Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : die privatvisite... teil I
Doktor_No
02.03.2006, 16:42
ralle reagierte sofort. "wir versorgen ihn im retter, zivi, hol mal die stryker!" gab er seine entscheidung bekannt, der zivi eilte zum auto und holte die rolltrage, der assistent wurde aufgeladen und in den rtw gebracht. "von euch kann erstmal keiner mit rein!" herrschte ralle die polizisten an, "der patient braucht erstmal ruhe, wir melden uns wenn es geht!". kaum waren die türen zu, begann der assistent eine kurzversion der ereignisse zu erzählen, ralle schaute ein paar sekunden in die imaginäre ferne und murmelte nur "erinnert mich an meine scheidung...", dann wurde er herrisch: "zivi, du tauscht sofort mit meinem lieblings-ex-kollegen die klamotten, auch wenn du ziemlich fett bist und sie ihm nicht passen werden. du machst jetzt bis morgen früh den patienten. und wenn du dich verplapperst sorge ich dafür, dass du den rest deiner dienstzeit nur noch ktw fährst, schöne dialyse-fahrten bis nach meppen mit fetten, schwitzenden, stinkenden, kotzenden patienten. sagst du auch nur ein wort zu irgendjemandem reisse ich dir einen cerebro-analen shunt in deinen unförmigen körper!". ralle war nicht gerade schlecht gebaut und stellvertretender wachenleiter, das gelübde des zivis zu schweigen war also todsicher.
kaum lag der zivi auf der trage, betrat der inzwischen herbeigeeilte notarzt die szenerie. "mann, was ne nacht, komme grad von eier HiLoP, total 0 6 4, eher 1 2 8, und wir haben schon wieder einen folgeeinsatz, vermutlich intox mit opiaten, was habt ihr denn hier? leitstelle meinte krampfanfall?!".
"jo gustav" sprach ralle, "der typ hier hat in der zelle gekrampft, vermutlich zuviel C2, war aber ansprechbar; zungenbiss, pulsoxy is 98%, puls an die 100, Druck perfekte 120/75, wir haben noch keinen zugang geschafft, sind grad erst ins auto, würde davon dann noch nen BZ machen. und dann ab in die neuro im marien, wenn die nicht abgemeldet sind. von uns aus könntet ihr dann weiter."
der notarzt warf einen kurzen blick auf den zivi und meinte "jo, mach dem mal nen zugang und drück sicherheitshalber ne diazepam rein, personalien hol ich mir später, protokoll kannste fertig machen. bis nachher, mach ma ne schwarze infusion klar. tschö!".
so kam der zivi also zu seinem ersten valium-trip. ralle trat noch einmal kurz zu den polizisten und erklärte ihnen, dass leider keiner mit im rtw ins krankenhaus fahren könne, platzmangel, versicherungsrechtliche gründe und suizidale äusserungen des patienten sprächen dagegen. sie könnten natürlich hinterherfahren, ansonsten würde er ihn im katharinenhospital abliefern, dort könne man ihn dann finden.
dann setzte er sich hinter das steuer und rief in der leitstelle an, allerdings auf der internen nummer, deren gespräche nicht aufgezeichnet wurden. er erklärte dem disponenten, dass das hier ein fehleinsatz gewesen sei, aber der zivi sich leider verletzt habe als er die trage falsch bediente. den müsse er jetzt mal ins marienhospital bringen, danach würde er sich wieder melden und einen kollegen aus dem rufdienst aufnehmen, um seine schicht weiter fahren zu können. er drückte die 1 im FMS, füllte mit den daten des assistenten ein behandlungsprotokoll aus in dem er das feld "ambulante behandlung durch NA" ankreuzte, damit gustav seine pauschale bekam, steckte durch das sichtfenster die versichertenkarte des assistenten ein um sich damit in der notaufnahme einen transportschein zu erschleichen und nahm auch den 50-euro schein, den der assistent dazugesteckt hatte, dankbar an. "kollege, können wir?" fragte er nach hinten.
"ralle, wir fahren ins marien, aber zügig und mit fackeln und fanfare!" war die ansage aus dem heck des 714d, die blitzer gingen an, das kompressorhorn ging los und ralle prügelte den rtw durch die nächtlichen strassen, dabei ein verträumt seliges lächeln bei den gedanken an die gemeinsamen zeiten auf dem gesicht. genauso selig wie das des zivis, der valium-bedröhnt auf der trage lag und in seinen konfusen träumen grade jenna jameson a tergo nahm. dabei das billig-stethoskop um den hals hängend und den vibrierenden FME in der rechten hand...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
02.03.2006, 19:33
"den zivi müssen wir aber wirklich dalassen, die bullen werden auch fix kommen, mit dem gustav gibts keine probleme, ich regel das." rief ralle nach hinten. "da muß ich mir noch was überlegen damit das glatt geht mit deinem kollegen hier, wir müssen den irgendwie abfixen für die nacht, damit die bullis nicht zu ihm dürfen! ich glaub ich mach ihm mal ne ketanest/dormicum nakose, dann kommt das besser in der notaufnahme!" antwortete der assistent. das blau des lichtbalkens spiegelte sich auf der nassen fahrbahn, als sie in die einfahrt des kranhenhauses bogen. "du, unter dem sitz liegt immer ne notarztjacke falls wir mal einen aus der klinik abholen müssen, zieh die mal besser an, kommt besser als diese rettungshelfer-pappe da auf deiner brust" gab ralle noch zu bedenken, dann luden sie aus.
