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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Vom Leben verarscht...



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stardust
15.09.2005, 20:53
Ich fühle mich immer erschlagen von den vielen Möglichkeiten, die sich mir bieten und tue mich unheimlich schwer, mich für eine Sache zu entscheiden, weil ich dann die andere nicht mehr haben kann. Ich will Medizin studieren - das heisst, ich kann nicht länger in der Band spielen, das heisst, ich kann nicht Musik oder Astronomie oder Biologie studieren.

Mir gehts genauso…
Ich hab mich entschieden Medizin zu studieren und konnte es schon voller Vorfreude kaum mehr erwarten endlich den ZVS-Bescheid in der Hand zu halten. Und dann, ganz plötzlich, fing es an. Ich hab angefangen fast ununterbrochen darüber nachzudenken, ob es das wirklich ist was ich machen will. Vielleicht ein bisschen verunsichert durch das Pflegepraktikum und dadurch, dass es irgendwie plötzlich so endgültig ist (mal davon abgesehen dass ich das Studium abbrechen könnte), dass man sich nun wirklich für eine seiner Interessen entscheiden muss. Ich hab die unangenehmen und "hässlichen" Seiten der Medizin kennen gelernt und plötzlich war ich total verunsichert. Eigentlich wollte ich doch auch immer was mit Physik machen. Astronomin, Geophysikerin, Meteorologin werden. Träumerei?
Wieso bin ich jetzt noch so kurz vorher so sehr ins Wanken geraten? Ich hab gedacht ich wär mir so sicher... Es macht mich echt fertig dass ich mich nicht entscheiden kann.
Bedeutet ein Medizinstudium wirklich keine Zeit mehr für die Gitarre/Band zu haben? Ich kann nicht ohne Musik :-nix

Miss
16.09.2005, 08:59
Viele Dinge im Leben kosten Geld...so auch ein Weltreise.

Selbst wenn es ein Traum ist, aber wie will man sowas realisieren, wenn einem einfach die finanziellen Möglichkeiten fehlen? :-nix

Aber wenn man wirklich mal ein bisschen die Welt sehen will, dann kann man ja auch mal eine Zeitlang sparen, um einen seiner Traeume zu verwirklichen, oder?
Man kann halt nicht alles haben: Auto, jedes Wochenende weggehen etc.pp. und trotzdem fette Reisen machen. Aber sonst muesste das bei den meisten schon drin sein. Kann ja auch "nur" ein Land sein, muss ja nicht gleich ne monatelange Reise ûber mehrere Kontinente sein...

Es gibt natuerlich auch wirklich Leute, wo das wirklich nicht geht, die Pech haben, krank werden oder aehnliches. Das ist mir schon klar, aber ich denke, das ist schon eher die Minderheit, und wenn man wirklich ein groesstenteils sorgenfreies Leben fuehrt, dann sollte man doch ab und zu mal innehalten und sich einfach DARUEBER freuen. :-dafür

Und: ich finde, man kann nebenbei ne ganze Menge machen: ins Theater gehen, Konzerte, Kino, Sport, lesen ( bin naemlich auch so ne Leseratte) und meinetwegen in ner Band spielen ;-) -und dabei muss man keineswegs die Uni vernachlaessigen. Manchmal muss man halt von Zeit zu Zeit die Prioritaeten verschieben, dann geht alles.

DjBonsai
16.09.2005, 14:37
Aber wenn man wirklich mal ein bisschen die Welt sehen will, dann kann man ja auch mal eine Zeitlang sparen, um einen seiner Traeume zu verwirklichen, oder?
Man kann halt nicht alles haben: Auto, jedes Wochenende weggehen etc.pp. und trotzdem fette Reisen machen. Aber sonst muesste das bei den meisten schon drin sein. Kann ja auch "nur" ein Land sein, muss ja nicht gleich ne monatelange Reise ûber mehrere Kontinente sein...

