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Dressman
20.07.2005, 14:11
Im text stand Umsatzklasse und ich denke, dass damit auch der Umsatz gemeint ist... da gehen dann Steuern, gehälter für Angestellte, Kredittilgung, Miete für Praxisräume usw. ab und dann haste deine 1794€ Netto.

funny
20.07.2005, 14:20
Das wollte ich eben nur nochmal bestätigt haben. Denn es wird doch oft recht ungenau mit "Umsatz", "Gewinn", "brutto" und "netto" um sich geworfen.


:-dance

Rakeem
20.07.2005, 20:41
als angestellter im krankenhaus verdient man sicherlich um einiges weniger.....wenn man niedergelassen ist und die praxis entsprechend läuft(hat natürlich was mit Können + Glück zu tun) verdient man im jahr 150-200.000 Euro.(gewinn, kein umsatz)

Oelf
01.08.2005, 16:23
Also momentan gibt es hier in Stuttgart einen Streik der Klinikumsärzte bis zum Wochenende (Nur noch Notdienst gibt es in den Krankenhäusern), da sie zum Teil extrem viel Überstunden machen müssen und dann so umgerechnet zwischen 6 - 10 Euro pro Stunde verdienen. Das kam heute im Radio.Aus diesem Grunde sind heute ca. 1000 Ärzte auf die Straße gegangen und haben gemeint, dass sie viel zu wenig Bezahlung für ihre verantwortungsvollen Aufgaben bekommen.

Also ich lass mich von sowas natürlich nicht vom Studium abhalten, aber ein wenig heftig finde ich es schon, wenn ich nach dem Studium pro Stunde weniger verdiene, als ein 19 jähriger Elektrikergeselle, der gerade seine Ausbildung abgeschlossen hat.

Scuolfan
01.08.2005, 22:41
DAS IST EIN SKANDAL!
Ich sage Euch etwas: Man müsste erst Durch einen Notdienstausfall einige Tote haben, damit etwas passiert. Hört sich krass an, ist ja klar, auch gegen den ach so tollen Eid, den man ablegt.
Aber was bitte soll das? Was hat man von Ärzten, wenn Sie völlig übermüdet, unausgeglichen und demotiviert mit 50 nicht mehr arbeiten können, oder stattdessen tödliche fehler machen, einfach weil Ihr Körper nciht mehr mitmacht?
Es ist ein handfester Skandal, was da im Klinikwesen abläuft.
Ich überlege mir momentan schwer, ob ich tatsächlich Medizin studieren will.
Klar, ich interessiere mich für die Thematik, man kann später auch mal ganz gut verdienen, man kann Menschen helfen etc...
Aber bleiben wir bei der Praxis: Für das, ich behaupte mal, alles in allem schwerste und vor allem zeitaufwendigste Studium, dass dann im verantwortungsvollsten und körperlich wie seelisch am meisten fordernden Beruf mündet, bekommt man so einen Witz -Gehalt?
Irgendwo gibt es grenzen die man heir ereicht.
Bei McDonalds verdient man 6,99€ die Stunde, wenn man 1 Jahr dort arbeitet...wo ist da noch eine Relation?
Das Arztgehalt gehört MINDESTENS VERDOPPELT, in der ersten Tarifklasse als Assistenzarzt und folgend als Facharzt meine ich.
Selbst 20€ die Stunde wären noch eine Frechheit.
In sogut wie jedem anderem Beruf kann man mit der Hälfte der Energie, die man für die Medizin aufwenden, das Doppelte verdienen.
Und ich persönlich habe keine Lust, erst mit 45 richtig gutes Geld zu haben. Dann möchte ich viel. keinen Sportwagen mehr etc.
Man will auch vorher schon, gerade im Bereich zwischen 30 und 40, so denke ich, gut leben. Und das kann man mit diesem Gehalt ganz sicher nicht angemessen.
gruss

beachvolleyball
01.08.2005, 23:01
Masse der Klinikärzte muß niedrig gehalten werden, um der (Gesundheits)Politik da keine weitere Front zu eröffnen - die Front der Unter / Fehlversorgung sowie die Front der wettbewerbsfähigen Löhne. Macht Ärger, mögnwernich. Wichtig ist, daß der Willi und die Liane auch mitten in der Nacht irgendeinem schlecht rasierten, verschwitzten und maßlos motivierten Assi ihre verzwickten Darmwinde schildern können und dafür auch noch das Arzneimittelbudget belasten dürfen. :-D

Und wer sich die nächsten Jährchen in diesem Biotop umtreiben möchte, wird noch sein Blaues Wunder erleben. Denn die Talsohle der Einkommen ist lange noch nicht erreicht. Wie sollen etwa kommunale Kliniken, die nicht mal mehr am Sparkassenmarkt Kohle für Bestandsinvestitionen bekommen ( bauliche Erneuerung, schlichtes Bremsen des infrastrukturellen Verfalls), "Anreize" bieten außer "wo andere Urlaub machen !". Davon kann man sich nichts kaufen. :-???

