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Pünktchen
29.10.2006, 14:11
Moin :-)


eine Frage an alle Anästhesisten...wie schwierig ist es gleich in die Kinderanästhesie einzusteigen ohne Anästhesievorkenntnisse (im Rahmen der Weiterbildung zum Kinderarzt)???

Gruss
pünktchen

TomB
29.10.2006, 16:43
Sehr schwierig!! Weil du einfache Techniken wie Intubation und Zugang legen beherrschen musst. Du hast bei den Kindern keine Zeit, die Intubation zu lernen, wenn du sie nicht schon perfekt beherrschst, rauschen sie dir mit der Sättigung ab (Stichwort kleine FRC) und Zugänge sind beim Kind auch ungleich schwerer als beim erwachsenen (aber da sag ich dir ja nichts neues). Ein verantwortungsvoller Anästheist lässt einen Anästhesie-Anfänger an ein Kind ran!!! In unserer Klinik darfst du Kinder erst nach mehreren Jahren Anästhesie-Erfahrung betreuen.

Pünktchen
29.10.2006, 16:50
Periphere Zugänge legen ist ja nicht das Problem...wollte nur bevor ich auf NeoIntensiv gehe, doch gerne mehr Kinder intubiert haben, als gleich bei Neugeborenen das machen zu müssen, dann meist im Extremfall, weil sie keinen Bock zum Atmen haben.

Kinderanästhesie ist noch "berechenbar" (elektive/dringende Operationen) im Gegensatz zu den Notfällen in denen man dann irgendwann mal intubieren muss.

Stefy
29.10.2006, 19:17
Ich weiß ja nicht, wie das bei euch im Klinikum auf der Neointensiv gehandhabt wird, aber ich kenne es nicht, daß ein "Anfänger" auf der Neointensiv gleich einen Notfall intubieren darf, schon gar nicht ohne Fachperson an seiner Seite... :-? Wie lange wirst du denn auf der Neointensiv bleiben?Hast du vor, in diese Richtung zu gehen? Ich denke,du wirst auch ohne Intubationen ne Menge zu tun haben und ich würde das Anfangs echt den Profis überlassen... :-meinung

LG Stefy

Pünktchen
29.10.2006, 20:01
Dadrum gehts doch gar nicht...in der Pädiatrie Weiterbildung ist eine 6-monatige IntensivZeit festgelegt. Im Grunde ist die verbunden mit der Neonatologie. Und das ich das den Profis überlassen möchte ist mir auch schon klar, ich will hier niemanden die Weiterbildungsspezifizierung streitig machen. Aber ich arbeite derzeit an einem Kreiskrankenhaus ohne Kinderintensiv und möchte nach meiner Facharztausbildung auch an einem solchen Krankenhaus weiterarbeiten.

Ich denke einfach, wer später mal solche Dinge selten tuen wird, sollte es als Anfänger häufig getan haben. Aber wenn es nicht geht, dann gehts eben nicht. Man soll halt nicht so hohe Ansprüche haben. War ja auch schliesslich nur ne Idee.


In jedem meiner Dienste seit einem halben Jahr bete ich, das jede Geburt gut geht! Das kein Gynäkologe etwas übersehen hat! Denn wenn es brennt, werde ich gerufen und kein Erwachsenen-Intensivmediziner und mein Hintergrund ist 20 Minuten weg! Die Kinderintensivmediziner sind 40 Minuten weg per Auto per Hubi vielleicht 15 Minuten. Ich hoffe einfach nie ne Rea machen zu müssen. Und ich hoffe einfach, dass ich nie ne Epiglottitis sehen werde!

Evil
29.10.2006, 22:17
wie schwierig ist es gleich in die Kinderanästhesie einzusteigen ohne Anästhesievorkenntnisse (im Rahmen der Weiterbildung zum Kinderarzt)???Mmhh, wie schon gesagt wurde, ist Kinderanästhesie eine ziemlich heikle Angelegenheit. Obwohl ich schon selbstständig unbeaufsichtigt Kindernarkosen durchführe (allerdings fast nur Larynxmasken), so muß man doch schon Ahnung von Narkoseführung haben, damit die Kleinen eine halbwegs angenehme Narkose bekommen, und es nicht zu unliebsamen Zwischenfällen wie Laryngospasmen bei Extubation kommt.