2. exkurs: verhalten als chirugischer assistenzarzt in der notaufnahme
wer gern und oft ER sieht ("das ist ja die realistischste medizin-serie!") mag versucht sein anzunehmen, dass in der notaufnahme permanent polytraumata anlanden, während gleichzeitig in mindestens zwei kabinen reanimiert wird, ein arzt einen schlaganfall hat und auch noch verarztet werden muss und alle dabei unglaublich cool sind, die neuesten leitlinien und algorithmen runterbeten können wie das ein-mal-eins und ausserdem noch studenten liebevoll anleiten wie die eigenen kinder.
in wirklichkeit ist die notaufnahme der durchlauferhitzer einer klinik. hier kommt erstmal alles an was nicht über die sprechstunden einbestellt wurde oder sich wiedervorstellt. das bedeutet, das meiste ist die absolute gülle.
was tut man also, wenn man junger assistent ist, vom eigenen fach schon wenig plan hat und dann in der notaufnahme dienst hat? die lektüre von house of god ist auf jeden fall kein schlechter einstieg, und an dieser stelle gibt es jetzt noch einige elementar wichtige tips!
meist wird man ja angerufen, wenn der patient da ist, bei diesem gespräch sollte man schon so viel arbeit wie möglich weiterturfen, sprich blutabnahme, zugang, besorgen des sono-gerätes, laborzettel usw. besorgen, eventuell alte akte ranschaffen. egal was man gerade tut und vorausgesetzt, es handelt sich nicht um ein akut rupturiertes aortenaneurysma oder so: immer, wirklich immer sagen: "es dauert noch bis ich da bin, hab grade noch auf station/in der ambulanz/im op/wo auch immer zu tun!". die folge ist respekt, wenn man dann schon 5 minuten später auf der matte steht und entspannt nach dem notfall fragt. ist man dann zum patienten vorgedrungen sollte man nicht davon ausgehen, dass dieser auch chirurgisch ist, nur weil man die krampenkarte gezogen hat und angerufen wurde. man macht es also so: patienten anschauen, allerweltskram abarbeiten, entscheiden ob der patient stationär bleibt, ambulant wiederkommt oder nach hause kann. dann oberarzt anrufen wenn vorhanden und fragen wies weitergeht, wenn kein oberarzt vorhanden geht es los: immer wenn möglich und stationäre aufnahme nötig, versuchen irgendwas zu finden, um ein konsil anderer fachabteilungen zu ergattern. im besten fall läuft die sache so, dass man den patienten auf eine periphere station legt, konsile von internisten, neurologen, psychiatern etc. bekommt und die arbeit nicht selber machen muss, aber CAVE: die aufnehmende abteilung muss die eigene sein, denn die fallpauschale (stichwort DRG) gibts nur einmal. im umkehrschluss muss man natürlich auf der hut sein, wenn man selbst ein konsil machen soll, den die anderen sind ja auch nicht blöd und versuchen ihre patienten loszuwerden. sollte der patient glücklicherweise auf einer peripheren station aufgenommen werden können muss man sicherstellen, dass er auch von chirurgen visitiert wird, um den patienten zu briefen, dass sich die chirurgen ja bestens um ihn kümmern und sehr bemüht sind...
dies alles gilt natürlich nur für kassenpatienten, private immer und ewig aufnehmen, auch wenn man selbst privatassi ist und nur noch brechen möchte.
im dienst gilt: mach alles was geht in der notaufnahme, du ersparst es dir damit auf station!!! verlass dich nie darauf dass der akute bauch keiner ist, dann wird es einer sein! schliesse nie ohne zweite meinung eine blutung aus, sonst wirst du nachts um 4 bis zu den ellenbogen in der suppe rühren!!! leg dich nie mit den betäubern an, du wirst sie brauchen!!! motz niemals unbegründet die pfleger in der notaufnahme an, die sitzen am längeren hebel und lassen dich dann verhungern. trage niemals kleidung deren verlust schmerzhaft wäre, sie wird dir entweder vollgekotzt, vollgeschissen, vollgepisst oder zerrissen. denke nie: "ach, da nehm ich ohne handschuhe blut ab, super venen!" nachdem du die pfoten voll hast wird der laborbefund zeigen, dass du es mit einem HIV- oder HEP-positiven zu tun hast.
-weitere exkurse folgen-
die automatischen flügeltüren öffneten sich und sie rauschten herein. "hi rosi, welche kabine haste frei?!" fragte der assistent die diensthabende schwester. "du hier? die sonne geht auf!" sagte sie mit einem breiten grinsen, "geht mal in die 7.".
in der kabine lagerten sie den grenzdebil grinsenden und polytoxisch modellierten zivi um, bevor der assistent sich mit dem diensthabenden internisten verbinden liess. als nur noch ralle im raum war, sprach er in die muschel "hi matze, ich hab hier irgendwie so ein ei bekommen, krampfanfall, junger typ, bisschen somnolent, hypoton, aber ansonsten gut. ich würde den gerne bei euch über nacht auf der intensiv lassen, der muss an nen monitor. ich würde dem noch blut abnehmen, zugang liegt, haste noch nen bett? ich mach noch die aufnahme, vielleicht schauste ihn dir nochmal an? ach ja, der kam von den grün-weissen, war da stationär, die sollen dann bis morgen ihre bewachung auf den flur verlegen". der internist willigte ein, dadurch dass die aufnahme durch den assistenten gemacht wurde, hatte er die chance, morgen alles wieder zu löschen, der zivi würde also im endeffekt niemals hier gewesen sein...
