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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kleinanzeige: Uniklinik günstig abzugeben Tel 0641/…



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PhineasGage
18.12.2005, 10:55
Also, Dicht machen werden die Marburg selbstverständlich nicht, dafür arbeiten wir zu profitabel in den meisten Bereichen.
Die Neubauten zahlen m.W. das Land und der Bund, nicht der Eigentümer eines KHs.
Interessant bzgl. Lehre könnte es aber auch bei uns werden. Wenn der Studentenunterricht, der bei uns auch häufig durch Stationsärzte u. ä. gemacht wird, noch öfters ausfallen muss als es es schon der Fall ist, weil noch mehr Arbeit anfällt wenn man noch mehr Stellen abbaut.
Was wird im Bereich der Pat-Versorgung.
Wie weit wird hier kostenorientiert gearbeitet. Z.Z. wird auch schon mal noch die ein oder andere "unnötige" Untersuchung gemacht um einen sicheren Befund noch mal zu sichern, das wird dann bald so wohl nicht mehr so leichtfertig gemacht werden (ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt, ich hab schon ein paar mal erlebt, dass so eine "unnötige" Untersuchung auf einmal eine ganz neue Diagnose nach sich gezogen hat).
Wieviel wird ein Arzt, der Angestellter der Klinik ist, noch nebenbei für seinen Prof., der dann ja evtl. Angestellter des Landes ist, forschen können, ohne dass das Rhönklinikum meckert?!

Das sind so Sachen, die für mich irgendwie nicht schlüssig beanwortet werden können, aber Roland Koch wird ja schon recht haben...

Und das Giessen wg.maroder baulicher Substanz saniert werden muss, bleibt ja sowieso am Land hängen (finanziell betrachtet), egal ob privatisiert, kirchl. Träger oder Anstalt öffentl. Rechts.

Rugger
18.12.2005, 11:44
Habe die Threads zum Thema mal zusammengeführt! :-top

R.

Tse Tse
18.12.2005, 12:01
Mmh, danke Sunrise für's Daumen drücken.
Wobei ich denke, dass sich für uns, die im Moment Studierenden kurz- u. mittelfristig nicht sehr viel ändern wird. Ich weiß nicht wie's darüber hinaus aussieht. Was die weiteren Entwicklungen mit sich bringen, habe da meine Vermutungen, aber die sind nicht spruchreif und fundiert, da gilt es wohl die Pläne von Rhön abzuwarten. Das einzige Problem, welches für mich auf der Hand liegt, ist, dass zukünftig im klinischen Abschnitt die Lehre leiden könnte, wenn diese mit möglicherweise weniger Personal gewährleistet werden soll.

Zu den Wegen und Strecken die zurückzulegen sind, kann ich wenig sagen – es sind ca. 30km. Aber an beiden Standorten sind im Moment ja noch vollwertige Möglichkeiten zur Therapie und Diagnostik gegeben, ob da irgendwann mal was geschlossen und nur noch an einem Standort verfügbar ist, kann ich nicht sagen, vermute es aber (so gab es schon vor Jahren Bestrebungen, unabhängig von der jetzigen Privatisierung, z.B. die Zahnklinik in Marburg dicht zu machen – was sich ja dann auch auf die Lehre auswirken müsste).

Für die Beschäftigten des Klinikums wird sich sicherlich spürbar einiges verändern. Hier insbesondere für das Personal der Wäscherei, Reinigungskräfte, Küche etc.
Wenn man die Erfahrungen aus anderen Privatisierungen heranzieht, dann kann unter der Vorgabe zu sparen, die Gefahr bestehen, dass diese Bereiche ausgegliedert und von Fremdfirmen übernommen werden oder eben auch Stellen abgebaut werden. In der Regel liegen die Löhne und Gehälter für den Großteil der Beschäftigten wohl unter dem Tarif. Die Arbeitsbelastung kann darüber hinaus steigen, wenn mit weniger Personal die gleichen Leistungen erbracht werden müssen.

Das geänderte hessische Universitätsklinikumsgesetz liegt meines Wissens der Öffentlichkeit noch nicht vor. Letztens wurde einer Änderung bzw. für ein neues Gesetz vom Landtag zugestimmt. Online ist nur die alte Fassung erhältlich: http://www.uni-giessen.de/mug/1/findex4.htm

Es heißt, mit diesem Gesetz sollen die Belange von Forschung und Lehre der klinischen Medizin gesichert werden, wenn das Land die Mehrheit der Geschäftsanteile einer Uniklinik in privater Rechtsform an einen Dritten verkauft. Die von einer privatisierten Klinik für die Universität zu erbringenden Leistungen in Forschung und Lehre und die dafür nötige Kostenerstattung sollten in einem Kooperationsvertrag geregelt werden. Auch eine private Uniklinik werde der Rechtsaufsicht des Wissenschaftsministeriums unterliegen.

