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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schulempfehlung: Vorfahrt für den Chefarztsohn



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Smibo
01.05.2006, 20:08
http://www.spiegel.de/unispiegel/schule/0,1518,304864,00.html

Als kleine Ausländertochter sollte ich damals auch auf die Hauptschule. Komisch, dass ich dennoch ein 1,3 Abi hatte ohne ein Jahr in der Schule zu wiederholen....

Das System ist zum Ko**en.

milz
01.05.2006, 20:14
Ich hatte auch eine Hauptschul-Empfehlung (Eltern sind keine Akademiker).

Denüse
01.05.2006, 20:16
War bei mir auch so...

Eltern ganz normale Arbeiter, dazu noch ein ausländischer Nachname...

Dann eben Hauptschule bis zur 6ten, hab dann die Aufnahmeprüfung für die Realschule gemacht...

Realschulabschluss und dann in die 10te Klasse eines math.-nat. Gyms gegangen... Und Abi gemacht...

Bin auch stolz drauf, weil niemand außer mir und meiner Familie dran geglaubt hat... :-blush

Liebe Grüße, Denüse

SandraS
01.05.2006, 20:23
Ja, leider ist es so, dass es keine Chancengleichheit gibt! Ein Prof von uns sagte, die schlechtesten Chancen hätte damals die katholische Arbeitertochter vom Lande gehabt. Heute sind wahrscheinlich Kinder von Ausländern und Hartz IV benachteiligt. So etwas ist traurig!
Ich hatte- weil meine Eltern "nur" einen landwirtschaftlichen Betrieb führen und keine Akademiker sind- auch nur eine Empfehlung für die Realschule und das bei durchweg sehr guten Noten, die sich auch bis zum Abi nicht verschlechtert haben. Zudem war ich immer die jüngste in meiner Klasse -und das als katholisches Arbeiterkind vom Lande! :-))

Logo
01.05.2006, 21:47
Muss jetzt mal eine Lanze für die Schullaufbahnempfehlung/Lehrer brechen...

Zuerst einmal tut sich KEIN ernstzunehmender Pädagoge (Pappnasen gibt es in jedem Job - bei Lehrern leider auch) leicht, eine Empfehlung auszusprechen. So eine Empfehlung wird auch nicht "gewürfelt" sondern im Gespräch mit anderen Kollegen und Sozialpädagogen besprochen. Dabei wird das Notenbild (gibt da "Regeln", wie Anteil der Noten besser als "Gut" usw.), Sozialverhalten und die zukünftige Lern-/ Persönlichkeitsentwicklung berücksichtigt. Sicher nicht der Beruf der Eltern, das wäre Diskriminierung.
Natürlich maßt sich niemand an, Allwissend zu sein. Fehler werden überall gemacht. Gerade die Entwicklung von Kinder ist schwer vorhersagbar...

Trotzdem legen interne Statistiken nahe (ich kenne nur die von 4 Grundschulen -und nur von denen spreche ich primär-, aber immerhin diff. als manch anderes Statement hier) daß die SLE in den meisten Fällen (~85% waren es) recht behielten!
Und das ist angesichts der Tatsache, daß eine so wichtige Entscheidung für das zukünftige Leben des Kindes bereits so früh, nein, viel zu früh (Stichwort: 10 Jahre gemeinsame Schullaufbahn in Skandinavien) getroffen werden muss... Somit eine erstaunlich hohe Trefferquote würde ich mal sagen :-top

Desweiteren stellt die IGLO Studie meines Wissens "nur" einen Zusammenhang zwischen Elternhaus und potentieller Schullaufbahn in Bezug auf Förderung durch das Elternhaus her. Und dies ist eine traurige aber unbestrittene Tatsache, die niemand in Abrede stellt. Natürlich gibt es rühmliche Ausnahmen - meine Vorredner sind Beispiel für viele andere mehr.
Aber den kausalen Zusammenhang zwischen Elternhaus und Schullaufbahn gibt es und wird es in Zukunft in verstärktem Maße geben.
Nicht mehr und auch nicht weniger stellt IGLO dar und alles Andere ist an den Haarem herbeigezogen...

