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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Keine Motivation mehr!



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MaryRose
12.12.2005, 08:21
Hallo Frederik!

Erstmal vielen Dank für die Motivation. Nachdem ich die ganze letzte Nacht nicht schlafen konnte weil ich mir immer und immer wieder die selben Fragen gestellt habe war es sehr schön heute morgen so nette Worte zu lesen.
Dazu habe ich aber auch gleich noch mal eine Frage:

Was für Alternativen habe ich denn, als nach dem STEX in eine Klinik zu gehen und mich entscheiden zu müssen, ob ich lieber an WEIHNACHTEN oder an SILVESTER arbeiten will, ob ich lieber 8 oder 10 Dienste im Monat machen möchte, ob ich lieber um 19 oder um 20 Uhr nach Hause gehen möchte, wenn der Dienst offiziell um 16:00 endet?

Irgendwie erscheint mir das alles unheimlich düster und nicht sonderlich erstrebenswert.

Ich habe ja jetzt im Studium schon kaum Freizeit, wenn ich richtig lerne etc, soll das dann im Job so weiter gehen?!

Gib es Möglichkeiten auch nur 50% zu arbeiten, dann halt wesentlich länger für die Facharztausbildung zu brauchen? Muss ich unbedingt Dienste machen oder ist das nur eine NICE TO DO Sache damit am Ende des Monats die Kohle stimmt?

Ich weiss nicht so recht, an wen ich mich mit all meinen Fragen wenden soll, denn ich kenne keinen Arzt so gut, als dass ich mich mal mit Plätzchen zu ihm setzen könnte um ein Gespräch darüber führen zu können...

Ist irgendwie grad nicht so leicht alles und ich bin dankbar für jede Antwort.

funny
12.12.2005, 10:38
- du könntest Teilzeit in einer Praxis arbeiten
- oder eine eigene übernehmen
- oder Medizin-controller werden
- oder ins Ausland gehen
- oder das Studium abbrechen (aber Lehrer als Alternative????Dann würde ich lieber Mediuzin machen, da hast du nicht den ganzen halben Tag plärrende, verwöhnte intrigante Gören um dich rum, die dich einfach aus Spaß hassen o.ä. :-))

sunny03
12.12.2005, 18:41
@Mary Rose

Zunächst mal würde ich nichts überstürzen.
Soo schlecht kannst du nicht sein, wenn du bisher die Testate erfolgreich geschafft hast. Und im 5. vorklinischen zu sein, ist auch kein Beinbruch, da gibt es noch genug andere denen es ähnlich geht ;-) .
Eine kleine Sinnkrise hat jeder mal, allerdings scheinst du ja ziemlich große Zweifel zu hegen :-? . Primär geht´s ja darum, womit du glücklich wirst.

Überleg, wieviel dir das Studium wert ist. Wäge ab, ob du bereit bist, weiter hart dafür zu arbeiten etc..
Deine Vorstellungen über die Klinik scheinen schon fest verankert zu sein. Dennoch könnte sich das nicht evtl. noch ändern, wenn du Famulaturen gemacht hast oder mal klinische Fächer erlebt hast und plötzlich ein Interesse an einem speziellen Gebiet aufkeimt? Warum sind diese "Klinikzweifel" jetzt plötzlich da, wenn sie schon immer bestanden hätten, hättest du das Studium doch nicht aufgenommen? Mach dir klar, was deine anfängliche Motivation war, das Studium aufzunehmen. Bestand nie ein Interesse an den Fächern? Was würde dich denn interessieren? (Alles Fragen, die nur du für dich selbst beantworten kannst.)
Ich würde nicht unbedingt vorm Physikum alles hinwerfen. Sieh mal, du hast bis hierhin 5. Semester hart gearbeitet und nun kommt sozusagen der "krönende Abschluss" für diesen Studienabschnitt. Kein einfaches Testat, sondern eine richtige große Prüfung, mit der du dir selbst beweisen kannst, dass sich alle Mühe gelohnt hat. Vielleicht würde dir das dann nochmal einen richtigen Motivationsschub geben :-) .
Und wie gesagt, du urteilst schon über die Klinik, aber warte doch mal ab.
Im klinischen Abschnitt kann man doch in so viele Fachgebiete reinschnuppern.

Alternative Berufsfelder außerhalb der Klinik gibt es: z.B. Medizinjournalismus, Gesundheitsamt, Forschung etc. (macht allerdings auch nur Sinn, wenn du das Studium bis dahin nicht als Qual ansiehst - immerhin hast du ja noch ein paar Jahr bis dahin).

Ich will dich hier natürlich in nichts reinquatschen, was dir wiederstrebt - innerlich wirst du sicher schon ein Gefühl haben. Bevor du dich wirklich nur noch quälst, lass es besser sein und such dir einen Weg, der dir mehr Spaß macht. Sei dir nur immer dessen bewusst, dass überall mal schlechte Zeiten kommen können, egal ob als Medizin-/Lehramts-/Jurastudent.

