PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Über Medizin und Selbstzweifel



Seiten : 1 [2]

airmaria
12.07.2002, 15:23
@hobbes: die Schweden gönnen Dir einen bezahlten Sprachkurs, wenn Du ihr wunderschönes Land beehrst.
Grüße, "Mary"

Dr.Dolor
14.07.2002, 07:27
Inhaltlich möchte ich die beiden oberen Postings nicht kommentieren, aber es wäre grundsätzlich schöner, wenn derart massive Aussagen von Forenteilnehmer(innen?) kommen würden, die sich entsprechend auch registrieren lassen würden. Alles andere zeugt von mangelnder Zivilcourage und schlichter Unhöflichkeit! Oder würdest Du auch in einer echten Zwei-Augen-Diskussion solche Aussagen von Dir geben, ohne Dich vorzustellen?

Danke.
Gruss, Daniel.

Jens
14.07.2002, 19:55
Hallo zusammen,

nachdem sich hier leider einige etwas in der Wortwahl vergriffen haben (darauf bezieht sich die Aussage von Dr. Dolor mit den zwei inzwischen entfernten Beiträgen), mal wieder die Bitte, dem anderen bzw. den anderen im Forum - und sei es auch als unregistrierter Gast - nur das in Wortform zukommen zu lassen, was ihr euch auch im Alltag zueinander sagen würdet.

Ansonsten frohes Weiterdiskutieren in sachlicher Form

Schöne Grüsse
:-) Jens :-)

15.07.2002, 23:58
@unregistered: paß auf, daß Du nicht selbst in eine vergleichbare Lage kommst, und laß die anderen Leute in Ruhe mit Deiner hölzernen Anmache

@hobbes: Deine altkluge Belehrung darüber, daß Familie und Beruf nichts Besonderes ist, auch nicht in der Medizin, stinkt mir

@webmasters of the universe: in Euren Foren geht noch ganz anderes, als dieses bißchen Verbeißen in der vorigen Fassung-
was genau hat zum Löschen bewogen?

Fragen über Fragen, und ich weiß, es gibt keine Antworten

16.07.2002, 20:06
Hi,

also ich will mich ja als ebenfalls unregistrierte nicht einmischen, aber verstehe die intention nicht.

??? warum sprichst du von "Fragen über Fragen", wenn Du eigentlich nur eine gestellt hast und in deinen anderen Halbsätzen statt Fragen eigentlich nur vorwürfe machst

??? warum fühlst du Dich zu einem Beitrag genötigt, wenn dir das Forum und seine Besucher nicht gefallen, keiner zwingt dich, das zu lesen

??? warum hast du nicht den Mut, bei solchen Vorwürfen (von Fragen über Fragen mag ich da gar nicht reden so wie du es tatest), zumindest Deinen namen anzugeben

Für mich bist du wieder einmal einer dieser Provozierer, die ausser Beleidigungen nichts kontruktives zum Thema (HAST DU DIR MAL DIE ÜBERSCHRIFT DES BEITRAGS ANGESCHAUT ??!?)
beizutragen haben.

Wünsche Dir gute Besserung und weiterhin so ein produktives Nachtverhalten (dann, wenn Du deine Beiträge schreibst, gehen andere entweder mit Freunden aus oder schlafen schon - denk mal drüber nach).....

Also, mach´s gut - alle guten Wünsche für Dich
Silke
(auch unregistriert, aber zumindest keine Pöbelein)

18.07.2002, 21:58
@auch-silke: hast dich ein bißchen übernommen mit deinen ansprüchen an andere, was giftest du mich denn (sogar seitenlang) an, wenn genau das deiner meinung nach hier nicht erlaubt ist,
was drängt dich zu nachtschlafender zeit an den computer statt
in den night-club zur heißen party, und zum schluß: was gibt es an meinen klar formulierten halbsätzen nicht zu verstehen, du siehst, es ist der fragen kein ende
viele liebe grüße von big daddy

ClooneyGeorge
20.07.2002, 17:43
Merkwürdig das der Thread so....entartet ist, aber vielleicht interessiert es ja trotzdem jemanden, dass ich nun meine Stelle wechseln werde und als Betreuer in einer Schule für Lernbehinderte anfange.
Dort habe ich erträglichere Arbeitszeiten und sicherlich auch Spass an der Betreuung, da ich eigentlich schon immer gut mit Kindern umgehn konnte.

