ich ebenfalls haftbar, genau wie der Arzt.
Und so weiter und so fort....
Und wenn man dann kollegial ist und in einem Team zusammen arbeitet, dann weist man eben den Doc darauf hin dass diese oder jene Anordnung nicht dem Standart entspricht und ob er es sich nicht anders überlegen will.
Die Menschen der hochnäsigen Sorte aus der Pflege hatte ich auch schon auf Station wenn sie zu Beginn des Mittelkurses auf die Intensvstation kamen und meinten alles zu können und zu wissen.
Solche Beispiele finden sich aber in allen Arbeitsbereichen, nicht nur im Krankenhaus. Es sind immerhin Menschen, von denen jeder anders reagiert und sich ebenso unterschiedlich verhält. Versuche deinen Frust einfach nicht zu groß werden zu lassen und geh eventuell in einer ruhigen Minute auf die neuen Docs zu. Das hilft sicherlich und beugt weiterem Ärger vor ;-)
Natürlich kann man als ärztlicher Anfänger nicht alles wissen/können. Was mich nervt, ist die Einstellung vieler Studenten oder ärztlicher Berufsanfänger, die dem Pfegepersonal arrogant gegenüber treten, aber selbst in keiner Weise fachlich qualifiziert wären, die Arbeit der pflegerischen Berufsgruppe auf meiner Station durchzuführen.
Genau da liegt das Problem. Das muss er auch gar nicht können und du musst "die Aufgaben der ärztlichen Berufsgruppe" nicht berherrschen.
Es gibt immer wieder arrogante Typen die denken sie wüssten alles. Ich habe aber die Erfahrung gemacht,dass die meisten nur damir ihre Unsicherheit überspielen.
Wenn ich als Pflegekraft 4 Beatmungspatienten mit Katecholamintherapie zu betreuen habe und dann einem Arzt eine Stunde lang bei der ZVK-Anlage assistieren muss, weil er die Technik nicht beherrscht, trage letztlich ich als Pfleger die Verantwortung dafür, dass es den anderen 3 Patienten während dieser Zeit gut geht.
Habe ich auch erlebt, aber dafür gibt es auch noch Kollegen und eine einstündige ZVK-Anlage ist auch sicherlich bei euch nicht die Regel.
Wenn mir ein Arzt einen fragwürdigen Therapieplan vorlegt und ich diese Anordnungen nicht überprüfe und trotzdem durchführe, bin ich rechtlich haftbar zu machen.
Ja, richtig und das gehört auch zu deinen Aufgaben ;) Durchführungsverantwortung und so .......
Nursery Crime
07.01.2009, 15:34
Und wenn man dann kollegial ist und in einem Team zusammen arbeitet, dann weist man eben den Doc darauf hin dass diese oder jene Anordnung nicht dem Standart entspricht und ob er es sich nicht anders überlegen will.
Die Menschen der hochnäsigen Sorte aus der Pflege hatte ich auch schon auf Station wenn sie zu Beginn des Mittelkurses auf die Intensvstation kamen und meinten alles zu können und zu wissen.
Solche Beispiele finden sich aber in allen Arbeitsbereichen, nicht nur im Krankenhaus. Es sind immerhin Menschen, von denen jeder anders reagiert und sich ebenso unterschiedlich verhält. Versuche deinen Frust einfach nicht zu groß werden zu lassen und geh eventuell in einer ruhigen Minute auf die neuen Docs zu. Das hilft sicherlich und beugt weiterem Ärger vor ;-)
Naja, so frustriert bin ich noch nicht einmal, bin meist bereit, den neuen Docs mal die BGA zu erkären und wie man dann das Beatmungsgerät einstellen sollte. Oder wenn mal wieder Mikrogramm mit Milligramm verwechselt wird bei der Perfusortherapie, wird halt korrigiert. Zeige, wie man eine Trachealkanüle wechselt, schlage ihnen Anordnungen vor, damit es danach bei der Visite keinen Stress mit dem Chef gibt, gehe immer wieder mit der Patientenkurve ins Arztzimmer und frage "Wollen Sie wirklich 1000ml NaBic oder doch lieber nur 100 ml ?" Jeden Tag, Stunde um Stunde. Und jedes halbe Jahr kommt ein Neuer zum "einarbeiten".
Zum Thema "kollegiale Zusammenarbeit": Was tun die Ärzte für mich? Patienten waschen? Lagern helfen? Mal ans Telefon gehen? Helfen bei der Mobilisation? Fehlanzeige!
Ich kann nur sagen, wenn das Pflegepersonal nicht jeden Tag das gröbste Übel abwenden würde, stiege die Mortalitätsrate drastisch an!