Letztlich wird dir dein Gefühl schon sagen, was der richtige Weg für dich ist.
Viel Erfolg bei deiner Entscheidung!
:-meinung

Lava
12.12.2005, 19:25
Ein bisschen muss ich Frederik widersprechen: eigentlich sollte es nicht so sein, dass einem die Vorklinik überhaupt keinen Spaß macht und es einen gar nicht interessiert, was man da lernt. Auf der einen Seite ist der Druck durch die Klausuren und Testate natürlich anstrengend und jeder hat so seine Hassfächer (ich sag nur Embryologie mit Brand-Sab oder Physiologie Niere mit dem netten Prof. Fakler...), aber eigentlich kenne ich niemanden, den das ein oder andere nicht doch im Grunde interssiert hätte. Irgendwo ist einem ja bewusst, dass die vorklinischen Fächer mal Grundlage für klinsiches Wissen sein werden.

Warum denkst du, dass du auch die klinischen Fächer nicht mögen wirst? Erinnere dich mal an BFE und EKM: fandest du das wirklich uninteressant?

Also mein Eindruck von dem, was du bisher schreibst, ist eher, dass du dich grundsätzlich nicht mit Medizin identifizierst, als dass es ein reines Lernproblem ist. Wenn dem so ist: brich ab! Das ist keine Schande!!! Dieser eine Nachrichtensprecher vom heute Journal hat es neulich mal ganz passend bei Beckmann ausgedrückt: er wusste auch von Anfang an, dass Medizn nicht seine Welt ist, aber er konnte nicht begreifen, wieso er der einzige war, dem das Medizinstudium scheinbar keinen Spaß gemacht hat. Deshlab hat er auche rst nach mehreren Semestern abgebrochen. Wenn es dir also definitv keinen Spaß macht und der Beruf euch überhaupt kein Anreiz für dich ist: quäl dich nicht! Wenn du das Studium durchziehst und nach 6 Jahren mit einer Ausbildung zu einem Beruf da stehst, den du nicht ausüben willst, wirst du es nur bereuen...

Fraggle
12.12.2005, 19:52
mit medizin kann man beinahe alles später machen. es wird sich schon eine nische finden.
an deiner stelle würd ich folgendes machen: du kannst jetzt eh nicht sofort etwas anderes machen. es gibt bewerbungsfristen etc. .
du weisst nicht, ist es der misserfolg beim lernen der die unlust verursacht - oder die unlust, die den misserfolg bedingt!
dieses problem lässt sich lösen!
in deinem jetzigen fall geht es nicht darum: wie wird die klinik, wie wird das arztleben, wie wird das alles... jetzt gehts nur um eines : Physikum! Prüfung! nur darauf fokussieren! nicht schauen, was ist der inhalt dessen was ich lerne, sondern: ich muss lernen, um diese prüfung zu schaffen! und wenn ich dafür arabisch oder differentialgleichungen lernen müsste, würd ich auch das machen!
wieso sollte man es sorum machen??
1) in jedem anderen fach wirst du prüfungen haben und lernen müssen. in jedem fach wird es hammerprüfungen geben. in theologie ist es altgriechisch, in psychologie statistik, in bwl mathe, usw. man muss allgemein im studium bestimmte prüfungen einfach durchziehen. dadurch zeigt man ein gewisses frustationspotential.
2) deine frage nach "was war zuerst" lässt sich dadurch beantworten. bestehst du die prüfung, kannst du dir die klinik anschauen, und sagen, ne, is nicht. fällst du durch und hast dich wirklich nur versucht, auf den stoff zu konzentrieren, kannst du sagen: also -d i e s e s zeug zu lernen liegt mir nicht. aber sprachen oder so trau ich mir eher zu. (aber: überall wirds fallstricke geben)
3) man sollte wichtige lebensentscheidungen möglichst nicht in phasen treffen, in denen man vor problemen keinen horizont sieht. mach die prüfung (möglichst erfolgreich), und dann entscheide. dann kannst du dich viel freier und weniger problembeladen entscheiden.
4) diese prüfung steht stellvertretend für alle anderen prüfungen, auch in anderen fächern. wenn du diese packst, zeigst du, dass du im prinzip fast alles schaffen / lernen kannst. auch anderes ist dann nicht mehr so das problem.
5) jetzt eh keine schnelle alternative
6) neben jura die meisten möglichkeiten als mediziner
7) im sommer ist alles viel fröhlicher....... :-dance

alles gute !
fraggle

MaryRose
12.12.2005, 21:39
Hallo Ihr Lieben!

Ich möchte mich bei Euch allen für Eure Antworten bedanken! Da steht viel Wahres drin!
Letztendlich muss ich mich aber selbst entscheiden.
Ich werde neben dem eifrigen weiterlernen aufs Physikum (und natürlich auf die nicht bestandene Physioklausur...) mal schauen, ob ich nicht doch ein paar Ärzte finde, die mir ein netteres Bild vom Berufsalltag aufzeigen können.

Ich kann tatsächlich vor dem WS 06/07 nicht mit was neuem Anfangen, zumindest nicht hier in Freiburg, drum kann ich es mit dem Physikum eigentlich genausogut versuchen.

