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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medizinhistorische Doktorarbeit...



T-Boy
27.01.2005, 16:14
Hallo,

ich überlege eine medizinhistorische Dissertation zu übernehmen, da ich ein Thema bearbeiten könnte, das mich sehr interessiert.
Hat irgendwer Erfahrungen mit solchen Arbeiten oder gar selbst eine verfasst?

1. Welchen Umfang haben solche Arbeiten normalerweise?
2. Mit welchem Zeitaufwand muss ich rechnen (verglichen mit anderen Arbeiten)? Der Vorteil wäre ja, dass ich nicht an Laborzeiten oder ähnliches gebunden wäre, sondern wo und wann ich will an dem Ding arbeiten könnte.
3. Wie ist es mit der Benotung... ist eine gute Note überhaupt möglich oder werden medizinhistorische Arbeiten eher als Arbeiten "2. Klasse" angesehen? Verbaut man sich damit irgendwas?

Danke für jede Antwort!!

T-B

Rico
27.01.2005, 16:39
1. Welchen Umfang haben solche Arbeiten normalerweise?Der Arbeitsaufwand liegt dann eben vorwiegend in der Recherche in einer Bibliothek oder diversen papierbasierten Medien - MedLine ade :-((
Und wenn kein digitalisiertes Verzeichnis vorliegt, dann ist die Suche auch oft schwierig und langwierig.

Auch liegen (so wie mir das mal ein Kommilitone erklärt hat, der so eine Arbeit machen wollte) die Schwerpunkte dann sehr im traditionellen Sinn einer Doktorarbeit. Die normale Medizinerdoktorarbeit ist ja - literarisch gesehen - eine Doktorarbeit light (weil der Doktorand ja viel Zeit mit Labor, Datenerhebung und statistischer Auswertung verbringt, was das wieder ausgleicht) - das gilt aber für die historische Arbeit nicht, d.h. es kommt sehr stark auf Techniken der Archivrecherche und dergleichen an. Das sind eben Techniken, die man in unserem Studium nicht so sehr lernt, wie beispielsweise bei den Geisteswissenschaftlern, die das ständig in ihren Semester- und Hausarbeiten trainieren, weswegen die Einarbeitung da etwas aufwändiger ist (das Prinzip von Medline hast Du ja dagegen in ner guten Stunde verinnerlicht)

Der Vorteil wäre ja, dass ich nicht an Laborzeiten oder ähnliches gebunden wäre, sondern wo und wann ich will an dem Ding arbeiten könnte.Cave: Sehr alte Bücher dürfen oft nicht entliehen werden, sondern nur vor Ort eingesehen/kopiert werden.
Falls das für Deine Werke zutrifft solltest die Du Öffnungszeiten von Bibliotheken und Instituten, in denen die liegen, vorher abklären. Diese können öfters mal unflexibler sein als Laborzeiten.

tonexxx
27.01.2005, 16:52
Auch liegen (so wie mir das mal ein Kommilitone erklärt hat, der so eine Arbeit machen wollte) die Schwerpunkte dann sehr im traditionellen Sinn einer Doktorarbeit. Die normale Medizinerdoktorarbeit ist ja - literarisch gesehen - eine Doktorarbeit light (weil der Doktorand ja viel Zeit mit Labor, Datenerhebung und statistischer Auswertung verbringt, was das wieder ausgleicht) - das gilt aber für die historische Arbeit nicht, d.h. es kommt sehr stark auf Techniken der Archivrecherche und dergleichen an. Das sind eben Techniken, die man in unserem Studium nicht so sehr lernt, wie beispielsweise bei den Geisteswissenschaftlern, die das ständig in ihren Semester- und Hausarbeiten trainieren, weswegen die Einarbeitung da etwas aufwändiger ist (das Prinzip von Medline hast Du ja dagegen in ner guten Stunde verinnerlicht. Aber gerade weil hier eher geisteswissenschaftliche Kenntnisse gefordert sind, soll die Betreuung durch die meist doppelqualifizierten Profs ganz gut sein.

In allen andere Punkten kann ich dir zustimmen.

tonexxx,
der auch noch überegt, medizinhistorisch zu promovieren :-top

Rico
27.01.2005, 17:07
Aber gerade weil hier eher geisteswissenschaftliche Kenntnisse gefordert sind, soll die Betreuung durch die meist doppelqualifizierten Profs ganz gut sein.Also was die letzendliche Betreuung angeht, sind so allgemeine Prognosen sicher mit Vorsicht zu genießen, weil das alles sehr personenabhänging ist.