Übrigens wurde ich immer von Pflegekräften eingearbeitet, nie von einem Arzt....
Ich verstehe ja dass es nervt wenn man quasi alle paar Monate einen neuen Doc zum Einlernen bekommt.
Dass die Ärzte dem Pflegepersonal nicht helfen hat mehrere Gründe: zum einen wurden viele während ihres Pflegepraktikums schlecht vom Pflegepersonal behandelt und wirklich nur für die Drecksarbeit da, was sicherlich sehr frustrierend aber auch prägend war. Zum anderen sind sie selbst so ausgelastet und machen massenweise Überstunden, dass sie sich kaum noch anderen Arbeiten zuwenden.
Wobei ich sagen muss, ich hatte auch schon Ärzte die beim Lagern oder Betten beziehen geholfen haben, aber das waren wirklich Ausnahmen ;-)
schmuggelmaeuschen
07.01.2009, 16:07
@Nursery Crime:
zwischen frage, warum meldest du dich in so nem forum an, bloß um deinen ärger von stapel zu lassen????
Ich hab es mal gewagt das Studium ohne Krankenpflegeausbildung vorher zu beginnen.
@nursery crime: So einen kompetenten Pfleger wünsche ich mir in 3 bis 4 Jahren auch im Berufsstart.
Die von dir aufgezeigten Dinge liegen aber hauptsächlich an unserer Lehr und Lernkultur. Wie du sagst ist es bei euch scheinbar nicht üblich, dass ein OA die Assis anleitet und unterstützt. Das dieser Lehrauftrag von der Pflege völlig beachtunglos mitgeleistet wird und keine Würdigung erfährt finde ich auch sehr schade.
Auf der anderen Seite kann das doch aber auch befriedigend sein, wenn man fachlich mehr auf Augenhöhe zusammen mit den Ärzten arbeiten kann, oder?
Mehr Verantwortung bedeutet doch meistens auch befriedigendere Arbeit. In meinem Pflegepraktikum war die ITS Besetzung jedenfalls deutlich ausgeglichener und zufriedener mit ihrer Arbeit als Schwestern auf der Normalstation. Das war ein 250 Bettenhaus, natürlich auch mit Jungassis.
Die Sache mit der hohen Mortalitätsrate ist nun wirklich quatsch, wenn da jeder erzählen würde was er erlebt hat, hätten wir einen tollen Stammtisch. In meinem Praktikum führte eigenmächtige Pharmakogabe einer (50jährigen!) Pflegekraft fast zum Tod eines Patienten, das wurde auch sauber unter den Tisch gekehrt und die Ärzte haben da mehr als beide Augen zugedrückt!
Nursery Crime
08.01.2009, 10:08
Die Sache mit der hohen Mortalitätsrate ist nun wirklich quatsch, wenn da jeder erzählen würde was er erlebt hat, hätten wir einen tollen Stammtisch. In meinem Praktikum führte eigenmächtige Pharmakogabe einer (50jährigen!) Pflegekraft fast zum Tod eines Patienten, das wurde auch sauber unter den Tisch gekehrt und die Ärzte haben da mehr als beide Augen zugedrückt!
Okay, das stimmt wohl, muss ich zugeben, unter dem Pflegepersonal gibt es auch ein paar "spezielle Individuen"...
:-angel
//stefan
08.01.2009, 12:15
Auf meiner aktuellen Station (A-CH) geben die Pflegekräfte auch relativ großzügig Medikamente (vor allem Analgetika und Antiemetika) ohne vorherige Nachfrage beim Doc. Aber das ist auch so gewünscht, solange es dafür keine Kontraindikationen gibt. Ist ne ziemliche Entlastung für die Ärzte, die eh nix anderes anordnen würden.
Ich kann NurseryCrime schon irgenwo verstehen. Aber ich warne (wie schon öfters) vor Pauschalisierungen! Auf peripheren Stationen ist die "Gefahr" einfach größer, un- oder wenigqualifizierte Pflegekräfte vorzufinden und das diese auch noch meinen Dr. med. Weissalles zu sein (mit Zusatzbezeichnung Intensivmedizin, Schmerztherapie, Notarzt etc.) :-oopss .
Back to topic:
Hab heute meinen ersten Nachtdienst (morgen dann der zweite). Bin mal gespannt wann so der tote Punkt kommen wird, werde vorher nicht nochmal schlafen gehen. Aber so wie es bei mir auf Station gerade aussieht, wird eh nicht sehr viel Zeit zum rumsitzen sein.
