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Fraggle
19.03.2006, 22:09
Zitat - aus einem anderen forum (dt. ärzteblatt > forum)...
fand ich gut, den text.

fraggle








Du bist Deutschland- Eine MutmacherKampagne
Beitrag eingesandt von Adé-D am 17.03.2006 09:07:27

Du bist Deutschland. Du hast viele Ärzte, die vor Jahren als Studenten angetreten sind, um einen guten Dienst in der Gesellschaft zu leisten. Du lässt diese Ärzte, die sich angestrengt haben, um ihren Traumberuf zu erreichen, in ein Berufstrauma fallen. Du Spinner.
Du bist Deutschland. Du lässt die Ärzte, die sich um ihre Patienten kümmern wollten, 30 bis 50 % ihrer Arbeitszeit mit Papierkram und Bildschirmarbeit verbringen, wovon der Patient nichts, aber auch gar nichts hat. Du Idiot.
Du bist Deutschland. Du versprichst Deinen Kranken, dass für jeden alles erforderliche und medizinisch mögliche jetzt und auch zukünftig getan wird, obwohl du genau weißt, dass Du dieses Versprechen schon seit langem nicht mehr bezahlen kannst. Die versteckte Rationierung schiebst Du den Ärzten zu. Du Lügner.
Du bist Deutschland. Dir ist es durch viele Gesetzte, Bestimmungen und Verordnungen gelungen, dass sich in das Arzt-Patienten Verhältnis immer mehr Personengruppen gedrängt haben, die da nichts verloren haben, und die das ursprünglich von Vertrauen geprägte Verhältnis zunehmend zerstören werden. Ein Jurist kann einen Paragraphen interpretieren aber keinen Röntgenbefund; ein Ökonom kann ein Konto sanieren, aber keinen Patienten. Du Verrückter.
Du bist Deutschland. Du gibst fast jeden zweiten Euro, den Du für die Versorgung von Kranken einnimmst, für Leute aus, die nicht krank sind und die auch nichts von der Behandlung von Kranken verstehen – für Verwalter, für Kodierer, für Juristen, für Optimierer, für Verdichter, für Berater, für Beauftragte, für Qualitätsmanager, für Aufpasser, für Ankläger, für Verteidiger, für Schmarotzer und für Abzocker. Du Betrüger.
Du bist Deutschland. Du verletzt Deine Ärzte. Du bezahlst ihnen einen Lohn, der in den Ländern, die noch vor kurzem Gastarbeiter zu uns entsandt haben, weitaus höher ist. Du zwingst sie, zu lange zu arbeiten. Du zwingst sie, umsonst zu arbeiten und Du heuchelst Sorgen um die Kranken, wenn der lange angestaute Zorn und die Verzweiflung ausbrechen und die Ärzte als letztes Hilfsmittel Zuflucht in einem Streik suchen. Du Schwein. Du armes Schwein.

Fraggle
19.03.2006, 22:22
HOHE GEHALTSFORDERUNG

Länder verurteilen Ärzte-Streik

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hat mit Unverständnis auf den angekündigten Ärztestreik reagiert. Vertreter nannten die Forderung nach höheren Gehältern unrealistisch und unbezahlbar.

Berlin/Leipzig/Heppenheim - "Ein Streik auf dem Rücken der Patienten ist angesichts des derzeitigen Verhandlungsstandes unnötig, ärgerlich und nicht verantwortbar", erklärte der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), Hartmut Möllring, heute in Berlin. Man sei weiter verhandlungsbereit, betonte er.

(...)

hier weiterlesen:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,406095,00.html



video hier: (mit möllring u.a.):

http://www.spiegel.de/videoplayer/0,6298,10577,00.html

nightingale
22.03.2006, 21:58
"Mit einer Demonstration in Hannover haben die Ärzte von Unikliniken ihre Forderungen unterstrichen. Sie wollen mehr Gehalt, die Arbeitgeber wollen nicht mehr anbieten, und die Unikliniken fürchten den Verlust von Arbeitsplätzen (...)"

http://www.stern.de/wirtschaft/arbeit-karriere/arbeit/:Unikliniken-Streiken-Job-Abbau/558097.html

:-kotz

Rugger
23.03.2006, 20:07
Munition für etwaige Diskussionen:
Kleines Einmaleins des Ärztestreiks (http://www.faz.net/s/Rub6B15D93102534C72B5CF6E7956148562/Doc~EF3DBBE7558904BEC943BCC06BAD6F324~ATpl~Ecommon ~Sspezial.html) von der FAZ.
Tagebuch eines Wochenenddienstes (http://www.sueddeutsche.de/,jkl1/jobkarriere/berufstudium/artikel/522/72450/) von der SZ.