"so, wir hauen ihm noch ne dipi s.c. rein, der muss schön schlafen!" entschied er, "die nehmen wir aus dem koffer, ich muss sonst unterschreiben ralle!".
nachdem auch dies erledigt war, besorgte er sich aus der schleuse zum not-op klamotten, zog sich im klo um, gab ralle die notarzt-jacke zurück und verabschiedete sich: "ralle, du bist der grösste! ich muss schub geben, bevor die pollis hier sind, die werden bald merken dass wir nicht ins katharinen gefahren sind, ich melde mich. jetzt muss ich erstmal ne leber und zwei nieren finden!"
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
03.03.2006, 07:47
ralle versprach noch, die polizisten nach deren eintreffen ein wenig aufzuhalten und dann dafür zu sorgen, dass sie den patienten bis zum nächsten morgen nicht zu sehen bekamen.
der assistent machte sich auf den weg zu seiner station, dort angelangt begab er sich in sein zimmer und schaltete den rechner ein. nachdem er während des hochfahrens noch einmal mit dem internisten telefoniert hatte um sicherzustellen, dass der zivi auf die intensiv zur überwachung kam, öffnete er den op-planer und gab das gestrige datum ein. die nachgemeldeten eingriffe waren rot unterlegt, er scrollte sich durch die spalten.
da waren diverse uch-eingriffe, tibiakopfplateaufrakturen, fix.-ex.-anlagen, patellafrakturen, eine fem.-pop. I prothese, ein akuter bauch und dann weiteten sich sympathisch innerviert seine pupillen: um 19.30 hatte im spätdienstsaal das transplant-team eine leber verpflanzt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
er schrieb sich die patientendaten ab und schaute im intensiv-belegungsplan der betäuber ob der patient dort lag. "striepel, bernd, übernommen aus dem op um 00.46 uhr!" sprach er zu sich selbst...
okay, und jetzt die nieren! da war gestern nichts mehr in der richtung gelaufen, mal schauen ob morgen eine an den start ging, auch das war nicht der fall, er wollte sich gerade in richtung der intensiv begeben, da fiel sein blick auf die spalte mit den blauen eingriffen, die jetzt grade liefen. da stand eindeutig "nierentransplantation saal I". sein oberarzt führte die op durch las er.
das weitere procedere legte er folgendermassen fest: zuerst musste er dem frisch transplantierten eine biopsie der neuen leber abluchsen, danach irgendwie an ein stück nierengewebe kommen und diese proben mit einer blutprobe des ermordeten vergleichen. wenn das passte war er ein riesen stück weiter!
aber woher die blutprobe? die leiche lag in der rechtsmedizin, er wurde spätestens in ein paar stunden per fahndung gesucht, da fiel sein blick auf die hose, die er vorhin ausgezogen hatte als die ehefrau grad hereinkam...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
03.03.2006, 16:21
er rief im labor an. "ich habe eine frage, könnt ihr aus einem eingetrockneten blutflecken eine HLA-bestimmung machen und dann gewebe aus einem organ zuordnen?" er erfuhr, dass das technisch kein problem sei. wozu er das denn brauchen würde. "ach, für meine doktorarbeit!" ihm fiel wirklich nix besseres ein. "ach du armer, musst du das nachts machen, wenn du mal nicht arbeitest? bring die proben ruhig her, das machen wir so zwischendrin."
er schnitt ein stück aus der hose und stopfte es in seinen kasack. dann brach er zur anästhesiologischen intensiv auf.
das piepen diverser überwachungsmonitore, die druckluftgeräusche von beatmungsgeräten, gedämpfte radiomusik und der geruch von desinfektionsmitteln empfingen ihn. rasch bekleidete er sich mit einem zellstoffkittel und einer haube plus mundschutz und ging in den reinraum, wo die frisch transplantierten immer lagen.
der patient striepel war extubiert, dennoch stand ein cicero neben dem bett. das rief in ihm die erinnerung daran wach, als ein durchgängiger patient nachts aufgestanden war und bei seinem beatmeten bettnachbarn die beatmungsfrequenz auf 50/min hochreguliert hatte, weil ihn der sound genervt hatte...
er trat an das bett heran und stellte sich als diensthabender transplantationsmediziner vor: "guten abend herr striepel, ich entschuldige mich für die störung, ich habe dienst im transplant-team. ich würde gerne wissen, ob sie mir sagen können weshalb das gestern so schnell ging mit ihrer neuen leber?!"
striepel zuckte zusammen: "doktor schwarz hat mir versichert, das ginge alles in ordnung! es gäbe keine fragen, hat er gesagt!" schwarz also!!! sein oberarzt!!! "herr striepel, was hat er denn gesagt?" jetzt musste er bluffen; "ich weiss, dass die leber ein wenig... unkonventionell den weg zu ihnen gefunden hat, aber keine sorge, ich schwärze sie nicht an" schon wieder so ein wortspiel!!!