Fazit wäre:
Wenn früh "sieben", dann bitte extrem durchlässiges Schulsystem und keine Empfehlung sondern Pflicht (sonst hängen anfänglich alle auf dem Gymnasium mit Fluktuation nach unten -> in den ersten Monaten kein vernünftiger Unterricht durchführbar).
Alternativ (mein Favourit) wäre das skand. System. Kurssystem nach Anspruch und Interessen in einem gemeinsamen 10 jährigen System.

MfG
LOGO, der Präsentationen für SLE-Eltern/Themenabende erstellt und auch sonst viel zuviel Schulkram mitkriegt ;-)

Dr. Pschy
01.05.2006, 21:53
In Bayern gibts keine Schulempfehlungen, soweit ich weiss. Da muss in der letzten Klasse Grundschule ein gewisser Durchschnitt in den drei Hauptfaechern erreicht werden, um aufs Gymi zu duerfen, ganz einfach.

(Zumindest war das ca. 1864 bei mir noch so...)

Evil
01.05.2006, 22:28
Trotzdem legen interne Statistiken nahe (ich kenne nur die von 4 Grundschulen -und nur von denen spreche ich primär-, aber immerhin diff. als manch anderes Statement hier) daß die SLE in den meisten Fällen (~85% waren es) recht behielten!
Und das ist angesichts der Tatsache, daß eine so wichtige Entscheidung für das zukünftige Leben des Kindes bereits so früh, nein, viel zu früh (Stichwort: 10 Jahre gemeinsame Schullaufbahn in Skandinavien) getroffen werden muss... Somit eine erstaunlich hohe Trefferquote würde ich mal sagen :-topDas kann natürlich genausogut als "selbsterfüllende Prophezeiung" durchgehen. Ich möchte mal sehen, wie man eine vernünftige Statistik so gestaltet, daß man das wirlich überprüfen kann (vor allem wer die Statistik erhoben hat ;-))

Logo
01.05.2006, 23:07
Die Statistik genügt sicher nicht den Ansprüchen einer Doktorarbeit/prof. wissenschaftlichem Arbeiten.
Trotzdem sagt mir mein gesunder Menschenverstand und damit stehe ich nicht alleine da, daß man durchaus von sinnvoller Vorhersage sprechen kann, wenn bspw. ein Schüler mit Real-Empfehlung es auf dem Gymnasium nicht schafft und prima auf der Realschule klarkommt...
Und aus "Vorhersage -> Tatsache -> Trefferquote" läßt sich Statistik machen. Guckst du Wetterberichte? Nichts anderes.
Man brauch aber auch keine prof. Statistik sondern manchmal auch einfach nur Erfahrung. Diese "Erfahrung", Menschkenntnis, Intuition was auch immer trifft erstaunlich oft zu. Das mag nur niemand hören.

Das Problem sind nicht die Lehrer (viele sehen das Kind häufiger/länger im Jahr als die leiblichen Eltern; ergo: wissen mehr über das Kind) sondern meistens die Eltern. Auch das lehrt die Erfahrung.

Aber welches Elternteil hört schon gerne, daß wenn es einen Eltern-Führerschein (klasse Sache) gäbe, sie zum Idiotentest geladen werden würden.
Entschuldige die Polemik.

Zur Selffulfilling Prophecy:
Ich halte von der SFFP-Theorie generell nichts.
Aber davon mal abgesehen, konsequenterweise wäre das Problem der SLE ja dann quasi durch die SFFP von selbst gelöst... Gymnasialempfehlung für alle ;-)

PS: Statistik ist immer auch Interesse. Das verhehle ich nicht. Aber das gilt auch für IGLO und Co, wie auch für jede andere (Doktorarbeiten etc.). Generalverdacht macht alles hinfällig...

