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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Progenie



thinker
15.10.2006, 19:37
Hi.
Ich hoffe ich bin hier richtig..

Nehmen wir einen 19jährigen Patienten, der Progenie hat. Der Unterkiefer steht zirka 1cm weiter vorne und auch ein Stück seitlich verschoben.
Er wird dann wohl operiert....

Kann mir jemand sagen wie "gefährlich" solch eine OP ist ? Worauf gilt es zu achten ?
Wie lange brauch der Kiefer zum ausheilen ? Wie sehr muss man aufpassen nach der OP ? Was haben solche Operateure studiert (Zahn- oder Humanmed. ?)?

Ist vielleicht nicht exakt das richtige hier in dem Bereich, aber Offtopic ist es ja auch nicht unbedingt und es interessiert mich irgendwie...^^


Gruss

sama-doc
15.10.2006, 20:09
also der netter herr doktor, der damals an mir rumgeschnippelt hat, hatte beides studiert; der nannte sich dann dr.med.dr.med.dent.

ich bin fast auf die knie gefallen bei dem anblick von dem praxisschild :-P

trina1081
15.10.2006, 20:12
Der Operateur wird in aller Regel Mund-Kiefer-Gesichtschirurg sein und hat somit Human- und Zahnmedizin studiert.

thinker
15.10.2006, 20:20
also der netter herr doktor, der damals an mir rumgeschnippelt hat, hatte beides studiert; der nannte sich dann dr.med.dr.med.dent.

Wurdest du auch wegen Progenie operiert ? Erzähl mal was....wie war die OP? Die Schmerzen ? Inwiefern warst du beeinträchtig u.s.w. u.s.f. `?^^

Danke euch.

Gruss

Hoppla-Daisy
15.10.2006, 20:33
Ok, ohne jetzt schocken wollen, aber die OP ist schon heftig *find*. Auf die genauen Details gehe ich jetzt mal nicht ein, sondern berichte, was ich auf der Station zuhauf gesehen habe. Ist keine schöne OP (welche ist das schon), aber wie gesagt, das Outcome ist umso schöner. Habe bisher nur glückliche Patienten gesehen. Dafür haben diese auch viel auf sich genommen (auch schon im Vorfeld).

Vor der OP wird i. d. R. eine kieferorthopädische Behandlung vorgeschoben, die schon mal alles schön richtet. Danach erst wird in Absprache mit einer MKG-Klinik die OP geplant. Da der Kiefer (mal nur OK, mal nur UK, und mal eben beide = bignathe Kieferumstellung) an bestimmten Stellen "gebrochen" wird und dann mit Platten in der neuen Position verschraubt wird, werden der Ober- und Unterkiefer nach der OP miteinander fixiert. Und zwar zunächst mit Kunststoffschienen, die mittels Drähten in den ersten Tagen miteinander verbunden werden. Für den Notfall muss der Patient eine Drahtschere mit sich führen, um ggf. den Mund wieder schnell öffnen zu können (bei Übelkeit wär es doof, wenn man das Erbrochene mangels "Auslass" aspirieren würde). Zu essen gibt es nur Flüssiges. Nach ein paar Tagen (und ein paar Kilos weniger) und täglicher penibler Wundpflege wird dann der Draht durch kleine Gummis ersetzt, die zwischen den Mahlzeiten die Mundöffnung (und damit zuviel Bewegung) stark begrenzen. Zu essen gibt es dann schon pürierte Kost.

Nach 10 Tagen ist man i. d. R. "entlassbar" und kann seinen Kiefer das erste Mal so richtig bewundern. Nach ca. einem Jahr werden dann die Platten wieder operativ entfernt und dann ist man endlich metallfrei.

Was die Schmerzen angeht, so musste bei uns niemand leiden. Wir haben alle brav Gebrauch von den segensreichen Erzeugnissen der pharmazeutischen Industrie gemacht. Und die Patienten dankten es.

Achja, es sei noch erwähnt, dass es sich NICHT um eine (rein) ästethische Korrektur handelt. Die Kiefergelenke freuen sich sehr darüber, sprich dem vorzeitigen Verschleiß durch die Fehlstellung wird entgegen gewirkt.

thinker
15.10.2006, 21:31
Ui, ui. Da hast du ja schön viel geschrieben, Daisy. Danke !!!!
Ja, vieles davon hat mir meine Chirurgin auch schon erzählt, aber es ist ja auch immer gut und interessant sowas zu lesen wie es bei anderen bzw. woanders ist und läuft.
Ich habe gehört, diese Platten (wohl Kupfer) könnte man auch einfach drin lassen ? Wurde mir von einem anderen Arzt mal gesagt. Stimmt das? Wie ist denn diese Entfernungs-OP ? Weil "sinnlos" möchte ich mich ja nicht unbedingt unters Messer legen.
Bei mir ist es auch so, dass es einen Sprachfehler beheben soll. Mal sehen wie es wird....dauert noch 2 Monate bis zur OP. Ich fürchte mich schon ein bisschen vor dem danach - vor der Veränderung.


Gruss

Hoppla-Daisy
15.10.2006, 21:33
Ganz ehrlich? Die ME (= Metallentfernung) ist Pipikram ;-), ist ratzfatz vorbei. Außerdem hat man dann diese leidige, lange Kapitel endgültig abgeschlossen.

Und nach der ME ist man nach ein paar wenigen Tagen wieder "draußen".

thinker
15.10.2006, 21:41
Dankeee ! Gefällt mir so viele Infos darüber zu haben! :)


Wie ist es eigentlich (cih trau mich mal hier zu fragen :-oopss ) : Ist es dreist oder so zu fragen ob man die eigene OP irgendwie dokumentieren (lassen) kann ?