Meiner Erfahrung (ich hab mal in der Vorklinik ein Seminar über Medizingeschichte gemacht und da auch ein Referat gehalten) nach, freuen die sich da schon, wenn sich mal einer für ihr (damals noch nahezu vollständig von der AO vernachlässigtes) Fachgebiet interessiert und sind auch zumindest am Anfang sehr motiviert.
Das sagt natürlich wenig aus über die vielen Medizinhistoriker, die sich so an den Unis deutschlandweit tummeln.

T-Boy
27.01.2005, 17:22
Danke für Eure schnellen Antworten !
Also das mit dem Einarbeiten meinte ich nicht so mit Zeitaufwand, da ich schon ein Studium abgeschlossen habe und die benötigten Techniken (Recherche, Aufbau etc.) beherrsche. Das Thema ist auch nicht so sehr von seltenen Originalquellen abhängig. Auch die Betreuung schätze ich hier ganz gut ein, der betreuende Mitarbeiter des Profs hat sich super viel Zeit schon für das erste Telefonat genommen.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich meinte eher, ob eine medizinhistorische Arbeit - unter den genannten Umständen -
a) weniger aufwändig ist als eine "klassische" medizinische Dissertation - wäre für mich ein schlagendes Argument, da ich mich selbst finanziere
und
b) trotzdem gleichwertig behandelt wird, ich mir also nicht unbedingt was damit verbaue (Bewerbung etc.)...

Danke nochmals !!

T-B

tonexxx
27.01.2005, 17:32
@ Rico: Oh ja, danke für die "Richtigstellung". Das hätte ich wohl etwas stärker betonen sollen, schließlich ist das ja nun wirklich von der Uni abhängig. Hier wäre es so und von Bonn habe ich auch Gutes gehört.

@ T-Boy: zu deiner Frage a) würde ich mal sagen, eine historische Diss. ist anders aufwändig als eine im Labor. Aber wenn es dir wegen deines Erststudiums liegt: unbedingt machen!

Und später interessiert sich kein Schwein für das Thema deiner Doktorarbeit, es sei denn, du willst eine weitere akademische Laufbahn einschlagen.

Disclaimer: wobei es natürlich 1 bis 2 Chefärzte geben kann, die sich da doch für interessieren.

surfsmurf
28.01.2005, 09:46
Ich möchte die Fragen nochmal erweitern auf ein medizin-ethisches Thema. Wie wird das von zukünftigen Arbeitgebern bewertet? Oder kennt irgendwer jemanden, der das gemacht hat oder noch vor hat? :-stud

synosoph
28.01.2005, 11:42
Disclaimer: wobei es natürlich 1 bis 2 Chefärzte geben kann, die sich da doch für interessieren.

Entweder das oder genau andersrum: Eine gute Diss in dem etwas "exotischeren" und geisteswissenschsftlichen Bereich, kann auch eine Empfehlung sein, die dich aus der Masse der "Rite-Statistiker" hervorleuchten läßt.

Vor allem: Wenn Du Doktorarbeit mit Interesse und Freude schreibst, sparst Du viel Kraft, die Dir dann für die klinische Ausbildung zur Verfügung steht.

LIBre
12.04.2005, 19:08
Ich muß jetzt mal, äh, ganz blöd nachfragen...
Ne medizinhistorische Arbeit gibt mir den Titel Dr. med., und nicht etwa Dr. phil. oder ähnliches, oder?! Mein Vater hat mich da irgendwie durcheinander gebracht, weil der nicht verstand, was ich meinte, als ich medizinhistorisch sagte, und er spontan glaubte, ich wolle das Studium schmeißen und Geschichte studieren... (und das, nachdem ich mir solche Mühe mit dem Physikum gemacht hab? Bestimmt nicht! :-D )

Gruß,
Lukas

Morgagni
13.04.2005, 08:25
keine angst. in unserem med.hist. institut kannst du dr.med., dr.med.dent., dr.phil und (glaube ich auch) dr.biol werden. ich strebe den dr.med. an. :-stud

LIBre
14.04.2005, 01:02
@Morgagni:
Hm... Dein Eintrag klang jetzt fast so, als würdest Du auch in Köln studieren... wenn ja, würd ich Dich ja glatt mal gern interviewen zum Thema "medizinhistorische Doktorarbeit"... :-)

...und auch sonst, sollte sich jemand angesprochen fühlen... :-))