Lava
09.08.2002, 20:41
Hallo,

aus reiner Hilfe zur Selbsthilfe möchte ich das Thema nochmal aufgreifen.
Ich mache gerade das Pflegepraktikum im KH und mit den meisten Patienten komme ich gut klar. Im Durchschnitt sind sie wohl alle schon älter (also 60 und drüber) und brauchen schon relativ viel Hilfe z.T.
Richtig fertig macht mich aber besonders eine Patientin. Sie ist sehr alt und bettlägerig, hat einen riesigen Dekubitus am Rücken, muss alle zwei Stunden (unter Schmerzen) gelagert werden und schläft fast den ganzen Tag. Sie isst und trinkt sehr, sehr wenig und es ist selten, dass sie mal mehr als nur "ja" oder "nein" sagt. Oft bekomme ich die Aufgabe sie zu füttern, doch meistens will sie einfach nicht. Dann bin ich in einer Zwickmühle: soll ich sie zwingen oder besser nicht und dafür Anschiss von den Schwestern riskieren? Ich habe so viel Mitgefühl mit ihr. Ich an ihrer Stelle würde jedenfalls lieber sterben als so dahin vegetieren. Aber das allein ist es noch nicht. Jeden abend kommt ihre Tochter sie besuchen und versucht ihr Abendbrot zu geben. Das will sie natürlich auch nicht und die Frau macht sich Vorwürfe, dass ihre Mutter nur bei ihr nicht essen will.
Langsam fällt es mir immer schwerer das Tag für Tag mit anzusehen.
Als Ärztin werde ich soetwas wohl nur am Rande mitbekommen, aber ich mache mir neuerdings auch andere Gedanken. Über meine eigene Zukunft und die meiner Eltern. Ist es richtig, das Leben eines Menschen immer weiter zu verlängern? Wann hört Leben auf und fängt blankes am Leben sein an?

Festus
09.08.2002, 21:20
Die entscheidende Frage die aber noch darüber steht ist doch die:

Wer soll das entscheiden können, wann es sich für einen Menschen nicht mehr lohnt ? (Wenn er selber, wie besagte Frau, dazu nicht mehr fähig ist)

Der Arzt ?
"Da kann man noch was machen, wir probieren Therapie xy"
"Schalt ab, ich kann das nicht mehr sehen, das gibt eh nix"

Die Angehörigen ?
"Die Besuche jede Woche werden lästig, außerdem haben wir Schulden auf dem Haus, da kommt das Erbe gerade recht"

Eine Ethik-Kommision ?
-Bis die entschieden hat ist der Patient eh schon tot-

noodles
09.08.2002, 21:38
@ ClooneyGeorge

Ich kann dich nur zu gut verstehen das du dich für einen Wechsel der Arbeitsstelle entschlossen hat, die Schwerstbehindertenbetreuung ist nichts für jeden, da muss man abgebrüht sein (werden) und es bleiben.
Ich Selbst habe an einer SB- Schule meinen Zivi verbracht und ich habe so ziemlich alles gesehen und erlebt was einen, wenn man sich nicht zusammenreisst, zum heulen bringt: Vergewaltigung, Am- kotzen, scheissen, spucken, rotzen, pinkeln, spermen und was nicht noch alles, musste mich gegen Messerangriffe wehren, etliche Kinder mit epileptischen Anfällen im RTK begleiten, ach was noch so, Wiederbelebung.... krampflösende Zäpfen drücken(juhuuu, hätt ja vorher Windeln wechseln können:-)) und den ganzen anderen Scheiss der schlimmer ist als nur schleppen, tragen, waschen, füttern.... nicht alle hatten noch mehr als 6 Monate zu leben, die Armen...
Resumé: Für mich hats sich gelohnt weil ich jetzt gegen so gut wie alles immun bin:-). Mich hats auch angekotzt aber ich bin immer gut damit klar gekommen, ich glaube das ist ein sicheres Zeichen dafür das ich starke Nerven habe. Ausserdem wars gut fürs Ego:-)