Es gibt natuerlich auch wirklich Leute, wo das wirklich nicht geht, die Pech haben, krank werden oder aehnliches. Das ist mir schon klar, aber ich denke, das ist schon eher die Minderheit, und wenn man wirklich ein groesstenteils sorgenfreies Leben fuehrt, dann sollte man doch ab und zu mal innehalten und sich einfach DARUEBER freuen. :-dafür

Und: ich finde, man kann nebenbei ne ganze Menge machen: ins Theater gehen, Konzerte, Kino, Sport, lesen ( bin naemlich auch so ne Leseratte) und meinetwegen in ner Band spielen ;-) -und dabei muss man keineswegs die Uni vernachlaessigen. Manchmal muss man halt von Zeit zu Zeit die Prioritaeten verschieben, dann geht alles.

Na klar kann man. Ich bin im Moment sogar sehr zufrieden mit meinem Leben. Natürlich könnten ein paar Dinge besser laufen, aber ich erfreue mich schon an kleinen Dingen und Gesten.
Das aktive Musizieren muss ich aufgeben für die Uni, weil die Proben vormittags liegen und ich da wohl in der Uni sein werde. Ich werde das Schlagzeug spielen aber nicht verlernen. Was ich schade finde ist, dass ich keine Zeit mehr für den Chor mehr haben werde, in dem ich seit 6 Jahren singe. Ich denke aber, dass sich neue Möglichkeiten eröffnen werden und man wiederneue Dinge finden wird, die einem Spaß machen. Immer wenn etwas endet beginnt halt etwas neues, worüber man sich freuen sollte.

Das Tanzen kann mir keiner nehmen. Das ist am Wochenende :-) SO kann ich wenigstens einen gewissen Bezug zur Musik bewahren. Ohne Musik würden mir schon viele Dinge viel schwerer fallen.


Musik ist die Harmonie des Universums im Kleinen, denn diese Harmonie ist das Leben selbst. Und im Menschen, der selbst eine Miniatur des Universums ist, zeigen sich harmonische und disharmonische Akkorde im Puls, in seinem Herzschlag, seiner Schwingung, seinem Rhythmus und Ton.
Seine Gesundheit oder Krankheit, seine Freude oder sein Missvergnügen zeigen an, ob sein Leben Musik hat oder nicht. Das Wunderbare an der Musik ist, dass man durch sie unabhängig vom Denken zu Konzentration und Meditation gelangen kann. In diesem Sinne überbrückt sie die Kluft zwischen Bewusstem und Unbewusstem, zwischen Form und Formlosigkeit. Wenn irgend etwas existiert, was mit dem Verstand fassbar und wirklich vorhanden ist, aber gleichzeitig keine Form hat, so ist das die Musik.

(Inayat Khan)

luckyblue
16.09.2005, 21:21
Wieso sollte es eigentlich notwendig sein, seinem Studium das Musizieren zu opfern? Für mich kam das jedenfalls nie in Frage.

20charlotte06
17.09.2005, 22:53
Habe mir eigentlich seit ich den Studienplatz nie Gedanken darüber gemacht, dass es mit irgendwie gar nicht gefallen könnte. Vor ein paar Tagen hatte ich das Thema mit ner Freundin und jetzt frag ich mich dauernd: Was soll ich bloß tun, wenn ich aus irgendeinem merke, dass Medizin doch nichts für mich ist? Bin zwar schon ziemlich lange überzeugt gewesen, dass ich nichts tolleres finde und selbst nach neun Wochen Pflegepraktikum sah das nicht anders aus, aber man weiß ja nie... Hat irgendjemand hier ähnliche Erfahrungen gemacht?