Tatsache ist: Trotz Überalterung der Ärzteschaft und der Bevölkerung, trotz handfester aus dem Ruder laufenden Gesundheitskosten ist der Reformeifer Null, Null Null Null Null Null 2.

Bestandswahrung. Denn die Gut Bezahlten und die Peitschenschwinger profitieren ja weiterhin. :-?

Das System erstickt an sich selbst - quälend, langsam, unter Begehung unzähliger Kollateralschäden.

Will man da mitmachen ? :-???

Froschkönig
01.08.2005, 23:06
Wobei es immernoch sehr unterschiedlich ist was man später macht: Assi in nem städtischen KH gibt BAT IIa, Assi in nem privaten: Je nach Vertrag, Assi bei der Bundeswehr A13, wenn man in die Wirtschaft geht: je nachdem wie talentiert man ist und was man dort macht....aber fakt ist daß es lange schon kein Beruf zum reich werden mehr ist wenn man sich darauf beschränkt, einfach Klinikarzt zu sein.

Der Frosch

Dressman
02.08.2005, 11:07
http://www.spiegel.de/unispiegel/geld/0,1518,367842,00.html


Würde ja gerne mal wissen wo Herr Lauterbach seine Zahlen her hat! 4500 Euro Brutto Grundgehalt? Das wären 54.000€ Jahresgehalt.... schön wärs!

die chondropathia
02.08.2005, 11:35
Ein großes Problem in der Diskussion von Gehalt, Arbeitsbedingungen, Freizeit etc. ist die extreme Vermischung der Argumente, so dass nicht erkennbar wird, was neben frustriertem "Alles-ist-Sch...e"-Gerede wirklich die Kernprobleme sind, die einer Lösung bedürfen:

Was ist wirklich das Grundproblem?

Was wollen wir wirklich?
(ein Leben a la Paris Hilton, also praktisch keine Arbeit, aber irre viel Kohle - kann es ja auch nicht sein, oder?)

Gedankenanstoß: Mehr Geld bei höherer Belastung und weniger Spaß an der Arbeit ODER vll doch lieber weniger Geld, dafür aber einen erfüllenden Beruf, für den man gern wirbt?

EzRyder
02.08.2005, 13:11
Hi!

Die derzeitigen Streiks und Demonstrationen der Ärzte bei uns in Bawü find ich mehr als gerechtfertigt. Wünsche viel Erfolg!!! :-winky

Nur die Reaktion der Politik wird mal wieder ein schwammiges weiterwursteln bedeuten, wetten? Jetzt zu Zeiten des Wahlkampfes kann man da eigentlich keine vernünftigen Lösungen erwarten, was seeeehhhr traurig und genau genommen feige und verantwortungslos ist.

Ich denke das die Unterbezahlung und Überbelastung der Klinikärzte eine gute Gelegenheit wäre das gesamte Gesundheitssystem in Deutschland mal ordentlich umzukrempeln, ja zu revolutionieren. Das fängt bei den kriminellen kassenärztlichen Vereinigungen an, die vollkommen überflüssig sind und abgeschafft werden müssen und hört bei einer Reduzierung der Krankenkassen von über 300 auf 1 noch lange nicht auf. Es versacken Milliarden in diesen Verwaltungswasserköpfen!!! Wir können uns ein hervorragendes, modernes Gesundheitssystem leisten, wenn es denn effizienter und weniger verfilzt wäre. Die Bürokratie erwürgt alles!

