Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Habt ihr schonmal jemanden sterben sehen ?
Also ich finde die Formulierung "seinen Frieden machen" passend. Man muss für sich selbst Frieden finden, seinen Frieden mit dem Thema schliessen, sich damit abfinden, dass das Leben vergänglich ist, keiner ewig lebt, wir sterblich sind, nicht jeden retten können, ....
Warum haben Menschen Angst davor ? Ich denke, weil keiner weiss, was danach kommt (ich persönlich denke übrigens, danach kommt nix). Zur Erklärung, Hilfe, Akzeptanz tragen religiöse oder sonstige Vorstellung bei, aber man muss für sich selbst einfach einen Weg finden, mit der Thematik umzugehen. Am Besten, bevor man damit konfrontiert wird und sich auseinandersetzen muss. Natürlich ist jede Theorie unzureichend, wenns dann "passiert" und an die Praxis geht. Meine Botschaft: man muss keine Angst haben - weder vor dem Tod noch vor dem Erleben eines Todes. Man muss eine eigene Meinung darüber haben, mit sich selbst umgehen können, sich beobachten, analysieren, adäquat reagieren (hat was mit persönlicher Hygiene - sich selbst pflegen - zu tun).
nduester
13.12.2004, 11:09
also den bewußten Sterbensprozeß habe ich noch nicht erleben dürfen. Entweder war das in Form eines plötzlichen Kammerflimmerns mit nachfolgenden Reanimationsmaßnahmen oder aber halt der Verkehrsunfall, der intubiert und narkotisiert von seinem Tode nichts mitbekommen hat bzw. maschinell am Leben erhalten wurde um als Organspender noch etwas Gutes in der Welt zu hinterlassen.
Mir persönlich ist es wesentlich schrecklicher in Erinnerung, einen mehrere Wochen alten Leichnam nach Türöffnung durch die Feuerwehr in der Wohnung vorzufinden. Wenn die oben liegende Körperhälfte noch menschlich ausschaut, die untere jedoch vollgesuppt sich dem Boden angepaßt hat und von menschlichem Körper nicht mehr viel zu ahnen ist. Dies in Verbindung mit den Gerüchen... lecker. Oder (selten aber unvergesslich) ein Kamerflimmern unter der heißen (laufenden) Dusche - Stunden später durch die Ehefrau gefunden. Menschliches Fleisch riecht nicht sonderlich gut wenn es gar ist.
Der Umgang mit Angehörigen von verstorbenen Menschen ist sehr verschieden. Bei manchen hat man einen guten Kontakt und es fällt einem geradezu leicht mit diesen Menschen zu sprechen, mitzufühlen, manchmal auch eine Zeit mitzutrauern, bei anderen fehlt mir dieser Zugang oder aber die Situation gestattet meinem "Selbstschutz" keine weitergehende gefühlsmäßige Beteiligung.
Gruß, Nils
Froschkönig
13.12.2004, 15:46
Mir persönlich ist es wesentlich schrecklicher in Erinnerung, einen mehrere Wochen alten Leichnam nach Türöffnung durch die Feuerwehr in der Wohnung vorzufinden. Wenn die oben liegende Körperhälfte noch menschlich ausschaut, die untere jedoch vollgesuppt sich dem Boden angepaßt hat und von menschlichem Körper nicht mehr viel zu ahnen ist. Dies in Verbindung mit den Gerüchen... lecker. Oder (selten aber unvergesslich) ein Kamerflimmern unter der heißen (laufenden) Dusche - Stunden später durch die Ehefrau gefunden. Menschliches Fleisch riecht nicht sonderlich gut wenn es gar ist.
Jaja, alles schön eklig, aber Themaverfehlung ;-) Der Umgang mit Toten ist in solchen Fällen auch ein Thema für sich, aber das sterben ist kein Bestandteil mehr davon....