Aber nur weil du das nicht durchgehalten hast heisst das ja noch nicht das du später mit Leiden anderer nicht besser umgehen kannst, man gewöhnt sich an alles, besonders wenn man professioneller wird als man es im Zivi ist, da spielen viele Emotionen mit die es einem erschweren sachlich zu bleiben. Schade eigendlich das du dich nicht durchgebissen hast, es hätte am Ende ein sehr gutes Gefühl hinterlassen, aber ich glaube du hast es echt nicht mehr ausgehalten, oder? Hauptsache du bekommst noch dein dickes Fell, aber das kriegt jeder früher oder später:-)!
Nicht entmutigen lassen, das wär ja noch schöner, bisschen Ehrgeiz, denn über den eigenen Schatten springen ist doch das Beste das es gibt!

noodles
Out

ClooneyGeorge
10.08.2002, 03:26
@noodles

Ja ich bin halt an einen Punkt gekommen wo ich das nicht mehr weitermachen will...es ist nicht nur das Leid des Menschens, sondern so viele Dinge.
Man muss sich mal den Tagesablauf vorstellen.
Ich steh morgens um 6:30 Uhr auf, um noch ein bisschen Zeit für mich zu haben...dann um 8:20 Uhr verlass ich das haus.
Um knapp 9.00 Uhr bin ich dann beim Thomas, wecke ihn, entkrampfe die Beine, leere den Katheterbeutel, öffne Fenster etc...er fragt mich dann immer wie draussen das Wetter sei und wie es mir geht.
Ich hab mir dann angewöhnt stets zu sagen das Wetter nehme mich mit, da er selbst sehr wetterfühlig ist (so sagt er) und es ihm Sorgen bereitet wenn man quietschfidel durch die Gegend springt, er Angst bekommt einen neuen Schub zu bekommen.
Dann setz ich ihm den Blasentee auf, nehme platz neben ihm und er jammert die ganze Zeit vor Schmerzen.
Hier ist ein Punkt wo man sich SEHR hilflos fühlt, seit er vor kurzem jedoch in der Klinik in Asbach war hat er Tropfen bekommen, die seine Schmerzen (neben dem Rauchen) lindern...allerdings kann er wohl so wie es momentan aussieht selbst dafür blechen.
Um 1000 Uhr mach ich ihm frühstück und um 11.00 uhr wasch ich ihn und helfe ihm wenn er kann in den Rollstuhl, ansonsten bleibt er im Bett....mitunter auch den ganzen Tag.
Anfänglich versuchte ich dann ihm oft gesellschaft zu leisten, doch wenn man 7 Tage a 12 Stunden Dienst in der WOhnung hat geht man sich schnell auf den Keks.
Es ist einfach grauenvoll in einer Wohnung mit jemandem zu sein der oft sachen sagt wie "ich kann nicht mehr", weint, dann die Gesichtszüge zu sehen wenn er starke Krämpfe hat, zu merken wie gebrochen dieser Mensch ist.
Beigetragen haben dann auch so einige Dinge wie die Arbeitszeiten die ab September jedoch geändert werden müssen (3 Zivis im Wechsel), das man niemanden zum Reden hat während der Arbeitszeit, der Umgang den er manchmal an den Tag legte, allerdings auch das Gefühl, was anderes machen zu wollen in der restliche Zeit (hab noch bis ende februar)
(Falls der Satzbau merkwürdig ist liegt das wohl am momentanen Promillespiegel :-blush )

@Janine
Genau dieselben Gedanken hab ich auch...wenn ich mir vorstelle das meine eigenen Eltern solche Pflegefälle werden...da wird mir wirklich anders.