Desweitern trägt eine demagogische Verklärung seitens der Politik einen großen Teil zur Stagnation in der Gesundheitspolitik bei. Pseudogerechtigkeitsdebatten um einen einheitlichen Beitrag zur Krankenversicherung(Kopfpauschale) arten in Stimmungsmache und großes BlaBlaBla aus, aber wenn dann ein Segelflieger überm Reichstag kreist muss natürlich sofort und rigoros gehandelt werden.
Schlimm ist der himmelschreieinde Dilletantissmus in der Politik. Was da für Pfeifen auf den Posten sitzen. :-oopss

Ok, bin etwas abgeschweift, bin aber der Meinung, dass das alles dazugehört. Schließlich ist die Gehälterdebatte nur die Spitze des Misthaufens. Wenn dieser beseitigt werden würde, wäre es ein leichtes die Ärzte gut zu bezahlen und vernünftige Arbeitszeitenmodelle umzusetzen.

Eines steht für mich jedoch jetzt schon fest: Sollten sich die Arbeitsbedingungen und Bezahlung für Jungärzte in Dtland nicht deutlich verbessern, was leider sehr warscheinlich ist,
=> Goodbye good ol' Germany!

so long

die chondropathia
02.08.2005, 14:29
Dein Fazit kann ich uneingeschränkt unterschreiben, aber deine Argumentation ist wie immer zu global. Das Motto: Alles muß anders. Wie genau dieses anders als Ganzes funktionieren könnte ist die Frage, die sicher nicht nur mich inzwischen interessiert.

Die eigene Perspektive zu berücksichtigen reicht eben nicht. Hier ist systemorientiertes Denken gefragt - und so einfach ist das nicht!

Oelf
02.08.2005, 16:18
Ich habe gelesen, dass die Verteilung der Finanzen anscheinend eines der Probleme darstellt. Zum Beispiel verdienen Chefärzte oder bzw. die hohen Tiere in der Klinik gleich extrem viel mehr, anstatt dass man hier in Relation zu den anderen Gehältern etwas umverteilen würde. (Habe irgendwas gelesen von bis zu eindrittel bis halbe Millionen im Jahr, die die Chefärzte anscheinend verdienen sollen!!)

Was ich mich auch noch frage, ist die Tatsache, ob es nicht soetwas wie Gewerkschaften gibt. Ich meine wenn in großen Firmen wie z.B. Bosch die Arbeiter nur ein paar Überstunden machen müssen, dann macht die Gewerkschaft der Firma die Hölle heiß und deshalb hat dort auch jeder den Anspruch, seine Überstunden als freie Tage wieder zu bekommen. Jetzt stellt euch mal vor, diesen Anspruch würden auch Ärzte stellen....


Also ich finde die Demonstrationen und Streiks auch absolut gerechtfertigt. Ich sage ja nicht mal, dass die Ärzte ums Verrecken mehr verdienen müssen, aber ich bin dafür, dass wir unsere Überstunden entweder auch bezahlt oder wieder als Freizeit bekommen sollten, so wie es in allen anderen großen Firmen auch der Fall ist, und wenn die Firmen daran etwas ändern wollen, dann gibt es was?-> Streik :) und das wegen einer Mehrarbeit von einer halben oder einer Stunde am Tag... (was sollen die Mediziner da sagen)

Ich glaube das Problem liegt auch darin, dass die Menschen sich irgendwann einmal mit dem Gedanken anfreunden müssen, dass sie mehr für ihre Gesundheit investieren müssen, so wie es in vielen anderen Ländern (Bsp. USA) auch der Fall ist.

Smartinchen
02.08.2005, 16:18
Der Spiegel-Artikel stand - in etwas geänderter Version - auch heute morgen in unserer Tageszeitung.

Leider ging das mehr in die Richtung "zwar verdienen Assis nur 2500 netto im Monat, Oberärzte aber 9000 brutto - was halbwegs lukrativ sei... - und Chefärzte 20000-30000 pro Monat" (natürlich nicht wortwörtlich).

Die 2500 netto sind mir neu (darauf kommt man nicht mit 38,5h-Woche, sondern durch massig Überstunden und alle Zulagen schon eingerechnet).
Über die anderen Gehälter weiß ich nichts.

Aber mich ärgert, dass bei den meisten Leuten hängenbleiben wird "9000 Euro und mehr...".

Dressman
02.08.2005, 18:23
Was ich mich auch noch frage, ist die Tatsache, ob es nicht soetwas wie Gewerkschaften gibt.