Und wo wir gerade beim Thema sind: was Bsirske so zum Ärztestreik meint (http://www.rp-online.de/public/article/nachrichten/wirtschaft/sonstige/deutschland/323120). Da fallen mir alle Schimpfwörter dieser Welt ein! A*schloch!!!

R.

Neanderthal_Man
23.03.2006, 22:57
Verdammte Axt! Haben denn nur Patienten Rechte? Oder Verwaltungsbeamte? Wenn die Müllfahrer streiken, dan türmen sich halt die Berge.

Schade nur, dass der Marburgerbund diese bescheurten "30% Lohnerhöhung" jemals in den Mund genommen hat (auch wenns defakto eher um eine Bezahlung der Überstunden geht - aber das wisst ihr ja eh alle). Wenn man "nur" für bessere Arbeitszeiten, bezahlte Überstunden und adäquate Ausbildung in der Assi-Zeit protestieren würde, und nicht unterschwellig "Gier" unterstellt werden könnte, wäre das Bild der protestierenden Ärzte in der Presse sicher um einiges positiver. :-nix

Das Gesundheitssystem braucht echt mal nen ordentlichen Ruck in eine sozialere Richtung - aber nicht auf dem Rücken der Ärzte! Oder? :-meinung

nightingale
25.03.2006, 11:41
Le voilá:

Sueddeutsche.de:

""Wir sind keine Billigarbeiter"

Die Ärzte machten ihrem Ärger über die „Unterfinanzierung des Gesundheitssystems“ Luft und forderten um bis zu 30 Prozent bessere Honorare. Auch verlangten sie die Rücknahme des Arzneimittelsparpakets. Sie drohen damit, notfalls das gesamte Kassenarzt-System aufzukündigen. (....)"

http://www.sueddeutsche.de/,poll2/deutschland/artikel/683/72611/

Smartinchen
25.03.2006, 17:15
Schade nur, dass der Marburgerbund diese bescheurten "30% Lohnerhöhung" jemals in den Mund genommen hat (auch wenns defakto eher um eine Bezahlung der Überstunden geht - aber das wisst ihr ja eh alle).


Ja, ich denke auch, dass die Forderung - obwohl berechtigt - von der allgemeinen Bevölkerung eher als dreist empfunden wird. Hätte man einfach "Abschaffung/Bezahlung aller Überstunden" gefordert (was einer Lohnerhöhung um 30% mindestens gleichkommt.. :-)) ), wäre das Verständnis größer gewesen...

Smartinchen
25.03.2006, 17:23
"24. März 2006 Hartmut Möllring, der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder, hat den Ärzten 20 Prozent mehr Gehalt für 20 Prozent mehr Arbeit angeboten. Im Interview spricht er über seine Verhandlungsstrategie."


Mal ne Frage: 20 Stunden mehr Arbeit? Sollen Ärzte dann 100h die Woche arbeiten oder wie? :-(

Mich irritieren aber auch Berichte, wonach Ärzte sagen, sie wollen mehr arbeiten, wenn sie anständig bezahlt würden. Ich meine, gibt es tatsächlich Ärzte, die NOCH mehr arbeiten wollen?? Wenn ich mal so weit bin, werde ich wohl eher sagen "Gehalt kann bleiben, aber bitte 40h/Woche"...

nightingale
25.03.2006, 17:27
"Mich irritieren aber auch Berichte, wonach Ärzte sagen, sie wollen mehr arbeiten, wenn sie anständig bezahlt würden. Ich meine, gibt es tatsächlich Ärzte, die NOCH mehr arbeiten wollen?? Wenn ich mal so weit bin, werde ich wohl eher sagen "Gehalt kann bleiben, aber bitte 40h/Woche"...

...sehr familienfreundlich ist das nicht, das stimmt!! :-((

Na, mal überraschen lassen, was für Pressemeldungen als nächste reinkommen...

