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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neue Arbeitszeitmodelle, EU Arbeitszeitrichtlinie



Thomas24
12.10.2005, 23:54
Am 01.01.06 endet die Übergangsfrist für die Umsetzung der europäischen Leitlinie zum Arbeitszeitgesetz. Lange Jahre hat es gedauert, bis sich die EU mal dazu durchringen konnte, für die Arbeitszeiten zumindest offizielle Obergrenzen festzulegen. Und noch weitere geschlagene zwei Jahre, bis die Übergangsfrist zur Umsetzung in den EU Mitgliedsstaaten, endete.

Nach dem Dr. Jäger bereits vor Jahren seinen Musterprozess zur Begrenzung der Arbeitszeit gewonnen hat, sah es Anfang 2003 eine zeitlang so aus, als ob gewisse interessierte Kreise Erfolg damit haben könnten, die EU Arbeitszeitrichtlinie wieder zu kippen. Man erinnere sich nur an die Aussagen von Fr. Diamantopolou, der damaligen EU Kommisarin für Arbeitsfragen und "Soziales" :-???, die Umsetzung ins Belieben der einzelnen Mitgliedsstaaten zu stellen, oder wenigstens den Begriff einer "inaktiven Arbeitsphase" zuzulassen, um die Arbeitszeit künstlich wieder runter rechnen zu können.

Als ob sich irgendein Notfallpatient in der Nacht um irgendwelche "inaktiven Zeiten" scheren würde, oder es irgendeinen Arzt geben würde, der mit dem Verweis auf die Rechtslage einfach im Bett liegen bliebe. A la "Sorry, habe gerade meine inaktive Arbeitszeit- nehmen Sie zwei Benuron und kommen später in der Nacht nochmal vorbei, dann habe ich meine aktive Phase..." (gut, bei der ein oder anderen Nachtschwester, die ich als PJ erlebt habe- kann ich mir das schon vorstellen *lol*)

Im Vertrauen darauf, das die Richtlinie in D sowieso nie umgesetzt werden würde, hat sich keine Verwaltung darüber Gedanken gemacht- wie Dienstpläne in Zukunft ausfallen sollten, um in Zukunft gesetzeskonform zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum sich in D nur die wenigsten größeren Krankenhäuser um intelligente Arbeitspläne und Zeitmodelle bemüht haben. Naja gut, zwei Jahre Vorbereitungszeit sind für eine durchschnittliche deutsche Krankenhausverwaltung ja auch ein bischen überraschend und kurzfristig...;-)

Wieder erwarten ist das EU Parlament aber nicht eingeknickt, und hat die vorgeschlagenen Änderungen von Fr. Diamantopolou verworfen.
Wenn auf Druck der Arbeitgeber nicht nochmal das deutsche Arbeitsschutzgesetz inhaltlich verbogen wird, oder auf Druck von interessierten Lobbyisten die Übergangsfristen zur Umsetzung von europäischem Recht nicht nochmals zum St. Nimmerleinstag verlängert werden wird (ich meine: was sind schon zwei Jahre...auch in der Vergangenheit hatte die Ärzteschaft ja unendlich viel Zeit und Geduld, ne?), gilt auch in deutschen Krankenhäusern ab Januar 2006 das Arbeitszeitgesetz pur- es sei denn ein Tarifvertrag bestimmt etwas anderes.

Im Augenblick sieht es aber nicht danach aus, als ob für die gekündigten Verträge -zumindest auf Landesebene (= Unikliniken) bis dahin eine neue Tarifvereinbarung zustande kommen wird. Aber die hohen Herren haben plötzlich ein massives eigenes Interesse daran bekommen, sich überhaupt mal an den Verhandlungstisch zu setzen. (Wie ich bereits sagte: was sind schon zwei Jahre "Übergangsfrist"? Und wer hätte ahnen können, das das europäische Parlamen ausnahmsweise mal nicht dazu durchringen konnte, die EU Arbeitszeitrichtlinie zu kippen oder den Begriff von "inaktiven Arbeitszeitphasen" zu übernehmen).

Wie sehen die neuen Rahmenbedingungen aus? Die tägliche Arbeitszeit wird auf 8-10 Stunden limitiert, die wöchentliche Höchstarbeitszeit auf 48h.
Das bedeutet: die üblichen Dienste werden nicht mehr wie bisher ablaufen können- es sei denn, wir würden demnächst einen neuen Tarifvertrag bekommen, in dem was anderes steht.

Die Assistentensprecher aus allen Kliniken und Abteilungen führen zur Zeit Befragungen unter den KollegInnen durch, wie ihre Vorstellungen bezüglich einer neuen Regelung aussehen. Denn niemand kann Interesse daran haben, einfach ein phantasieloses simples drei Schicht Modell (natürlich ohne Zeitzuschläge für Wochenend/ Nacht oder Feiertagsarbeit- solche Zuschläge gab´s eh nur für Schwestern, und nicht für BAT) auf die Nase gedrückt zu bekommen.

Daher meine Frage an alle, die in einem KH arbeiten, in dem es alternative Zeitmodelle gibt: wie sieht euer Modell aus? Schichten? Gleitzeiten?
Wie zufrieden seid ihr mit eurem Modell? Wie sieht es aus mit eurer zusätzlichen Belastung/ Entlastung, vermehrter Aufwand für Übergaben etc., subjektiven Zufriedenheit etc. Wie sieht euer Lohnzettel nach der Umwandlung aus? Schliesslich ist das Grundgehalt jämmerlich niedrig, und wurde allein durch die vielen Überstunden und Bereitschaftsdienste ein bischen aufgepolstert.
Ich freue mich auf eure Anregungen und Kommentare!

Darüber hinaus möchte ich noch auf den Aktionstag des MB am nächsten Mittwoch (in NRW in Düsseldorf, die anderen Bundesländer hab ich gerade nicht im Kopf) hinweisen-

http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=24453

Was wäre, wenn sich die Assistenzärzte Deutschlands nur einmal für ihre berechtigten eigenen Interessen nur halb so engagiert einsetzen würden, wie tagein tagaus für ihre Patienten... :-dafür

Nicht vergessen, "Du bist Deutschland" ;-)