Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Warum ist ASS frei verkäuflich?
Und den Zufall gibt es ohnehin nicht mehr- aber ASS immer, oder wie ? :-peng Was ist denn dabei, wenn man einem Patienten vor einer elektiven OP sagt, er solle ein paar Tage vorher bei Schmerzen möglichst nicht zu ASS greifen.
Das war eine endoskopische TW-OP mit Zugang über die Tränenkanälchen, also eine ziemliche Fummelarbeit. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Operateur Wert darauf legt, dass der Patient dabei möglichst wenig blutet.
Wofür nur der leiseste Hauch von ASS herhalten muß, ist doch wohl in unseren Breiten mehr als lächerlich.
Und den Zufall gibt es ohnehin nicht mehr- aber ASS immer, oder wie ? :-pengNiemand hat damals behauptet, die Probleme mit der Blutstillung seien durch das ASS verursacht worden. Dem Gyn. mit 30jähriger OP-Erfahrung war es eben als sehr ungewöhnlich aufgefallen, und deshalb hat er es bei der Visite nach der OP erwähnt. Wir haben uns nicht lang damit aufgehalten. ASS war eben das einzige, was mir dazu eingefallen ist. Selbstverständlich kann es auch eine ganz andere Ursache gehabt haben.
Die Komplikationsrate durch Einnahme von Alkohol und Nikotin ist wesentlich größer, vielleicht sollte man das dann rezeptpflichtig machen :-))
Genau! Tabakwaren und alkoholische Getränke nur noch auf BtM-Rezept und nur nach eingehender Beratung durch den Arzt. :-dafür
die chondropathia
08.12.2006, 18:25
Also ASS ist für elektive OPs in den Häusern, in denen ich bislang chirurgisch tätig war, stets ein Grund, sie nicht durchzuführen. Für Notfall-OPs gelten selbstverständlich andere Gesetze.
Was die Menge und Dosierung betrifft, so ist wahrscheinlich die Kopfschmerztablette nicht weniger blutungsverursachend als die Herztablette, da bei Schmerzen locker die 10fache Dosis genommen wird.
Und es ist nicht wesentlich, was ich als Assistent von der Politik des Hauses halte: es gibt da auch noch Versionen mit Metformin, Diclofenac etc...
ASS ist an meiner Klinik einer der Hauptgründe für OP-Verschiebungen!
Und natürlich ist ASS ein gutes Medikament, jedoch nicht in den Händen jedes Menschen!
DC, der ASS als Schmerzmedikament nur für definierte, ärztlich gesicherte Diagnosen einsieht.
Und natürlich ist ASS ein gutes Medikament, jedoch nicht in den Händen jedes Menschen!
DC, der ASS als Schmerzmedikament nur für definierte, ärztlich gesicherte Diagnosen einsieht.
Man kann es auch übertreiben. Argumentiert man so, könnte man auch etliches an Lebensmitteln auch rezeptpflichtig machen. Dann müßte man zum Arzt laufen, um sich Rezepte für Zitrusfrüchte (Oxalat->Nierensteingefahr!!!), Bananen (Kalium->HRS!!!) usw. zu holen.
Na gut, Spaß beiseite. Man könnte ja mit der Argumentierung alle Medikamente, die es gibt, rezeptpflichtig machen. Aber selbst wenn man "nur" ASS rezeptpflichtig macht, der Aufwand (zeitlich und finanziell) würde den kaum meßbaren Nutzen nie rechtfertigen.
Außerdem vertrittst Du eine Stellung, die mir garnicht gefällt. Patienten sind nämlich nicht alle so blöd, wie sie durch sowas gemacht werden würden. Und selbst wenn sie so blöd wären, für blöd halten würden sie sich selbst dann höchst ungerne halten lassen. Klar gibt es eine Rationale, wieso das Groß der Medikamente rezeptpflichtig ist, aber wenn zuviel rezeptpflichtiges bedeutet (und wird auch oft von Patienten so wahrgenommen), daß man einfach den Patienten entmündigt und ihm bei gewissen Sachen die Entscheidungsfreiheit nimmt. Wenn das Medikament (mit seinen Wirkungen und Nebenwirkungen) und die Erkrankung das rechtfertigen, ist es OK. Aber gehören auch banale Kopf- oder Muskelschmerzen wirklich dazu? Überlege es dir gut. Und wie würde es dann aussehen, wenn Patienten selbst bei sowas keine Wahl hätten? Der Compliance und dem generellen Arztbild würde das in keinster Weise guttun. Und da wäre wieder auch die Sache mit der Verhältnismäßigkeit. Wie würdest Du es denn am besten einem Patienten erklären, wieso Schlafmittel (z.B. Diphenhydramin), die viel gefährlicher sind, rezeptfrei bleiben, während sowas banales wie ASS rezeptpflichtig sein muß?
