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Hallo!
Es wird ja jetzt viel über die Gesundheitspolitik und die Arbeitsbedingungen in Deutschland geredet. Mich würde mal interessieren, wie ihr euch eure berufliche Zukunft vorstellt.
Ich bin kurz vorm Physikum und muß ehrlich zugeben, dass mich weder das Studium noch das Pflegepraktikum bis jetzt abgeschreckt haben. Möglicherweise ändert sich meine Meinung ja nach der ersten Famulatur, ich will da nichts ausschliessen, aber im Augenblick kann ich mir noch durchaus vorstellen in einer Klinik zu arbeiten. Wie seht ihr das?
Und wie haltet ihr es mit der Diss? Lohnt es sich überhaupt bei dem bestehenden Ärztemangel, oder ist das nur eine Prestigefrage? Würdet ihr zu einem Arzt gehen, der kein Dr. vor dem Namen hat?
Würde mich über Antworten freuen!
Pandora
eva_luna
11.06.2002, 14:33
hi pandora,
ich sehe momentan schwarz - total schwarz. liegt aber wohl eher daran, dass ich mich nicht mehr wirklich für medizin begeistern kann bzw. sich meine interessen stark verändert haben. objektiv betrachtet scheint es tatsächlich einen silberstreif am horizont zu geben - immerhin wird jetzt schon fleißig über einen haufen reformen (die das gesundheitssytem mit sicherheit dringend nötig hat) diskutiert, man kann also hoffen, dass sich in den nächsten 20, 30 jahren einiges tun wird.
zum thema diss: ich würde auch zu einem arzt gehen, der keinen dr. med. vorne dran hat, der titel sagt ja schließlich nix über seine fachlichen qualitäten aus. klar, dass ich das als medizinerin so sehe, wie das allerdings generell in der allgemeinbevölkerung bewertet wird, weiß ich nicht (meine von mir hochverehrte hausärztin hat übrigens auch keinen dr., und über zu wenig zulauf kann sie sich wahrlich nicht beklagen). ich werde auf jeden fall versuchen, eine diss abzuschließen - nicht wegen des titels an sich, sondern weil ich einfach gerne mal selbständig wissenschaftlich arbeiten möchte.
viele grüße
eva_luna
Hallo Pandora!
Was die Diss anbelangt, so ist das Vertrauen der Patienten (das bei vielen sicher höher ist, wenn sie einem DOKTOR gegenüberstehen - ich habe mal versucht, einer Mitpatientin zu erklären, was der Unterschied ist zwischen einem Doktor und einem Nicht-Doktor, als ich selbst im Krankenhaus lag - denkst du sie hat das verstanden??? Vergiß es!) nur ein Punkt.
Ein weiterer ist: Kannst du zum jetztigen Zeitpunkt schon ausschließen, daß du mal Karriere machen willst? Denn wenn du keine Diss gemacht hast, legst du dir für in diesem Fall selbst Steine in den Weg (Was nicht bedeutet, daß eine Karriere ohne Diss VOLLKOMMEN ausgeschlossen ist, und immerhin haben einige Leute es auch geschafft, die Diss nach dem Studium zu machen, was aber um einiges schwieriger wird). Vor allem an den Unikliniken hast du mit Promotion auch einfach bessere Chancen, überhaupt eingestellt zu werden.
Nimm folgendes Beispiel: Du bist dir ganz sicher, daß du später mal eine eigene Praxis haben möchtest und findest, daß du auch ohne das Dr. vorm Namen auskommst. Während des Studiums merkst du aber, daß du die Anästhesie ziemlich cool findest, aber als Anästhesistin möchtest du dich nicht niederlassen, sondern doch lieber im Krankenhaus arbeiten. In dem Fall hast du dann Nachteile ohne Promotion.
Klar, es gibt genug unpromovierte Mediziner (ein Drittel aller Medis, habe ich mal gelesen), die sicher auch zufrieden sind mit ihrer Wahl. Ich will auch keine Panik verbreiten, ich denke nur, daß es wichtig ist zu wissen, warum man sich für oder gegen eine Diss entscheidet.
Die June :-)
hallo June!
ich habe vor eine Diss zu schreiben. Wenn es geht sogar eine experimentelle. Ich frage nur, weil anscheinend so viele darauf verzichten wollen. Welche Vorteile (außer Freizeit :-))) hätte das denn? Vielleicht findet sich ja jemand, der mir das beantworten kann.
