Anmelden

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : MRSA-Wie gefählrich ist es?



Seiten : 1 [2]

Ulle
12.09.2007, 14:12
Also soll man die besondere Behandlung infizierter Patienten (Isolation etc.) einfach abschaffen und darauf hoffen, dass sie überleben bzw. ihnen keine Extremitäten amputiert werden müssen, weil sie sich nach der OP mit MRSA/ORSA infiziert haben.Lies aufmerksam, dann wüsstest Du, dass ich von der Annahme ausgehe, dass eine Isolation auch keine Todesfälle/Amputationen mehr verhindern kann. Ob dies nun wirklich der Fall ist oder nicht, wird wohl unter vorgehaltener Hand in den Hygieneabteilungen der Krankenhäuser diskutiert und nicht ohne weiteres an die Öffentlichkeit gelangen.

Unter dieser Annahme sollte man zumindest MRSA-Verdachtsfälle nicht mehr isolieren. In Fällen, in denen MRSA bestätigt ist, macht es eigentlich auch keinen Sinn, solange das Krankenhauspersonal nicht auch getestet und ggf. isoliert wird, aber ein wenig blinden Aktionismus bewahre ich mir dann doch vor. =)

Monty
12.09.2007, 16:22
Wieso sollte man die nicht isolieren? Mistviecher wie MRSA und auch ESBL-Keime nutzen doch die schwerkranken Patienten auf Intensivstationen als große Petrischalen, da durch die ständige Antibiose auf resistente Keime selektiert wird und die Kolonisationsresistenz im Eimer ist. Und Resistenzen breiten sich aus! Irgendwann kann man dann nämlich die beta-Lactame ganz in den Skat drücken, wenn man einfach nur machen lässt und wenn dann plötzlich Resistenzen gegen Vanco und Imipenem auftauchen, dann steht man ganz schnell wieder am Anfang des 20. Jh. bzgl. der Bekämpfung von Infektionen. Ob man die Schlacht letztlich schon verloren hat, ist dabei meiner Meinung nach egal, versuchen sollte man es wenigstens.

Strodti
12.09.2007, 18:09
Der größte Freund des Keims ist das Klinikpersonal. Wenn die obligaten Hygieneregeln und RKI-Richtlinien umgesetzt würden, hätten wir viel weniger nosokomiale MRSA Infektionen.
Vieles lässt sich doch auch schon mit guten Strukturen auffangen: Infektionspatienten kommen als letztes ins OP Programm, den Patienten werden die Übertragungswege erklärt (ohne ihr/ihm Angst zu machen), Isolation in Ausnahmefällen.

Vielleicht lassen sich wirklich nicht alle Neuinfektionen vermeiden, aber gerade wegen der großen Verbreitung von MRSA/ORSA sollte das Klinik- und Praxispersonal sich immer auf dem letzten Stand der Richtlinien befinden und diese einhalten.

Hat jemand Erfahrungen, ob diese Laudamonium Waschungen eine wirklich nachgewiesen Keim-Reduktion bewirken? War bei mir in der Ausbildung noch Standard (täglich 2x Laudamoniumwaschung, Wäschewechsel, Isolierung bei Infektion des Nasen-/Rachenraumes... sehr aufwändig)

Skalpella
12.09.2007, 22:34
Der größte Freund des Keims ist das Klinikpersonal. Wenn die obligaten Hygieneregeln und RKI-Richtlinien umgesetzt würden, hätten wir viel weniger nosokomiale MRSA Infektionen.
Vieles lässt sich doch auch schon mit guten Strukturen auffangen: Infektionspatienten kommen als letztes ins OP Programm, den Patienten werden die Übertragungswege erklärt (ohne ihr/ihm Angst zu machen), Isolation in Ausnahmefällen.