Nicht, dass ich irgendwie geil darauf wäre mich blutüberströmt ( :-oopss ) zu sehen, aber irgendwie wäre es schon interessant das irgendwann mal anzugucken.

Geht sowas?

Gruss

Hoppla-Daisy
15.10.2006, 21:45
Glaub mir, in dem Operationsfeld ist neben Händen und div. Gerätschaften nur noch wenig Platz für andere Dinge ;-).

Und manche Dinge will ich persönlich (also wenn es um mich geht) gar nicht sehen :-oopss

EDIT: Ach ja, hab ich schon mal erwähnt, dass ich da gerne ne Famu machen würde? Nicht? Na, dann halt jetzt ;-)

Evil
15.10.2006, 22:24
Dankeee ! Gefällt mir so viele Infos darüber zu haben! :)


Wie ist es eigentlich (cih trau mich mal hier zu fragen :-oopss ) : Ist es dreist oder so zu fragen ob man die eigene OP irgendwie dokumentieren (lassen) kann ?

Nicht, dass ich irgendwie geil darauf wäre mich blutüberströmt ( :-oopss ) zu sehen, aber irgendwie wäre es schon interessant das irgendwann mal anzugucken.

Geht sowas?

Gruss
Wenn Du vorher fragst und der Operateur nett ist, macht er/sie das bestimmt für Dich. Aber sei nicht enttäuscht, wenn Du nur einen dicken Schlauch (=Beatmungstubus), jede Menge Tupfer, chirurgische Gerätschaften, etwas Blut und die OP-Tücher siehst.

Und die Metallplatten kannste idR auch mitnehmen. (für den Kaminsims ;-))

thinker
16.10.2006, 07:16
Yeeessss! Danke euch beiden für diese Informationen. Haben mir echt viel erklärt! :)


Gruss

maradona69
16.10.2006, 09:49
hinzuzufügen wäre noch:
-die kieferorthopädische vor- und nachbehandlung (panzerkette ^^) kann sich über bis zu 2 jahre ziehen
-das osteosynthesematerial ist selbstverständlich aus allerfeinstem titan, und nicht aus schnödem kupfer
-die metallentfernung, sodenn gewünscht, ist wirklich pipifax, kann in ein vielen fällen sogar in Lokalanästhesie gemacht werden (im unterkiefer allerdings eher nicht), auf jeden fall aber ambulant
-kosten werden in der regel von der krankenkasse übernommen, sofern eine sagittale stufe von >5mm besteht (zwischen ober- und unterkieferzähnen)

holtman
16.10.2006, 10:01
weitere infos gibt's bei progenica.net - Deutschlands größte Informationsplattform zum Thema Kieferfehlstellungen und deren operative Behandlung (http://www.progenica.net)

im forum sind mittlerweile über 800 user registriert...

thinker
16.10.2006, 17:12
-kosten werden in der regel von der krankenkasse übernommen, sofern eine sagittale stufe von >5mm besteht (zwischen ober- und unterkieferzähnen)
Lustigerweise muss ich trotzdem noch über einen Tausender drauflegen, weil mein Kieferorthopäde ja sagt er würde hier und da ja noch so super was machen und eine Simulation hier machen und da was tolles.... :-D Ich vertraue ihm. Lieber etwas mehr und dafür ordentlich....


@holtman: Danke für das Forum. Habe gerade schon mal kurz gestöbert. Dort wird auch mein Chirurg, zu dem ich zuerst sollte, aber wegen der tierisch weiten Entfernung eine "Sonder-Chirurgin" (sie kommt extra für mich ^^) bekomme, "angeprangert". Puh...Glück gehabt... :-)

Gruss & Danke

maradona69
17.10.2006, 10:47
nochmal zur erklärung:
nur die kosten für die OP werden von der kk übernommen! (bei entsprechender indikation)
die kosten für die KFO-behandlung werden nur bei patienten unter 18 jahren von der kk erstattet, erwachsene müssen diese selbst aufbringen!

holtman
17.10.2006, 10:50
die kosten für die KFO-behandlung werden nur bei patienten unter 18 jahren von der kk erstattet, erwachsene müssen diese selbst aufbringen!
das ist so nicht richtig. es gibt auch durchaus kieferorthopädische indikationsklassen, bei denen die kasse die kfo-behandlung im erwachsenenalter übernimmt.

Moorhühnchen
19.10.2006, 23:14
das ist so nicht richtig. es gibt auch durchaus kieferorthopädische indikationsklassen, bei denen die kasse die kfo-behandlung im erwachsenenalter übernimmt.


Stimmt! Bei mir hat die KK nach einem Gutachten einen großen Teil der KFO-Behandlung übernommen, obwohl ich auch Ü18 war und es sich um eine Zweitbehandlung handelte.
Teil ihrer Bedingungen war allerdings, daß ich die OP machen lassen müßte (bei mir isses 'ne Retrognathie, also laienhaft gesagt, das Gegenteil von Deinem Problem - UK zu weit hinten)...

Der Kieferorthopäde hat allerdings so gute Arbeit geleistet, daß selbst der MKG-Chirurg gesagt hat, es wäre Schwachsinn das jetzt noch zu operieren.
Letztendlich hat die KK in diesem Falle ja auch Kosten eingespart!

Und sooo dringend hat's mich jetzt nicht gestört, daß der UK zu weit hinten steht - das eigentliche Kiefergelenksproblem hat sich mittlerweile auch erledigt (hoffe ich)... hätte allerdings gerne mal das OP-Ergebnis gesehen.
Gerade OP's im Gesicht können ein Erscheinungsbild eines Menschen ja sehr stark verändern - denke da nur an eine Freundin, die sich die Nasenscheidwand richten ließ und danach gaaaanz anders aussah!! :-wow