Wie waren eure ersten Nächte in der Ausbildung so? Probleme mit der Konzentration? Irgend was besonderes gewesen? Literweise Energydrinks gesoffen? :D
Langweile Nächte waren es bei mir, dafür aber gleich 7 am Stück. In der ersten Nacht habe ich alle Teesorten getrunken, die das Krankenhaus für die Stationen bestellt hat. Außerdem viel gegessen, weswegen ich dann nach meinen Nächten immer nach 1 Uhr in der Nacht ordentlichen Hunger hatte. Tja, ansonsten noch viel viel gelesen, gequatscht und ab und zu musste mal nach den Patienten geschaut werden (Waren damals auf der UC nicht mehr als 15). Nachts habe ich im Dienst noch nie gegen die Müdigkeit kämpfen müssen (in der ersten Nacht hält man das gut durch, und danach wars kein Problem da ich tagsüber super schlafen kann).
Tja, viel mehr habe ich nicht getan :-))
Wie waren eure ersten Nächte in der Ausbildung so? Probleme mit der Konzentration? Irgend was besonderes gewesen? Literweise Energydrinks gesoffen? :D
Wir müssen unsere Nächte ja komplett in der Zentralambulanz ableisten und es ist sooo genial da, dass ich am liebsten gleich dort anfangen würde...
Wir hatten bisher immer gut zu tun und es gab viele interessante Fälle - von Platzwunden über (z.T. offene) Frakturen bis hin zum akuten Myokardinfarkt, Luxationen, SHTs, schwere hypoglykämische Entgleisungen... eigentlich das volle Spektrum.
Das tolle an der Ambulanz ist, dass wir dort nach sehr kurzer Einarbeitungszeit sehr viel eigenständig machen dürfen - Verbände, Gipse/Gipsschienen anfertigen, einfache Platzwunden versorgen/nähen... natürlich auch viel so Routinekram wie BEs, EKGs schreiben usw.
Nebenbei begleitet man die Ärzte zu den diversen Untersuchungen, lässt sich die Rö-Bilder vom diensthabenden Radio-Assi erklären usw. :-)) Man kommt gar nicht dazu, müde zu werden... und selbst, wenn mal für ein paar Minuten "Ruhe" einkehrt, sind immer ein paar nette Kollegen/Ärzte zum quatschen da, die einen wachhalten... :-party
Zum Glück muss ich frühestens Anfang 2010 Nachtwachen machen, dann bin ich schon fast im dritten Jahr. Das wird noch hart, ich bin jemand, der eher früh zu Bett geht und schnell müde wird... :-oopss Bei uns werden die Schüler gerne mal von Station von Station geschickt, um beim Lagern zu helfen, zu waschen o.ä. Wird wohl auch eher selten langweilig.
@stefan: Viel Spaß heute Nacht!
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Ich habe seit Montag wieder Schule. In Anatomie nehmen wir gerade das Herz durch. Und nun weiß ich seit gestern, dass das Herz Ohren hat. ;-) Finde den Begriff total knuffig irgendwie... Herzohren...
Nächste Woche haben wir viiiieeele spannende Stunden Pflegeorganisation, also Bereichspflege, Bezugspflege, blablabliblubbb... Sooo unspannend ist das ja gar nicht, aber braucht man dafür wirklich 16 Stunden??
Ich hab total gerne Nachtdienst gemacht... aber lieber nachher als Examinierter. Viel Spaß!
Bei uns werden die Schüler gerne mal von Station von Station geschickt, um beim Lagern zu helfen, zu waschen o.ä. Wird wohl auch eher selten langweilig.
Ihr wascht eure Pats während der Nacht?
Bei uns ist das sogar per Dienstanweisung untersagt worden, wer sich nicht dran hält, wird gnadenlos abgemahnt!
einfache Platzwunden versorgen/nähen
Echt?
Gibt's hier eigentlich noch welche, deren Krankenhäuser auch ambulante Pflege in der Ausbildung zum Krankenpfleger haben?
Also vor circa 5 Jahren gab es das in meiner Ausbildung noch... Allerdings weiß ich nicht ob das noch immer so ist.
Also vor circa 5 Jahren gab es das in meiner Ausbildung noch... Allerdings weiß ich nicht ob das noch immer so ist.
Anscheinend schon. Deshalb frage ich ja. Hat mich beim Gespräch auch etwas gewundert.
agouti_lilac
08.01.2009, 19:37
Gibt's an meiner alten Krankenpflege-Schule (BW) immer noch.
Gibt's hier eigentlich noch welche, deren Krankenhäuser auch ambulante Pflege in der Ausbildung zum Krankenpfleger haben?
Bei uns muss man das ca. 3,5 Monate machen. Bei mir geht's im April los, direkt nach dem zweiten Theorieblock... :-sleppy
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