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FataMorgana
01.06.2005, 12:19
:-) Ok, danke für eure Antworten, so langsam verstehe ich das... Aber wie soll denn ICH (als kleine noch nicht einmal examinierte Pflegeschülerin) das wissen??? Und vor allem WOZU? :-???
Das ist mir allerdings auch schleierhaft. Zumal das rheumatische Fieber sehr selten geworden ist. Vielleicht ist da jemand von den Unterrichtenden nicht ganz auf dem aktuellsten Stand?
Ich würde auch mal behaupten, dass diese Antworten mit dem Berufsalltag von Pflegefachkräften herzlich wenig zu tun haben.
Das Abgefahrenste finde ich die Geschichte mit den Augenkrankheiten.
Vielleicht soll die Frage auch pädagogisch wertvoll sein und Euch aufzeigen, welcher Zusammenhang u. U. zwischen verschiedensten Organen bestehen kann, auch über "immunologische Umwege" etc.
P.S.: Funkel, gut, dass ich die "Kaktarakte" zitiert hatte, bevor Du mit dem Radiergummi angerückt bist! Gesprochen klingt es halt ganz lustig!
Feuerblick
01.06.2005, 13:52
*lach* Japp - daher ja auch die Bemerkung zur Änderung :-blush
Zoidberg
03.06.2005, 15:30
Das hier schreibt Nelsons Textbook of Pediatrics 17th ed.
"TONSILLECTOMY.
Tonsillectomy alone is usually performed for recurrent or chronic pharyngotonsillitis. Although there are no strict criteria for number of infections, many experts support the criteria developed for the Children's Hospital of Pittsburgh study:
seven or more throat infections treated with antibiotics in the preceding year,
five or more throat infections treated in each of the preceding 2 yr,
or three or more throat infections treated with antibiotics in each of the preceding 3 yr.
Clinical indicators developed by the American Academy of Otolaryngology and Head and Neck Surgery suggest the occurrence of three or more treated infections per year as sufficient to warrant surgical intervention. Tonsillectomy has been shown to be effective in reducing the number of infections and the symptoms of chronic tonsillitis such as halitosis, persistent or recurrent sore throats, and recurrent cervical adenitis. In resistant cases of cryptic tonsillitis, tonsillectomy may be curative. Rarely in children, tonsillectomy may be indicated for biopsy of a unilaterally enlarged tonsil to exclude a neoplasm or to treat recurrent hemorrhage from superficial tonsillar blood vessels.
Ich hab auch in einigen Büchern inzwischen nachgeguckt und nie beim rheumatischen Fieber ne Tonsillektomie als Empfehlung gelesen. Auch in unserem Päd Seminar wurde beim rheumatischen Fieber nichts dazu gesagt. :-nix
Sebastian1
03.06.2005, 16:29
Auch in den Fällen von rheumatischem Fieber, die ich während meiner Auslandsfamulatur reichlich gesehen habe, wurde das nie erwähnt... ich versteh auch die Logik dahinter ehrlich gesagt nicht.
FataMorgana
03.06.2005, 18:00
Auch in den Fällen von rheumatischem Fieber, die ich während meiner Auslandsfamulatur reichlich gesehen habe, wurde das nie erwähnt... ich versteh auch die Logik dahinter ehrlich gesagt nicht.
Na ja, die Logik dahinter ist doch eigentlich klar: Die Gruppe-A-Streptokokken neigen dazu, sich längerfristig in den Tonsillen anzusiedeln und dort rezidivierende oder auch chronische Tonsillitiden zu verursachen. Oder eben auch einfach nur eine Besiedlung. Da es sich beim rheumatischen Fieber um eine Kreuzreaktion der Antikörper gegen Bakterienantigene mit körpereigenen Antigenen handelt, kann diese Kreuzreaktion bei Persistenz oder Rezidiv der erregerbedingten Erkrankung ebenfalls rezidivieren. So weit zur Theorie.