Ganz davon abgesehen finde ich daß in Deutschland sowieso vielzuviele Medikamente rezeptpflichtig sind, wo es keine wirkliche Rationale dafür gibt. Wundert mich nur, ob es Studien gibt, wieviel das an Mehrkosten verursacht und ob es wirklich einen Nutzen davon gibt. In etlichen europäischen Ländern sind zum Beispiel Kortisonpräparate und gängige topische und/oder orale Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide) rezeptfrei, und daß das mit irgendwelchen meßbaren negativen Auswirkungen verbunden wäre, ist mir nicht bekannt.
KingLoui
08.12.2006, 20:13
orale Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide) rezeptfrei, und daß das mit irgendwelchen meßbaren negativen Auswirkungen verbunden wäre, ist mir nicht bekannt.
:-???
Weil wir dann ruckzuck noch mehr Resistenzen heranzüchten, weil sich jeder bei Schnupfen egal, ob viral oder bakteriell bedingt, die Dinger reinhauen würde! Ausserdem haben sie auch Nebenwirkungen.
SidVicious
08.12.2006, 20:14
Genau! Tabakwaren und alkoholische Getränke nur noch auf BtM-Rezept und nur nach eingehender Beratung durch den Arzt. :-dafür
Yup dann such ich mir eine gute PKV und verschreib mir meinen Alk und die Kippen selbst:-)
FataMorgana
08.12.2006, 20:36
Ganz davon abgesehen finde ich daß in Deutschland sowieso vielzuviele Medikamente rezeptpflichtig sind, wo es keine wirkliche Rationale dafür gibt. Wundert mich nur, ob es Studien gibt, wieviel das an Mehrkosten verursacht und ob es wirklich einen Nutzen davon gibt. In etlichen europäischen Ländern sind zum Beispiel Kortisonpräparate und gängige topische und/oder orale Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide) rezeptfrei, und daß das mit irgendwelchen meßbaren negativen Auswirkungen verbunden wäre, ist mir nicht bekannt.
Doch, z. B. findet man in Spanien bedeutend höhere Raten an Penicillin- und Makrolid-resistenden Pneumokokken.
:-???
Weil wir dann ruckzuck noch mehr Resistenzen heranzüchten, weil sich jeder bei Schnupfen egal, ob viral oder bakteriell bedingt, die Dinger reinhauen würde! Ausserdem haben sie auch Nebenwirkungen.
Hmm..zufälligerweise habe ich >10 Jahre lang in so einem Land gelebt und es ist mir in keinster Weise aufgefallen, daß man sich so wahllos Antibiotika reinpfeifen würde. Und "Ausserdem haben sie auch Nebenwirkungen." ist in der Hinsicht auch kein Argument. Gut, aber das wird hier offtopic. Nur soviel gesagt - zuviel Bananen gegessen hat auch Nebenwirkungen.
Kannst Dir irgendwelche stichhaltigen Argumente dagegen aussuchen, wenn Du magst, die bisher aufgeführten halten ungefähr soviel wie ein gerissener Sieb.
In den USA kann man im Supermarkt (!) Acetaminophen und Ibuprofen in der Dosierung 400 mg in Packungen zu 600 Stück kaufen. Für nur 6 Dollar. Ich bin fast umgefallen, als die Dosierung in Verbindung mit der Größe gelesen hab.
Was lernen wir daraus? In Amiland ist alles etwas anders.
Also das hab ich anders erlebt ... bei Acetaminophen hatten die sich total blöde ... ich mußte mich schriftlich verpflichten, das Medikament auf keinen Fall an andere weiterzugeben (nachdem ich am 2. Tag der Einnahme massive Magenprobs hatte, die aber, seit ich weiß, dass das "nur" Paracetamol war, eher auf Streß und Essen schiebe). ASS und Ibu gabs definitiv überall zu kaufen, aber Acetaminophen halten die für so nierentoxisch, dass man da schon fast drum betteln muß, um das verschrieben zu bekommen (aber offenbar Standardmedikament nach Unfällen, zumindest hatten wir das alle bekommen).