Jedenfalls hält das Land 5% am Uniklinikum, um Forschung und Lehre zu sichern. Wie da die Inhalte und das konkrete Mitspracherecht aussieht, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt.

Der Wissenschaftsrat hat jedenfalls u.a. folgende Vorgaben gegeben:
Das Uniklinikum Gießen und Marburg muss auch nach der Privatisierung den medizinischen Fachbereichen dienen. Es dürfe sich nicht auf unterstützende Aufgaben beschränken, die eher einem Akademischen Lehrkrankenhaus entsprechen. Der Dekan des Fachbereichs Humanmedizin soll stimmberechtigtes Mitglied der Klinikumsgeschäftsführung werden. Bei Konfliktfällen müsse eine Regelung verhindern, dass das Klinikum vollendete Tatsachen schaffen könne.
Das Fächerspektrum des Klinikums habe sich an den Vorgaben vor Forschung und Lehre zu orientieren. Zudem müsse das Land garantieren, dass die Zahl der klinischen Ausbildungsplätze nach Maßgabe der universitären Zulassungszahlen gesichert sei. Gewährleistet werden müsse, dass Auszubildende und Studierende ihre Ausbildung bzw. ihr Studium auch bei einem Scheitern der Privatisierung zu Ende führen könnten. Weiterhin müsse es eine gemeinsame Strukturplanung von Fachbereich Humanmedizin und Klinikumsleitung geben. Auch das Klinikum müsse sich mit der Hochschule abstimmen. Es dürfe bei Strukturentscheidungen des Fachbereichs nur im klinischen Bereich einen Zustimmungsvorbehalt haben.

Wie die Umsetzung dieser Vorgaben aussieht, weiß ich nicht. So gab es zum Punkt des Dekans in den letzten Tagen unterschiedliche Verlautbarungen. Zuerst hieß es, er soll mit beratender Stimme und Antragsrecht an den Sitzungen der Geschäftsführung teilnehmen dürfen (von Stimmrecht ist hier nicht mehr die Sprache). Tage später war dann von einem Sitz des Dekans gar keine Rede mehr. :-nix

Recall8
18.12.2005, 16:34
Egal wie dieses Unternehmen Barbarossa endet,
es läutet glaub ich (auf kurz oder lang) das Zeitalter der Uniklinik-Privatisierungen ein...

Bin wirklich gespannt, welche Ausiwirkungen das Ganze haben wird.
All die "Gerüchte" die ich allein heute und gestern erfahren habe, würden schon wieder genug Stoff zur vollständigen Verwirrung schaffen...
Deshalb.Abwarten.

PhineasGage
18.12.2005, 18:49
Was mich ja bis heute wundert, ist das Tempo in dem die Privatisierung vorangepeitscht worden ist. Das ist doch für die Politik an sich sehr ungewöhnlich...
Die Zusammenlegung der beiden Kliniken an sich, macht m.E. Sinn. Z.B. eine doppelte komplette Hautklinik ist in unserer Region eher eine Überversorgung (noch dazu scheint hier ja eh nie die Sonne ;-) ).
Ich seh das Problem eher bei den Sparmaßnahmen in den Bereichen, wo`s eh schon eng ist. Und da ist ein privater Betreiber wie die RhönKliniken AG halt besonders berüchtigt.
Und die Leute, die wissen wieviel examiniertes Personal an einem Wochenende für eine 30-Betten-Station zuständig sind, werden nicht krank werden wollen.

Und dann gibts ja wohl diese berühmte Klausel im Vertrag, dass die RhönKlinikenAG in ein paar Jahren u.U. die Uniklinik Marburg-Giessen kostenneutral ans Land zurückgeben kann, wenn sie damit zu sehr miese macht(stand in irgendeinem der verlinkten Artikel, wenn ich mich nicht irre).
Meine Fragen sind also nach wie vor:
Warum so schnell die Privatisierung, wenn eine Zusammelegung alleine schon viel erspartes Geld eingebracht hätte?
Wo ist genau der finanzielle Nutzen für das Land?