"ich flehe sie an, ich habe das ganze geld dafür besorgt, lassen sie mir die leber, bitte!" wimmerte striepel.
"wieviel herr striepel?" es folgte eine kurze pause. dann stammelte striepel: "250 000 euro. doktor schwarz rief mich gestern am späten nachmittag an, er hätte eine passende leber für mich, es sei über eine parallel-schiene zu euro-transplant möglich geworden. wenn ich das geld in bar mitbrächte, würde er mich sofort operieren. ich habe gefragt, wo die leber her käme, er meinte ich bräuchte mir keine sorgen zu machen, ein assistenzarzt habe sich aufgeopfert um mir das neue organ zugänglich zu machen. da habe ich nicht lange gezögert, was würden sie denn an meiner stelle machen?!". abgesehen davon, dass er höchstwahrscheinlich niemals in seinem leben 250 000 euro flüssig haben würde, fand er die reaktion des mannes nachvollziehbar, eventuell hätte er ebenso gehandelt.
"herr striepel, jemand ist wegen des organs umgebracht worden, und der mörder versucht mir das anzuhängen. wir machen einen deal: ich sage nicht, dass sie die leber bekommen haben, und sie verraten niemandem, dass ich bei ihnen war und eine biopsie aus der leber genommen habe! einverstanden?". ohne die antwort abzuwarten, stand er auf und besorgte sich ein sono-gerät, desinfektion, sterile handschuhe und ein punktionsbesteck.
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
03.03.2006, 19:08
mit dem stanzzylinder, den er aus dem gewebe gepickt hatte, nachdem er sich erst einmal durch die verbände und drainagen gearbeitet hatte um zum rippenbogen vorzudringen, erhob er sich und verschwand diskret mit einem leichten kopfnicken in richtung des patienten, der ihn verzweifelt ansah. schnurstracks eilte er ins labor und gab die probe dort ab.
"das ist erstmal nur ein versuch für das experimentelle setting, nachher kommt noch eine andere gewebeprobe. wenn ihr noch gewebe übrig behaltet hebt es bitte auf!"
jetzt musste sein meisterstück kommen, das einschleichen in den op um unter den augen des oberarztes an ein bisschen niere zu gelangen...
er bog gerade um die ecke zum op, als er an der eingangshalle zwei polizisten am empfang lehnen sah. aus ihrer richtung waberten die worte "...suchen einen patienten... zufällig assistenzarzt ihres hauses... krampfanfall...". angeflasht beschleunigte er seinen schritt und gab den zahlencode an der tür der umkleide des ops ein...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
04.03.2006, 19:29
er zog die op-bereichskleidung an, wechselte haube und mundschutz und suchte sich ein paar grüne plastik-birkies die passten, und nicht mit schwarzem edding markiert waren, damit ihn seine schuhe nicht verraten würden. dann ging er in den op-versorgungsflur und schlenderte so unaufgeregt wie möglich zu saal I. vorsichtig blickte er vom waschraum aus in den op, das team stand konzentriert am tisch, der oberarzt beschäftigte sich offensichtlich gerade mit der linken niere, denn er drehte ihm den rücken zu. leider konnte er den rest der mannschaft nicht genau erkennen. das fahle und gleichzeitig helle op-licht beleuchtete den situs, auf der anästhesie-seite sass ein fachpfleger und las den aktuellen spiegel, auf dem narkosewagen lagen das arznei-telegramm und das ärzteblatt. der anästhesist hing am saal-telefon und sprach konzentriert hinein.
der assistent öffnete leise und langsam die tür zum saal und huschte möglichst unauffällig hinter das abdecktuch, um sich vor den anästhesie-pfleger zu kauern, im ducken legte er einen finger auf seinen mundschutz, um zu verdeutlichen, dass er an einer lautstarken begrüssung kein gesteigertes interesse hatte.
"mit dem operieren ist es wie im richtigen leben, immer in der richtigen schicht bleiben!" dozierte dein oberarzt gerade, der anästhesist legte den hörer auf und verzog das gesicht: "immer die selbe kacke, die uch`s operieren ihre elektiven sachen bis abends und dann müssen die ganze nacht irgendwelche notfälle nachgeschoben werden, die seit fünf uhr nachmittags warten... ich muss dem neuen assi nebenan bei der einleitung helfen, der bekommt den zvk irgendwie nicht rein!". er schaute gar nicht erst in richtung des pflegers, "du kriegst das hier ja bestens hin, ich mach da mal kurz mit und geh dann noch schnell was trinken, bin in ner halben stunde wieder da. tschö!".
