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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Unehrlicher Streik?



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Tombow
22.05.2006, 13:41
Woran denkt Ihr, wenn Ihr von Montgomerys taktischen Fehlern redet?

-Sich nicht vom Anfang an von ver.di, Vivaldi, Rossini und Co. gelöst, sondern erst sehr spät von denen Zug abgesprungen

-Die rechtlichen Grundlagen zum geplanten Streik an den kommunalen Häusern im letzten Jahr nicht ausreichend geprüft (so wurde der Streik last minute ausgesetzt, weil sich doch eine Lücke gefunden hat, die Hecker und Leititis ausgenutzt haben)

-Tatenlos zugesehen, als die Umsetzung der EuGH-Richtlinien erneut verschoben wurde.

-Salamitaktik betrieben (hier und da wird gestreikt, usw.), anstatt alles sorgfältig im voraus zu planen und nach diesem Plan vorzugehen.

-Nicht genug Öffentlichkeitsarbeit geleistet und dadurch auch eine gefährlich offene Lücke gelassen, über die die öffentliche Meinung zum Streik gekippt werden kann. In diese Kerbe haut auch der Zeit-Artikel rein.

-Zu sehr alles auf die "mehr Gehalt"-Schiene gestellt. In einer Umgebung, wo Gehalt kaum verhandelbar ist, wäre es nicht besser, angemessene Arbeitsbedingungen durchsetzen zu können?

actin
22.05.2006, 14:46
-Tatenlos zugesehen, als die Umsetzung der EuGH-Richtlinien erneut verschoben wurde.

-Zu sehr alles auf die "mehr Gehalt"-Schiene gestellt. ......wäre es nicht besser, angemessene Arbeitsbedingungen durchsetzen zu können?Ich bin kein Arzt, aber mein Sohn hat sich zum WS für einen Medizin-Studienplatz beworben. Für ihn sind die Arbeitsbedingungen ein mindestens ebenso wichtiges Kriterium wie das Gehalt, und ich fürchte, dass sich da nicht viel ändern wird, wenn ich lese, was dort (http://marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tdl/Verdi-TdL_19-5-06.pdf) (Seite 16 bis 17) über Arbeitszeiten, Bereitschaftsdienste und die Bezahlung der Bereitschaftsdienste steht.
Und weil Mongomery selbst gesagt hat, bei den Bereitschaftsdiensten müsse man auf Wusch der TdL Kompomisse schließen, fürchte ich, dass auch in einem Tarifvertrag zwischen dem MB und der TdL solche Arbeitsbedingungen vereinbart würden.



(http://marburger-bund.de/marburgerbund/bundesverband/unsere_themen/tarifpolitik/tdl/Verdi-TdL_19-5-06.pdf)

alex1
23.05.2006, 18:20
Also hier in MD laufen auch noch akute OPs von Tumorpatienten, obwohl hier letzte Woche auch gestreikt wurde.

Wie definierst du "akute" TumorOPs?

Ist ein nicht blutendes MagenCa eine akute OP, oder wird das erst wenn es anfängt zu bluten?

Doktor_No
25.05.2006, 18:55
das mit dem stimmungskippen scheint ja nun von der presse forciert zu werden wenn man sich mal die kommentare in der SZ usw. durchliest.
es wäre imho am ehrlichsten gewesen zu sagen "wir wollen gern viel arbeiten und karriere machen, aber dafür wollen wir auch anständig geld verdienen!"

Thomas24
25.05.2006, 22:17
Dieser Scheis$ Tarifvertrag, den uns diese hinterhältigen Verdi-Fritzen (Krankenschwester-Bsirske) z.Z. zusammen mit tight-ass-Möllring überstülpen wollen, kotzt mich allerdings noch viel mehr an.

"Wir sind mit dem Tarifvertrag den Forderungen der Ärzte zu 95 Prozent nachgekommen". Sicher, max. 3600 Euro bei 42h, 30% Sonderzahlungen. Das entspricht ja wohl eher 0%, oder?

"Die Bereitschaftsdienste werden je nach Arbeitszeit auf 54 bis 58 Stunden pro Woche begrenzt". :-kotz ???!!!

Lasst euch nicht verarschen!

(Entsch. für die Ausdrucksweise)


Die allergrössten Schweinereien in diesem neuen Ver.Di Machwerk wurden ja noch gar nicht erwähnt.

1) Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall (analog §71 BAT) wird es in Zukunft zwar für alle anderen Berufsgruppen weiter geben, aber nicht mehr für die Ärzte (tja, die werden eh nicht krank... trauen die sich gar nicht :-kotz ).