Entscheidende Frage wäre jetzt, ob eine Tonsillektomie die Rezidivwahrscheinlichkeit eines rheumatischen Fiebers tatsächlich senkt. Und wie sich dieser Effekt im Vergleich zum Risiko der TE verhält. Darüber gibt es bestimmt Studien - leider kenne ich nur keine.
Schaut Euch bitte auch mal den Link bei autoimmun.org an - das ist eine seriöse Seite der Deutschen Gesellschaft für Autoimmun-Erkrankungen. Im wissenschaftlichen Beirat sitzen einige der Top-Immunologen Deutschlands. Ich denke nicht, dass diese Empfehlung auf der Seite dort so aus der hohlen Hand heraus gegeben wurde.
FataMorgana
03.06.2005, 18:09
Wenn man PubMed dazu befragt, deutet einiges darauf hin, dass die Tonsillektomie nach rheumatischem Fieber früher propagiert wurde, aber heutzutage obsolet ist. Könnte das evtl. des Rätsels Lösung sein?
Man schaue sich nur die Jahrgangsverteilung der Treffer an: Lauter alter Kram aus den 70er Jahren etc.
Als Beispiel nenne ich mal diesen Artikel:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=pubmed&dopt=Abstract&list_uids=6368111&query_hl=1
Sebastian1
03.06.2005, 18:17
Entscheidende Frage wäre jetzt, ob eine Tonsillektomie die Rezidivwahrscheinlichkeit eines rheumatischen Fiebers tatsächlich senkt. Und wie sich dieser Effekt im Vergleich zum Risiko der TE verhält. Darüber gibt es bestimmt Studien - leider kenne ich nur keine.
Eben. Warum sollte die TE die Besiedlungswahrscheinlichkeit vermindern? Und (ich bin ja nun in HNO nicht wirklich fit) war es nicht auch so, dass nur die Rachenmandeln bei der TE entfernt werden?
FataMorgana
03.06.2005, 18:45
Eben. Warum sollte die TE die Besiedlungswahrscheinlichkeit vermindern? Und (ich bin ja nun in HNO nicht wirklich fit) war es nicht auch so, dass nur die Rachenmandeln bei der TE entfernt werden?
Nö, nur die Gaumenmandeln. Die Besiedlungswahrscheinlichkeit wird nach der OP mit ziemlicher Sicherheit sinken, wenn die Tonsillen zuvor hyperplastisch und zerklüftet waren, wie das bei Betroffenen häufig der Fall ist. Da fühlen sich die Streptokokken eben besonders wohl. Nicht umsonst ist die häufigste durch A-Streptokokken verursachte Erkrankung die Angina der Gaumenmandeln! Dort ist sozusagen das Habitat dieser Bakterien.
Wie sieht das denn eigentlich mit der Immunität gegen A-Streptokokken, bzw die Antigene aus? Gibt es Fälle, wo Personen mehrmals an rheumatischem Fieber erkrankt sind? Hab ich bislang noch nicht von gelesen, und wenn das rheumatische Fieber einmal aufgetreten ist, ist das Kind ja quasi schon in den Brunnen gefallen...
Wie sieht das denn eigentlich mit der Immunität gegen A-Streptokokken, bzw die Antigene aus? Gibt es Fälle, wo Personen mehrmals an rheumatischem Fieber erkrankt sind? Hab ich bislang noch nicht von gelesen, und wenn das rheumatische Fieber einmal aufgetreten ist, ist das Kind ja quasi schon in den Brunnen gefallen...
Was meinst du mit mehrmals? Das große Problem bei rheumatischem Fieber sind ja die Rezidive nach erneuter Strep A Infektion. Daher gibt man dann ja auch meist für 5-10 Jahre die Penicillin Prophylaxe.
Eine Immunität gegen A Streps gibts meines Wissens nicht, die Antikörper Titer werden bei sehr nahe 100% der Bevölkerung vorhanden sein. trotzdem kommt es zu erneuten Tonsillitiden.
