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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : paraneoplastisches Syndrom



Tse Tse
06.11.2005, 13:52
Hallo,
vielleicht weiß jemand Rat.

Paraneoplastische Syndrome können der Tumormanifestation vorangehen,
synchron auftreten oder nach Therapie des Tumors in Erscheinung treten.

Das zeitgleiche Auftreten von Tumor und paraneoplastischem Syndrom kann ich mir noch gut vorstellen, z.B. bei endokrinologisch aktiven Tumoren.
Aber sind denn die im Vorfeld der Tumormanifestation und besonders nach Therapie des Tumors auftretenden Symptome erklärbar? Kann denn so ein Tumor langfristig Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben, selbst wenn er vollständig "verschwunden" ist? Und wenn ja, wie? Oder bedeutet es vielmehr, dass irgendwo immer noch Tumorzellen vorhanden sind.

Zum Begriff hab ich noch eine Frage: werden denn damit nur Auswirkungen, die unmittelbar auf den Tumor zurückzuführen sind bezeichnet oder assoziiert man damit auch z.B. Blutbildveränderungen, die im Rahmen der Therapie auftreten können?

Grüße, Tse

alex1
06.11.2005, 14:00
Also zur erster Frage kann ich nur Folgendes sagen:
Nach Therapie (RTx oder CTx, oder beides) können durch massiven Tumorzerfall durchaus andere Symptome auftreten, die man auch "paraneoplastisch" nennen kann. Dabei geht es nicht um die typischen Konstellationen wie zB Hyperurikämie, B-Symptomatik, etc.

Paraneoplastiche Syndrome haben nicht mit therapieassoziierten Nebenwirkungen zu tun. Leukopenien, etc sind nach WHO klassifizierten NW einer (R)CTx

FataMorgana
06.11.2005, 14:05
Na, und im Vorfeld ist das doch auch nicht so schwierig zu verstehen. Bei Diagnosestellung hat ein Tumor i. a. eine gewisse Größe erreicht. Dies geschieht meist nicht von heute auf morgen, sondern dauert Jahre. In diesen Jahren können z. B. durch den Tumor gebildete Hormone zu einem paraneoplastischen Syndrom führen, ohne dass der dafür verantwortliche Tumor bereits diagnostizierbar wäre.

test
06.11.2005, 14:06
Para heißt ja neben. Also sind mit paraneoplastischen Syndromen/Symptomen, Symptome bezeichnet, die nicht direkt auf den Tumor an sich, sondern auf Nebenwirkungen durch Hormone, Antikörper oder andere peptide, die von ihm sezerniert werden, zurück gehen.
Diese Symptome gehen alle auf irgendwelche humoralen Fernwirkungen zurück, können aber unterschiedlichste Auswirkungen haben an der Haut, an den Gelenken, im Wasserhaushalt, im Gastrointestinalhaushalt usw....

Blutbildveränderungen die im Rahmen der Therapie auftreten würde man nicht als paraneoplastisch bezeichnen.

Ich würde auch eine Tumoranämie nicht zwangsläufig als paraneoplastisch bezeichnen, wenn sie nicht durch eine besondere Zytokinsekretion oder anderen spezifischen Mechanimus bedingt ist.
Fast alle Tumoren führen ja zu einer Anämie. Paraneoplastisch würde ich die Symptome nur nennen, wenn sie durch irgendeine Art von spezifischer humoraler Fernwirkung ausgelöst werden.

Genauso würde ich bei paraneoplastischen Symptomen, die einem Tumor vorausgehen oder nachfolgen, davon ausgehen, dass eben Tumorzellen vorhanden sind, nur eben nicht entdeckt wurden bisher oder eben nicht vollständig entfernt wurden.

Vielleicht hat dir das ja etwas weitergeholfen. Wobei ich es manchmal etwas schwierig finde zu unterscheiden, ob bestimmte allgemeine Begleitsymptome einer Tumorerkrankung als paraneoplastisch zu bezceichnen sind oder nicht. :-nix

Tse Tse
06.11.2005, 14:10
Danke für eure Antworten!! Ja, das ist plausibel.
Das zeigt mir einmal mehr, wie unwürdig ich noch bin :-blush
(Betonung auf hoffentlich noch) :-)

Leggo1
06.11.2005, 14:49
Also zur erster Frage kann ich nur Folgendes sagen:
Nach Therapie (RTx oder CTx, oder beides) können durch massiven Tumorzerfall durchaus andere Symptome auftreten, die man auch "paraneoplastisch" nennen kann. Dabei geht es nicht um die typischen Konstellationen wie zB Hyperurikämie, B-Symptomatik, etc.

Das würde ich als Tumorlyse-Syndrom und nicht als paraneoplastisches Syndrom bezeichnen.

alex1
06.11.2005, 16:24
Unter Tumorlyse Syndrom versteht man das was ich schon erwähnt habe:
stärkere B-Symptomatik, Hyperurikämie, etc...
Wenn aber die gleichen Proteine (oder besser gesagt) Antigene freigesetzt werden, die sowieso ein Tumor freisetzt, und zwar verstärkt weil er gerade zugrunde geht, dann ist das doch ein paraneoplastisches Syndrom.

Leggo1
06.11.2005, 17:01
die sowieso ein Tumor freisetzt, und zwar verstärkt weil er gerade zugrunde geht, dann ist das doch ein paraneoplastisches Syndrom.

sorry, ja - aber setzt der Tumor mehr Zytokine frei, wenn er untergeht?

alex1
06.11.2005, 17:03
Wieso nicht? Ich meine, wenn die Zelle platzt, dann wird doch einiges freigesetzt.

Erinnert mich ans Telefonat mit einem Internisten als ich im Diest war und ein Patient von uns mit Fieber und nachweisbarem Keim in der Blutkultur unter antibiogrammgerechter Antibiose auffieberte:

INTERNIST: Könnte das nicht einfach Tumorfieber sein? Deswegen spricht er wahrscheinlich nicht auf die Antibiose an.
ICH: Ja, aber Tumorfieber macht keinen Enterobacter in der Blutkultur, oder?

:-D :-D :-D