"ach, narkositeur müsste man sein!" flachste der oberarzt, "am anfang steht die berufswahl..." entgegnete der anästhet, bereits in hinausgehen.
der assistent versuchte, dem stimmengemurmel hinter dem tuch zu entnehmen, wer am tisch stand, leider wurde dies durch das radio, aus dem relativ laut die kaiser chiefs erklangen, dem permanenten zischen des saugers und den hier auf der narkoseseite irgendwie im vergleich zu sonst viel lauteren geräuschen der perfusoren, des dräger-gerätes, des monitors und des warm-touch erschwert.
er bedeutete dem pfleger, der entspannt seine bemühungen wie die eines putzigen tierchens, dessen verhaltensweisen man nicht erlären kann, die aber ganz witzig aussehen beobachtete, ihm einen zettel und einen stift zu geben. er bekam als unterlage das arznei-telegramm, darauf schrieb er: "wie weit sind die? wer ist am tisch ausser schwarz? wie lange geht das schon?"
aus der sauklaue des pflegers las er dann, dass links die empfängereigene niere ausgebaut werden musste, da sie nach diversen pyelonephritiden eher wie eine gurke aussah und die verpflanzte gerade in der fossa iliaca verankert wurde. rechts würde danach kommen, schnitt war vor 92 minuten. durchgeführt wurde der eingriff von schwarz und der diensthabenden assistentin birkel, deren name aufgrund ihres männerverschleisses in der abteilung frühzeitig nach ihrem start hier die assoziation "nudel" bei den anderen assistenten hervorgerufen hatte. sie operierte oft mit schwarz, und da es nachts war stand auch kein anderer assistent zur verfügung, bei einer nierentransplantation sicherlich eine stressige, aber lösbare situation. der instrumentierende war polschewski, ein alter hase den nur noch wenig erschüttern konnte, zum beispiel wenn plötzlich ein assistenzarzt der chirurgie unter dem instrumententisch kauert und an seinem bein zieht mit einem zettel in der hand auf dem "polschi, ich brauch deine hilfe, der schwarz ist wahrscheinlich ein mörder!!!" steht...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
05.03.2006, 12:26
der instrumenteur unterbrach sein luftgitarrensolo, das er beim mitsummen von "easy" in der version von faith no more auf einer langen pinzette dargeboten hatte und blickte den assistenten verstört an. mit der linken hand zeigte er ihm an, unter dem tisch hocken zu bleiben und tockte danach auf sein handgelenk wie auf eine imaginäre uhr, ein zeichen dass es demnächst zu einer unterbrechung der op kommen würde.
"ich mach jetzt hier noch die ureteroneozystostomie und ne antirefluxplastik, dann trete ich für 15 minuten ab und erhol mich kurz, ihr könnt langsam anfangen, die andere niere anzuwärmen und wenn ich dann wieder da bin, fangen wir rechts mit dem aortenpatch an!" teilte schwarz mit.
der assistent hörte angestrengt zu. das war seine chance: während der oberarzt raus war, konnte er sich eine biopsie sichern!"
frau birkel fragte: "herr oberarzt, wieso machen wir eigentlich beide nieren auf einmal? das hab ich noch nie gesehen!"
schwarz blickte sie an und zögerte einen moment "der HLA-match war super, das kann man hier vertreten, und wenn wir eine transplantatnephrektomie machen müssen, haben wir im besten fall eine funktionstüchtige drin.".
zwanzig minuten später trat der oberarzt abrupt ein stück zurück, riss sich den kittel vom körper und verlies den saal. die anderen blieben zurück, polschewski sagte "frau birkel, wenn sie wollen können sie auch ne pause machen, ich bleib am tisch und lass dem springer bescheid sagen, er soll die niere klar machen. wenn was ist rufen wir sofort an!". birkel lächelte dankbar unter ihrem mundschutz und befreite sich ebenfalls von dem op-kittel, um danach etwas trinken zu gehen.
kaum war sie raus, stand der assistent auf und erklärte den beiden verbliebenen die situation.
polschewski zeigte mit der behandschuhten hand auf eine styropor-kiste, die in ungefähr zwei metern entfernung vom op-tisch auf einem stahlgestell lag. "das ist die andere niere. statt des springers kannst du sie ja vorbereiten, nimm doch gleich dabei die probe. zehn minuten hast du noch. sieh bloss zu dass du aus dem saal raus bist wenn schwarz zurück kommt..."
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
05.03.2006, 14:21
er bereitete sich einen tisch vor, dann öffnete er die kiste und entnahm den behälter mit der niere, die auf eis gekühlt in einem beutel mit konservierungsflüssigkeit lag. nachdem er diesen beutel aufgeschnitten hatte und das organ vorsichtig in die sterile schüssel hatte gleiten lassen, gab polschewski sofort warme spüllösung dazu. dann zog er sich sterile 7 1/2er biogels an und betrachtete die niere. wie eine sehr grosse weisse bohne mit einem leichtem rosastich lag sie vor ihm, eindeutig perfekt vorbereitet. "schade dass doktor schwarz bald im knast sitzt, technisch ist der brillant..." murmelte er, dann schob er die punktionsnadel in den dorsalen unterpol und aspirierte vorsichtig einen zylinder.
polschewski übernahm die weiteren vorbereitungen und zischte "gib gas alter! ich verzögere die op hier so lange wie es geht. und wenn du aus der sache rauskommst, will ich von dir einen totalabsturz finanziert bekommen!". das würde teuer werden, der kollege konnte einiges am glas.
gehetzt verliess er den saal und machte sich einmal mehr auf den weg ins labor...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
05.03.2006, 15:58
der weg ins labor war natürlich vermint: zum einen durfte er im op-trakt auf keinen fall schwarz über den weg laufen, zum anderen konnte er nicht sicher sein, dass die bullen und eventuell sogar kommissar franke sein double nicht vielleicht bereits enttarnt hatten!