Christoph_A
14.12.2004, 13:31
Ich habe auf der Inneren, insbesondere auf der Nephro, schon oft Menschen sterben sehen. Am Anfang ist soetwas belastend, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran, noch dazu, weil es für diese Menschen ja oft einer Erlösung gleichkommt. Ausserdem sind die meisten von ihnen wirklich friedlich entschlafen, ohne grossen Krampf etc. Die Natur ist da wirklich oft gnädig. Anders sieht es natürlich bei jungen Menschen aus-mir ist erst vor ein paar Monaten mein Patenkind mit drei Jahren nach einem längeren Kampf zwischen Leben und Tod weggestorben-das hat mich,natürlich auch,weil ich persönlich involviert war ( war das Baby meiner besten Freundin, die ich seit dem Kindergarten kenne), deutlich mehr mitgenommen, als andere Tode.
Dennoch, der Tod gehört zum Leben und nur, weil das oft tabuisiert wird, wird sich das nicht ändern. Ich denke, jeder junge Mediziner muß sich da seine eigene Copingstrategie entwickeln.
Neujahrsrakete
14.12.2004, 13:40
Die bisher hier geschriebenen Berichte finde ich interessant zu lesen.
Um aber auf die ursprüngliche Frage zu antworten:
Nein, ich war beim letzten Atemzug eines Menschen noch nicht dabei.
Klar gab es im Pflegepraktikum oder während einer Famulatur die Situation, daß ein Patient zwischen zwei meiner Dienste gestorben war. Aber darum geht's hier ja nicht.
Beim letzten Atemzug eines Patienten war ich zwar noch nicht dabei, aber es kam dem sehr nahe, was ich im Pflegedienst erlebt hab:
alte Dame, mehrfache Schlaganfälle, stetige AZ-Verschlechterung bis dahin, daß sie weder sprechen noch einen Muskel rühren konnte;
war gerade wieder aus dem Altenheim eingeliefert und reanimiert(!!!) worden, als ich abends kurz zu ihr gehe, um nach ihr zu sehen.
Nach ein paar freundlichen Worten von mir (sie war dazu ja nicht in der Lage, kuckt mich aber klar an) gehe ich hoch ins Bettenlager, um ein paar Kissen zur Lagerung zu besorgen, und als ich wieder nach unten komme, stehen die Angehörigen weinend vor dem Zimmer.
Tja, wir haben sie dann ein wenig zurecht gemacht, aber was mich sehr beeindruckt hat, war die Atmosphäre in dem Zimmer, das war unheimlich.... hmm... friedlich ......
ehemalige Userin 24092013
15.12.2004, 00:22
*hmmmm*....Habt ihr schon mal jemanden sterben sehen?
Klar ist hier grad der Sterbevorgang an sich gemeint, aber was ist mit dem Sterben auf eine andere Art.
Das sterben der Menschen, die jahrelang mitten im Leben standen und dann wegen Krankheit, schwach sind, sich aufgeben...nicht mehr können, nicht mehr wollen, nicht mehr das sind, was sie mal waren.
Sie sterben langsam, jeden Tag ein bisschen mehr und manchmal ist es schwerer das mit an zu sehen ( auch wenn ich die Grenzen der Medizin mehr als akzeptiere ), als das biologische Sterben.
Mein erstes Mal (soweit mein Gedächtnis um diese Uhrzeit noch funktioniert) war während meines Pfelgepraktikums. Ein Mann in seinen besten Jahren mit infauste Prognose. Ich habe ich immer noch 5 Tage gepflegt. Mir war bewusst, dass er sehr bald sterben würde und war deshalb ein komisches Gefühl, wenn ich ihn gewaschen habe. Am Ende kamen seine Angehörigen und noch ein Priester...und alle Geräte wurden ausgeschaltet.
direkt mit dabei war ich bisher nur einmal. die patientin wurde von der ITS verlegt jedoch war klar dass sie nicht mehr lange zu leben hatte. die ärzte meinten auch schon das bei ihrer krankheitsgeschichte.. sie auch eher keine reanimation machen würden. schon am 2. tag war sie nur noch am schreien von namen und riss sich die schläuche aus. wenn ich zeit hatte ging ich zu ihr und hielt ihre hand und beruhigte sie und war halt mal peter,paul, petra.... nach wem auch immer sie rief. nach ein paar h als ich wieder zeit hatte und ihre hand hielt kam dann irgendwann kein gegendruck mehr.. viel schlimmer fand ich jedoch am nächsten tag die schwester von ihr mit ihrem mann die gerade aus dem arztzimmer kamen und sie gern ein wasser wollte und bei mir ankam und mich fragte wie es der schwester denn ergangen sei in den letzten stunden.. und was sagt man dann?! hmm schwer schwer, das war ein moment in dem ich die wahrheit dann doch etwas verändert darstellte da sie doch recht gelitten hatte.