Vielleicht lassen sich wirklich nicht alle Neuinfektionen vermeiden, aber gerade wegen der großen Verbreitung von MRSA/ORSA sollte das Klinik- und Praxispersonal sich immer auf dem letzten Stand der Richtlinien befinden und diese einhalten.)
:-meinung


Die Hygieniker an der MHH, die meiner Meinung nach richtig gut sind bemühen sich sehr darum, nur evidenzbasierte Maßnahmen durchführen zu lassen. Es wurde zum Beispiel nachgewiesen, dass durch vorschriftsmäßige hygienische Arbeitsweise die Inzidenz nosokomialer Infektionen (ob nun mit resistenten Keimen, oder nicht) deutlich reduziert werden kann.
Bei der Isolierung von Patienten mit multirestistenten Keimen muss man auch beachten, wo der Keim sitzt. Hat der Patient zum Bespiel den Keim im Wundabstrich, so muss man doch nicht das gesamte Zimmer isolieren (gesetzt den Fall, der Verbandwechsel wird fachgerecht durchgeführt - dazu gehört auch die abschließende Händedesinfektion durch das durchführende Personal!). Laut diesen Hygienikern handelt es sich beim Staph aureus nicht um fliegende Keime, wie zum Beispiel die Tuberkuloseerreger. Letztere fliegen weite Strecken durch die Luft. Staph aureus geht zu Boden :-))


Hat jemand Erfahrungen, ob diese Laudamonium Waschungen eine wirklich nachgewiesen Keim-Reduktion bewirken? War bei mir in der Ausbildung noch Standard (täglich 2x Laudamoniumwaschung, Wäschewechsel, Isolierung bei Infektion des Nasen-/Rachenraumes... sehr aufwändig)
Wird glaub ich nicht mehr gemacht, weiß es aber nicht ganz sicher :-nix

Muriel
12.09.2007, 22:56
Staph aureus geht zu Boden :-))

huch, Staph aureus ist ein Gomer? :-))

Foreman
12.09.2007, 23:40
Habe mal von einer Studie aus Großbritannien gelesen, die besagt, egal ob Isolation oder nicht, die Ansteckungsquoten von MRSA unterschieden sich nicht signifikant.
Ist ungefähr ein Jahr her, stand in intensivmedizin up to date.

Shakespeareslady
23.10.2008, 19:13
*thread-rauswühl*

ist o.g. ansicht immer noch aktuell? wir isolieren eigentlich garnicht mehr bei mrsa..manchmal kommt es erst bei der entlassung raus, dafür wird extrem akribisch sofort und bei jeder neuaufnahme ein abstrich in leiste, nase und rachen gemacht..wo ist da der sinn? hat jemand mrsa, wird nicht isoliert, aber hauptsache man macht abstriche? ich versteh' das nicht..und erklären kann es einem auch keiner. doof.
danke euch!

gruß, shakes

Skalpella
23.10.2008, 19:25
Sofern die hygienische Händedesinfektion, Verbandwechsel nach vorgeschriebenen hygienischen Standards durchgeführt, ggf. hierbei Hygieneschürzen getragen werden, muss nicht zwangsläufig isoliert werden.
Wie gesagt: Sofern die hygienische Händedesinfektion von ALLEN durchgeführt wird! Auch vom Patienten selbst!

hypnose-kroete.de
23.10.2008, 19:41
Kommt das nicht auch immer drauf an, WO der MRSA nachgewiesen wird?

Skalpella
23.10.2008, 20:06
Kommt das nicht auch immer drauf an, WO der MRSA nachgewiesen wird?
Schon. Umso gesichtsnäher, desto schwieriger :-nix

entepaula
24.10.2008, 11:16
Ich bin der Meinung, dass die Folgen der "Isolation" für den Patienten wie etwa schlechtere medizinische und seelische Versorgung, sowie die Ausgrenzung und Einschränkung der Patienten in Bezug auf krankengymnastische Übungen und Untersuchungen etc. ingesamt mindestens genauso viele negative Folgen haben, als eine Infektion mit MRSA.
Wenn wir alle ehrlich zu uns selber sind, werden MRSA Patienten sowohl bei Visite, Untersuchungen, Therapien und auch dem wichtigen Arzt-Patient oder Pflege-Patient Verhältnis benachteiligt, weil das ständige an- und auskleiden halt einfach nervig ist.
Es zieht auch wirtschaftliche Probleme mit sich, da teilweise MRSA Patienten durch mangel an 1-Bett-Zimmern ein Mehrbett-Zimmer blockieren.
Patienten mit MRSA werden wie "Aussätzige" behandelt, wobei es keine regelmäßigen Untersuchungen vom gesamten Personal gibt..........

hypnose-kroete.de
24.10.2008, 11:20
EInige Kliniken isolieren aber auch in Kohorten....
Hilft vielleicht ein wenig zumindest gegen die Vereinsamung.

Ansonsten stimme ich Dir zu, halte aber eine Isolation in bestimmten Fällen trotzdem für notwendig, um den Patienten als Vektor auszuschalten.