Tse Tse
19.12.2005, 13:37
Ich sehe das ähnlich, Phineas Gage. Die Fragen sind wirklich gut. :-nix


Aber um auch einmal ein paar erfreuliche Neuigkeiten zu bringen, hier mal einige Zahlen, die heute an die Öffentlichkeit gedrungen sind auf einen Blick:

- das Land Hessen will eine Stiftung mit 100 Millionen Euro zur Förderung von Forschung und Lehre in der Hochschulmedizin in Gießen und Marburg gründen
- Rhön verpflichtet sich zu Investitionen in Höhe von 367 Mio, davon 250 Mio in Neu- u. Umbauten. Für 170 Millionen soll bis Ende 2010 ein neues Klinikum in Gießen entstehen
- in Marburg werden Gelder für eine Sanierung des Klinikums Lahnberge, der Neubau der Kopfklinik Standort Lahnberge und die Sanierung der Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, sowie der Zahnklink verwendet
- für die Mitarbeiter sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 ausgeschlossen
- es gelten weiterhin die bestehenden Arbeitsverträge
- ein jährlicher Zuschuss über 200000 Euro für den Erhalt der Kindertages-stätten wurde vom Rhön-Klinikum zugesagt

PhineasGage
19.12.2005, 14:35
Hm, wir können ja die Zahlen direkt wieder miesmachen (sollte ich vielleicht doch in die Politik...):
Die 100 Mill. € Stiftung könnte aber genauso bedeuten, dass sich das Land über kurz oder lang aus einer direkten Förderung verabschieden wird, dann haben wir letztendlich genauso wenig Geld wie vorher. Ist ähnlich wie bei den Studiengebühren, der Betrag den die Unis dadurch einnehmen, ist der Betrag, den das Land den Uni dann von den Mitteln kürzen wird.....
Und was ist dann in vier Jahren?! Bekommt dann jeder Angestellte einen befristeten Vertrag auf ein Jahr?! Bekommt dann jeder einen attraktiven Rhöner Hausvertrag?! Und die, die nicht wollen, werden rausgemobbt (ist ja bekannt aus anderen privatisierten Häusern...)
Wenn Land und RhönAG sich an ihre Abmachungen halten, könnte es eine tolle Sache werden, wenn sie sich wie sonst auch im Leben verhalten, wirds einfach weiter bergab gehen mit den Standorten. Meine Meinung

Hellequin
19.12.2005, 14:36
- Rhön verpflichtet sich zu Investitionen in Höhe von 367 Mio, davon 250 Mio in Neu- u. Umbauten. Für 170 Millionen soll bis Ende 2010 ein neues Klinikum in Gießen entstehen

Das sind dann aber auch wieder Sachen, die sich irgendwie auf die Umsatzsteuer des Unternehmens anrechnen lassen, sprich im Endeffekt trägt der normale Steuerzahler die Last.

Recall8
19.12.2005, 14:56
ass der Klinikbetreiber trotzdem weiterhin an seiner Ergebnisprognose für 2006 festhält, ist für den Analysten keine Überraschung. Am Ergebnis 2006 wird sich seiner Ansicht nach nicht viel ändern. Die Uniklinik Marburg hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 1,3 Mio EUR geschrieben, Gießen verbuchte hingegen einen Verlust von 9,8 Mio EUR. Mit ein wenig Umstrukturierung werde es Rhön-Klinikum wohl gelingen, den Kauf 2006 ergebnisneutral zu gestalten, meinte er.

Die Uniklinik Gießen-Marburg erzielte 2005 einen Umsatz von 400 Mio EUR. Die Übernahme werde für Rhön-Klinikum daher einen Umsatzschub bedeuten, sagte Burger. Trotz der hohen Investitionszusagen rechnet HVB-Analyst Christian Cohrs nach dem Abschluss der Integration damit, dass die Übernahme einen "adäquaten return" erzielen wird. Hinzu komme, dass Rhön-Klinikum das Ziel habe, bis 2015 einen Marktanteil von 8% bis 10% in Deutschland zu erzielen.

Dafür benötige das Unternehmen auch Zugang zu absoluter Hochleistungsmedizin über Unikliniken, sagte Cohrs. Mit Gießen-Marburg soll die erste Uniklinik in Deutschland privatisiert werden. Hierzulande gibt es mehr als 30 Unikliniken. Auch in Schleswig-Hollstein soll es Überlegungen geben, die fusionierten Unikliniken Kiel und Lübeck teilweise zu verkaufen.

Mit dem Zukauf wird Rhön-Klinikum nach Cohrs Ansicht in Deutschland mit knapp 3% die Marktführerschaft vor Helios-Kliniken und Asklepios übernehmen, die je auf gut 2% Marktanteil kommen. Der gesamte Klinikbetreibermarkt wird auf 65 Mrd EUR geschätzt.


Aus der FAZ.

Das kann echt heiter werden.
Wie makaber es alleine ist, dass sich ein Land wie Hessen die Uniklinika nicht mehr leisten kann... Ein Lacher...