deshalb huschte er so schnell wie nur möglich zurück in die umkleide, in der er die schuhe von schwarz stehen sah, der hatte also zumindest den op nicht verlassen.
die haube und den mundschutz behielt er erstmal an, obwohl er nicht ganz sicher war, ob sein outfit so nicht gerade die aufmerksamkeit anderer erregen würde. seine sorge erwies sich als unbegründet, ausser einer verhuschten tante, die anscheinend aufgrund seniler bettflucht ihren rollator pakinsonoid vor sich her zitterte, traf er niemandem, bis er die laboratoriumsräume betrat. dort entledigte er sich seiner "zorro für arme"-montur und trat an die lichtbank, an der die bildhübsche MTA sylke sass und ihm lässig ein victory-zeichen entgegenstreckte.
"is was doc?" grinste sie. er kniff ein auge zu und drückte ihr die nierenprobe in die hand.
"aha, der nachschub. soll das auch mit dem selben blut verglichen werden?". er antwortete "jo. ist die andere probe schon fertig?".
"aber sicher, und ich gratuliere. mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit stammt die leber von dem blutspender. aber wie hast du denn das setting vor der ethik-kommission durchbekommen? das ist doch menschliches gewebe! oder wirst du zu einer gefährlichen mischung von frankenstein und von hagens?????".
er zögerte kurz, entschloss sich dann aber, ihr nicht die wahrheit zu sagen. "sylke, wir machen das für euro-transplant, um schneller das matching abwickeln zu können. die details erzähl ich mal wenn mehr zeit ist. meinst du, du kannst die niere innerhalb einer halben stunde zuordnen?".
sie gab ihrem hocker einen schubs, so dass dieser sich einmal um die eigene achse drehte, ihre schwarzen haare flogen parabelförmig durch die luft, und sie rief "sicher digger, aber besorg mir als wiedergutmachung was zu essen!!!".
essen! ein rudimentäres grundbedürfnis, das er heute nicht annähernd befriedigt hatte! "wo habt ihr denn hier den bestellzettel vom weltklasse pizza-service um die ecke? glas rotwein dazu? schicht ist doch gleich vorbei, ich hab auch extra starke wrigley´s dabei!". die wartezeit würde er also mit einer caprese und einem glas chianti überbrücken, retrospektiv musste er bei der weinwahl an den spruch von hannibal lecter aus "das schweigen der lämmer" denken: "ich genoss ihre leber mit grünen bohnen und einem trockenen chianti"...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
05.03.2006, 18:03
während die typisierung lief und sie genussvoll die pizza aßen, schaute er übermüdet aus dem fenster. es war immer wieder eindrucksvoll, wenn langsam der morgen graute und die sonne kurz vor ihrem aufgehen die winterlich tief liegenden wolken in diese mischung aus blau, orange und rot tauchte. ausserdem fiel schnee, der durch einen böeigen wind hin und hergewirbelt wurde, in verbindung mit den ichtern der stadt ein unwirkliches schauspiel. der wein entsprach den erwartungen, die man an einen pizzaservice hat, in der momentanen situation fand er ihn allerdings sehr köstlich.
sylke erhob sich und ging einmal mehr zur lichtbank, ihre schritte hallten hell auf dem laminat, als sie zurückeilte: "das selbe ergebnis! beide vom gleichen spender!".
er schnellte hoch und atmete tief ein und aus. "weltklasse!".
er gab der MTA einen kuss auf die wange, bat sie noch einmal die probenreste aufzubewahren und verabschiedete sich.
als er in die etage kam, in der sich die internistische intensiv befand, schaute er sich verstohlen um, dann ging er zur glastür, hinter der die beiden streifenhörnchen sassen und den zivi unwissentlich bewachten. einer war mit einem becher kaffee aus dem automaten in der hand eingeschlafen, der andere las eine der ausliegenden uralten zeitschriften.
der assistent klopfte laut an die tür, der polizist sah zu ihm und lies seinen lesestoff fallen, er schlug seinem schlafenden kollegen auf die schulter und schrie "stehenbleiben!". sein gesicht verzerrte sich zu einer von wut und erstaunen gezeichneten fratze.
der assistent rannte los...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
05.03.2006, 18:55
als er die erste ecke umkurvte, wäre er fast mit der bereits erwähnten rollator-oma kollidiert, er konnte noch knapp ausweichen, allerdings nahm der ihn verfolgende, soeben noch schlafende beamte die dame volley, so dass selbige für einen sekundenbruchteil fast quer in der luft lag, bevor sie mit der hüfte aufschlug und ihr rechtes acetabulum mit einem satten knirschen zersplitterte. sie würde die nachtschicht der unfallchirurgen später um einige stunden verlängern...
seine flucht bewegte sich gezielt in richtung des ops, dort angekommen tippte er so schnell und motiviert wie noch nie zuvor die zahlenkombi 0815 ein, das leise klicken das die tür freigab erklang und er trat sie mit dem fuss auf. er wusste, dass sie auch schnell wieder zufallen würde, aber die jungs von der staatsgewalt hatten sicherlich keine probleme mit der zerstörung öffentlichen eigentums!
er hatte die schleuse gerade betreten, da hörte er auch schon das brechen eines rahmens und schwere schnelle schritte hinter ihm.