Ich glaube kaum, dass viele (ältere) Patienten zu einem Arzt gehen würden, der kein Dr. vor dem Namen hat. Ist ja eigentlich näher betrachtet albern, denn das sagt ja nun gar nichts über die Kompetenz im Umgang mit Patienten oder im ärztlichen Alltag aus, aber als Nicht-Promovierter begegnet man sicher vielen Vorurteilen.
LG, Pandora.
eva_luna
13.06.2002, 10:33
hi pandora,
freiwillig verzichten wollen glaube ich gar nicht so viele. es gab da mal eine statistik, weiß aber nicht mehr die genauen zahlen... demnach fangen fast alle (> 90 %) medizinstudenten irgendwann während des studiums eine dr.-arbeit an, sehr viele brechen aber wegen miserabler betreuung, falscher zeitplanung ("in einem semester sind sie fertig, das verspreche ich ihnen!"), auslandsaufenthalt, unrealisierbarem thema und ähnlichem wieder ab. manche haben danach noch lust und nerven, eine zweite arbeit anzufangen, manche eben nicht.
fazit: fast jeder fängt eine diss an, nur bringen sie einige eben nicht zu ende.
viele grüße
eva_luna
Dr.Dolor
14.06.2002, 08:28
Also, ich habe (aus Zeitgründen) auf meine Dissertation verzichtet. Habe genug um die Ohren und sehe ehrlich gesagt nicht ein, die Misswirtschaft einer parallelen Mediziner- und Naturwissenschaftler-Ausbildung an dt. Unis mitzutragen. Ohne Frage sagt ein Tite nichts über die fachlichen Qualitäten eines Mediziners aus - wobei ich in vielen Aspekten dem promovierten Kollegen gegenüber benachteiligt sein werde. Trotzdem; Promotion ist Einstellungssache und in meiner bisherigen Laufbahn gab es immer wichtigere Dinge als eine Promotion - abgesehen davon ist eine Doktorarbeit tatsächlich noch später nachholbar.
Als niedergelassener Arzt ist es sicherlich von Vorteil, einen Dr.med auf dem Praxisschild zu haben - wie gesagt, die meisten Patienten verstehen die Bedeutung der Promotion ohnehin nicht, müssen sie auch gar nicht. Aber gerade als Anästhesist an einem peripheren Haus halte ich einen Dr.Titel für schlichtweg überflüssig - immerhin suchen sich die wenigsten Patienten ihren Anästhesisten selber aus.
Promotion ist ohne Frage natürlich deutlich wichtiger/essentiel an Unikliniken und im Bereich Forschung&Karriere - mag also sein, dass ich diesbezüglich etwas kurzfristig denke und es später bereuen werde; ich bin trotzdem sicher, dass aus mir irgendwann ein ganz passabler Arzt wird und ich in Bewerbungsgesprächen auch ohne Promotion eine Stelle aushandeln werde, die meinen Anforderungen & Vorstellungen entspricht.
Gruss, Daniel.
:-meinung
Okay, das Anästhesistenbeispiel war vielleicht nicht das beste, ich gestehe! :-blush Ich wollte einfach auf eine Fachrichtung hinaus, die einen nahezu in die Klinik zwingt.
Die June :-)
Dr.Dolor
17.06.2002, 09:04
Original geschrieben von June
Ich wollte einfach auf eine Fachrichtung hinaus, die einen nahezu in die Klinik zwingt.
Chefarzt. (Sollte eine eigene Fachrichtung sein - Schwerpunkte: - das A&O der gelungenen Kongressreise, wie übersehe ich alles unterhalb meiner Oberärzte, wie gestalte ich eine Vorlesung möglichst langweilig, wie verdiene ich mit Privatpatienten die meiste Kohle. Zusatzqualis: Organtransplantation & Pharmavorstände.
Naja, ob man dafür überhaupt ein Medizinstudium braucht ?! Aber sowas zwingt einen an die Klinik!
Man könnte auch gleich einen eigenen Studiengang "Chefarzt" einführen, dann wäre man den einen oder anderen "netten" Komilitonen (bei diesem Wort habe ich ne Schreibschwäche: schreibt man das so???) los. Weiterhin könnte man extra Krankenhäuser eigens für die Spezies Chefarzt eröffnen, dann muß man sie auch später im Arbeitsleben nicht mehr ertragen ;-)
Die June :-)
Dr.Dolor
18.06.2002, 19:44
2 m`s liebste June. KoMMilitone :-))
Ich schätze, jetzt werde ich für mindestens eine Woche wissen, wie man's schreibt... :-blush
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