Tse Tse
19.12.2005, 15:53
Mmh, da ist was dran. Nach 2010 könnten die schönen Zahlen verpufft sein.

Aber ich wollte mal was halbwegs freundliches bringen - ich muss doch auch nur meinen Kopf über Wasser halten, nachher will ich am Klinikum eine Beschäftigung finden und dann heißt es. Tse? Der Tse Tse, der bei Medi-Learn immer so negativ berichtet hat? Hau ab, du Schwein! (Oder so ähnlich). Oder ich werde vom outgesourcten Fahrdienst gleich in den Keller verfrachtet, mit einem Schildchen um die große Fuß-tse.
Hoffentlich sind meine Daten hier sicher *bibber* :-(( :-D :-((

Ps. Ich liebe Rhön! Wenn ich mal krank werde, will ich nur in den Rhön-Kliniken behandelt werden… :-)

Tse Tse
19.12.2005, 16:35
Noch ein Nachschlag für den Standort Gießen:

Das Klinikum werde weitgehend neu gebaut. Der neue zentrale Bettenbau soll zwischen Chirurgie und Kindherztransplantationszentrum entstehen. Er wird auch die neue Kinderklinik einschließen, die eigentlich das Land finanzieren wollte, die nun aber ebenfalls vom neuen Betreiber bezahlt wird. Fest eingeplant sind auch die Sanierung und Verlagerung der Psychiatrie, Strukturverbesserungen in der Chirurgie sowie ein neues Parkhaus.

Weitere 107 Millionen Euro will das Unternehmen für ein internationales Zentrum für Partikelforschung bereitstellen. Es soll neue Wege der Tumorbekämpfung durch Strahlentherapie ausloten. Ob es in Gießen oder in Marburg errichtet wird, ist nach Angaben des Vorstandssprechers noch nicht entschieden.

Seine Anteile am Klinikum darf das Unternehmen ohne Zustimmung des Landes weder verkaufen noch belasten. Bei Insolvenz oder gravierenden Verstößen gegen die vertraglich festgelegten Verpflichtungen (Investitionen, Krankenversorgung) kann das Land die Anteile des Käufers einziehen.

Stimmen von offizieller Seite:
"Das Angebot der Rhön-Klinikum AG ist ein abgerundetes Konzept von Investitionen, die eine schnelle positive Entwicklung am Klinikumsstandort Gießen erhoffen lassen. Die gemachten Erfahrungen am Herzzentrum Leipzig lassen erwarten, dass sich die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre für die gesamte Breite der Medizin in Gießen positiv entwickeln wird." (JLU-Präsident Hormuth)

"Die Rhön-Klinikum AG hat Investitionen zugesagt, wie wir uns das vorgestellt haben." (Prof. Wolfgang Weidner, Vorstandsvorsitzender des Klinikums Gießen und Marburg sowie Ärztlicher Direktor am Standort Gießen)

"harter Brocken und bekannt für Personalabbau als Erfolgsrezept, um ein Haus profitabel zu führen". (Klaus Hanschur, Vorsitzender des Personalrats in Gießen)

Tse Tse
19.12.2005, 17:03
Auch auf die Gefahr hin, dass ich des spamens verdächtigt werde, wenn ich hier einen Artikel nach dem anderen hintereinander wegposte – aber die machen's ja genauso.
Hier gibt es fast stündlich neue Meldungen. Und aufgrund der schwindelerregenden Zahlen mit denen hier um sich geworfen wird, möchte man ja fast in eine kollektive Besoffenheit eintauchen.

Aber mal was anderes, wo zu Teufel haben die die ganze Kohle her??? Das meiste wird doch erstmal auf Pump gemacht und darauf gehofft (!), dass es im Lauf der Zeit erwirtschaft wird.
Dafür müssen doch die Mitarbeiter zwangsläufig gewaltig bluten. Je mehr gebaut werden soll, desto mehr wird geblutet?!

Recall8
19.12.2005, 19:36
Präsidium und Dekanat begrüßen HMWK-Entscheidung zum Universitätsklinikum
Erklärung des Präsidiums der Philipps-Universität und des Dekanats des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität Marburg zur Rhön-Klinikum AG als strategischem Partner der Medizinfachbereiche

Das Präsidium der Philipps-Universität Marburg und das Dekanat des Fachbereichs Medizin begrüßen einhellig die Entscheidung der Hessischen Landesregierung, die Rhön-Klinikum AG als den zukünftigen strategischen Partner der beiden Medizinstandorte ausgewählt zu haben.