Hellequin
25.03.2006, 17:35
Spiegel-online: Union will Ärzte-Bezahlung neu regeln (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,407981,00.html)

Na mal schauen, wie viel von den Versprechungen nach den Wahlen am Sonntag noch übrig bleibt. :-rolleyes

Xylamon
25.03.2006, 18:01
Mal ne Frage: 20 Stunden mehr Arbeit? Sollen Ärzte dann 100h die Woche arbeiten oder wie? :-(

Ich glaube, der meint die offizielle im Tarif-/Arbeitsvertrag festgeschriebene Arbeitszeit. Wieviel Stunden sind jetzt rein theoretisch in euren Arbeitsverträgen, 42h? Nun ja, ich denke er schlägt halt 42 + (42*0.2) vor... aber diese fiktive Zahl muss ja nicht unbedingt viel mit der reellen Arbeitszeit zu tun haben, was man so hört...

Evil
26.03.2006, 09:19
Wieviel Stunden sind jetzt rein theoretisch in euren Arbeitsverträgen, 42h?
nach BAT/ TVÖD 38,5h

Tuana
26.03.2006, 13:32
bei mir stehen 41 Stunden

Tobiaswilli
26.03.2006, 19:02
Habt Ihr euch eigentlich mal diese tollen Umfragen in Videotexten verschiedener TV-Programme angeschaut?
So Fragen wie: Sind Ärzte geldgierig?
Das ist echt nur zum lachen! Zwischenstand vor ein paar Tagen mal 75% Ja , 25%Nein bei insgesamt immerhin fast 1000 Anrufern. Ich meine nicht, dass das wirklich repräsentativ ist aber ich finde so etwas schon ein wenig erschreckend!
Klar sind solche Umfragen provozierend gestellt. Aber wer ist denn bitte so dämlich und ruft bei so etwas an? Und dann auch noch gegen die Ärzte???

Hellequin
27.03.2006, 06:49
Aber wer ist denn bitte so dämlich und ruft bei so etwas an? Und dann auch noch gegen die Ärzte???
Die Volltrottel, die zu blöd sind das Kleingedruckte zu lesen und auch immer tapfer bei jeder Bildumfrage und bei den Gewinnspielen von 9 Live anrufen? :-D

nightingale
27.03.2006, 13:07
Die metabolischen Syndrome, die eh den ganzen Tag mit der Chipstüte vor der Glotze sitzen... Gute Nacht, Gesundheitswesen :-oopss

Fraggle
27.03.2006, 19:06
Lesenswert!

fraggle


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Klischees über Ärzte

Hanswürste in Weiß

Was ist nur aus den gut gebräunten, gut verdienenden Ärzten von gestern geworden? Heute schuften Sklavenarbeiter mit Selbstwertproblem in deutschen Kliniken.
Von Jens Petersen

Der deutsche Arzt ist das Opfer, soviel steht fest. Er ist kein Playboy, kein Porschefahrer, auch kein gemütlicher Tränensack wie einst Professor Brinkmann: er ist ein Hanswurst in Weiß, verdammt, tags und nachts für ein paar lausige Euro den Sisyphos zu spielen. Sein exzellentes Abitur hat über ein sechsjähriges Studium geradewegs ins Akademiker-Proletariat geführt. An vielen Kliniken gibt es erstaunlicherweise ein Überangebot an Stellen wie früher bei der Straßenreinigung; Osteuropäer kommen, um sie zu besetzen, weil kein deutscher Arzt sich mehr erbarmen will.

Moment mal! Ärzte - waren das nicht Freunde der Hausmusik, ToskanaFahrer, Exponenten des gehobenen Mittelstandes? Sonnengebräunte Tennisspieler mit prickelnden Liebschaften? Oder Pfuscher, die mit großem Trara entlarvt werden konnten? Woher kommen plötzlich all die blassen, zerzausten Trötenbläser, Scheibenputzer und Schilderschwinger in der Tagesschau?

Das Bild des Arztes hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gründlich gewandelt.

