Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : wieviel wisst ihr noch von alldem was man fürs physikum lernt?
@Scip: Stimmt, komplett kann man natürlich nicht aufs Auswendiglernen verzichten. Aber das habe ich ja keineswegs verlangt. Sowas wäre bei Fächern wie z.B. Anatomie ja eh nicht denkbar! Es geht meiner Meinung nach einfach um das Auswendiglernen von extrem unrelevanten Fakten die man mit "normalem" Vorklinikwissen oft nicht richtig zuordnen kann (die wurden ja nur extra für diese Notentrennschärfe herausgepickt, damit sie die Kandidaten, die in den dicksten Büchern auch das Kleingedruckte lernen von denen, die alles gut auf Verständnis gelernt haben gut differenzieren können). Effektiver wäre es, diese Superfitzelfragen mehr einzuschränken und dafür wichtige Themen umso weitgreifender abzufragen.
Giant0777
29.12.2006, 23:11
@ SynC:
Ich weiss gar nicht was ihr alle gegen "stupides" Auswendiglernen habt?
Ich finde es auch eine Leistung sich dinge gut merken zu können.
Auswendiglernen hat immer irgendwie einen negativen Touch. Ist man denn nur "schlau" wenn man Dinge wie "durch Zauberhand" hergeleitet hat?
Aber um überhaupt Assoziieren zu können muss man doch erstmal "Daten gesammelt" haben.
Detailwissen schließt doch nicht zwingend "Grundlagenwissen" aus.
Und wie ist man denn irgendwannmal zu jenem "Grundverständnis" gelangt??? -> Durch lernen/auswendiglernen/abspeichern von Daten anhand deren man dann möglicherweise "sinnvolle" Beziehungen herstellt.
Also, ich finde Auswendiglernen an sich auch nicht übel - es ist relativ einfach, wenig anspruchsvoll und setzt eher Fleiss als alles andere voraus! Der grosse Nachteil ist aber , dass man stupide Gepauktes ohne Anwendung auch schnell wieder vergisst ( s. meine verblichenen Strukturformeln :-)) ). Z.Zt. lerne ich grade alle Muskeln zum passiven Bewegungsapparat und ich empfinde das als sehr logisch aufgebaut, sodass es sehr gut und schnell lernbar ist.
Und im übrigen empfinde ich dieses Wissen auch als äussert nützlich im späteren Chirurgenleben, ganz im Gegensatz zur Strukturformel von Methylethylketon ( merkt man eigentlich das ich Chemie hasse ??? )!!!
Grüsse, Giant!
Achja, für Chemie hatten wir ein mistiges Skript!
Stagger Lee
30.12.2006, 01:15
Ich finde es auch eine Leistung sich dinge gut merken zu können.
Auswendiglernen hat immer irgendwie einen negativen Touch. Ist man denn nur "schlau" wenn man Dinge wie "durch Zauberhand" hergeleitet hat?Ist die entscheidende Frage nicht, welche Art des Lernens die besten Ärzte hervorbringt? Die Frage, ob nun der Gedächtnissportler oder der vergessliche Matheprofessor als "schlauer" anzusehen ist, ist doch letztendlich eine irrelevante Frage der Eitelkeit. Entweder ist "stupides" Auswendiglernen die bestmögliche Lernform für zukünftige Ärzte; dann sollte man es beibehalten. Oder es gibt andere, effizientere Lernformen, die mit geringerem Aufwand bessere Ärzte hervorbringen; dann sollte man die beste wählen.
Wenn ich sehe, wie viele Medizinstudenten zugeben, das "stupide" auswendig gelernte schon bald wieder vergessen zu haben, dann läßt das zwei Schlüsse zu: Entweder ist das Auswendiglernen nicht entscheidend, so daß auch der ein guter Arzt werden kann, der das meiste wieder vergessen hat. Oder es gibt halt sehr viele schlechte Ärzte ;-)
Ist die entscheidende Frage nicht, welche Art des Lernens die besten Ärzte hervorbringt? Die Frage, ob nun der Gedächtnissportler oder der vergessliche Matheprofessor als "schlauer" anzusehen ist, ist doch letztendlich eine irrelevante Frage der Eitelkeit. Entweder ist "stupides" Auswendiglernen die bestmögliche Lernform für zukünftige Ärzte; dann sollte man es beibehalten. Oder es gibt andere, effizientere Lernformen, die mit geringerem Aufwand bessere Ärzte hervorbringen; dann sollte man die beste wählen.Ich finde, man braucht eindeutig beides! :-meinung
Es gibt Dinge, die kann man nicht herleiten, die muß man eben einfach lernen, z.B. Stadieneinteilungen von Krankheiten oder große Teile der Anatomie.
Außerdem gibt es Dinge, die soll man nicht herleiten, die müssen fluides Wissen sein, das in jeder Sekunde verfügbar ist, z.b. Notfallalgorithmen. Wenn der Patient im Schock ist, ist das der denkbar schlechteste Zeitpunkt um im Kopf die Wirkprofile der Katecholamine zu vergleichen und dann das für die Schockform geeignete auszuwählen.
Anders z.b. in der (nicht akuten) Pharmakologie: Wenn man verstanden hat wo und wie das Mediakment wirkt und welches die physiologischen Grundlagen sind, in die man eingreift, dann ergeben sich viele mögliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen von alleine.
Ergo, weder das eine noch das andere ist die eierlegende Wollmilchsau, sondern wie so oft macht es mal wieder die Mischung.
Das Dilemma der deutschen Vorklinik ist einfach die schriftliche Prüfung des Physikums. Früher waren dort die Fragen noch normal auf Verständnis ausgerichtet: d.h. sie waren mit VERSTANDENEM guten Wissen über wichtige Regelkreisläufe gut zu bestehen.
Da das IMPP aber leider die blöde gesetzliche Vorgabe der "Notentrennschärfe" (die volle Notensskala muss stehts ausgenutzt sein) hat, muss es sich immer schwerere Fragen ausdenken da die Studenten dank Altfragen ja von Physikum zu Physikum immer besser werden. Nur dieser Trennschärfeklausel haben wir den heutigen Detailwust im schriftlichen Physikum zu verdanken.
Ich finde das ziemlich kritisch, denn deswegen kommt das Lernen auf Verständnis oft viel zu kurz. Viele Unis setzen in ihren Klausuren mittlerweile nur noch auf die vom IMPP gefragten Inhalte - dadurch besteht der Student die Vorklinik durch stupides Auswendiglernen leichter als bei Lernen auf Verständnis.
Diese fragwürdige Entwicklung sollte man echt mal hinterfragen, mittlerweile schadet sie den Studenten mehr als sie ihnen nützt.
Du sagst es ja selbst: Schuld daran ist die Veröffentlichung der Altfragen und nicht die Notentrennschärfe. Man könnte die Veröffentlichung (Sinn sei mal dahingestellt) auch verbieten, dann könnte man nur noch schwer mit bloßem Auswendiglernen bestehen...
Finde ich nicht. Zwar haben die Altfragen einen wichtigen Anteil bei der Entwicklung - die Studenten sind immer besser vorbereitet. Aber rechtfertigt dies eine immer weiter hochgeschraubte Anspruchshaltung des IMPP? Sind diese Fragen wirklich noch nützlich für die ärztliche Ausbildung? Gäbe es nicht andere Wege die erstrebte Notentrennschärfe zu erreichen?
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