ASS nehm ich nicht mehr, seit mal ne Orthopädin ein Riesendrama machte, dass das ja so blutverdünnend wäre, als wir uns bei Regelbeschwerden ne ASS reinpfeiffen wollten :-blush
Inzwischen nehm ich persönlich eher Naproxen als Alternative.
die chondropathia
09.12.2006, 01:38
Außerdem vertrittst Du eine Stellung, die mir garnicht gefällt...Überlege es dir gut...Kannst Dir irgendwelche stichhaltigen Argumente dagegen aussuchen, wenn Du magst, die bisher aufgeführten halten ungefähr soviel wie ein gerissener Sieb.
Hört, hört! Hier pinkelt einer gern den dicksten Strahl...
Präpotente Klugscheisserei ist nicht gerade das geeignete Mittel zum Führen fachlich-sachlicher Diskussionen.
Um es klar zu sagen: ich halte medizinische Laien nicht für prinzipiell borniert. Eine gewisse Einfältigkeit im Umgang mit medizinischen Themen und defizitären Sachverstand definieren doch nur den Laien - und stellen keine Statusbeleidigung dar.
Oder willst du in Abrede stellen, dass Laien über ihre Medikamente oft nichts oder nicht genug wissen?!
Also das hab ich anders erlebt ... bei Acetaminophen hatten die sich total blöde ... ich mußte mich schriftlich verpflichten, das Medikament auf keinen Fall an andere weiterzugeben.
Interessant, vielleicht unterscheiden sie sich da ja auch von Staat zu Staat. Wir waren in Los Angeles im CostCo, und wir haben eine 600er Packung Acetaminophen und eine 600er Packung Ibuprofen gekauft und kein Mensch hat auch nur ansatzweise Anstalten gemacht, uns wegen irgendwas zu belehren oder sonst was.
Noch ein interessanter Punkt ist, dass es die ASS zwar auch in dieser Packungsgröße gab, aber in einer derart niedrigen Dosierung, dass man für eine vernünftige Medikation mindestens 8, maximal 16 (!) Pillen nehmen muss (steht sogar so auf der Packung).
Woher die Unterschiede kommen, würde mich wirklich interessieren.
KingLoui
09.12.2006, 10:50
Kannst Dir irgendwelche stichhaltigen Argumente dagegen aussuchen, wenn Du magst, die bisher aufgeführten halten ungefähr soviel wie ein gerissener Sieb.
Du hast dich zwar in deinen letzten Posts, meiner Meinung nach selbst schon disqualifiziert, aber ich antworte trotzdem nochmal auf deinen unangenehmen Tonfall.
Unverantwortlich verabreichte Antibiotika fördern Resistenzen!
Wie soll denn ein Laie unterscheiden, ob er eine bakterielle oder virale Infektion hat? In Deutschland werden selbst von Ärzten schon viel zu viele Antibiotika verschrieben, die sich anscheinend wenig darum zu scheren scheinen, ob etwa sinnvoll ist oder nicht. Ausserdem ist es überaus wichtig nicht unterzudosieren.
So wenn dir das nicht stichhaltig genug ist such' ich gerne noch ein paar Links raus.
littlewood
13.12.2006, 03:32
Interessant, vielleicht unterscheiden sie sich da ja auch von Staat zu Staat. Wir waren in Los Angeles im CostCo, und wir haben eine 600er Packung Acetaminophen und eine 600er Packung Ibuprofen gekauft und kein Mensch hat auch nur ansatzweise Anstalten gemacht, uns wegen irgendwas zu belehren oder sonst was.
Acetaminophen gibt es in allen Staaten OTC. Das wird nämlich von der FDA geregelt und einzelne Staaten haben da so gut wie keinen Einfluss mehr darauf.
Bei Produkten die Pseudoephedrin enthalten sieht es allerdings anders aus. Da das als Grundstoff für die Methamphetamin und MDMA synthese verwendet werden kann, gibt es mittlerweile in den meisten Staaten beschränkungen. Obwohl es immer noch Rezeptfrei ist, kann man je nach Staat nur eine Packung innerhalb von 24 stunden kaufen und muss entsprechende Verpflichtungen abgeben. Wird sich also wohl um eine Kombination aus Acetaminophen und Pseudoephedrin gehandelt haben.
Übrigens stand in den USA letztes Jahr auch die Aufhebung der Rezeptpflicht für Statine zur Diskussion. Das wurde dann aber doch aufgrund der möglichen Nebenwirkungen abgelehnt.
Noch ein interessanter Punkt ist, dass es die ASS zwar auch in dieser Packungsgröße gab, aber in einer derart niedrigen Dosierung, dass man für eine vernünftige Medikation mindestens 8, maximal 16 (!) Pillen nehmen muss (steht sogar so auf der Packung).
Woher die Unterschiede kommen, würde mich wirklich interessieren.
hm... also bei uns gibts das überall in normaler Dosierung.
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