polschewski sah ihn als erster. er hatte wirklich alles gegeben, diverse instrumente falsch angereicht, sich vorsätzlich unsteril gemacht, anforderungen nach material überhört und dumme sprüche en masse abgelassen, alles nur um die op-zeit in die länge zu ziehen.
schwer nach luft pumpend kam der assistent direkt neben dem op-tisch zu stehen. "guten morgen doktor schwarz!" waren seine ersten worte.
der oberarzt war offensichtlich geschockt als er ihn erkannte. wie versteinert stand er da, ein seltsam makaberes bild: vor sich den situs des patienten, beide hände in selbigem, blutbespritzt, mit schweissperlen auf der stirn, die augen zu zwei schlitzen verengt, die unterkiefer zusammengepresst, so dass sich unter seinem mundschutz die zuckenden masseter-fasern wie marionettenschnüre abzeichneten. sekunden später trafen die polizisten ein, beide ihre waffen in der hand, laut schreiend und gleichzeitig ob des ungewohnten einsatzortes merklich verunsichert.
"meine herren, ihr täter vollbringt grad wieder grosstaten. darf ich sie mit meinem oberarzt doktor schwarz bekannt machen?".
hinter dem tuch kam ein kopf zum vorschein, es war der anästhesie-pfleger. "was ist denn hier los???" fragte er verständnislos.
der assistent begann: "doktor schwarz hatte ein verhältnis mit der ehefrau des ermordeten. er spekulierte auf das erbe und wollte mit ihr abhauen. also brachte er den ehemann um. leider waren seine bemühungen aber frustran, denn sie bekommt selbst fast nichts. wann er das erfahren hat weiss ich nicht, aber seine finanzielle entschädigung hat er sich mit dem verkauf und der verpflanzung der leber und nieren gesichert. für die leber gab es 250 000, wieviel denn für die nieren herr oberarzt?".
"das ist doch lächerlich!" antwortete schwarz, "entfernen sie diesen kretin aus meinem op! ich weiss nicht ob sie es erkannt haben, aber ich operiere hier!" herrschte er die polizisten an.
"ich finde seine argumente eigentlich ganz plausibel!" ertönte es, ein ordnungsgemäss mit bereichskleidung angezogener mann schlenderte durch den einleitungsraum in den saal, zog den mundschutz herab und lächelte in die runde.
es war kommissar franke.
"zumal ich gerade von der äusserst attraktiven dame aus dem labor erfahren habe, dass die freundlicherweise von ihnen zur verfügung gestellten blut- und organproben miteinander übereinstimmen, herr doktor!" gab er, zum assistenten gewandt, bekannt.
"herr oberarzt, sie sind doch ausgewiesener transplantationsspezialist" fuhr er fort, "ich habe mich seit diesem anruf, in dem ein unbekannter vom lauten bellen der dobermänner aus dem haus der ermordeten berichtete gefragt, ob das nicht alles ein bisschen zu logisch ist?! inzwischen habe ich mir meine eigene version zusammengereimt: sie haben ihren assistenten bei seinem rendezvous erwischt, und als akademiker haben sie mit ihrer schnellen auffassungsgabe die situation auszunutzen verstanden. wäre ihr kollege uns nicht filmreif entwischt, hätten sie morgen in den langen urlaub starten können, wenn auch allein und einsam... naja, der zweite mord geht vielleicht als affekttat durch, aber für den ersten seh ich schwarz!". schon wieder neues aus kalau...
während dieses monologes war schwarz aus seinem mutismus erwacht und hatte die seite gewechselt. er stand jetzt mit verschränkten armen neben frau birkel, und blickte franke an.
mit einer blitzschnellen bewegung griff er sich ein 15er skalpell vom instrumententisch, schlang den freien arm von hinten um die ärztin und platzierte das skalpell direkt an ihren hals. "ob jetzt noch ein dritter mord dazu kommt, ist auch egal!" schrie er. polschewski sprang um seinen instrumententisch und versuchte schwarz das skalpell zu entreissen, leider bekam der oberarzt dies frühzeitig mit, so dass sich die spitze der klinge unerbittlich in polschewskis abdomen bohrte, dessen anprallgeschwindigkeit war ordentlich, in samurai-manier zog schwarz das skalpell mit aller gewalt nach lateral, das satte blau von polschewskis kittel verfärbte sich rapide dunkel, an seinen knöcheln rann es rot herunter, er krümmte sich und ging zu boden. noch nicht dort angekommen, zog schwarz sein knie nach kranial, so dass sich seine patella und polschewskis mandibula ungefähr in der mitte trafen, klassischer knock-out vor der ersten runde...