ansonsten hörte ich immer nur von dem tod der patienten. am fr meinte man schon dass sie das we nicht schaffen würde. am mo war sie noch da aber nach dem waschen.. naja hmm. da jedoch vorschrift ist sie nochmal zu waschen obwohl sie ne h vorher ja erst gewaschen wurde und die andern schwester sich weigerten musste ich mit nem pfleger den job übernehmen.
@-;-
Da ich nicht nur im OP tätig bin sondern auch teils auf der ITS habe ich schon mehrfach Patienten hautnah beim sterben begleitet. Das schlimmste Erlebnis und zugleich auch wohl Emotionalste hatte ich letztes Jahr bei einer Pat. zur der ich einfach ein engeres Verhältniss aufgebaut habe. Das war nicht mehr diese gewisse Distanz Pfleger-Pat. sondern einfach schon eine richtige Bekanntschaft. Sie starb letztendlich wohl an Altersschwäche aber wie sie davon geschieden ist, und mich dabei angesehen hat, das war schon sehr heftig. Zumal ihre letzten Worte an mich "Danke für alles" waren. Das habe ich lange nicht verarbeiten können, und auch jetzt wenn ich das hier schreibe läuft es mir kalt den Rücken runter!
ehemalige Userin 24092013
22.04.2008, 15:57
*rauskram*
Ist euch mal aufgefallen das es Patienten gibt, die während des Sterbens (trotz Analgesie) einen irgendwie gequälten Gesichtsausdruck haben, der sich nach dem Sterben in eine friedliche beinahe lächelnde "Mimik verwandelt"?
alley_cat75
22.04.2008, 16:08
Zumal ihre letzten Worte an mich "Danke für alles" waren. Das habe ich lange nicht verarbeiten können,...
Diese direkte Miteinbeziehung finde ich auch sehr schwer. Ich arbeite auf einer onkolastigen Station und erlebe wöchentlich hautnah, wie Patienten sterben. Besonders trägisch letzte Woche: ein Patient mit austherapierter COPD, der jede weitere intensivmedizinische Betreuung ablehnte. Ich musste 3 Tage zuschauen, wie der Mann in die CO2-Narkose rutschte. Seine letzten Worte waren an mich gerichtet: Sie sind mein Engel. Danke, dass Sie mich gehen lassen. *grusel*
*rauskram*
Ist euch mal aufgefallen das es Patienten gibt, die während des Sterbens (trotz Analgesie) einen irgendwie gequälten Gesichtsausdruck haben, der sich nach dem Sterben in eine friedliche beinahe lächelnde "Mimik verwandelt"?
Ich hab ja immer noch niemanden sterben sehen. Einmal war's fast soweit, aber da ich kurz vorm Heulen war und mir das vor den abgebrühten ITS Pflegern peinlich gewesen wäre, bin ich raus gegangen und hab's nur am Monitor verfolgt. Bradykardie von 20/min, Sättigung bei 50 oder so... irgendwann Asystolie. Dann bin ich wieder rein ins Zimmer. Ich mag Tote nicht. Die sehen gruselig aus.
@Kaddel: Meine mal irgendwo gelesen zu haben, dass dieser Gesichtsausdruck auch nen Namen hat. Facies hippocratica.
luckyscrub
22.04.2008, 17:32
Ich war schon mehrfach beim Sterbeprozess dabei. Die meisten durften sterben. Eine Patientin hat -soweit man das sagen kann- auf mich "gewartet". Ich hatte sie gepflegt und dann 2 Tage frei. Sie freute sich, mich am Morgen zu sehen und sagte mir das auch......sie schickte ihre Angehörigen heim und schlief -Händehalten durch mich- friedlich ein. Sie sah im Sterbeprozeß und auch tot so friedlich aus......sie war tatsächlich in Frieden gegangen.
