Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf andere hören?
Jeder kennt das: wenn man Medizin studiert oder studieren will, kriegt man ständig von allen Seiten gesagt, dass man doch besser was "Vernünftiges" machen soll. Bisher hab ich sowas immer mit "jaja" abgetan und nie was drauf gegeben. Das Studium hat mir immer Spaß gemacht und ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass es genau das Richtige für mich ist. In den letzten Jahren hat sich dann herauskristallisiert, dass mir Chirurgie am meisten Spaß macht und ich möchte eigentlich auch diese Richtung einschlagen. Natürlich gibt es immer noch viele Leute, die einem davon abraten. Von Medizin und Chirurgie als Frau sowieso. Leider habe ich das mittlerweile auch von den Menschen gehört, die ich am ehesten als Vorbilder betrachte und sehr bewundere: den zwei Oberärztinnen in unserer Neurochirurgie. Ich fand es immer klasse, wie sie sich als Frauen so durchsetzten konnten und jetzt richtig gut sind und sogar respektiert werden. Gerade von denen hatte ich nicht Worte wie "überleg dir das gut" oder "du willst doch hoffentlich nicht Neurochirurgie machen" erwartet. Wie gesagt: früher habe ich solche Ratschläge einfach nicht beachtet, aber jetzt macht mich das doch stutzig.
Aber wie sieht die Alternative aus? Ich kann mir einfach kein anderes Fach für mich vorstellen! Im Augenblick wäre es das tollste für mich, in die NCH zu gehen. Woher soll ich denn wissen, ob ich das später bereuen werde oder nicht? Ich habe noch nie eine Entscheidung danach getroffen, was in 10 oder 20 Jahren für mich gut sein könnte, sondern immer nur aus dem Bauch heraus nach meinem derzeitigen Gefühl. Oder ist es zu blauäugig, Ratschläge zu missachten von Leuten, die es wissen müssen? :-nix
Das Schöne an unserem Studium ist doch, dass uns alle Wege danach offen stehen. Und zwar nicht nur im direkten Anschluss, sondern auch nachdem wir schon etwas anderes gemacht haben (s. Funkel, die ja nach acht chirurgischen Monaten in ein kleines Fach wechseln konnte, in dem Ärztemangel hin oder her die Stellensituation nicht sehr rosig ist). Was oder wer hindert Dich also, erst mal Deinem Bauchgefühl, Deinen Wünschen zu folgen und entweder dort glücklich zu werden oder aber eben irgendwann zu erkennen, dass es das nicht war und Du Dich somit anders orientieren solltest?!
Daher denke ich: Wenn Du meinst, dass NCH das Richtige für Dich sei, dann bewirb Dich dort, parallel die Augen woanders offenzuhalten, kann ja dennoch nicht schaden
Feuerblick
12.11.2006, 17:39
Ganz meine Meinung und Erfahrung. Keiner kettet dich an das Fach, das du dir als erstes Fach aussuchst. Keiner kettet dich an die Klinik, an der du deine erste Stelle antrittst. Du bist frei, dir das zu suchen, was DU alleine willst und womit DU leben kannst. Die Mär, dass Chefs bei häufigeren Jobwechseln den Bewerber schon mal schief anschauen, hält sich zwar immer noch, hat sich aber zumindest nach meinen Beobachtungen nicht bestätigt. Im Gegenteil: Die meisten Chefs waren sogar sehr angetan von der Tatsache, dass man schon mehr gesehen hatte als nur eine Klinik und Fachrichtung. Also: Wenn Nch für dich das ist, was du machen möchtest, dann tu es. Und wenn du nach einiger Zeit das Gefühl hast, dass es das doch nicht wahr, dann such dir einfach was anderes. Es funktioniert, man muss sich nur trauen! (und mal ehrlich, du bist noch ein paar Jährchen jünger als ich, insofern zieht das "zu alt"-Argument doch schon mal nicht... ;-) )
Das stimmt schon. Aber merkt man früh genug, ob das Fach nicht doch das falsche ist? Gerade NCH, wo man erstmal ne halbe Ewigkeit darauf warten muss, bis man mal was machen darf im OP.
Nachtrag: Ich hab mich ja schon sehr früh für das eher ungewöhnliche Fach Augenheilkunde entschieden. Warum, konnte ich eigentlich nie so wirklich begründen, letztendlich war es auch ein Bauchgefühl. Es gab zwar ein paar stichhaltige Argumente, die aber alleine keine wirkliche "Rechtfertigung" waren. Jetzt bin ich seit einem knappen Jahr dabei und weiß nun definitiv, dass es das richtige Fach für mich ist. Es hat sich also bestimmt gelohnt, einfach mal zu machen :-)
Was sind denn genau Deine Zweifel?
- Interesse? "Will ich das mein Leben lang machen?"