Wir betonen ausdrücklich unsere Bereitschaft zu einer konstruktiven Partnerschaft als wesentlichem Element für den Erfolg der Privatisierung und der von allen Beteiligten angestrebten medizinischen Spitzenforschung an beiden Standorten.

Präsidium und Dekanat sehen in der Entscheidung für die Rhön-Klinikum AG wesentliche Elemente verwirklicht, die für die Zukunftsfähigkeit exzellenter medizinischer Forschung und Lehre ausschlaggebend sein werden. Dazu zählen insbesondere

*
ein zukunftsweisendes Medizinkonzept an beiden Standorten unter Beachtung der von der AG Hochschulmedizin gemachten Vorgaben („Quertapete“)

*
Investitionszusagen, die bis zum Jahr 2010 sowohl den zentralen Neubau in Gießen als auch das Kopfklinikum auf den Lahnbergen (Marburg) verwirklichen werden

*
das Angebot für einen Partikelbeschleuniger (Schwerionen- und Protonentherapie bei Tumoren) in Höhe von 110 Mio. Euro für das fusionierte Universitätsklinikum mit einem präferentiellen Standort auf den Lahnbergen

*
eine vertragliche Zusicherung der Freiheit für Forschung und Lehre im Vertragswerk, die sowohl die vom HMWK und vom Wissenschaftsrat geforderte, aufschiebende Wirkung eines Einspruchs des Dekans mit nachfolgender Anrufung des HMWK bei fehlender Einigung in Angelegenheiten, die Forschung und Lehre (Suspensivklausel) betrifft, als auch eine darüber hinausgehende zusätzliche Erklärung im Vertragswerk des Rhönklinikums zur Gewährleistung der Freiheit für Forschung und Lehre als Teil einer "Wesentlichkeitserklärung". Dekanat und Fachbereichsrat Medizin haben sich stets für eine Gewährleistung der in Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes garantierten Forschungs- und Lehrfreiheit eingesetzt

*
einen Sozialfonds von 30 Mio. Euro für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einzurichten, deren Beschäftigungsgarantie zum 31.12.2010 ausläuft.


So auf www.uni-marburg.de

PhineasGage
24.12.2005, 12:07
Möchte an dieser Stelle folgenden Ausriss aus einem Spiegel-Interview anfügen


SPIEGEL: Nehmen Sie auf diese Weise nicht indirekt doch massiven Einfluss auf die Forschung der Fakultäten?

Pföhler: Wir haben nur die Rechte, die jeder Drittmittelgeber hat. Bei der Wahl der Professoren, die ja zugleich die Chefärzte der Kliniken sind, haben wir nur ein Mitspracherecht. Doch wir hoffen durchaus, dass ein von uns geführtes Uniklinikum automatisch auch die in unseren Augen richtigen Leute anziehen wird.


Wer alles lesen möchte:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,391928,00.html

Ach ja, Frohe Weihnachten!

Doktor_No
18.01.2006, 16:24
wieder mal was neues...

Asklepios ficht Verkauf des Uniklinikums an
Land: Irrtum im eigenen Angebot moniert - Minister Corts: »Nicht zu verstehen« - Konzern weist Darstellung zurück

Gießen (si). Der Krankenhauskonzern Asklepios verschärft seinen rechtlichen Widerstand gegen den Verkauf der Universitätsklinik Gießen und Marburg an die Rhön-Klinikum AG. Nachdem das Unternehmen zunächst einen Einspruch gegen die Entscheidung des Landes angekündigt hatte, reichte es nun eine Teilanfechtung ein. Nach Angaben des Wissenschaftsministeriums beruft sich Asklepios dabei auf einen Irrtum im eigenen Kaufangebot, den das Land hätte erkennen müssen. Minister Udo Corts wies die Anfechtung zurück: Es sei »langsam nicht mehr zu verstehen, was Asklepios eigentlich will«. Der Konzern bestätigte gestern, dass er das Rechtsmittel eingelegt habe, bezeichnete die Darstellung Corts- jedoch als »so nicht richtig«. Inhaltlich wollte sich Asklepios-Sprecher Rudi Schmidt nicht weiter äußern. Es habe eine Vereinbarung mit dem Ministerium gegeben, strittige Punkte nicht öffentlich zu diskutieren. Daran fühle sich Asklepios gebunden, sagte er auf AZ-Anfrage.