TinkPink
18.09.2005, 18:40
Hm, mir geht´s ähnlich.
Als ich nach der Ausbildung anfing als MTA zu arbeiten, dachte ich schon "Mist, vielleicht hätt ich doch lieber Medizin studieren sollen".
Nun hab ich Ewigkeiten gebraucht mich endlich zu trauen, war (bin?) hochmotiviert und immer 100% überzeugt das Richtige zu tun.
Dann hatte ich den Bescheid, bin immatrikuliert und hab den blöden Studi-Ausweis, Wohnung gefunden, kurz vorm Umzug und plötzlich kommen die ganzen Zweifel - hab richtig Lust was Neues anzufangen, aber plötzlich frage ich mich, ob ich echt Medizin studieren will und was zum Teufel ich machen soll, wenn ich nicht klar komme.
OK, bei mir kommt halt noch hinzu, daß ich schon bissel älter bin und es mich eh viel Überwindung gekostet hat, meine Eltern nochmal um eine kleine Finanzspritze zu bitten.
Und mein Dad freut sich ja so extrem, daß ich endlich doch noch Medi studiere, da kann ich doch nicht plötzlich schlapp machen...
Aber echt, im Moment fallen mir 10000andere Berufe ein, die ich ja vielleicht anstelle von Medizin machen könnte und manchmal frag ich mich, ob ich vielleicht wahnsinnig geworden bin, meinen gutbezahlten Job wegen diesem Medi-Traum hinzuschmeissen und überhaupt.
Oft, wenn ich hier so lese, freu ich mich dann auch wieder tierisch auf das, was kommt. Manchmal auch nicht.
Naja, Entscheidungen waren noch nie so mein Ding. Wird schon das Richtige sein, was ich tue, irgendwie verarsche ich mich wohl selbst. :-nix

DjBonsai
19.09.2005, 00:00
Wieso sollte es eigentlich notwendig sein, seinem Studium das Musizieren zu opfern? Für mich kam das jedenfalls nie in Frage.

Ich kann nicht anders, weil die Probenterminen (wie ich auch schon in meinem vorherigen Post geschrieben habe) vormittags liegen udn ich deshalb wohl kaum zu den Proben erscheinen kann :-nix

Das Tanzen opfere ich ja nicht. Hat ja auch noch was mit Musik zu tun. Ganz im Gegenteil: Habe mich heute für einen neuen Kurs angemeldet und werde Ende Oktober den Vorkurs machen, den man für die Medallienkurse braucht.
Komplett aufgeben kann ich die Musik nicht. Das ist ja gerade das Tolle an Musik: Egal, wo man ist, man hat sie immer bei sich, auch wenn es nur im Kopf ist ;-)

20charlotte06
20.09.2005, 20:51
Ich denk mir immer, dass ich mich wahrscheinlich genauso fühlen würde, wenn ich mich für etwas anderes entschieden hätte und dass es eben immer auf einen Versuch ankommt.
Wer weiß schon vorher genau, was auf einen zukommt?
Ein klitzekleines Restrisiko ist wohl nicht auszuschließen...

Sirat
20.05.2007, 10:20
...wie schön wäre es doch, wenn man alle Zeit der Welt hätte und genug Geld, um das zu tun, was man möchte.
Die Welt bereisen, alle Freunde besuchen - einfach nur das, was Spass macht und alles ganz entspannt......
Leider können das die wenigsten, man verbringt die besten Jahre seines Lebens damit, um zu studieren, eine Ausbildung zu machen, zu arbeiten, Geld zu verdienen, vielleicht eine Familie zu gründen und immer irgendwelche Abstriche zu machen, die wegen fehlender Zeit oder wegen fehlendem Geld nicht machbar sind.
Eines Tages aber ist man 65, hat genug gearbeitet, genug Geld angespart und plötzlich alle Zeit der Welt und man könnte all die Dinge tun, die man eigentlich vor Jahren hätte tun wollen.
(Auch mit dem Abstrich, nicht mehr ganz so fit, mit der Figur eines schlaffen Ballons oder einer Zwetschke und Krampfadern, die an zerkochte Spagetti erinnern auf Tour zu gehen...man verdrängt es mit einem tiefen Seufzer: "Ja früher, als ich noch jung, schön und knackig war.....ich kann net alles haben")
Die grosse Reise ist geplant, das Domizil auf einer wunderschönen Insel gekauft und dann rafft`s einem ganz unerwartet dahin.....Schlaganfall, Herzinfarkt....und alles ist vorbei, die restlichen Jahre reist man nur noch in Träumen weiter, wenn man nicht grad von den Nachtpflegern im Rundgang geweckt wird.


Ich find diese Gedanken nicht gerade prickelnd.
Ich habs schon zu oft gesehen.:-nix


Schön erzählt und auf den Punkt gebracht.


Jetzt die grosse Frage: Was ist dann der Sinn auf dieser Welt? Wofür leben wir überhaupt?

