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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Anästhesie-Famulatur Husum 2006



THawk
25.09.2006, 21:11
1. Allgemeine Daten zur Klinik
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- Stadt
Husum (Kreisstadt des Nordfriesland-Kreises)

- Klinik
Klinikum Husum, ein Haus der Regelversorgung mit 260 Betten. Als Fachdisziplinen vertreten sind neben Anästhesie die Chirurgie (neuerdings ist das Krankenhaus "Gefäßzentrum" mit 2 Gefäßchirurgen und interventioneller Radiologie), Innere, Gyn, Radio, Dialyse, Belegabteilungen von Uro, HNO und Augen. 4 Krankenhäuser Nordfrieslands sind zum "Klinikum Nordfriesland" zusammengeschlossen.

- Abteilung
Anästhesie. Betreut werden bis zu 4 OP-Säle, eine Intensiv-Station mit 10 Betten und das NEF.

- Chefarzt
Dr.es Seifert, Teres und Underwood. Einer der Chefärzte ist wechselweise für die Anästhesie in Tönning zuständig.

- Ansprechpartner
Die Chefärzte.

- Postalische Adresse der Klinik
Erichsenweg 16
25813 Husum

- Internetadresse der Klinik
www.klinikum-nf.de

2. Betreuung und Arbeitsklima
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- Von wem wurdest du betreut?
Ich konnte mir selber aussuchen mit welchem Arzt ich den Tag über zusammenarbeite. Alle - vom Assistenzarzt über die verschiedenen Fach- und Oberärzte bis zu den Chefärzten - erklären gerne und viel.

- Wie schätzt du die Betreuung ein?
Die Betreuung war m.E. sehr gut. Meine Fragen wurden immer beantwortet, teilweise sehr differenziert. Die Chefärzte nehmen sich während den OPs auch gerne mal selber ein aktuelles Themen und stellen Fragen dazu, bzw. erklären.

- Gibt es Famulanten, PJler oder AiPler auf Station im Haus?
PJler gibt es in dem kleinen Krankenhaus keine. Während meiner Famulatur waren wir zwischendurch 2 Famulanten. Probleme gabs keine, wir haben uns auf OP und Intensiv aufgeteilt und somit genügend Freiräume.

- Wie war der Umgang im Team?
Die momentan hohe Arbeitsbelastung machte sich teilweise bemerkbar. Trotzdem waren mir gegenüber alle sehr hilfsbereit und im OP wie auch auf Intensiv zeigten mir die Schwestern viel - wir haben gut zusammengearbeitet.

3. Praktische Tätigkeiten / Aufgaben / Tagesablauf
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- Welche Vorkenntnisse hattest du?
Ich konnte von meiner Famulatur in der Inneren untersuchen, Blut abnehmen und hab auch 2-3 Mal Viggos gelegt (allerdings mit recht schlechter Erfolgsquote :-blush). Anästhesie / Intensivmedizin kamen im Studium noch nicht vor. Notfallmedizin ist etwas ein "Hobby" von mir und kam auch schon im Studium dran.

- Dein Aufgabengebiet
Wenn ich im OP war:
- Patienten mit ein-/ausschleusen
- ggf. Zugänge legen (hier wurde meine Trefferquote auch mit den großen Nadeln wesentlich besser :-) )
- Überwachung anschließen, Narkosegerät vorbereiten
- Einleitung, d.h. Maskenbeatmung und Intubation / LaMa einführen ab dem ersten Tag.
- Magensonde legen
- zwischendurch mal Blasen-DK legen
- wenn ich wollte Protokoll schreiben
- unter Aufsicht auch mal die Narkose selber führen
- was intraoperativ halt noch so anfällt, also Infusionen wechseln, Medikamente geben etc.
- Absaugen, Extubation

Auf der Intensiv-Station:
- täglichen Status erheben, dabei auch 1x Hirnstammdiagnostik mitgemacht
- Assistenz bei zentralen Zugängen, einen durfte ich auch selber ausprobieren
- periph. Zugänge legen, Magensonde legen usw.
- Die Anordnungs-Kurven mit dem ITS-Arzt zusammen schreiben
- je nach ITS-Arzt auch mal arterielle Punktion oder z.B. Pleura-Drainage entfernen.
Außerdem konnte ich während der Intensiv-Tage mit auf dem NEF fahren (zwischen 0 und 5 Einsätze in der normalen Arbeitszeit, meist 1-2) oder in der Ambulanz mitarbeiten.

- Arbeitszeiten
Die Intensiv-Übergabe ist um 7 Uhr, zu den OPs findet man sich gegen 7.45 im OP-Trakt ein. Intensiv endet ca. um 15.15-15.30, OP gegen 16.00. Mal früher zu gehen ist aber kein Problem.