Und auch wenn das ganze jetzt schon fast 8 Jahre her ist, kann ich mich immer noch so daran erinnern, als wäre es gestern gewesen.
Mir persönlich macht das ein wenig weniger Angst vor dem eigenen Ableben.
alley_cat75
22.04.2008, 18:02
Ich mag Tote nicht.
Ich nehme mal an, dass die keiner von uns mag. Mir zumindestens sind meine Patienten lebend am liebsten.
Schimmelschaf
22.04.2008, 18:35
*rauskram*
Ist euch mal aufgefallen das es Patienten gibt, die während des Sterbens (trotz Analgesie) einen irgendwie gequälten Gesichtsausdruck haben, der sich nach dem Sterben in eine friedliche beinahe lächelnde "Mimik verwandelt"?
Ja, der ist bekannt. Gequält.. hm... fand ihn so, als wäre die Person wie anstrengent (schreibt man das nu mit d oder t am Schluss?). Schwer zu erklären, is aber auch Ansichtssache. Muss das jedenfalls nicht mehr sehen. :-?
Ich nehme mal an, dass die keiner von uns mag. Mir zumindestens sind meine Patienten lebend am liebsten.
Hängt vom individuellen Patienten ab. Bei manchen bin ich froh, wenn sie es geschafft haben, bevor ein Schlauberger auf die Idee kommt, sie noch durch irgendeine Diagnostik zu quälen. Die sehen dann tatsächlich oft friedlicher aus.
Und mögen... naja, ich empfinde einen toten Patienten eigentlich nicht als persönliche Niederlage, insofern seh ich das relativ wertfrei. Es sei denn, der Patient verstirbt an einem therapierbaren Akutereignis.
Aber obwohl ich ein Gegner von Sterbehilfe bin, seh ich den Tod doch als was ganz natürliches, was es jetzt nicht in jedem Fall unbedingt zu bekämpfen gilt.
alley_cat75
22.04.2008, 19:04
Mit "nicht mögen" wollte ich eigentlich keine ethische Grundsatzdiskussion beginnen. Wir sind Ärzte und arbeiten auf das Leben hin - nicht auf den Tod. Dass uns dabei der ein oder andere auf der Strecke bleibt, steht ausser Frage. Das ist der Werdegang des Lebens. Es geht hier doch mehr um die Frage, wie unbehaglich wir uns in Gegenwart von Sterbenden/Toten fühlen und jeder dürfte sich wohl mehr oder weniger berührt fühlen. Denn der Tod eines Patienten erinnert uns auch stets an die eigene Vergänglichkeit oder zumindestens an die uns nahe stehender Personen. Daher: Unbehagen erlaubt. Mehr wollte ich nicht zum Ausdruck bringen, aber danke Evil, dass ich mir wegen Dir jetzt blasige Finger getippt habe. :-top
ehemalige Userin 24092013
22.04.2008, 19:06
den abgebrühten ITS Pflegern
Nananana!!! :-));-).
Tja aber Recht hast Du trotzdem.
2004 hab ich in diesem Thread noch was von "wenigstens hab ich mein Herz noch nicht verloren" geschrieben.
Mittlerweile siehts da schon anders aus. "Sterben" ist für mich Alltag geworden - auch wenn es nicht immer täglich passiert. Es gibt aber immer mal wieder "Stosszeiten" wo´s täglich wird.
Wenn ein Patient stirbt stehe ich komplett emotionslos daneben. Mir machen ehr die weinenden Angehörigen Mühe, diese am Bett zu erleben ist nach wie vor tragisch.
Nach einer erfolglosen und üblen Rea kann ich wohl damit leben, dass es eben diesmal nicht funktionierte.
Viel schlimmer finde ich aber, wie man es in so kurzer Zeit schafft, aus einem z.B. sonst gepflegten Menschen (der vll mitten auf der Strasse reanimationspflichtig wurde) ein Monster zu schaffen.
Livide - gräulich aufgedunsen und im Gesicht blutüberströmt von einer erschwerten Intubation, inkl. verschmiertes Make up...etc.
aber danke Evil, dass ich mir wegen Dir jetzt blasige Finger getippt habe. :-top
Strike :-))
und es heißt "Deinetwegen"
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