Er sei »irritiert« über das Verhalten des Asklepios-Konzerns im Vergabeverfahren, heißt es in einer Pressemitteilung von Corts. Bei der Teilanfechtung berufe sich das Unternehmen darauf, dass sein eigenes Angebot hinsichtlich des Verzichts auf öffentliche Fördermittel für zugesagte Investitionen auf einem Irrtum beruht habe. Das Land hätte demnach - entgegen dem eindeutigen Wortlaut der Vertragsbestimmungen und ungeachtet der Tatsache, dass diese von einem Notar beurkundet wurden - erkennen müssen, dass Asklepios tatsächlich etwas anderes gemeint habe.

Asklepios habe zunächst behauptet, die bessere Wertung des Angebotes der Rhön-Klinikum AG im Vergleich zu Asklepios beruhe auf einem »handwerklichen Fehler« oder »Additionsfehlern« des Landes. Kurz darauf habe das Unternehmen erklärt, es wolle dem Land nicht schaden; dann habe es den Vorbehalt einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof geltend gemacht. Nachdem Asklepios zwischenzeitlich auch noch die Anwaltskanzlei gewechselt habe, räume es mit der Teilanfechtung des eigenen Angebots selbst schwer wiegende eigene Fehler ein. »Über diesen ständigen Kurswechsel bin ich sehr verwundert«, so Corts.

An der Sachlage habe sich nichts geändert, hob er hervor: Allein die zum maßgeblichen Stichtag 13. Dezember notariell beurkundeten Angebote der Bewerber hätten bewertet und verglichen werden können - nicht etwa im Vorfeld oder danach geäußerte Angebote. Maßstab für die Auswertung sei ein Gesamtkonzept mit den Komponenten Investitionen, soziale Absicherung der Arbeitnehmerschaft, Kaufpreis und insbesondere der Frage gewesen, wie Spitzenmedizin sowie Spitzenforschung und -lehre in Gießen und Marburg garantiert werden könnten. Dies sowie die Fristen im Bieterverfahren seien allen Beteiligten mehrfach schriftlich wie mündlich mitgeteilt worden.

Der Minister verwies außerdem darauf, dass Asklepios die im Vergabeverfahren vorgesehene zweiwöchige Widerspruchsfrist gegen die am 17. Dezember getroffene Auswahlentscheidung des Landes, die am 2. Januar endete, nicht genutzt habe. Er habe deshalb das Angebot der Rhön-Klinikum AG am 4. Januar notariell beurkundet angenommen.

Nach AZ-Informationen prüft Asklepios derzeit intensiv eine Klage nach europäischem Recht. Dies könne Monate dauern, verlautete aus dem Unternehmen. Sicher ist man dort, dass der Vertrag mit dem Rhön-Klinikum bei einem festgestellten Rechtsfehler rückwirkend annulliert werden müsste.

Dem Verkauf der Uniklinik muss noch der Landtag zustimmen. Eine Sondersitzung des Parlaments ist für den 31. Januar geplant.




Quelle: Giessener Allgemeine (2006-01-14)

Tse Tse
18.01.2006, 16:32
Bei Asklepios scheinen sie wirklich nervös zu werden und sehen ihre Felle nun davon schwimmen. Ich glaube die - wie eigentlich auch jeder hier - waren sich ihrer Sache dermaßen sicher und dann kam's doch anders.

"Wir ziehen vor den europäischen Gerichtshof!" :-D

Schlechte Verlierer sind das, die jetzt erstmal alles ausbremsen werden/ wollen.

Doktor_No
31.01.2006, 16:49
grad im anzeiger gelesen, ganz interessant...

Klinik-Beschäftigte sollen unbezahlten Urlaub nehmen
Kaufmännischer Direktor: Zu viele Mitarbeiter im medizinisch-technischen Dienst