- Können? "Bin ich gut genug?"
- motorische Zweifel "Bin ich tatsächlich ein Chirurg?"
- Arbeitsalltag "Gefällt mir nicht nur das theoretische Fach/der OP sondern auch der Großteil der "eigentlichen" Arbeit?" (Zur Erläuterung: Ich finde Neuro z.B. superspannend, die eigentliche Stationsarbeit etc aber total ätzend)
Kannst Du das eingrenzen?
Joa, kann ich. Natürlich frage ich mich, ob ich gut genug bin. Aber da bin ich komischerweise recht zuversichtlich. Ich denke auch, dass ich damit klar komme, Fehler zu machen, die schlimme Konsequenzen haben.
Ich habe eher Angst davor, dass Medizin zu meinem Lebensinhalt wird und ich später feststelle, dass mir das nicht reicht. Dass ich eigentlich doch gerne eine Familie hätte... :-?
Feuerblick
12.11.2006, 17:59
Das stimmt schon. Aber merkt man früh genug, ob das Fach nicht doch das falsche ist? Gerade NCH, wo man erstmal ne halbe Ewigkeit darauf warten muss, bis man mal was machen darf im OP.Was meinst du mit "früh genug"? Es gibt schlichtweg kein "zu spät", also wirst du es schon rechtzeitig bemerken... :-top
Ich habe eher Angst davor, dass Medizin zu meinem Lebensinhalt wird und ich später feststelle, dass mir das nicht reicht. Dass ich eigentlich doch gerne eine Familie hätte... :-?
In gewisser Weise ist Medizin doch schon jetzt Dein Lebensinhalt. Ob Du daran jetzt oder später etwas änderst, ist doch egal. Hauptsache, Du änderst etwas, wenn Du unzufrieden bist. Bist Du denn überhaupt jetzt unzufrieden?
Und noch etwas zu den Äußerungen Deiner "Vorbilder": ich denke, sie möchten Dir sagen, daß es sie einiges gekostet hat, ihre jetzige Position zu erreichen. Die Frage ist, ob Du ebenfalls bereit bist, dafür einen Preis zu zahlen.
Andererseits mußt Du in allen Fachrichtungen eine Menge investieren, wenn Du wirklich eine gewisse Position erreichen willst, von daher ist das eigentlich wurscht, was Du machst.
Giant0777
12.11.2006, 18:35
Joa, kann ich. Natürlich frage ich mich, ob ich gut genug bin. Aber da bin ich komischerweise recht zuversichtlich. Ich denke auch, dass ich damit klar komme, Fehler zu machen, die schlimme Konsequenzen haben.
Ich habe eher Angst davor, dass Medizin zu meinem Lebensinhalt wird und ich später feststelle, dass mir das nicht reicht. Dass ich eigentlich doch gerne eine Familie hätte... :-?
Also, aus eigener Erfahrung kann ich Dir nur sagen, dass es recht normal ist, das sich im Laufe des Lebens die eigenen Lebensinhalte/-interessen bewegen. Oder einfacher: was ich vor 10 jahren blöd fand, finde ich vllt. heute gut.
Ich habe vor 10 Jahren bei der Bundeswehr angefangen und BWL studiert. Habe damals auch nicht damit gerrechnet, dass ich jetzt nochmal mit Medizin anfange. Und unüberwindliche Hürden gab es eigentlich nicht, mit Medizin anzufangen, war zumindest alles durch ein wenig Planung zu machen.
Will sagen, den Plan fürs Leben gibt es nicht in Gänze ! Mach doch einfach jetzt das, was Dich ausfüllt. Wenn Du irgendwann mal merkst, dass es nötig ist, ein wenig oder mehr zu ändern, dann tust Du es DANN!
Du hast doch eine gute, fundierte Grundlage bisher geschaffen, um auch später zu bestehen. Was sollte später so viel schwerer sein, als heute ?
In diesem Sinne, Giant!
In gewisser Weise ist Medizin doch schon jetzt Dein Lebensinhalt. Ob Du daran jetzt oder später etwas änderst, ist doch egal. Hauptsache, Du änderst etwas, wenn Du unzufrieden bist. Bist Du denn überhaupt jetzt
Nö, ich bin nicht unzufrieden. Und ja, Medizin macht den größten Teil meines Lebensinhalts aus und bisher finde ich das in Ordnung so. Ihr habt ja schon alle recht und das war mir auch schon bewusst, dass man immer so handeln muss, wie man es für richtig hält. Ich hab's nur vorher noch nie wirklich in Frage gestellt.
