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Gersig
13.12.2005, 21:20
klappt bei fluglotsen
Die sind auch zu 99,9% bei COCKPIT. Wenn sich der Marburger Bund mittelfristig zu DER ärztlichen Gewerkschaft entwickelt, dann wird das auch bei uns klappen.

Tombow
13.12.2005, 21:36
Die sind auch zu 99,9% bei COCKPIT.

Nix da. Die Fluglotsen haben eine eigene Gewerkschaft, die im übrigen NIX mit der Vereinigung Cockpit zu tun hat. Und wenn es schon dicke kommt, dann mischt auch IFATCA(International Federation of Air Traffic Controllers Associations) mit ein. Bei Ärzten wäre sowas undenkbar. Leider.

Trojan
13.12.2005, 21:56
Letztendlich kann sich nur etwas ändern, wenn man einen "Schmerzreiz" setzt. Mit den "aktiven Mittagspausen" gewinnen wir nicht mal nen Ermässigungsgutschein für McDoof.
Und Herrn Montgomery sind in diesem Fall die Hände gebunden, wenn ein Streik gerichtlich untersagt wird, kann man nix machen.
Es sollte einfach jedem klar sein, was Ärzte leisten müssen, und solange mir Patienten, die mal ne halbe Std. warten müssen, mit der Bild-Zeitung drohen, ist das offensichtlich noch nicht jedem geläufig...
Ich hoffe, dass man sich bald zu bundesweiten Streiks entschliesst- und das muss auch heissen, dass eben der Patient, der mit seit drei Wochen bestehenden Rückenschmerzen abends um 22:00 Uhr in die Notfallambulanz kommt,weil nix Gutes im Fernsehen läuft, keine Notfallbehandlung erhält.

Thomas24
13.12.2005, 22:11
Organisation und Kommunikation des MB müssen noch vieeeel, vieeel besser werden. Letzte Woche hatten wir Freitag eine einstündige Auszeit (Uniklinik in NRW), haben aber erst in der Frühbesprechung am Tag vorher erfahren, das sowas überhaupt geplant war... wenn sowas früher über den Buschfunk bekannt gegeben worden wäre, wären noch viel mehr Leute gekommen.

Naja immerhin waren trotz des sehr kurzen Vorlaufs geschätzt knapp 1/6 der gesamten ärztlichen Belegschaft da. Interessanterweise fast das komplette Zentrum für Chirurgie :-top , die Internisten waren aber sehr spärlich vertreten (Visite? "eilige" Blutabnahmen und Infusionen...? :-D ).

Auf der Veranstaltung wurde von vielen Teilnehmern auch sehr deutlich gemacht, das man zu einem *richtigen* Arbeitskampf inkl. Arbeitsniederlegung bereit wäre- die Basis ist anscheinend also doch deutlich unzufriedener und entschlossener als die diplomatische MB Spitze. Wenn die Verhandlungen noch endlos in die Länge gezogen werden, muss vielleicht tatsächlich dem Beispiel der Charité auch in anderen Kliniken gefolgt werden :-meinung. Die Kampfbereitschaft korreliert mit der Unzufriedenheit- unsere Chirurgen sahen jedenfalls mächtig angesäuert aus (die paar anwesenden Internisten wirkten nur müde...).

Hypnos
13.12.2005, 22:26
Wenn sich der Marburger Bund mittelfristig zu DER ärztlichen Gewerkschaft entwickelt, dann wird das auch bei uns klappen.

Da der MB KEINE Gewerkschaft ist, keine sein darf und auch keine werden wird, wird aus dem o.a. auch nichts werden...

Ich hatte mich zu den MB-Forderungen ja bereits im Bereitschaftsdienst-Thread geäußert, und meine damaligen Äußerungen sehe ich erneut bestätigt.

Leider ist der MB momentan nicht viel mehr, als eine Versammlung von Laien-Schauspielern ohne jegliches Durchsetzungsvermögen...was u.a. auch an o.a. Grundlagen liegt...

Aber auch ich bin sehr gespannt, wie's weitergehen wird...

Es grüßt,
Hypnos

T4N3M1
14.12.2005, 05:29
Fluglotsen...

2,5% mehr Gehalt RÜCKWIRKEND zum 01.11.05... sie schaffen es immer wieder!