Hades
01.05.2006, 23:34
Ich erinnere mich noch an dieses Gespräch damals.
Man fragte wo ich hin wollte und ich hab klar Gymnasium gesagt. Als man mich dann fragte ob ich jemals die Möglichkeit einer Realschule in Betracht gezogen hätte, hab ich die nur entgeistert angeguckt und ein lautes "NÖ" rausgelassen. (damals hatte ich nicht mal eine 3 auf meinem Zeugnis und hab überhaupt nicht verstanden wieso ich auf die Realschule sollte. Hat sich dann später durch etwas Faulheit geändert ;p)

Kackbratze
02.05.2006, 10:04
Ich denke es gibt quasi gerade ein PRoblem mit der statistischen Auswertung...ich kenne genug Chefarztsöhne/Töchter die dumm wie Brot sind und vom Gymnasium abgegangen sind.

Also kenne ihc die Ausnahmen oder was ist da los?

Das Schulsystem in Deutschland ist ja durchlässig, es gibt Leutz die mit Hauptschule anfangen und am Ende Abi machen (und umgekehrt).
Aber solange sich auch in der Bevölkerung nicht irgendeine Erkenntnis durchsetzt, dass man seine Kinder fördern sollte, ist die Diskussion, ob die Schule Schuld ist, etwas am Thema vorbei.

Ich kenne eine Krankenschwester, die 2 Kinder hat. Der eine Sohn ist intelligent, liest gerne und viel und hat eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen.
Sie hat ihn auf die Realschule geschickt "weil da ja auch seine Freunde sind und weil die auf dem Gymnasium so schwierige und neue Fächer haben".
Ihre Tochter macht gerade die Realschule fertig und will (aktuell wollte) auf das Gymnasium. Die Mutter hat solange auf sie eingeredet, jetzt will sie eine Ausbildung machen und nich mehr zur SChule.

Tja, und wo haben da jetzt die Lehrer versagt? Die Lehrer haben beiden Kindern gesagt, sie sollen aufs Gymnasium, sie haben sogar die Mutter angerufen, um das mit ihr zu klären...

Und wenn man schaut, gibt es viele Eltern, die ihre Sprösslinge nicht aufs Gymnasium schicken, damit die nicht schlauer als sie selber werden...

Evil
02.05.2006, 17:00
@ Logo: Wenn Du jemandem solange etwas einredest, bis er es glaubt/ es in die Tat umsetzt, dann hast Du eine "selbsterfüllende Prophezeiung", das ist nun mal so. Ob Du daran glaubst oder nicht ;-)
Und unterschätzen sollte man diesen Faktor gerade bei solchen Themen nicht, dann kann man sich die Argumentation mit Statistiken nämlich sparen.

Gichin_Funakoshi
02.05.2006, 18:49
Ok, aber eine Sache verstehe nicht. Warum sollten die Lehrer solche Entscheidungen treffen? Ich kann es einfach nicht nachvollziehen warum ein hervorragender Schüler, dessen Mutter Putzfrau ist, keine Gymi-Empfehlung bekommen sollte?! Das widerstrebt in meinen Augen jeglicher Logik. Genauso der umgekehrte Fall.
Ich bin tatsächlich Chefarzt-Sohn^^ und ich habe mich nie irgendwie als jemand gefühlt, der die Noten geschenkt bekommen hat. Schon gar nicht hatte das eine Auswirkung auf irgendeine Empfehlung. Ich habe sie zwar bekommen aber meine Leistungen waren dementsprechend. Genauso gab es aber Kinder von Akademikern, deren Empfehlung ausgeblieben ist, weil sie einfach zu schlecht waren.
In meiner Laufbahn als Schüler habe ich niemals eine Notengebung im Zusammenhang mit der Herkunft miterlebt. :-nix

Anderseits gibt es auch Leute die behaupten, dass vielleicht gerade "Chefarzt-Söhne" schlechter von den Lehrern behandelt werden.
Alles hat eben 2 Seiten ;-)

Abschließend muss ich Logo noch recht geben, wenn er sagt, dass es tatsächlich ein Zusammenhang zwischen dem Elternhaus und der Einstellung zur Bildung gibt. ;-)
Natürlich ist auch hier etwas individueller Spielraum, der diesem Trend widerspricht.