Ich denke, dass die Tonsillektomie wahrscheinlich auch nicht verhindern kann, dass eine erneute Strep A Infektion stattfindet und somit der Nutzen nicht so hoch ist, wie die Einnahme von Penicillin, dass jegliche Strep A Infektion wohl relativ gut verhindern kann. :-nix
FataMorgana
04.06.2005, 10:45
Wie sieht das denn eigentlich mit der Immunität gegen A-Streptokokken, bzw die Antigene aus? Gibt es Fälle, wo Personen mehrmals an rheumatischem Fieber erkrankt sind? Hab ich bislang noch nicht von gelesen, und wenn das rheumatische Fieber einmal aufgetreten ist, ist das Kind ja quasi schon in den Brunnen gefallen...
Natürlich gibt es Rezidive beim rheumatischen Fieber! Das ist ja genau das Problem. Sonst bräuchte man sich ja gar keine Gedanken um Penicillin bzw. TE hinterher zu machen.
Neutralisierende Antikörper existieren meines Wissens nur gegen die erythrogenen Toxine, so dass man nicht beliebig oft an Scharlach erkranken kann (auch darüber hatten wir mal eine Diskussion hier im Forum). Einen sicheren spezifischen Immunschutz gegen A-Streptokokken bauen wir Menschen meines Wissens nicht auf.
Noch ein Hinweis für alle, die meinen, von einer Tonsillektomie nach rheumatischem Fieber hätten sie noch nie gehört und sowas würde weltweit bestimmt auch nirgends gemacht (*übertreib*): Da empfehle ich mal die Konsultation des Herold. In der Auflage von 2003 steht's zumindest noch drin.
Also, zuerst einmal herzlichen Dank für die Beantwortung meiner ersten Frage... es hat mir weitergeholfen, und vielleicht kann ich ja dadurch im Examen extra punkten ;-)
Nun aber zu meiner zweiten Frage:
Bei einerm akuten arteriellen Verschluss hat man starke Schmerzen. Aber wie kommen diese zustande? Für solche Empfindungen sind doch eigentlich Nerven verantwortlich. Leiden diese auch durch den hypoxischen Gewebsschaden oder entstehen die Schmerzen durch die massie Schwellung der Extremität und der damit zusammenhängenden Kompression der Nerven?
Ein hypoxischer Schaden macht sicher starke Schmerzen.
Nozizeptoren werden aktiviert beispielsweise durch H+, K+, Prostaglandine und Bradykinin.
Alles Faktoren die durch Zellschädigungen/Azidose (H+, K+) frei werden bzw. bei einer Entzündungsreaktion (PG, BK), die bei GEwebszerstörung auch ablaufen, gebildet werden.
Die Schwellung und Kompression wird sicher zusätzlich auch noch Schmerzen verursachen. Nozizeptoren reagieren auch auf mechanische Reize. Der Nerv an sich wird, denke ich zumindest, nicht so schnell kaputt gehen, da ja sein Perikaryon im SPinalganglion liegt und normalerweise durch den periipheren arteriellen Verschluß nicht direkt betroffen ist.
Was muss ich mir unter grob- bzw feinblasigen Lungengeräuschen vorstellen???? :-blush
Zoidberg
26.06.2005, 13:28
http://www.pulmonaryrehab.com/lung_sounds.htm
hör dir die Crackles an
Oh danke, jetzt weiss ich auch was damit gemeint ist. :-)
Wieso wird beim fetalen Blutkreislauf neben der Lunge auch die Leber umgangen????
Lunge versteh ich so: da das Ungeborene noch keinen Sauerstoff über die Lungen einatmen kann muss dieser Teil auch nicht durchblutet werden?????
Die Lunge kann so gut wie gar nicht durchblutet werden, weil sie zusammengefaltet ist, und damit die Gefäße ziemlich eng (hoher Widerstand).
Und die Leber... naja, das Nabelschnurblut enthält ja idealerweise keine in der Leber zu metabolisierenden Stoffe und kann direkt in den fetalen Körperkreislauf... da wäre ein Umweg ja auch nicht sinnvoll...
Wieso bekommt man im Sommer Kopfschmerzen wenn man zu wenig trinkt?? Hat das etwas mit dem Flüssigkeitsgehalt des Blutes zu tun?
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