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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : 6 Antihypertensiva ?



Goborg
16.04.2005, 00:15
Mir wurde neulich mal der Medi-zettel von der mutter einer freundin gezeigt.

VE: Adipositas per magna, hypertonus, herzinsuff., NIDDM (schlecht eigestellt, wäre vielleicht doch eher nen IDDM ;-) ),polyneuropathie, chron. venöse insuffizienz, arthrose, depressionen...etc. sprich: ein (nicht nur) internistisches polytrauma

die gute dame hatte sage und schreibe 6 antihypertensiva auf der liste:

betablocker
furosemid
spironolacton
ca-antagonist
alpha-blocker
nitrat


das ist doch hirnrissig und nicht lege artis, oder ???

meiner erkenntnis nach ist doch ne 3er therapie maximum.

bitte um eure kommentare :-)

test
16.04.2005, 00:31
Ich würde sagen die Sachen sind nicht alle nur für den Hypertonus.
Was mir aber in dem Schema fehlt ist nen ACE Hemmer oder AT2 Antagonist wenn sie ne Herzinsuffizienz hat. Ich denke das Spironolacton ist für die Herzinsuffizienz und nicht für den Hypertonus. Furosemid ist auch kein typisches Hypertonus Diuretium da würde man eher ein thiazid nehmen. Vielleicht ist was mit der niere auch nich in ordnung?
Wie du bereits sagtest ist sie ein internistisches Polytrauma und da braucht man meist ziemlich viele Medis. Ich denke das mit den maximal 3 medikamenten gilt nur für eine essentielle hypertonie ohne Begleiterkrankungen. Ich meine der beta Blocker beispielsweise ist ja auch gut für die Herzinsuffizienz.

Trotz allem ist das natürlich alles nur Spekulation, da ich natürlich auch nicht sagen kann, was sich der betreffende Arzt genau gedacht hat bei den Medikamenten. :-nix :-winky

FataMorgana
16.04.2005, 09:27
die gute dame hatte sage und schreibe 6 antihypertensiva auf der liste:

betablocker
furosemid
spironolacton
ca-antagonist
alpha-blocker
nitrat


das ist doch hirnrissig und nicht lege artis, oder ???

Es sind nur 4 Antihypertensiva! Spironolacton ist kein eigentliches Antihypertensivum, es wird hier sicher wegen der Herzinsuffizienz gegeben. Auch ein Nitrat zählt nicht zu den Antihypertensiva. Beide Medikamente wirken zwar blutdrucksenkend, sind aber für eine Dauer-Monotherapie nicht geeignet.

Ich bin auch der Meinung, dass diese Therapie "vom grünen Tisch" aus betrachtet nicht ganz lege artis ist. Aber aus anderen Gründen. Eine Kombination von bis zu 4 Antihypertensive kann notwendig sein, denn gerade bei Diabetes sollte der Blutdruck sehr streng eingestellt sein (Ziel unter 130/80).

Was mich an der Therapie stört, sind der Alphablocker und das Nitrat. Wo soll denn die Indikation für das Nitrat sein? Von KHK ist ja bisher keine Rede gewesen. Als Blutdrucksenker kann man es allenfalls mal in einer Akutsituation nehmen, dauerhaft schadet es nur! Man könnte allenfalls spekulieren, dass die Ursache der Herzinsuffizienz eine ischämische Kardiomyopathie ist. Aber wenn keine ständigen stenocardischen Beschwerden vorliegen, muss das Nitrat imho weg aus der Dauertherapie.

Auch ein Alphablocker ist, um es mal vorsichtig zu sagen, ein ungewöhnliches Antihypertensivum. Er ist ohnehin nur selten indiziert, und schon gar nicht bei Herzinsuffizienz. Mir fiele er als sinnvoll ein bei Männern, bei denen gleichzeit die Prostatahyperplasie behandelt werden soll, und bei Phäochromozytom in Kombination mit Betablockern.

Test hat völlig Recht, dass ein ACE-Hemmer bzw. AT1-Blocker fehlt. Dieser ist in der genannten Konstellation dringend indiziert. Falls es Probleme mit Hyperkaliämie geben sollte, muss Spironolacton abgesetzt und ein ACE-Hemmer bzw. bei dessen Unverträglichkeit ein AT1-Blocker verwendet werden. Allerdings könnten natürlich bisher nicht genannte Kontraindikationen vorliegen.

Falls das Problem Niereninsuffizienz sein sollte, hätte man schon längst Spironolacton absetzen müssen, test. Das ist noch problematischer bei Niereninsuff. als ein ACE-Hemmer oder AT1-Antagonist.

Ohne die Patientin zu kennen, würde ich ihr bei der Diagnoseliste folgende Medikamente geben (in der Reihenfolge der Priorität):

ACE-Hemmer (z. B. Ramipril, bzw. AT1-Antagonist bei Unverträglichkeit)
Betablocker (z. B. Metoprolol)
Schleifendiuretikum (besser Torasemid als Furosemid wegen konstanterer und höherer oraler Bioverfügbarkeit)
Spironolacton
Calciumantagonist (z. B. Amlodipin)

Dabei finde ich es besser, wenn man zunächst wenige Medikamente bis zur Maximaldosis ausdosiert und dann ggf. weitere hinzunimmt.

Weiterhin sollte man bei der Frau wirklich Insulin erwägen.