GIESSEN (tt). Die Beschäftigten des medizinisch-technischen Dienstes sowie der Verwaltung der Gießener Uni-Klinik sollen befristeten Sonderurlaub nehmen und während dieser Zeit auf ihr Gehalt verzichten. Am Tag vor der Landtagssitzung zu der vor dem Abschluss stehenden Privatisierung des fusionierten Universitätsklinikums Gießen und Marburg, sorgt ein Schreiben des Gießener Klinikumsvorstands bei den Mitarbeitern vor Ort für Aufregung. In dem Papier bietet der Kaufmännische Direktor Dr. Hans-Jürgen Hackenberg den Beschäftigten "befristeten Sonderurlaub ohne Vergütung oder eine befristete Reduzierung der Arbeitszeit an". Als Grund für die Sparmaßnahme gibt Hackenberg das seit Jahren negative Betriebsergebnis an. Dazu hätten mehrere äußere Rahmenbedingungen sowie die nicht finanzierte Veränderung der Personalkosten geführt, heißt es in dem Brief, der dem Anzeiger vorliegt. Unterschiedliche Analysen und Vergleiche mit dem Standort Marburg zeigten auf, dass derzeit in Gießen bei gleichem Leistungsvolumen deutlich mehr Mitarbeiter im medizinisch-technischen Dienst beschäftigt seien. "Der Klinikumsvorstand sieht sich daher gezwungen, insbesondere in diesem Bereich eine Anpassung des Personalbestandes vorzunehmen", schreibt Hackenberg. Zugleich sichert der Kaufmännische Direktor den Beschäftigten zu, sich an die Zusage der Landesregierung zu halten, bestehende Arbeitsverhältnisse nicht vor Ablauf des Jahres 2010 zu kündigen.
"Die dennoch notwendige Reduzierung dieses Personenkreises wird in Zukunft dazu führen, dass bei einem Ausscheiden von Mitarbeitern - auch bei Vertragsablauf -, deren Positionen im medizinisch-technischem Dienst nicht mehr, oder durch interne Umsetzungen innerhalb unseres Standortes und des Standortes Marburg, nachbesetzt werden", so Hackenberg. Eine Verringerung des Personalbestandes durch natürliche Fluktuation werde jedoch aufgrund der zahlreichen bestehenden unbefristeten Arbeitsverhältnisse nur sehr langsam erfolgen können. Gleichzeitig wisse der Klinikumsvorstand jedoch durch viele Nachfragen, dass einige der Mitarbeiter des medizinisch-technischen Bereichs daran interessiert seien, vorübergehend aus dem Dienst auszuscheiden. "Der Klinikumsvorstand bietet daher aufgrund der derzeitigen Situation interessierten Personen an, einen individuell zu vereinbarenden Zeitraum Sonderurlaub ohne Vergütung zu gewähren", heißt es in dem Schreiben weiter.
So können nach Hackenbergs Worten Mitarbeiter, die zum Beispiel entweder aus privaten Gründen eine Auszeit in Anspruch nehmen oder ein anderes Arbeitsverhältnis eingehen möchten, die Zeit des Sonderurlaubs nutzen, ohne dass der Bestand des derzeitigen Arbeitsverhältnisses gefährdet wäre, "weil eine Rückkehrmöglichkeit zu dem vereinbarten Zeitpunkt gegeben ist". Ebenfalls möglich sei eine vorübergehende Reduzierung der vereinbarten Arbeitszeit, ohne dass der Anspruch auf die bisherige Arbeitszeit verloren gehe.
Während vom Klinikumsvorstand und der künftigen Betreiberin des Uni-Klinikums Gießen und Marburg, der Rhön-Klinikum AG, am Montag keine Stellungnahme zu erhalten war, kann eine solche Vereinbarung nach Angaben des Gießener Personalratsvorsitzenden Klaus Hanschur nur auf freiwilliger Basis erfolgen. "Wir wehren uns mit Händen und Füßen dagegen, dass die Beschäftigten zu internen Wechseln gezwungen beziehungsweise auf Zwangsbasis zu Weiterbildung geschickt werden können", betonte der Personalratsvorsitzende.
Als einen Erfolg verbuchte Hanschur, dass es gelungen sei, ursprüngliche Pläne des Klinikumsvorstands zu durchkreuzen, "eine Art Personalvermittlungsagentur zu etablieren, bei der einzelne Mitarbeiter als überflüssig benannt werden". Nachdem bereits der Wissenschaftsrat und das Kartellamt grünes Licht signalisiert haben, befindet heute der hessische Landtag über die bundesweit erste Privatisierung eines Uni-Klinikums. Bereits ab 1. Februar soll den Plänen der CDU-geführten Landesregierung zufolge die Rhön-Klinikum AG das Großkrankenhaus betreiben.

PhineasGage
31.01.2006, 18:09
da hilft nur eins --- möglichst viel herunterfallenlassen etc. das ist anscheinend ja die einzige Möglichkeit Jobs zu retten , langsam wirds einfach nur traurig.
Und wann wird das vom Pflegepersonal erwartet?!

Tse Tse
31.01.2006, 23:57
Unbezahlter Urlaub hört sich an wie ne Urlaubsreise die nix kostet. Fein. :-)
Wo's wohl hingeht? :-((

Könnte auch noch ne ganze Ecke tiefer als ALG 1 bis 2 auf der Glasgow-Coma-Scale angesiedelt sein.
Und dann hat man nicht mal Geld am Urlaubsort, um ne Ansichtskarte an die Daheimgebliebenen schicken zu können.