Es gibt die Erde und das Weltall.Ihre derzeitige Existenz und Beschaffenheit ist aber nicht absolut zwingend. Sie hätten auch nicht existieren können. Wenn die Tatsache, daß sie existieren, gleich ist der Tatsache, daß sie auch hätten nicht existieren können, so muß man sich fragen: Warum existieren sie?

Das muss jeder für sich selbst beantworten,ich bin glücklich und bin mir sicher die Wahrheit für mich gefunden zu haben.


cheers

Aenima-constructa
08.06.2007, 14:39
@Kaddel: ich habe die vorherigen Posts nicht gelesen und beziehe mich nur auf Deinen Eröffnungstext.

Es kommt daruf, wie in welchem Maß Du Dich zum Sklaven Deiner Berufung machst. Hast Du Ansprüche, können die nur mit entsprechenden Finanzen erfüllt werden. Bist Du genügsam, kannst Du "aussteigen".
Die schönsten Jahre seines Lebens verbringt man mit dem Studium und danach geht der Stress erst richtig los. Die Studienjahre sollen trotz Geldknappheit übrigens die schönsten sein.

Spark
13.06.2007, 16:03
Das ist ein schwieriges Thema...

Lebensgestaltung.

Auf der einen Seite kenne ich sie selbst nur allzu gut, die Empfindung dass interessante, bereichnernde und persönlichkeitsbildende Dinge viel zu stark über Glücksfälle wie Privilegien verteilt sind. Jemand der mit 14 schon Papas Yacht segeln kann, ein Vollstudium im Ausland bezahlen kann, Beziehungen zu guten Praktika und Jobs hat und mit Anfang 30 die Eigentumswohnung im Kasten hat und so schon sehr jung so abgesichert ist daß er noch viel Kraft in seine Neigungen stecken kann - ja, der hat schon ein reicheres Leben als jemand der am unteren Ende der Skala groß wird und für die gleichen Erlebnisse 40 Jahre arbeiten muß.

Ich finde auch daß dieses "freischwimmen" einfach viel zu lange dauert. In Schweden kann ein normal verdienendes Paar nach 10 Jahren das Haus abbezahlt haben, und sich auf dieser Basis nochmal an was neues wagen - Bei uns sind alle die es nicht gerade besonders glücklich getroffen haben, mehrere Jahrzehnte versklavt - für so grundlegende Dinge wie ein Haus oder ein Auto für "von A nach B". Da sehe ich schon eine Schieflage, daß vorhandener Besitz extrem belohnt wird, und Besitzerwerb so mühsam ist.

Auf der anderen Seite - über diese grundlegenden Dinge im Leben (und ich halte die Möglichkeit, ein Stückchen Land sein Eigen zu nennen für recht wesentlich) hinaus, sollte man auch aufpassen, die Luxussorgen nicht auf zu hohe Umdrehungen kommen zu lassen.

Die Möglichkeit, sich eine Ausbildung überhaupt auszusuchen - oder auch andere Lebensentscheidungen zu treffen - das ist an sich schon sehr viel, oder? Natürlich fällt mit jeder Entscheidung manch andere Option weg, aber das ist wohl ein Teil des Erwachsenwerdens, trotzdem bewußt zu entscheiden.

Manchmal stellt einen das Leben auch einfach wo hin, und dann ist es eben Deine Aufgabe, das beste draus zu machen. Da ist ein Medizinstudium nicht mal die schlechteste Standortwahl. Das war früher eine ganz normale Sache, daß es auch sowas wie "Schicksal" gab, und man sich da möglichst vernünftig bei anzustellen versucht.

Vielleicht akzeptieren wir das heute zu wenig und machen uns lieber tausend Gedanken ob wir nun auch alles schön verwirklichen, so wie es uns Campus&Karriere und die NEON vergebetet haben.

Freiheiten bedeuten für mich mittlerweile wirklich Zeit und Platz - eigenen Raum, ganz physisch gemeint, und Mobilität. Ich komme aus Verhältnissen wo beides nicht selbstverständlich ist, oder sogar unerreichbar schien.

Besonders luxuriös oder jederzeit nach belieben veränderbar muß es dabei nicht sein.

Und wer wirklich die Seychellen braucht und nen Porsche... also, wer das wirklich als ZIEL ansieht... der wird sich diesen Thread vermutlich eh nicht bis hierher durchlesen ;-)