Jupp, gibt es. Für die niedergelassen Ärtze die Kassenärztliche Vereinigung und für die Krankenhausärzte den Marburgerbund. Aber da sitzen dann die Allgemeinmediziner und die Internisten und jeder will möglichst viel vom Kuchen ab haben! Wenn die sich da alle mal einig wären, wäre das mit Abstand die mächstigste Gewerkschaft Deutschlands! Viel Spaß, wenn mal an einem Tag alle Ärzte deutschlandweit streiken.

@Smartinchen:

Die Zahlen sind mir auch so was von fremd! Ich habe jetzt wirklich schon viele Zahlen gelesen (Artikel Junge Kariere, Hochschulranking, Internet usw) aber 2500 euro Netto Gundgehalt ist in meinen Augen an den Haaren herbei gezogen!

beachvolleyball
02.08.2005, 18:39
geht unvermindert weiter - und die Dagebliebenen müssen eben umso brutaler büßen. Mit ihrem weiterhin schrumpfenden Gehalt sowie noch viel schlimmeren Arbeitsbedingungen. Glaubt im Ernst jemand, Ärztegehälter wären Marktmechanismen unterworfen ? Sie sind dem Mechanismus des "Frechheit- siegt"-Jubels entsprungen. :-dance

Statt etwa einer (guten) Neonatologin einen übertariflichen Gehalt samt entsprechend familienfreundlicher Arbeitszeiten zu gönnen, hat sich eine Große Klinik entschlossen, sie ziehen zu lassen. Die Frau ist bereits in Ausland. Samt Familie. So. Und die Klinik sucht händeringend seit mehr als einem halben Jahr einen Neonatologen. Eigentlich mehr als einen, aber man ist bescheiden..... :-dafür

Die Geburtenzahlen der Klinik sinken, weil es sich herumspricht, daß bei Komplikationen die Versorgung nicht mehr so wie früher gegeben ist, der Ruf der ohnehin ramponierten Gyn geht gegen weiter nach unten, aber die maximale Verhandlungsposition des Arbeitgebers ist eiskalt BAT + Betriebskindergarten. Nicht einmal eine popelige Oberarztposition - da muß er/sie sich erst bewähren, mein Lieber !

Die Frage nach dem angemessenen Ärztegehalt stellt sich erst, wenn kein einziger mehr da ist - denn auf einmal geht es gegen Unendlich. :-angel

Evil
02.08.2005, 18:48
Jetzt möchte ich aber doch mal wissen, wer von denen, die hier so laut schimpfen, zu den Demos geht?

beachvolleyball? Oelf? Scuolfan?

Nur Gerede oder tut Ihr auch was? :-???

Oelf
02.08.2005, 19:00
Also ich arbeite momentan von morgens bis abends, weshalb ich gar nicht mitmachen könnte, obwohl ich aus Stuttgart komme. Andererseits fang ich ja auch erst noch mit dem Studium an...

Smartinchen
03.08.2005, 09:49
Folgendes stand heute morgen in unserer Tageszeitung:

"Versehen bei Arztgehältern
In dem Bericht der Nachrichtenagentur AP vom 2. August hat sich bei der Nennung der Ärztegehälter im öffentlichen Dienst ein Fehler eingeschlichen. Es handelt sich auf Grund eines Missverständnisses um ältere Angaben in Mark. Die aktuellen Gesamtvergütungen betragen nach Angaben des Marburger Bundes für einen ledigen 27-Jährigen Assistensarzt 3091,49 Euro monatlich (nicht: 4500 Euro) und für einen verheirateten 40-Jährigen Oberarzt mit einem Kind 4249,43 Euro (nicht: 9000 Euro) monatlich. Die AP bittet, das Versehen zu entschuldigen."


Da kommen wir der Sache doch schon näher...
Natürlich ist der Artikel von heute ein mickriger Einspalter, der an den Rand gequetscht wurde. Im Gedächtnis der Leute wird (mal wieder) der umfangreiche Artikel von gestern und ein Oberarztgehalt von 9000 Euro hängenbleiben. Kein Wunder, dass es immer noch die weitverbreitete Mär vom reichen Arzt gibt :-(

Smartinchen
03.08.2005, 09:51
...das Wort "brutto" vermisse ich in dem Artikel übrigens auch

Rugger
03.08.2005, 18:16
Super, danke, aber die Meldungen gestern werden erstmal die Runde gemacht haben...
Da hat uns ein Readakteur bei einer Nachrichtenredaktion einen Riesengefallen getan... :-??? :-keks

R.