- Beschreibe kurz deinen Tagesablauf
Morgens erst Intensiv-Übergabe (ist nur interessant wenn man schon mal auf der Intensiv ein paar Tage gearbeitet hat, man muss auch nicht dazu erscheinen). Dann entweder in den OP oder weiter auf Intensiv: Dort dann Untersuchungen, die Kurven überarbeiten, Neuaufnahmen aus dem OP / Notaufnahme bearbeiten. Zwischendurch dann die NEF-Einsätze.

4: Drumherum
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- Verpflegung
Famulanten bekommen leider kein Essen gestellt, Mittagessen kostet für Mitarbeiter 3,50, schmeckt für Krankenhausessen aber sehr gut!

- Möglichkeit der Unterkunft für Auswärtige/Verkehrsanbindung
Es besteht prinzipiell die Möglichkeit im Schwesternwohnheim der Klinik zu wohnen. Das war in diesem Sommer ganz ausgebucht. Ich hab dann über die Tourist-Info eine kleine Ferienwohnung in einem Nachbardorf gefunden.
Ansonsten hat Husum einen Bahnhof und natürlich auch Busverkehr. Es ist allerdings schon plattes Land mit wenig Besiedlung - wenn man also was von der Umgebung sehen möchte (und das lohnt sich!) braucht man schon ein Auto.

- Arbeitskleidung
Wird gestellt. Für die NEF-Dienste wird Schutzkleidung verlangt. Jacke und Schuhe konnte ich mir von einem der Notärzte ausleihen.

5: Resumee / Fazit
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- Was hat dir sehr gut gefallen?
Generell sehr gute Betreuung. Man kann sich je nach OP-Programm und Anästhesisten-Zuteilung den "Wunsch-OP" für den nächsten Tag aussuchen und so auch viele unterschiedliche Verfahren sehen. Regionale Anästhesie-Verfahren werden nur wenig genutzt. Dafür viele TIVAs oder kombinierte Verfahren.
Ab dem ersten Tag durfte ich vieles selber machen (man lernt nur das was man selber durchführt!), eigentlich alles was ich so wollte ;-)

- Was hat Dir überhaupt nicht gefallen?
Wenig. Gerade auf der Intensiv-Station ist der Lerneffekt sehr abhängig vom Arzt, der in der Woche gerade Frühschicht hat. Da hatte ich in der ersten Woche sehr viel Glück, in der letzten weniger - aber das kann passieren und war auch nicht wirklich schlimm.

- Wenn Du Deinen "Zustand" (emotional und in Bezug auf fachliche Kenntnisse) vor dem ersten und nach dem letzten Tag vergleichst, wie würdest Du die Entwicklung während der Famulatur einschätzen?
Ich hab viel praktische Erfahrung sammeln können, aber auch einiges an theoretischem Background dazugewonnen. Ich hab auch so einiges gesehen was einen nachdenklich macht, trotzdem war es überwiegend eine sehr schöne Famulatur mit vielen netten Mitarbeitern!

- Dinge, die Dir sonst noch so spontan einfallen, sind z.B. [...]
Wenn man ein Auto zur Verfügung hat kann man an den Wochenenden sehr viel von Nordfriesland sehen - ich war in den 30 Tagen z.B. auf Nordstrand, Amrum, in Schleswig, Flensburg, Friedrichstadt, Sankt Peter-Ording, Tönning uvm. Und dass man dort super leckeren Fisch zu essen bekommt ist wohl klar, oder?
Die Famulatur da oben hat sich auf jeden Fall gelohnt, sowohl fachlich wie auch was den Freizeitwert der Region angeht!
Und ich hab mal wieder seehr viele nette Leute getroffen, sowohl im OP, auf ITS als auch im Rettungsdienst!


Soo, wenn ihr noch Fragen habt meldet euch, ansonsten war's das hier....

Ciao, Lars

Muriel
26.09.2006, 19:46
Hallo Lars,
erst mal schöner Bericht :-) Dass es Dir da gut gefallen hat, glaub ich sehr wohl. Ich habe in Husum (auf der Inneren 7a) vor 4 Jahren meine erste Famulatur gemacht, das war auch saugeil! Die Gegend ist eh der Hammer, ich fahre seit ich 2 bin fast jedes Jahr dort in den Urlaub, also nach Eiderstedt (Sieversfleth, Tetenbüll). Ich steige hier ins Auto und bin quasi schon entspannt :-)
So, Sehnsuch klar entfacht, hm spontan ne Woche Urlaub im November einlegen? *träum*