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Sackbauer
25.02.2007, 19:01
Nein, aber bei uns ueberleben die Kinder auch, OHNE Kinderarzt.

Ich weiss nicht, was ihr habt? 99% der Kinder-Probleme sind sowieso reiner Kleinmist und werden entweder von selber, oder mit ein wenig Antibiotika, Paracetamol und genug Fluessigkeit besser.

Duncan84
25.02.2007, 20:23
Nein, aber bei uns ueberleben die Kinder auch, OHNE Kinderarzt.

Ich weiss nicht, was ihr habt? 99% der Kinder-Probleme sind sowieso reiner Kleinmist und werden entweder von selber, oder mit ein wenig Antibiotika, Paracetamol und genug Fluessigkeit besser.

Naja, du kannst doch nicht Äpfel mit Brinen vergleichen. Ich gehe mal davon aus, dass im britischen System die Hausärzte mehr Erfahrung mit Kindern haben, wenn es da keine niedergelassenen Kinderärzte gibt.
Wenn du hier Hausarzt in ner größeren Stadt bist, bekommst du nie Kinder zu Gesicht. Wie willst du die dann behandeln können und wenns nur aus Unsicherheit wegen fehlender Erfahrung nicht möglich ist. Bei Kindern ist man halt gerne mal vorsichtiger.

Relaxometrie
25.02.2007, 22:29
Schade, daß man nicht gemeinsam an einem Strang ziehen kann, aber das ist politischen Hintergrundes....
Genau DAS habe ich mir während des PJs auch immer wieder gedacht.
Anstatt als im Krankenhaus arbeitender Mensch zu sehen, daß alle anderen Abteilungen auch ziemlich überlastet sind, wird munter übereinander geschimpft und gelästert :-???

Oder, wie gestern wieder erlebt, gibt es ja unter den Rettungsassistenten leider manchmal diese Rettungsrambos:
Als wir beim luftnötigen Patienten eintrafen, war eine berentete Ärztin aus der unmittelbaren Nachbarschaft schon vor Ort, hatte einen rosa Zugang gelegt und schonmal Medikamente gegeben.
Im RTW sagte die Rettungsassistentin dann "Soll ich erstmal einen richtigen Zugang legen, oder soll ich die Infusion DA anschließen?"
Herrje nochmal. Natürlich gibt es Situationen, in denen man auf jeden Fall großvolumige Zugänge braucht. Aber über einen Hausarzt zu schimpfen, weil er einen rosa Zugang gelegt hat, finde ich zum :-kotz

zweistein
26.02.2007, 12:01
Ein CIRS Thread zum Lernen wird hier auch höchste Zeit, aber nicht so plump auf Kosten der Hausärzte...!
In diesem Sinne hatte ich meinen Beitrag (Post. Nr.6) auch gemeint. Es sollte kein Angriff auf Hausärzte sein. Der Thread-Titel ist imho etwas 'unglücklich' formuliert.

alex1
26.02.2007, 12:21
Wann wurde denn das Ca. diagnostiziert? Unter der Vorstellung, dass es eine paraneoplastische Thrombose war, könnte man sich schon eine Indikation zur dauerhaften Antikoagulation vorstellen. Schließlich besteht bei einem fortgeschrittenen Malignom der zur Thrombose führende Risikofaktor fort.


Der Tumor ist neu und außerdem noch blutend.
Ein s.c. Heparin bei jmd. mit einem Malignom zu geben ist völlig ok, aber doch nicht therapeutisch mit Marcumar einzustellen, oder?
Es gibt nur sehr wenige Malignome wo sich das jemand trauen würde und zwar die nicht blutenden, zB Sarkome.

Würdest du jemandem mit einem fortgeschrittenem BronchialCa, ÖsophagusCa, MagenCa, CervixCa oder HNSCC therapeutisch marcumarisieren um Thrombosen vorzubeugen?

Irrsinnig sage ich nur, irrsinnig.

Werwolf
26.02.2007, 20:21
Ich will hier keinesfalls willenlos über niedergelassene Kollegen mosern, aber insbesondere am freitags nachmittags werden Patienten mit z.T abstrusen Einweisungen ins KH geschickt, und man weiß ganz genau, daß der HA einfach keinen Bock mehr hatte und ins Wochenende wollte.

Beispiel 1: 85jährige Oma. Einweisung: "Vigilanzminderung. Demenz DD intracranielle Blutung DD Exsikkose". 1000ml Ringer und ein CCT später --> ab nach Hause. (Leute, auf deren Einweisungsschein irgendwas von ICB steht, kriegen bei uns ein CCT.)

Beispiel 2: Junge Frau, Kopf gestoßen. Leichte Kopfschmerzen. Ansonsten nix. Keine Bewußtlosigkeit, Amnesie oder sonstwas. Einweisung: "V.a. ICB". (Pat. kommt aber sicherheitshalber selber mit dem Auto vorgefahren und berichtet, der HA habe ihr gesagt, sie könne eine schlimme Blutung im Kopf haben, und im Krankenhaus würde man ein CCT machen. Junge Frau natürlich sehr aufgeregt deswegen. CCT gemacht, nix gefunden, Kopfschmerztablette, ab nach Hause.

Beispiel 3: 80jähriger Mann, kommt (mehr schlecht als recht) zu Fuß. