Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Stellenlage Rechtsmedizin
Hallo.
Irgendwo habe ich mal gelesen daß viele rechtsmedizinische Institute finanzierungstechnisch auf der Kippe stehen.
Wenn das stimmt, wird es also nur noch in einigen Ballungsräumen einen vernünftige Stellenlage geben, weil die kleinen dichtgemacht werden?
Oder ist das Quatsch... ?
Hab mich vor nicht allzulanger Zeit mit einem Pathologen, der in unserer Rechtsmedizin beschäftigt ist unterhalten. Der hat das auch so angedeutet: Aufträge bekommt die Rechtsmedizin ja in der Regel von behördlicher Seite und da wird halt immer mehr gespart und heruntergefahren. Rechtsmedizinische Institute bauen Personal ab und schliessen gar. Seiner meiner nach ist der Job ungeheuer interessant, aber als Rechtsmediziner ne Stelle zu finden soll immer schwerer werden. Er selbst ist froh seine Stelle in der Rechtsmedizin zu haben, im Notfall aber auch als Pathologe woanders arbeiten zu können.
Hellequin
16.06.2006, 16:26
Bei uns hat ein Rechtsmediziner kürzlich mal gesagt, das es eigentlich völliger Blödsinn ist, das Fach überhaupt noch im Studium zu unterrichten, da es kaum noch Stellen geben würde.
Hallo.
Irgendwo habe ich mal gelesen daß viele rechtsmedizinische Institute finanzierungstechnisch auf der Kippe stehen.
Wenn das stimmt, wird es also nur noch in einigen Ballungsräumen einen vernünftige Stellenlage geben, weil die kleinen dichtgemacht werden?
Oder ist das Quatsch... ?
stimmt angeblich. viele uni-institute werden aus kostengründen zusammengelegt.
also leute: mehr obduktionen anordnen!!!!! :-party
Bei uns hat ein Rechtsmediziner kürzlich mal gesagt, das es eigentlich völliger Blödsinn ist, das Fach überhaupt noch im Studium zu unterrichten, da es kaum noch Stellen geben würde.
Naja, unterrichtet werden muss es. Jeder Arzt ist dazu verpflichtet, eine Leichenschau durchzuführen, wenn er darum gebeten wird (oder der Chef es ihm aufträgt). Und sowas lernt man später nie wieder. Außerdem wird man in einer chirurgischen Ambulanz beispielsweise fast täglich mit Schnitt- oder Stichwunden konfrontiert und da sollte man schon ein bisschen Ahnung haben, was evtl. nach Fremdeinfluss aussieht. Oder auch Kinder.... einen Verdacht auf Kindesmisshandlung muss man schon irgendwie erheben können!
Loewenzahn
17.06.2006, 11:11
naja, ich finde am besten wäre es wohl wenn man die Fachrichtung Pathologie mit der Fachrichtung Gerichtsmedizin vereinen würde. Das wäre meiner meinung eine Bereicherung für jedes der beiden Fächer und so eine Facharzt wäre dann auch bestimmt ganz interesant.
Naja, aber die unterscheiden sich doch ganz schön, oder?
Gut, manche Methoden sind sich ähnlich, aber Pathologie und Rechtsmedizin sind doch nun echt zwei SEHR verschiedene Fächer...?!
Hmm.... Pathologen hocken die meiste Zeit vorm Mikroskop, während Rechtesmediziner auch durchaus mal lebende Menschen begutachten und nicht immer nur Leichen. Die beiden Fächer unterscheiden sich schon, das stimmt.
Und die ganze mikroskopische pathologie hilft doch dem rechtsmediziner nicht weiter. dafür hat er ja sowieso immer nen pathologen dabei. :-nix
Irgendwie ist das so ein bisschen wie ein "Facharzt für Innere Medizin und Augenheilkunde". :-? :-bee
also leute: mehr obduktionen anordnen!!!!! :-party
Spitzenidee!!!!
:-???
Obduktionen, die von den Rechtsmedizinern durchgeführt werden, kannst Du als Arzt gar nicht anordnen! Das tut die StA. (Gerichtliche Sektionen). Und die Verwaltungssektionen werden bei Toten durchgeführt, die auf irgendeine Weise in der RM gelandet sind, von der StA "freigegeben" sind aber dennoch obduziert werden sollen. Dazu müssen die Angehörigen befragt werden. Der KH (oder auch niedergelassene) Arzt hat damit nichts zu tun.
Man kann allenfalls durch Ankreuzen von "nicht natürlich" dafür sorgen, daß der Fall an die StA geht...
(Grundsätzlich bin ich aber der Meinung, daß eigentlich immer obduziert werden sollte, ganz egal, ob es einen Verdacht auf nicht natürliches Geschehen gibt. Allein aus Gründen der medizinischen Qualitätssicherung sollte regelhaft eine Leichenöffnung, am besten in Gegenwart der zu Lebzeiten behandelnden Ärzte erfolgen. IMHO wäre das eine wesentlich sinnvollere Maßnahme als irgendwelche Krankenhauszertifizierungen nach KTQ, EQS, etc. )
Maria_79
18.06.2006, 17:13
Hier stimme ich voll und ganz zu!!!
Maria
Man kann allenfalls durch Ankreuzen von "nicht natürlich" dafür sorgen, daß der Fall an die StA geht...
Oder "unklar". Hab aber auch schon gehört, dass die Polizei Notarzte durchaus mal drängt, bei der Leichenschau "natürlich" anzukreuzen... erspart Arbeit und kostet weniger. :-(
Also ich habe in der Rechtsmedizin Famulatur gemacht und da hat das so ausgesehen:
- der Aussage der Ärzte nach sind die Berufsaussichten aufgrund der unklaren Finanzierungs- und Standortlage eher schlecht; will heißen es wurde abgeraten den Beruf momentan ergreifen zu wollen, obwohl man ja zugegebenermaßen ja nie weiß, wie sich die Lage dann in ein paar Jahren darstellt.