Smibo
04.05.2006, 18:36
Meine Mom war auch damals alleinerziehend. Aber dennoch hat sie die ganzen Gymnasien in Bonn abgeklappert, damit ich nach der Grundschule aufs Gymnasium ging. Und bei einer hats Gott sei Dank geklappt :-))

Kackbratze
04.05.2006, 20:23
SMibos Beispiel ist doch ein Hinweis auf die nötige Förderung durch die Eltern.
Wenn es den Eltern vollkommen egal ist, was aus den Nachkommen wird, dann gehen die in den seltensten Fällen auf das Gymnasium!

Und dann am Ende sind die Lehrer Schuld, weil ja die Eltern niemals Schuld sein können...

Jede Studie kann man so oder so interpretieren... :-meinung

Gichin_Funakoshi
04.05.2006, 21:01
Ich kann Kackbratze nur zustimmen. Es ist erwiesen und ziemlich einleuchtend, dass nunmal die Eltern den größten Einfluss auf die Kinder haben und nicht irgendwelche Lehrer.
Das Problem ist nur, wenn man an die "falschen" Eltern gerät. Ist nicht so asozial gemeint, wie es klingt ;-)

my_precious
04.05.2006, 21:46
also meine eltern interessieren sich überhaupt nicht für meine bildung oder die schule. mein vater wusste sogar bis dieses jahr nicht, in welcher klasse ich bin. sie sind selber keine akademiker und sehen meinem medizinstudium auch nicht gerade glücklich gegenüber.

und trotzdem hab ich ne gymi-empfehlung bekommen. also bei mir war von elterlicher seite überhaupt keine einflussname. und dass ausländer gleich eine hauptschulempfehlung bekommen, hab ich auch noch nie wirklich mitgekriegt. dabei habe ich diese empfehlungen für schularten jetzt einige zeit lang aus familiären gründen verfolgt.

tpa
04.05.2006, 22:06
Alternativ (mein Favourit) wäre das skand. System. Kurssystem nach Anspruch und Interessen in einem gemeinsamen 10 jährigen System.


Gibt's doch schon und zwar in Form von Gesamtschulen. Ich war auf einer und wir wurde halbjährig neu bewertet und unseren Leistungen nach in Grund- und Erweiterungskurse eingeteilt (in den Hauptfächern).
Alle, die nach der 10. Klasse entsprechend gute Leistungen erbracht hatten, erhielten Zugang zur gymnasialen Oberstufe.
Einer meiner besten Schulfreunde hatte nach der 4. Klasse auch nur eine Hauptschulempfehlung und gehörte 9 Jahre später zu den Jahrgansbesten... es gibt sicherlich unzählige Beispiele wie dieses und die oben im Thread genannten die zeigen, wie ungeeignet das gegenwärtige System der Schulempfelungen ist.

Recall8
05.05.2006, 09:15
Gymi-Empfehlung?

Wir durften damals (4.Klasse) alleine mit den Eletrn entscheiden, welchen Bildunsgweg wir gehen möchten. Damals war es so,dass viele Eltern entschieden haben. Ein Empfehlung der Schulen gab es generell nicht.

Kackbratze
05.05.2006, 18:38
Ich glaube, dass eine Empfehlung der Lehrer schon okay ist. Aber es sollte eine Empfehlung sein und nicht eine Pflicht...

hallohaldol
19.06.2006, 14:12
ich hatte damals nach der 4. klasse nur 1er und 2er...weil ich mich mündlcih nie beteiligt habe hat die damalige klassenlehrerin meinen eltern empfohlen mich auf die realschule zu schicken.da bin ich dann auch gelandet,erst nach der 10 wieder aufs gymmi.ab der 11 bin ich dann "aufgeblüht",referate etc waren kein problem mehr,mündlich immer vorn dabei.
im nachhinein find ich es schade das ich nicht ab der 5 das gym besuchen konnte,vielleicht hätte der prozeß dann schon früher stattgefunden und ich hätte in der 11 nicht so hinterhergehinkt,weil es doch schwierig war,von real auf gym,sowohl im stofflichen als auch im sozialen bereich.