"als ich gesehen habe, dass du nur mit einer erektion und gin tonic bekleidet den mundschenk bei der schönen geilen witwe gemacht hast, kam mir das sehr gelegen, herr kollege!" knirschte schwarz gallig. "und wenn du nicht so dämlich wärst, hättest du mit mir teilen können, 250 000 für die leber und jede niere 80 000. 410 000 euro in 12 stunden, für jeden 205 000 wären das gewesen, hättest doch mit mir verhandeln können. wieviele dienste musst du dafür schieben, als kleine nutte eines allmächtigen chefs???? aber du willst ja anscheinend die menschheit retten... idiot!". langsam ging er mit seiner geisel als schutzschild rückwärts in richtung des op-ausganges, das messer wieder auf ihrer carotis-höhe...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
06.03.2006, 14:25
so durch frau birkel abgeschirmt bewegte schwarz sich und die assistenzärztin zur schleuse, seine verfolger rückten in einigen metern sicherheitsabstand nach. als er durch die zersplitterte tür schritt, hatte das etwas von jack nicholson in "shining"...
polschewski wurde unterdessen vom anästhesie-pfleger erstversorgt, der ihm einen grosslumigen zugang in die jugularis jagte und ihn dann mit hilfe des inzwischen zurückgekehrten betäubers in die einleitung schleppte, wo er sofort crash-intubiert wurde. der nierentransplantierte flog derweil auf autopilot in seinem fentanyl-kosmos.
der oberarzt wählte als strategischen fluchtpunkt die notaufnahme, franke redete permanent auf ihn ein, wahrscheinlich hatte er irgendwann einmal einen dieser kurse bei einem polizeipsychologen zum deeskalationsgespräch belegt. frau birkel war leichenblass, diese farbe konnte der assistent ja inzwischen gut beurteilen, sie wimmerte nur unverständlich vor sich hin.
"ihr werdet mir keinen strich durch die rechnung machen!" schrie schwarz, "birkel und ich werden uns jetzt in einen dieser rettungswagen setzen, wenn ihr wollt dass sie lebend aus der sache raus kommt verfolgt ihr uns nicht!". der abstand zwischen ihm und dem ausgang betrug noch circa 5 meter, als ein entspannter ralle mit einer "rippenspreizer rosanülen verboten"-tasse in der hand um die ecke schaute und sofort wieder verschwand.
das nächste, was man sah war die stryker-trage, die mit dem fussteil zuerst auf schwarz zuschoss und ihn im lws-bereich traf. konsterniert drehte er sich um, ralles maglite krachte in sein gesicht und definierte seine gesichtszüge neu...
-fortsetzung folgt-
Doktor_No
06.03.2006, 15:06
und so fand das drama sein ende an dem ort, an dem dramen sonst so oft fortgeführt werden oder ihren ursprung haben: in der notaufnahme.
franke und konsorten überwältigten schwarz, frau birkel benötigte anschliessend einen kurzaufenthalt in der psychiatrie, der assistent war vollständig rehabilitiert, polschewski wurde dank der hilfe fähiger gefäss- und visceralchirurgen noch einmal dem hades entrissen und im zimmer von schwarz fand man ein flugticket nach acapulco und 410 000 euro in bar.
er gestand noch vor ort, direkt nachdem er um 15.30 uhr mit einer überdosis insulin sein werk verrichtet hatte rief er seine geliebte an, um ihr das freudige ableben ihres ehemannes mitzuteilen, bei diesem gespräch eröffnete sie ihm, das alles im wahrsten sinne des wortes umsonst gewesen sei, er machte auf dem absatz kehrt und entnahm die leber und die nieren. in seiner raserei wollte er ihr am abend dann einen besuch abstatten, dabei kam ihm der assistent erst in die quere und dann doch ganz gelegen. die hüft-TEP hatte er seiner amour fou geschenkt, ein andenken an seine frühere zeit in der uch.
der zivi verliess am nächsten morgen etwas schläfrig die intensivstation, seine wahre identität war allerdings schon in der nacht von franke aufgedeckt worden, als dieser dem assistenten mitteilen wollte, dass er nicht mehr der hauptverdächtige sei.
ralle sah zu, dass er das weite suchte, die 10 gramm zero zero in der innentasche seiner dienstjacke bewogen ihn hierzu...
und unser assistent? er bat bei der schwester seines vertrauens um asyl in deren wohnheimzimmer, die miete bezahlte er in naturalien und duschte sich seinen panzer aus schmutz, blut, schweiss und pein ausgiebig ab, um danach für nahezu 24 stunden in morpheus`arme zu sinken.
als er montag morgens um 7 uhr wieder zum dienst erschien, blickte er in das gesicht seines chefarztes. "ah, mein assistent! sie werden mir bericht erstatten, aber zuerst... privatvisite! und sie kommen mit!!! paris war übrigens super! wo ist denn eigentlich mein oberarzt?".
"dem ist das wochenende an die nieren gegangen, chef...." sagte er mit einem grinsen und schob den kurvenwagen auf den flur...
-ENDE-
edit: ich hätte nie gedacht, dass diese krude story so dermassen einschlägt, vielen dank für die vielen kommentare und unterstützungs-PNs. es hat sehr viel spass gemacht diesen unfug zu schreiben, wenn es mich wieder mal packt lege ich wieder los, versprochen ;-) gruss no
Shakespeareslady
06.03.2006, 15:39
SCHLUCHZ NEIN KEIN ENDE ICH BIN ABHÄNGIG GEWORDEN :-blush
*hochhol*
Dieses in Vergessenheit geratene Meisterwerk muß unbedingt mal wieder der jüngeren Forengeneration gezeigt werden :-)
Oooooh, laaaaaaange ist's her *schnüff*
Feuerblick
30.11.2013, 20:19
Euch ist aber schon klar, dass ihr hier eine geschlossene Thread-Leiche fleddert???
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