- Rechtsmedizin hat sehr wohl so einiges mit Pathologie zu tun. Ein Rechtsmediziner verbringt 2 oder 3 Jahre (genau weiß ich es nicht mehr) seiner Facharztausbildung in der Pathologie. Und die Tötungsdelikte machen ja wirklich nur einen kleinen Teil der Obduktionen aus, die durchgeführt werden. Meistens geht es um Ausschluß von Fremdeinwirkung und die Todesursache ist dann krankhafter Ursache o.ä.
Also ich habe in der Rechtsmedizin Famulatur gemacht und da hat das so ausgesehen:
- der Aussage der Ärzte nach sind die Berufsaussichten aufgrund der unklaren Finanzierungs- und Standortlage eher schlecht; will heißen es wurde abgeraten den Beruf momentan ergreifen zu wollen, obwohl man ja zugegebenermaßen ja nie weiß, wie sich die Lage dann in ein paar Jahren darstellt.
- Rechtsmedizin hat sehr wohl so einiges mit Pathologie zu tun. Ein Rechtsmediziner verbringt 2 oder 3 Jahre (genau weiß ich es nicht mehr) seiner Facharztausbildung in der Pathologie. Und die Tötungsdelikte machen ja wirklich nur einen kleinen Teil der Obduktionen aus, die durchgeführt werden. Meistens geht es um Ausschluß von Fremdeinwirkung und die Todesursache ist dann krankhafter Ursache o.ä.
Hm als ich hier bei einer Obduktion in der Rechtsmedizin war, war da extra ein Pathologe dabei, der Rechtsmediziner stand beim eigentlich sezieren nur daneben. Natürlich darf er auch nicht keine Ahnung von Pathologie haben, aber die gesamte Pathologie ist doch ein weitaus größeres Feld und das braucht der Rechtsmediziner wohl eher nicht wie zum Beispiel Differenzierung von Glomerulonephrititiden oder was weiß ich für Kram.
:-)) :-notify
Übrigens sind in der Weiterbildungsordnung von 60 Monaten nur 6 MOnate in der Pathologie vorgeschrieben. Dazu 6 MOnate Psychiatrie und weitere 6 MOnate können in verschiedenen "nicht-Rechtsmedizin" Bereichen absolviert werden.
condorito
19.06.2006, 18:30
Als "Betroffener" kann ich ja mal kurz was dazu sagen( selber Pathologe in WB):
1. Rechtsmedizinische Obduktionen sind,wie ja bereits erwähnt, staatsanwaltschaftlich angeordnet. Das was wir hier veranstalten,sind klinische Obduktionen. Sollte ich z.B. bei einer Obduktion die Vermutung haben,dass Fremdverschulden im Sinne einer Straftat vorliegt,MUSS die Obduktion sofort unterbrochen werden und ein FA für Rechtsmedizin antreten.
Die Obduktionstechnik ist zwar im Grunde gleich, Rechtsmediziner müssen allerdings z.B. häufig mal Körperflüssigkeiten asservieren. Ähnliches gilt für Spurenkunde, die in der Pathologie weniger vorkommt.
2. Sektionshistologie ist ungleich normaler Routinehistologie, allein schon aufgrund der ausgeprägten postmortalen Veränderungen.
3. Die frühere WBO sah wirklich 2 Jahre Pathologie für den angehenden Rechtsmediziner vor, dies ist allerdings mittlerweile in der neuen Fassung runtergekürzt worden.
4. Stellensituation: wohl eher mau,einige Institute werden wohl die Tore schliessen ( hier in NRW nicht mal wenige), insofern sieht die Stellenlage nicht ganz so rosig aus. Ausserdem ist man natürlich sehr gebunden,was bei den Pathologen nicht ganz so dramatisch ist ( z.B. Niederlassung ).
So,my 5 cents
condo
Raphefrau
09.07.2006, 19:56
Interessanterweise habe ich gerade eine andere Erfahrung gemacht: Es war in Norddeutschland einfacher, eine Stelle in der Rechtsmedizin als in der Pathologie zu finden... Die langfristigen Aussichten sind für Pathologen aber sicher besser (Möglichkeit, sich niederzulassen etc), außerdem gibt es da unbefristete Stellen, während die Stellen in der Rechtsmedizin befristet sind.
Spitzenidee!!!!
Allein aus Gründen der medizinischen Qualitätssicherung sollte regelhaft eine Leichenöffnung, am besten in Gegenwart der zu Lebzeiten behandelnden Ärzte erfolgen.
Als Onkologe bräuchtest du dann auch endgültig keine Wohnung mehr. Du pendelst einfach zwischen Station und Sektionssaal. :-D
Hey Leute.
Habe gerade über die Suche diesen über 2,5 Jahre alten Thread rausgekramt und interessiert gelesen. Kann einer von euch aktuelle Auskünfte geben, wie die Stellensituation in Sachen Rechtsmedizin z.Z. so ausschaut?
Sind all die Befürchtungen wahr geworden oder wurde heißer gekocht als gegessen?
Grüße,
Flo
Schreib doch Raphefrau mal eine PN, sie steckt ja mitten in der FA-Ausbildung und kann Dir sicherlich am besten etwas dazu sagen. Sie ist derzeit nicht mehr sooooooo häufig hier und antwortet auf eine PN vielleicht schneller .-)
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