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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Chirurgie und Nadelstichverletzungen



Gersig
13.10.2006, 16:28
Hey hey,

da ich momentan in der Plastischen Chirurgie famuliere und somit oft im OP stehe, fällt mir immer mehr auf, wie wenig manche Operateure sich um den Eigenschutz beim Operieren kümmern. Es macht mir persönlich nichts aus, wenn im OP die Suppe läuft und mir am Kittel hängt oder auf die Schuhe tropft, aber wie kann es sein, dass sich Operateure bei Patienten mit unbekanntem Serumstatus stechen, einfach den Handschuh wechseln und das Thema auf sich beruhen lassen?

Wie ist eure Meinung dazu? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Giant0777
13.10.2006, 16:35
Allzu viele Erfahrungen kann ich dazu nicht beitragen. Nur soviel, ich habe die Chirurgen bei uns im Kh als sehr genau und korrekt empfunden, wenn es um Hygiene und Sterilität geht. In Bezug auf den Patienten und in ihrem eigenen Sinne.

Und genau so finde ich es auch richtig !

Denn es entsteht ja nicht nur ein Risiko für den Operateur, sondern auch in 2.Konsequenz für sein Umfeld!

Grüsse,Giant

Doctöse
13.10.2006, 16:40
Habe da ähnliche Erfahrungen gemacht. Nach einem Nadelstich wurd halt einfach der Handschuh gewechselt. Allerdings haben sich betreffende Docs nach den OPs nochmal die Patientenakten zu Gemüte geführt. Und dann halt sich Blut abzapfen lassen, falls was ungewiss war. In der Gyn wurden vor den OPs bei den Patientinnen HIV-Tests gemacht, sofern diese damit einverstanden waren. Naja, generell muß ich aber sagen, daß ich es auch sehr oft erlebt habe, daß mit Verletzungen eher lasch umgegangen wird. Kenne auch kaum einen Arzt, der mit Handschuhen Blut abnimmt bzw. Viggos legt.

Gersig
13.10.2006, 16:51
Ich finde auch, dass eine vorherige Serologie beim Patienten für alle Klarheit schafft, auch wenn es aus Kostengründen nicht wirklich praktikabel ist. Mittlerweile habe ich schon öfters in unterschiedlichen Häusern gesehen, dass das Thema "Nadelstichverletzung" relativ lax gehandhabt wird. Dass wir ein höheres Risiko haben, uns was zu fangen, steht ja ausser Frage. Aber vor dem Hintergrund verstehe ich nicht, wieso man nicht alle Register zieht, damit nichts passiert. Z.B. ein Augenschutz beim HCV-Patient, den nicht jeder Chirurg aufsetzt

PhineasGage
13.10.2006, 16:54
Ich würde ja ehrlich gesagt, bei fast jeder OP nen Augenschutz tragen - zumindest meine Sehbrille als Schutz...
Es ist doch einfach nur fies, wenn man ne Fontäne Blut oder Eiter in die Fresse bekommt, :-kotz :-keks

Doctöse
13.10.2006, 16:54
Zu den Schutzbrillen fällt mir auch noch was ein. Die wurden mir damals in der Chirurgie regelrecht aufgeschnürt, während Cheffe locker OHNE Brille nen HCV-positiven operierte. Naja, Chefs sind ja immer steril und anscheinend auch noch unverwundbar :-(

Miss
13.10.2006, 17:51
Ich finde auch, dass eine vorherige Serologie beim Patienten für alle Klarheit schafft, auch wenn es aus Kostengründen nicht wirklich praktikabel ist.
Alllerdings bringt einen das auch nicht immer weiter, manche Erreger sind evtl. noch nicht/nicht mehr etc. nachweisbar, auf andere wird gar nicht getestet.
Da ich die letzten Wochen mein PJ auf ner Station gemacht habe, wo die Mehrzahl der Patienten irgendwie infektiös war, habe ich mir einfach angewöhnt, alle Patienten als potentiell infektiös anzusehen und deswegen immer für ausreichend Schutz zu sorgen.
Eine Famulantin bei uns hat immer bei jeder BE bei jedem Patienten nachgeguckt, was er alles hat, ob HCV, HBV, HIV o.ä. Das war m. E. aber nicht ganz so hilfreich, weil sie sich dann noch mal extranervös gemacht hat, und das war eher kontraproduktiv.

also für mich: Handschuhe, Schutzbrille :-dafür

sunrise10086
13.10.2006, 23:04
Ich hab mal ordentlich Aufstand gemacht als keine Brillen mehr da waren. Da mir die Schwestern nicht wirklich Gehör schenkten, ist dann der OA, nachdem mir der freundliche Mann von der Anästhesie das vierte Mal das Geschmadder aus dem Gesicht gewischt hatte, richtig ausgerastet warum man keine Brillen für die Assis stellen würde. Fand ich ok, dort haben fast alle mit Brillen operiert (UChi).

Das "Handschuh aus, Finger in Braunol, neuer Handschuh und weiter" kenne ich auch.
Ein Mitfamulant wurde mal von nem OA mit dem Skalpell gepiekt, den haben wir danach in die Rettungsstelle runtergeschleift. Das war dann aber auch kein Problem.

0815doc
13.10.2006, 23:48
in meiner letzten Famulatur wurde bei jedem Patienten prä-op eine Serologie abgenommen...
(ortho)

Feuerblick
14.10.2006, 09:34
Ich kann Gersigs Beobachtungen nur bestätigen. Wahrscheinlich wird man irgendwann so nachlässig, wenn hundertmal nichts passiert ist... Keine Ahnung. Allerdings war es bei uns so, dass ein Assi oder PJ, der sich gepiekt hatte (oder der vom Chef mal wieder die Nadel in den Finger gerammt bekommen hatte, was bei diesem Chef nicht so selten war) aufgefordert wurde, sich auf jeden Fall in die Ambulanz zu begeben, sich Blut abzapfen (Blut vom Pat. durfte man dann selbst abzapfen...:-D ) und ggf. eine Tetanus-Auffrischung verpassen zu lassen.