2) "Zukunftssicherungsklausel". Sollte ein Klinikum in wirtschaftliche Schwierigkeiten gelangen (das ist ja bei dem ein oder anderen Klinikum der Fall...), so ist der Arbeitgeber berechtigt, ohne Angabe von Gründen das Gehalt um 10% zu kürzen, um Personalkosten zu sparen :-notify
Die ach so schönen Ver.Di Tariftabellen könnt ihr schon mal um 10% kürzen...
Wir haften also für wirtschaftliches Missmanagement der Führungsebene mit unserem Gehalt!!

3) Die von Ver.Di vereinbarte Gehaltssteigerung von 2,8% ab 01.01.2008 betrifft alle Berufsgruppen- mit Ausnahme der Ärzte.

4) von den 15 Punkten im Ver.Di Tarifvertrag, gelten Punkte 1-7, sowie 9-15 nicht für Ärzte... :-kotz

5) Die wöchentliche Regelarbeitszeit kann bis auf 66 Stunden in der Woche erhöht werden ! War es nicht Herr Bsirske, der scheinheilig fragte, ob ein Chirurg, der besser bezahlt würde, deswegen nicht weniger müde wäre...?

6) Im Jahr stehen uns 3 (in Worten drei) Tage für Fortbildung zu... Vorausgesetzt, die Kostenübernahme ist geklärt :-??? (im Zweifel, wie bisher: ihr zahlt eure Fortbildungen aus eigener Tasche...)

7) Viele weitere kleine Haken und Ösen- lest euch das Machwerk mal durch...

Konsequenz: Die Vollversammlung unserer Uniklinik hat einstimmig für eine Fortsetzung des Arbeitskampfes gestimmt. Wir wollen ja nicht unbedingt viel besser gestellt werden, als die Typen, die die Klos anschrauben... aber auch nicht viel schlechter :-kotz

actin
25.05.2006, 22:45
Und was hältst Du davon, dass weiterhin 24 Stunden pro Tag gearbeitet werden darf (8 Stunden Volldienst und 16 Stunden Bereitschaftsdienst)?

Zitat aus dem ver.di-TdL-Vertrag:

3. Tägliche Höchstarbeitszeit bei Bereitschaftsdienst

Im Rahmen § 7, Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 ArbZG kann die tägliche Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes abweichend von den §§ 3 und 6 Abs. 2 ArbZG über acht Stunden hinaus bis auf 24 Stunden (8 Stunden Volldienst und 16 Stunden Bereitschaftsdienst) verlängert werden, wenn mindestens die acht Stunden überschreitende Zeit als Bereitschaftsdienst abgeleistet wird. (............)

Thomas24
25.05.2006, 22:54
Und was hältst Du davon, dass weiterhin 24 Stunden pro Tag gearbeitet werden darf (8 Stunden Volldienst und 16 Stunden Bereitschaftsdienst)?

Zitat aus dem ver.di-TdL-Vertrag:

3. Tägliche Höchstarbeitszeit bei Bereitschaftsdienst

Im Rahmen § 7, Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 4 ArbZG kann die tägliche Arbeitszeit im Sinne des Arbeitszeitgesetzes abweichend von den §§ 3 und 6 Abs. 2 ArbZG über acht Stunden hinaus bis auf 24 Stunden (8 Stunden Volldienst und 16 Stunden Bereitschaftsdienst) verlängert werden, wenn mindestens die acht Stunden überschreitende Zeit als Bereitschaftsdienst abgeleistet wird. (............)

Dieser "Tarifvertrag" von Ver.Di hat so viele Haken/ Ösen und Frechheiten für uns parat- da ist eine Fortsetzung der 24 Stunden Bereitschaftsdienste für mich echt nur ein Nebenkriegsschauplatz. :-kotz

Das eigentlich Problem besteht meiner Meinung darin, das Herr Rieger (Geschäftsführer der TdL, für diejenigen, die es noch nicht wussten) im Prinzip recht hat. Sinngemäß sagte er: die Ärzte werden einknicken- sie können sich keinen Streik leisten. Und eine Streikkasse hat der Marburger Bund nicht...

Es wird in der Tat immer schwieriger, die Kollegen zu motivieren mit zu machen. Ich bin persönlich auch nicht begeistert davon, mit Trillerpfeiffe in wildfremden Innenstädten zu marschieren. Aber eins muss uns völlig klar sein: wenn sich die TdL an den Universitätskliniken durchsetzt, dann wird das Schule machen für alle Krankenhäuser in Deutschland, bis hin zum kleinsten Kreiskrankenhaus in Hinterzupfingen-west. Und, was noch schlimmer ist: niemand wird uns Ärzte in den nächsten 20 Jahren noch für voll nehmen. Nicht nur in tariflichen Dingen...

