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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : brauchen wir unser Gleichgewichtsorgan



DocCoxen
15.05.2006, 23:15
Könnten wir ohne Gleichgewichtsorgan überleben? Ich stelle mir das etwas ungemütlich, aber nicht unmöglich vor. Was denkt Ihr :-bee ?

Frantic
15.05.2006, 23:20
Wenn ich mich nicht täusche, ist bei Morbus Meniere die Ausschaltung des Gleichgewichtsorgan eine Therapieform.

Hoppla-Daisy
15.05.2006, 23:21
Ich stelle mir das doch seeeeeehr ungemütlich vor, wenn man bedenkt, dass das Kleinhirn ja doch ein paar klitzekleine Informationen von dort erhält.

Und Menière-Kranke können glaub ich ein Lied davon singen, wie es ist, wenn das Gleichgewichtsorgan in Mitleidenschaft gezogen wird.

http://www.neuroscript.com/index.htm?http://www.neuroscript.com/meniere.htm&XSchwindel.htm

Aber ob man ohne leben könnte..... Mist, ich hätte besser aufpassen sollen.

Flauta
15.05.2006, 23:36
dazu fällt mir ein:
Beim Landen nach Langstreckenflug (ich habe seit Säuglingsalter Ohrprobleme) hatte ich (wahrscheinlich nur einseitigen) VEstibularisausfall....
Das war nicht lustig! Nicht nur weil ich fühlte, dass ein Ohr immer noch der Meinung war, ein paar Tausend Meter höher zu sein als der Rest des Körpers, aber vor allem weil das ganze Gleichgewichtsgefühl flöten war, mir war kotzübel und ich wollte nur noch ein Glas Wasser, Kaugummi, Bonbon von der Stewardess und da keiner kam, habe ich entschieden, selbst zur Bordküche zu gehen.....ich wusste nicht mehr, wo oben und unten, links und rechts war, musste mich mit beiden Händen abstützen, musste mich krampfhaft daran erinnern, dass ich anhand der Form der Sitze und der "Position" der Köpfe der anderen Passagiere interpretieren könnte, wo oben und unten ist....das hat dann wesentlich dazu beizugetragen, zu wissen, wo man sich abstützen sollte und irgendwann ans Ziel zu gelangen.
Im Nachhinein war es eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung, in der Situation war es alles andere als lustig. Erst beim Grenzübergang in Frankfurt kam mein Ohr dann unten "an"....dieser Schmerz war so höllisch, das will ich niiieeeeeeee wieder erleben....wie 1000 Mittelohrentzündungen in 1 Sekunde zusammen....seitdem sind mir Flugzeuge aller Art noch mehr unsympathisch.... :-?
upps, back to topic, sorry....(das wollte ich aber mal loswerden....)
Flauta

Hoppla-Daisy
15.05.2006, 23:37
Gar nicht so offtopic, wie ich finde!

Hm, hab nochmal drüber nachgedacht. Also, ein einseitiger Ausfall des Gleichgewichtsorgans führt ja dazu, dass der Patient ne Fallneigung zur erkrankten Seite hat, hinzu kommen Schwindel und Übelkeit. Schon fies. Nun stelle man sich vor, das passiert auf beiden Seiten.

Die gesamte Wahrnehmung der Stellung im Raum ist ja absolut gestört. Überleben kann man m. E. so wohl, aber das dürfte definitiv ein Zustand sein, mit dem man NICHT mehr ohne Hilfe leben kann.

Ach Mann, blöd, wenn man vor lauter BC nicht mehr denken kann. Mir fällt im Moment nix Plausibles mehr ein. Also lass ich es hier mal ;-)

Flauta
15.05.2006, 23:48
Seit dieser Erfahrung jedoch sehe ich auf HNO Menière, "normale Hörsturzpatienten" und Vestibularisausfälle mit ganz anderen Augen....
Ist ein ganz komisches Gefühl, wenn man plötzlich rein gar nichts mehr hört, die Flugzeugschwankungen nicht mehr fühlt (das kann auch sein gutes haben bei grosser Flugzeugangst...). Man weiss dass man spricht, spürt es, hört es aber nicht, weiss nicht wie laut man gesprochen hat und hat keine Orientierung mehr....Minuten wurden zu Stunden....aber wenn das Gehör dann wieder kommt, dann weiß man das wieder zu schätzen!!
Eigentlich war es wie in so einem wandelnden Traum und hatte das Gefühl, zu schlafwandeln und nicht wirklich reel da zu sein...die Umwelt hat nicht gepasst....
Jedenfalls gehe ich jetzt einsichtiger und rücksichtsvoller mit solchen Pat. um und sag Pflegenden auch meine Meinung, wenn wieder mal einer meint, derjenige solle sich nicht so anstellen..... :-nix
Flauta
p.s. ab wann merkt man eigentlich, dass man einen Hörsturz hatte? Lehrbücher sind da manchmal sehr ungenau (Vom Verlust von Hörleistung bis zum vollständigen Hörverlust....)...was ist "Verlust von Hörleistung"....nach einer Orchesterprobe vor den Trompeten sitzend und womöglich piccolospielend hört man danach auch eingeschränkt für eine gewisse Zeit...das stufe ich aber nicht als Hörsturz ein..... :-nix

Hoppla-Daisy
15.05.2006, 23:58
Als ich vor 2,5 Jahren meinen Hörsturz hatte, hab ich ihn (im Zug sitzend) quasi kommen gemerkt, ohne zu wissen, was da mit mir geschah. Mir war einfach komisch zumute, nachher ein wenig übel, und als ich zuhause dann merkte, dass ich die laut tickende Uhr im Wohnzimmer nicht mehr hörte, war mir sofort klar, WAS da passiert war und begab mich ohne Umweg sofort ins Klinikum in die HNO-Ambulanz. Da wurde ich erstmal blöd gefragt, wieso ich denn nicht erst zum Notdienst gefahren sei. Meine Antwort, dass ich nen Hörsturz hätte, fand die Dame am Empfang gar nicht so plausibel. Da könne ja jeder kommen und mal einfach die Ambulanz belästigen. Da bin ich dann ein wenig fuchsig geworden und hab gesagt: Es sind meine Ohren und mein Gehör und nicht das ihre!

Ich hatte einen ziemlichen Druck im Ohr, hörte wie durch Watte (nachher nicht mehr so sehr viel) und überhaupt war mir ganz seltsam schwummrig. Mein Hörverlust auf der betroffenen Seite betrug mal eben 30 dB. Und das dauerte auch einige Tage, bis es dank Pentoxifyllin und Kortison i.v. wiederkam. Ich würde sagen, ich hab richtig Schwein gehabt.

Tombow
16.05.2006, 10:32
Als die Amis ihre bemannte Raumfahrt aufgebaut haben, hatten sie schwere Bedenken wegen des Gleichgewichtsorgans. Soweit ich weiß, wurde sogar bei Astronauten eine OP am Gleichgewichtsorgan in Erwägung gezogen. Weiß leider nicht, ob es sich um eine partielle oder totale Ausschaltung handelte.

Zum Glück ist man aber auf die Idee gekommen, das Gleichgewichtsorgan bei den Astronauten durch Trampolinspringen zu trainieren, so daß die Option OP vom Tisch war.

Vielleicht weiß einer unserer HNO-Experten mehr?