Möchtest Du wirklich selber Narkosen durchführen? Oder geht es Dir nur darum, mal Kinder zu intubieren?
Das sollte eigentlich kein Problem sein, wenn Ihr ein kleines KH seid, werdet Ihr nicht sehr häufig Kindernarkosen haben. Frag am besten den leitenden OA oder den Chef der Anä, ob er Dich dann dazurufen kann.

Die Intubation von Kindern ist normalerweise wesentlich einfacher als bei Erwachsenen. Das große "Aber" ist bloß, daß Du sehr viel Schaden anrichten kannst, weil kindlicher Larynx und Trachea extrem empfindlich sind, was u.U. dazu führt, daß nach einem mißlungenen 1. Versuch alles zugeschwollen ist. Daher solltest Du das Handling lieber ein paar Mal bei Erwachsenen üben, damit der 1. Versuch sitzt.
Sobald Du das einigermaßen beherrschst, kannst Du Dich schon eine ganze Ecke sicherer fühlen :-)

Doc_Magoo
06.05.2007, 05:06
Auch wenn die Frage jetzt schon etwas älter und möglicherweise nicht mehr so ganz akut ist, wollte ich doch noch meinen Senf dazugeben...

Wenn es Dir nur darum geht, Sicherheit für die Intubation/Larynxeinstellung bei Neonaten geht (und nicht um die Frage, wie man eine Kindernarkose fährt), würde ich einen netten OA aus der Anästhesie bei Dir am Haus ansprechen, ob Du bei ihm in der Einleitung mal hospitieren darfst. Wenn Ihr eine HNO-Abteilung am Haus habt: da werden nicht selten in rascher Folge Eingriffe bei Kindern durchgeführt mit entsprechend häufiger Gelegenheit zur Intubation.

Selbst Erwachsenen-Intubationen sind lehrreich, was das allgemeine Handling Laryngoskop, Tubus, Zange angeht. Letztendlich glaube ich, hat es sogar Vorteile zunächst bei Patienten mit Zähnen das Intubieren zu lernen. So kommt man nicht so schnell in Versuchung, zu Hebeln (und das merkt man an der Zahnleiste der Neonaten halt nicht ganz so schnell).

Was die Erfahrung mit Intubationen bei Neonaten angeht, fürchte ich, wird das an einem Haus, das Kinder erst ab 32+0 SSW versorgt, ohnehin recht dünn aussehen - ab dem Reifealter werden ja nur noch die wenigsten Kinder beatmet (CPAP ist ein Segen für die Kleinen und ein Fluch für unsere Weiterbildung!). Klar, bei einer Mekoniumaspiration muss der Schnorchel natürlich auch bei einem reifen Kind rein - dann aber eben möglichst sofort, also kein guter Zeitpunkt für die erste Intubation.

Daher: versuche soviel wie möglich größere Patienten zu intubieren, damit zumindest das Handling am Anfang stimmt. Was das angeht sind Puppen natürlich auch nicht zu verachten - die Stimmlippen sind zwar viel zu leicht zu sehen, aber die Handgriffe lassen sich gut trainieren.

Auf jeden Fall wünsche ich viel Spaß auf der Neo-ITS - war früher meine Horror-Rotation und jetzt will ich nicht mehr weg.

Miss
18.03.2010, 19:47
Total alter Thread, aber vielleicht kann man ihn ja wiederbeleben, in eigener Sache.
:-)

Gibts hier jemanden, der Kinderanästhesie macht oder gemacht hat oder jemanden kennt, der nur Kinderanästhesie macht???

ehemalige Userin 24092013
18.03.2010, 19:53
Ab April für ca 4 Monate beim Jöhr. ;-)

Muriel
18.03.2010, 19:56
Von dem Herrn war ein mir näher bekannter Anästhesist auf einer Fortbildung äußerst angetan :-)

Miss
18.03.2010, 19:58
Wer auch immer der Dir bekannte Herr ist, Muri, ich weiß nicht wirklich, wer Jöhr ist? *g...eanschmeiß*
Und Kaddel, Du bist in der Fachweiterbildung?