Und wenn wir einknicken, und dieses Mal wieder einfach nur die größten Unverschämtheiten abnicken, dann haben wir es auch nicht anders verdient. :-meinung

Auf der letzten Vollversammlung brachte es ein sichtlich erzürnter Kollege aus der Chirurgie auf den Punkt: "Wir sollen den Streik einstellen, weil wir pro Streiktag zu viel Geld verlieren? Ihr habt Sie wohl nicht alle?! Ich muß noch vierzig Jahre in diesem Beruf arbeiten!!". Er hat recht: jetzt werden die Weichen für die Arbeitsbedingungen aller Krankenhausärzte für die nächsten Jahrzehnte gestellt. Nur haben das viele -selbst in unseren Reihen- noch nicht begriffen.

actin
30.05.2006, 10:18
Die allergrössten Schweinereien in diesem neuen Ver.Di Machwerk wurden ja noch gar nicht erwähnt.

1) Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall (analog §71 BAT) wird es in Zukunft zwar für alle anderen Berufsgruppen weiter geben, aber nicht mehr für die Ärzte (tja, die werden eh nicht krank... trauen die sich gar nicht :-kotz ).

Ich mag den Herrn Bsirske zwar auch nicht, aber ganz so schlimm ist es nicht.;-)


:-lesen Jeder angestellte Arbeitnehmer hat im Krankheitsfall einen gesetzlichen Anspruch auf sechs Wochen Gehaltfortzahlung (siehe Entgeltfortzahlungsgesetz EFZG).
Danach hat man als Mitglied der GKV Anspruch auf Krankengeld. Als PKV-Mitglied muss man dafür eine Krankentagegeldversicherung abschließen, falls mit dem Arbeitgeber nichts anderes vereinbart ist. Nach BAT Beschäftigte hatten da bisher Vorteile gegenüber anderen Angestellten.

Coxiella
09.06.2006, 13:06
Man gönnt sich ja sonst nix:

lt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,420403,00.html

Vorstandsvorsitzender der
Deutschen BKK: Jahresgrundgehalt 135.960 Euro bis zu 105.000 Euro Bonus
BKK-Bundesverband: Jahresgrundgehalt 215.000 Euro bis zu 53.750 Euro Prämie
AOK Thüringen: Jahresgrundgehalt 157.000 Euro bis zu 47.100 Euro Prämie
AOK Bayern: Jahresgrundgehalt 155.944 Euro bis zu 47.000 Euro Bonus
AOK Sachsen: Jahresgrundgehalt von 155.350 Euro bis zu 46.600 Euro Bonus
AOK Baden-Württemberg: Jahresgrundgehalt 160.000 Euro bis zu 40.000 Euro Bonus
Kaufmännische Krankenkasse (KKH): Jahresgrundgehalt 183.300 Euro rund 25.000 Euro Bonus


Und da ist der Dienstwagen noch net drin......

Ich bin mir aber sicher, die arbeiten bestimmt VIEL mehr als wir :-kotz

Fino
09.06.2006, 13:12
Tja, aber wenn man denen vorwirft, was uns Docs vorgehalten wird, schreien alle "Sozialneid" und dass man einem in Deutschland ja auch nicht goenne usw.
:-( :-kotz :-( :-kotz :-(

Neanderthal_Man
12.06.2006, 20:20
Also, scheinbar ist die "Bild" ja die Quelle dieser Zahlen -


Wie die "Bild"-Zeitung berichtet,

deswegen sollte man da vielleicht nicht allzuviel drauf geben.

Und der "ärtzliche" Gegenpart zu Vorstandsvorsitzenden sind vermutlich Chefärzte - von denen schaffen sicherlich einige ähnliche Spitzengehälter.

Thomas24
12.06.2006, 21:16
Also, scheinbar ist die "Bild" ja die Quelle dieser Zahlen -



deswegen sollte man da vielleicht nicht allzuviel drauf geben.

Und der "ärtzliche" Gegenpart zu Vorstandsvorsitzenden sind vermutlich Chefärzte - von denen schaffen sicherlich einige ähnliche Spitzengehälter.

Davon wird es aber nichts mehr geben, wenn aus "unserer Generation" mal FÄ/OÄ oder gar CÄ hervorbringen wird. Bis dahin wird die Privatliquidation komplett an das KH abgeführt, und du bekommst nur eine kleine Pauschale. Bin mal gespannt, wie viele talentierte Mediziner in Zukunft bereit sein werden, 15 Jahre+ zu säen, aber niemals zu ernten...

Mir soll´s recht sein. Zuviel Geld macht ja nur Sorgen...*g*