Doktor_No
01.02.2006, 18:00
und weiter gehts

01.02.2006

Unterschiedliches Echo auf Verkauf des Uni-Klinikums
CDU und Weidner begrüßen Landtags-Votum - Personalrat kündigt harte Verhandlungen an

GIESSEN (tt). Pünktlich um Mitternacht ist das fusionierte Universitätsklinikum Gießen und Marburg an die Rhön-Klinikum AG übergangen. Am Standort Gießen löste die bundesweit erste Privatisierung eines Universitätsklinikums, die der hessische Landtag am Dienstagnachmittag mit den Stimmen von CDU und FDP perfekt gemacht hatte, unterschiedliche Reaktionen aus. Prof. Wolfgang Weidner, seit heute wieder Ärztlicher Direktor in Gießen, begrüßte das Votum. "Das ist ein positiver Abschluss einer guten Entwicklung und das Richtige für unseren Standort." Nicht ganz ohne Stolz bemerkte der bisherige Vorsitzende des Klinikumsvorstands Gießen und Marburg, dass er sich maßgeblich für einen Verkauf des Krankenhauses eingesetzt habe. Weit weniger euphorisch äußerte sich Klaus Hanschur. Es sei nicht so, wie Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) Glauben machen wolle, dass die Beschäftigten die Entscheidung positiv aufgenommen hätten. "Die Mitarbeiter sind vielmehr in großer Sorge. Sie haben Angst um ihren Arbeitsplatz." Jetzt seien alle Blicke auf den Beginn der Tarifverhandlungen am 16. Februar gerichtet. "Es wird sehr, sehr harte Verhandlungen geben", kündigte der Personalvertreter mit Blick auf den Sozialfonds an.
"Ich fühle mich extrem müde und frustriert", kommentierte Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) den Krankenhausverkauf. "Zwei Jahre Lebenskraft sind dafür draufgegangen. Dass wir am Ende doch verloren haben, ist bitter", erklärte der SPD-Landtagsabgeordnete. Seine Partei bleibe bei ihrer Haltung, dass es durchaus Alternativen gegeben hätte. Zugleich betonte Schäfer-Gümbel, er werde nicht zulassen, dass ausschließlich die rot-grüne Landesregierung für die marode Bausubstanz vor allem in Gießen verantwortlich gemacht werde. "Dazu haben alle Regierungen beigetragen." In den nächsten Tage werde er ein Treffen mit Rhön-Vorstandsmitglied Gerald Meder vereinbaren.
Von einer "hervorragenden Entscheidung" für Gießen und Marburg sprach dagegen Schäfer-Gümbels CDU-Kollege Klaus Peter Möller. "Das ist das Beste für die Beschäftigten, die Patienten und die beiden Hochschulen vor Ort." Wissenschaftler und Mediziner fänden ein gut ausgestattetes Klinikum vor. "Alles das, was bei der Anhörung im hessischen Landtag mahnend eingeworfen worden ist, hat die Landesregierung berücksichtigt", äußerte Möller. Längst sei im Klinikum eine Aufbruchstimmung spürbar. Viele Mitarbeiter hätten Zweifel gehabt. Doch mit der Zustimmung des Kartellamtes und des Wissenschaftsrates sowie dem Veto-Recht der Dekane seien derlei Bedenken zerstreut worden. "Der Verkauf beider Kliniken ist der einzige Weg, die Standorte dauerhaft zu sichern", betonte der CDU-Politiker.
Unterdessen hat das Schreiben des Gießener Klinikumsvorstands an die Beschäftigten des medizinisch-technischen Dienstes Befremden bei der designierten Betreiberin des Großkrankenhauses, der Rhön-Klinikum AG, ausgelöst. Mit Blick auf das negative Betriebsergebnis hatte Gießens Kaufmännischer Direktor Dr. Hans-Jürgen Hackenberg an die Mitarbeiter appelliert, unbezahlten Sonderurlaub zu nehmen. "Von diesem Brief habe ich am Montag das erste Mal Kenntnis erlangt", zeigte Gerald Meder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Konzerns und künftiger Geschäftsführer der Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, sich verwundert über das nicht abgestimmte Vorgehen. "Das wird es in Zukunft nicht mehr geben", versicherte er. Zwar habe der Klinikumsvorstand völlig ordnungsgemäß gehandelt, doch hätte er erwartet, dass die Krankenhausspitze die Rhön AG über den Brief informiert hätte, "zumal bereits festgestanden hat, dass wir den Zuschlag zum Erwerb des Uni-Klinikums erhalten haben", richtete Meder deutliche Worte an die Gießener Verantwortlichen.
Der private Krankenhausbetreiber hat das Klinikum für 112 Millionen Euro vom Land erworben und will in Gießen unter anderem einen neuen Trakt mit rund 750 Betten bauen.