Vorallem kann ich nun eher verstehen wenn Kinder ihre Eltern in ein Pflegeheim bringen...sein ganzes Leben auf die Pflege einer Person auszulegen ist ein zu hoher Preis für beide finde ich, wobei das natürlich jeder selbst entscheiden soll.
Ich finde die Problematik nach der Frage vom lebenswerten Leben wird von Festus ganz gut getroffen...ABER
Das heißt nicht das man sich falls es mal drauf ankommt von dieser Verantwortung drücken darf, auch wenn es hier vielleicht kein richtig oder falsch gibt, so muss es doch Menschen geben die trotzdem diese Bürde auf sich nehmen und entscheiden...das soll jetzt keine Diskussion zum Thema Sterbehilfe werden, jedoch kann niemand leugnen das dies "unter der Hand" nicht vorkommt.
Diese hin und her diskutiererei dauert Jahre/Jahrzehnte, man überlege seit wievielen Jahren in Deutschland über den therapeutischen Gebrauch von Cannabis debatiert wird...somit wird jemand gezwungen sich illegal etwas zu besorgen zur Schmerzlinderung das mitunter einen niedrigeren Reinheitsgrad hat.

Lava
10.08.2002, 18:21
@Festus:
Zwar hat die Tochter die Vormundschaft, aber ich denke, dass die alte Frau durchaus nicht verwirrt oder so ist. Sie spricht zwar wenig, aber sie weiß doch, was mit ihrem Körper geschieht und keiner weiß besser, wie es ihr wirklich geht. Es fragt sie nur einfach niemand, ob sie noch weiter leben möchte. Aber mal abgesehen von den Infusionen (und einem Herzschrittmacher) ist sie ja auch nicht abhängig von irgendwelchen Geräten, die man abschlaten könnte. Wie auch immer...

@ClooneyGeorge & noodles:
Die Fälle, die ihr schildert sind ja noch viel krasser als das, was ich erlebe. Ob ich das aushalten würde?
Ich sehe nur jeden Tag die Folgen des Älterwerdens und frage mich, wie das Leben so ist, wenn man immer hilfloser wird.
Das mag eine philosophische Frage sein, aber ich halte sie für wichtig. Immerhin wird man als Arzt wohl kaum hauptsächlich mit Leuten zu tun haben, die sich beim Joggen den Knöchel verstauchen. Darf man als Arzt überhaupt darüber nachdenken, ob eine Behandlung sinnvoll ist? Da hat Festus wohl recht. Das entscheidet der Patient und wir tun, was in unserer Macht steht (auch in der Palliativmedzin).

Ich sehe schon: Ferien sind nicht gut. Man macht sich zu viele Gedanken. Wird Zeit, dass ich wieder die professionelle Sicht eingetrichtert bekomme.

michiwolfskin
24.08.2002, 14:09
@ clooneygeorge

Deine Pflege des MS-Patienten ist wahrscheinlich so ziemlich die schwierigste Aufgabe, die einem als Zivi aufgetragen werden kann.

Und ich finde, dass du jede Menge Respekt verdient hast, das überhaupt so lange durchgehalten zu haben (bzw. es immer noch tust)!!!

Ich denke, das Problem bei einer so intensiven häuslichen Pflege ist, dass man ein sehr enges, emotionales Verhältnis zu seinem Patienten aufbaut und mit ihm mitleidet. Nach und nach "frisst" einen das auf und man ist irgendwann mit den Nerven am Ende und total ausgelaugt, so wie das bei dir der Fall war.

Bei der Pflege in Krankenhaus, Altenheimen u.ä. ist das ein wenig anders: sicherlich muss man sich in die Patienten und dessen Situation hineinversetzen, aber es fällt leichter, eine gewisse Distanz zu wahren (was glaube ich unbedingt nötig ist, um einen Beruf in diesem Bereich ausüben zu können). Außerdem gibt es da ja immer noch die Kollegen, mit denen man über solche Probleme ja auch sprechen kann und so seinen "emotionalen Balast" wieder abwerfen kann.

Ich finde, du solltest dich durch deine Erfahrungen nicht vom Medizinstudium abschrecken lassen. Du bist durch deine Aufgabe als Zivi mit Sicherheit dafür schon ein wenig abgehärtet worden.

Viele Grüße,

Michi