Tombow
14.12.2005, 15:26
@T4N3M1:

Du vergleichst hier Äpfel mit Birnen. Im Unterschied zu den Ärzten herrscht bei den Fluglotsen europaweit seit Jahren Personalmangel(laut Eurocontrol sind momentan mehrere 1000 Stellen nicht besetzt) und die meisten Flugsicherungen sind entweder in staatlicher Hand oder werden sehr großzügig finanziert. So oder so herrscht da kein Sparzwang und keiner kräht danach, die Kosten zu reduzieren.

Also haben sie ein gewaltiges Druckmittel, um die Arbeitgeber an die Wand zu spielen. Was man von Ärzten nicht sagen kann. Wie schon Doktor_No in einem anderen Thread anmerkte, das Gehalt ist leider kaum verhandelbar.

EDIT:
HIER hätte der mb weitaus wirkungsvoller dagegen demonstrieren können. Wie wäre es mit einer Demonstration gegen die erneute Verschiebung der Umsetzung von EU-Arbeitszeitrichtlinien? Wäre in meinen Augen weitaus sinnvoller gewesen. Aber, wie wir sehen, sind ernsthafte und sinnvolle Aktionen nicht das primäre Anliegen des mb.

Doktor_No
14.12.2005, 15:52
wenn der montgomery schon sagt, dass man die streikaktion bis zum nächsten mal juristisch wasserdicht machen will, was ist denn das bitte für ein armseliges geständnis? so a la: wir bekommen es nicht hin aber versuchen es weiter, vielleicht klappt es ja mal. das ist zum davonlaufen!

Tombow
14.12.2005, 16:03
@No:

Viel schlimmer. Es ist kein armseliges, es ist ein schreckliches Geständnis. Damit sagt der Montgomery fast allen Ärzten:

"Mir geht's gut, eure Interessen kümmern mich nen feuchten Dreck"

Evil
14.12.2005, 16:53
wenn der montgomery schon sagt, dass man die streikaktion bis zum nächsten mal juristisch wasserdicht machen will, was ist denn das bitte für ein armseliges geständnis? so a la: wir bekommen es nicht hin aber versuchen es weiter, vielleicht klappt es ja mal. das ist zum davonlaufen!
Hm, dem kann man so nicht zustimmen. Fakt ist, daß bei den früheren großen Streiks die damalige IG Metall oder ÖTV den Streik vorher juristisch abgesichert haben (wie auch CockPit), d.h. die Verhandlungen waren offiziell gescheitert und es bestand keine Friedenspflicht.

Was da jetzt passiert ist, spricht bloß für die mangelnde Kompetenz des MB, die haben einfach gepennt... und das nicht zu ersten Mal... :-(

Tombow
14.12.2005, 16:59
Als einfach gepennt würde ich es nicht werten, Evil.

Einmal ist keinmal, aber jede weitere Wiederholung derselben Fehler läßt eine Absicht oder ein System dahinter vermuten.

T4N3M1
14.12.2005, 17:29
Aktuelles:
Der Arbeitsrechtler Prof. Dr. Wolfgang Däubler (Herausgeber und Autor des renommierten "Kommentar zum Tarifvertragsgesetz") von der Universität Bremen bezeichnete die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Köln den Ärztestreik wegen der Friedenspflicht zu verbieten im Gespräch mit dem Tagesspiegel als "unverständlich". Es habe keine mündliche Anhörung gegeben und das Gericht habe die Schutzschrift mit den Argumenten des Marburger Bunds ignoriert. Däubler sagte: "Die Arbeitgeberseite steht nicht mehr zum BAT und hat den Vertrag damit aufgekündigt. Demnach besteht auch keine Pflicht mehr für die Ärzte, sich an ihn zu halten. Die Friedenspflicht ist versiegt."

http://www.tagesspiegel.de/politik/index.asp?ran=on&url=http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/14.12.2005/2233976.asp

Und weiter:
"Um möglichen Schaden von den Streikteilnehmern abzuwenden haben wir den Streikaufruf kurzfristig zurückgenommen. Die Große Tarifkommission des Marburger Bundes wird am Samstag die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es an zukünftigen Warnstreikaktionen rechtlich "nichts mehr zu rütteln" gibt. Bei den nächsten Aktionen werden auch die "Verunsicherungsschreiben" der Arbeitgeber in der Versenkung verschwunden sein. Wer Wind sät..."