Muriel
18.03.2010, 20:00
DER Kinderanästhesist aus Luzern ;-)

Miss
18.03.2010, 20:04
DER Kinderanästhesist aus Luzern ;-)
Ah, ok.

Ich meinte eigentlich mehr einen FA oder auch Assi, der nur Kinderanästhesie macht, muß es ja auch irgendwo geben -neben den Gurus.

Moorhühnchen
18.03.2010, 20:07
DER Kinderanästhesist aus Luzern ;-)Kann ich bestätigen, der hat bei uns vor ein paar Wochen ein Seminar gehalten, welches schon echt klasse war! :-)

mainzer
21.09.2015, 11:40
ich hänge mich - aus aktuellem Anlass - mal hier dran und belebe den Thread wieder:

- hat jemand eine Ahnung, was aus der ehemals von der Bundesärztekammer angestrebten ZB Kinderanästhesie geworden ist, bzw. werden soll? (tut sich da was?!?!)
- würde mich über etwas Input bzgl. Kliniken mit guter Kinderanästhesie freuen...bevorzugt entweder im Rhein-Main-Gebiet oder im Badischen...

GOMER
21.09.2015, 11:57
meines Erachtens das Problem: in Deutschland kann ja (angeblich) jeder OA alles: Herzen/TEE, Transplant, intensiv, Regional, Schmerz, Kinder - alles kein Problem; ich zweifle dieses Konzept an. Daher denke ich, wenn ich in Deutschland etwas gut lernen wollte, würde ich irgendwo hingehen wo ausschließlich DAS gemacht wird, in Deinem Fall also ein reines Kinderkrankenhaus, wovon es ja nicht so viele gibt.

mainzer
21.09.2015, 13:52
mir fallen spontan auch nicht soooo viele ein um ehrlich zu sein.... :-(
HH (St. Augustin, Essen, Köln(?)...

ich würde mir das betreffende Kh, bzw. die Abteilung halt mittels Hospitation genau ansehen um sicherzustellen, dass ich DEN Nutzen daraus ziehe, den ich haben will... schließlich soll der Weg ja mal in die Richtung eines wie oben beschriebenen Tausendsassa-OA gehen :-D

GOMER
21.09.2015, 17:34
Olgahospital in Stuttgart.

ChillenMitBazillen
21.09.2015, 19:33
Die Zusatzbezeichnung Kinderanästhesie ist fürs erste gestorben. Sie hätte in der geplanten Form dazu geführt, dass kein niedergelassener Anästhesist noch Zahnarztnarkosen hätte machen dürfen. Außerdem hätte sie dazu geführt, dass nur noch Supramaximalversorger und einige wenige andere Häuser Kinder hätten betäuben dürfen, und auch in diesen Häusern dann nur noch die Kinderanästhesisten.

Die Konzentration auf Kinderkrankenhäuser und auf Kinderanästhesisten als alleinige "Betäuber" ist auch nur beschränkt sinnvoll, da einige operative Eingriffe eben nur an Nicht-Kinderkliniken angeboten werden. Und wie soll ich bitte ein zweijähriges Kind für die blutige Schädelrekonstruktion versorgen können (gibts quasi nur an der Uni), wenn ich es für die Tonsillektomie nicht betreuen darf. Ich denke, man muss halt wissen, wo seine Grenzen sind, denke aber schon, dass als gut ausgebildeter Anästhesist prinzipiell möglich ist, die meisten Bereiche abdecken zu können.

THawk
21.09.2015, 20:40
Wie meinst du das mit den operativen Eingriffen, die nur an "Nicht-Kinderkliniken" angeboten werden? Gerade für die großen Eingriffe sollte eine vernünftige Kinder-Intensiv vorgehalten werden.

Ich kenne mich mit den Hintergründen nicht aus, aber nicht nur die Neonaten, sondern auch die großen Kinder-Eingriffe (Kraniosynostosen, Skoliose-Aufrichtungen, große viszerale Tumoreingriffe) gehören m.E. in die Hand von Kinder-Anästhesisten. Unsere Skoliosen wurden z.B. lange Zeit unter reiner Führung des orthopädischen Anästhesie-OA operiert. Dies waren die Kinder, die am häufigsten mit extrem schlechtem Blut- und Gerinnungsmangement auf die Päd-ITS geliefert wurden.