(...)




weiterlesen hier:

http://www.sueddeutsche.de/,tt3m3/jobkarriere/berufstudium/artikel/800/72728/

Fraggle
27.03.2006, 19:12
bei mir stehen 41 Stunden


@ tuana:
bist du bei asklepios? :-))

oder einer der anderen großen hospital-firmen?


ich glaube, asklepios hatte zuerst einen 42 stunden-vertrag, wurde jetzt wieder auf ca. 40 stunden runtergefahren.
mal sehen, was die nächsten wochen/monate an verhandlungen bringen bzgl. tvöd.

ich bin jetzt neu an einem kommunalen krankenhaus eigener trägerschaft; habe 38,5 stunden tvöd.



fraggle

Michi5880
27.03.2006, 19:47
Nur mal so ne Frage in den Raum gestellt:

Spielt es denn überhaupt eine Rolle, ob nun im Vertrag offiziell 38,5 oder 42 Stunden festgelegt sind, wenn man eh 10 und mehr unbezahlte Überstunden die Woche machen muss. Dieses Problem, was in vielen Häusern hoch brisant ist, muss als erstes gelöst werden...

Fraggle
27.03.2006, 20:35
stimmt, würde auch sagen, es spielt keine rolle, wenn die überstunden gar nicht bezahlt werden (was allerdings nicht überall der fall ist). allg. zeigt es eben noch, wes geistes kind der jeweilige arbeitgeber ist.

was helfen würde, wären zeiterfassungssysteme.



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hier noch ein
ganz netter bericht... :-)) :-)) :-((


fraggle


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Schuchardt, Katrin
Chronologie eines 24-Stunden-Dienstes: Der ganz normale Wahnsinn
Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 12 vom 24.03.2006, Seite A-811 / B-691 / C-667

Sonntagmorgen, 9 Uhr, ein kommunales Krankenhaus mit 200 Betten, 80 davon internistisch: Eine Kollegin informiert mich über die in den letzten 24 Stunden aufgenommenen Patienten. Sie hat nur eineinhalb Stunden geschlafen und sieht müde aus. Ich denke noch, dass ich nach so einer Nacht rein statistisch gesehen endlich mal wieder einen ruhigen Dienst haben müsste.
9.30 Uhr. Die 89-jährige Frau Schreiber von Station hat Luftnot und Brustschmerzen. Sie empfängt mich mit den Worten: „Frau Doktor, helfen Sie mir, bitte.“ Das EKG ist bei reinen Schrittmacheraktionen nicht verwertbar, dennoch zeigt das Troponin einen deutlichen Anstieg. Bei einer ausgeprägten Niereninsuffizienz wird eine maximale konservative Therapie eingeleitet.
Die Ambulanz piepst mich an: Der Notarzt warte mit Herrn Möller auf mich. Herr Möller biete eine wahnhafte Psychose und verweigere Nahrung und Flüssigkeit, ohne es zu bemerken. Als ich eintreffe, beschimpft er mich: Er wolle sofort heim. Dass er in der Rehaklinik getobt hat und er nach mehreren Beruhigungsspritzen Ruhe gab, weiß er nicht mehr. Nachdem er in Richtung Überwachungsstation unterwegs ist, eile ich auf Station Ost, wo eine 76-Jährige nur noch lallend spricht. Die Töchter sind in heller Aufregung. Als ich ankomme, bildet sich die Aphasie und Dysarthrie innerhalb von fünf Minuten zurück. Ich lasse mich ins Neurozentrum der nächstgelegenen Uniklinik verbinden. Da die Patientin rüstig ist, bietet man mir an, sie zu übernehmen. Die Töchter sind sehr dankbar. Schnell wird noch ein Brief geschrieben und der Transport organisiert.
In der Notaufnahme ist nun Herr Paul angekommen, der unter Marcumar, ASS und Plavix Blut abgesetzt hat und kollaptisch war. Zwischendurch werde ich von einer Frau angepiepst, die selbst Ärztin ist und seit dem Genuss einer Bratwurst Bauchschmerzen hat, die dem Protonenpumpeninhibitor trotzen. Ich wage keine Ferndiagnose und empfehle eine Vorstellung in der Klinik. Während Herr Paul seine Infusionen und Sauerstoff erhält und wir auf das Labor warten, wird die Endoskopie vorbereitet. Da die Leitstelle einen komatösen Patienten ankündigt, kann ich meinem Oberarzt nicht assistieren, sondern muss zurück in die Notaufnahme. Kurz vor dem Notarzt kommt ein 50-Jähriger mit Bauchschmerzen, der als nicht dringlich eingestuft wird und erst mal warten muss. Die Ambulanzschwester sagt, die Ärztin mit den Bauchschmerzen sei auch inzwischen eingetroffen. Wegen ihres guten Allgemeinzustands muss auch sie erst mal warten.

(...)



hier weiter:

http://aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=suche&id=50739