Ich hoffe ich kann am Lernen bleiben und wieder mal eine Nacht durchschlafen, nachdem ich zumindest mal diese Entscheidung, nämlich das Physikum zu versuchen, getroffen habe.

Vielen Dank nochmals an Euch alle für die Beiträge!

Gute Nacht wünscht
MaryRose

Neely
21.12.2005, 16:28
Hallo,

klar kenne ich Gefühle wie diese. Du glaubst gar nicht, welche schweren Krisen ich schon hatte, obwohl ich nur Erstsemester bin. Eigentlich habe ich ununterbrochen Krisen, oft sitze ich vor dem Anatomiebuch und frage und frage und frage mich, wofür um alles in der Welt man diesen gottverdammten Mist braucht. Warum muss man wissen, an welchem dummen Tuberculum Muskel XY ansetzt, der den Durchmesser einer Ameise und die Wichtigkeit eines umgefallenen Rades in Peking hat. Das ist fast überall so, man lernt Tabellen auswendig ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben wofür. Als großartige Motivation hatte man ein Praktikum, in dem man an den fiesen und zickigen Schwestern und der krassen Hierarchie fast zu Grunde gegangen waere, der Professor war Gott und nicht mal die PJler durften Kittel tragen. Ich habe noch nie etwas derart perverses erlebt, manche Krankenhaeuser sehen desolat aus, überall stinkt es, man liest über niedrige Löhne, Ausbeutung, Selbstmord- und Scheidungsraten die alle Rekorde brechen und als Krönung liest man in seiner Freizeit zur "Entspannung" ein Buch, in dem die geriatrische Krankenhauspopulation als "Gomer" (go out of my emergency room) bezeichnet, die Haelfte aller Praktikanten im ersten Jahr Selbstmord begeht und alle Aerzte einfach scheinbar nur ins Irrenhaus gehören (spielt zwar in den 70er Jahren in den USA, aber ich bezweifle, dass es eine reine Erfindung ist). Vielleicht solltest du auch einmal aufschreiben was dich daran ankotzt und was es dir versauert, keine negativen Gefühle unterdrücken, alles rauslassen.

Dann sie dir andere Berufe an. Dort rennen die Leute ebenfalls jahrelang von Praktikum zu Praktikum, sie dürfen zwar einen schicken Anzug tragen, aber ebenfalls in einem miefigen Büro, abgeschottet von ihrer Umwelt, Überstunden schieben, da ihnen der Betriebsrat sonst mit Entlassungen droht. Gemobbt werden sie auch von ihren frustrierten Kollegen, die keinen Sinn in ihrer Taetigkeit sehen, außer nicht Opfer von Hartz 4 zu werden. Auch dort ist das Leben nicht perfekt, im Grunde ist ALLES nur ein normaler Beruf mit seinen Licht-und Schattenseiten, auch in anderen Berufen wirst du kein Königsleben führen, das ist schlichtweg Illusion.

Sonst kann ich nur hinzufügen, dass man nicht in einer Klinik arbeiten muss, falls du das nicht willst, es gibt so viele andere Möglichkeiten. Falls du gar keine Patienten mehr sehen willst kannst du auch Medizinjournalistin werden, in einem schicken Büro oder selbststaendig, mit viel Freizeit, einem guten Lohn und ohne signifikant suizidgefaehrdet zu werden. Irgendein Interesse musst du doch an der Medizin haben, sonst haettest du dieses Studium nicht begonnen, und so könntest du am Ende sogar dieses Interesse mit dem Privateben, das du dir eigentlich wünscht, verbinden.

Und denk auch ans Ausland, wenn du dir die anderen Beitraege durchliest, so merkst du, dass die Hierarchie und das miese Klima nirgends so krass sind wie in Deutschland, wenn man auch dort nicht weniger arbeiten muss. An das kann man sich gewöhnen, genau so wie ans viele Lernen, ich fühle mich heute sogar komisch, da ich erst in einer Woche die naechste Prüfung habe und somit nicht ununterbrochen lernen muss...ich weiß gar nicht, was ich tun soll (lernen mache ich am Wochenende, was sollte ich hier sonst tun...da will ich nicht jetzt schon vom Stoff satt sein)...es ist wirklich nur eine Frage der Überwindung und das denken an ein Ziel, das du dir ja auch in einem anderen Bereich suchen kannst, wenn du willst...sei nicht so pessimistisch, vor dem Lohn steht nun einmal der Schweiß, da gilt es einfach, die für dich optimale Lernstrategie zu finden und dann einigermaßen angenehm und mit "Spaß" (oder so was aehnlichem, finde gerade kein Wort dafür), oder auch nur ertraeglich, zu lernen. Es geht auch nicht primaer um Quantitaet, sondern die Qualitaet.

Du solltest mal bei den Wirtschaftsstudenten vorbeischauen, da gibt es oft Workshops zu Lern-und Merktechniken (weiß ich von einem Freund).

Also bleib optimistisch, diese Vorklinik (oder auch Klinik) wird nicht ewig dauern und irgendwann VVOORRBBEEII sein