Das wichtigste ist doch, daß du zufrieden bist. Und wenn die Medizin einen großen Teil in deinem Leben ausmacht, ist das doch nichts verwerfliches, es ist schließlich dein Leben. Wenn du irgendwann nicht mehr zufrieden mit der Einstellung bist, dann kannst du ja auch was ändern, gerade in der Medizin haben wir ja eine Menge Weichen. Klar, mit der Karriere wird es natürlich schwieriger, je weniger und später man seine Richtung festlegt. Trotzdem solltest du dich von dem Gedanken, dich frühzeitig auf etwas festzulegen nicht abschrecken lassen :-) Bei deiner Begeisterung für NCH ist es sicher keine schlechte Entscheidung, denn gerade die Begeisterung bringt einen doch nach vorn und baut einen auch wieder auf in Zeiten, wenn es mal nicht so gut läuft.
EDIT: Ob du jetzt auf andere hören sollst oder nicht......denk drüber nach, was sie gesagt haben, aber entscheide selbst :-)
Skalpella
12.11.2006, 19:35
Ich schließe mich den Vorrednern an: Deine Begeisterung für dieses Fach bekommt man ja sogar als surfendes Forenmitglied mit :-)
Da bist du bestimmt voll unglücklich, wenn du das nicht erst mal ausprobiert hast, obs dann wirklich was für dich ist. Stell dir vor, du machst dann Anästhesie und musst den Nchs immer dabei zuschauen und darfst nie selber. Oder du machst Neurologie und darftst dann nie mit in den Op, wenns doch ne Blutung war!
An dem Haus, wo ich arbeite haben wir eine Chefärztin in der Neurochirurgie mit zwei Kindern. Die haben da auch noch eine Oberärztin in Teilzeit. Und ich hatte schon immer den Eindruck, dass die den Facharzt relativ schnell auf die Reihe bekommen haben und auch was machen durften, von Anfang an. Weiß aber nicht, ob da mein Haus ne Ausnahme ist. Ich kriegs aber auch nur peripher als kleine Anästhesieschwester mit, also ohne Gewähr...
Was ich außerdem noch mitbekommen habe ist, dass gerade die, die besonders gut sind in ihrem Fach dann oft die Jungen davon abhalten wollen, das auch zu machen. Keine Ahnung, ob die Angst vor der Konkurrenz haben, oder was auch immer. Viel Zeit muss man in jedem medizinischen Fach aufbringen, das liegt in der Natur der Sache. Wenns einem dann wenigstens Spass macht, umso besser. Auf Familie sollte man eh nicht verzichten, da gibts immer Wege. Ich kenne sogar zwei Chirurgen, die im Elternjahr waren.
Dein Vorteil ist: Du weißt, was du machen willst! Geil!
Viel Spaß dann bei den Nchis
Diana
eins2drei
12.11.2006, 19:45
*freu* ich bin nicht allein! jetzt ist es aber an der zeit, dass ich dir mal einen ratschlag gebe. ich finde auch, dass du es ausprobieren solltest. du hast jahrelang nichts auf diese zweifler und "gutgemeinten" ratschläge gegeben, und bist deinen weg gegangen. das ist echt toll, find ich bewundernswert, und du weißt wieso... wieso sollte es jetzt anders sein? ich kenn mich zu wenig aus, und kenn vor allem nicht die beiden oberärztinnen und deren hintergrund, aber mach nicht den Fehler, dich aus Angst oder Zweifel gegen etwas zu entscheiden und es irgendwann zu bereuen. Ich bin auch grad noch dabei das alles rauszufinden...
Kannst mir ja mal wieder ne pn schicken wenn du magst! :-)
gruß
Hi,
haben denn die beiden OÄs denn genauer ausgeführt, warum sie dir davon abraten würden??
Hör auf deinen Bauch - der sagt dir schon, womit es dir am besten geht!
Alternativ würde ich mich halt nicht zu sehr auf ein Ziel ausschließlich einschiessen, falls es dann nicht klappt, wäre ich wohl dann zu enttäuscht - kann aber auch ein kleiner pessimistischer Zug meines Wesens sein ;-) !!
Du schreibst, du möchtest auch gerne Familie - danach würde ich aber zum jetztigen Zeitpunkt nicht meine berufliche Zielsetzung richten - wer weiß, ob sich der richtige Partner findet, mit dem man sich Nachwuchs vorstellen kann und ob das dann auch klappt!
Eine Stufe weiter unten (halt Studium ja oder nein :-music ):
Habe da auch vorab mal so Meinungen gesammelt, die meisten haben mir abgeraten vom Med-Studium (teils aus Altersgründen/Aufgabe des Jobs/Finanzierung etc) - jetzt sehen sie's irgendwie alle anders ;-) ...!!
Oft raten halt die Leute aufgrund der eigenen momentanen Situation, eigener vielleicht schiefgegangener Träume und Pläne etc.
Also mach :-top - ich beneide dich ;-) ein wenig um deine feste Zielsetzung - aber ich habe ja auch noch ein bisschen Zeit!
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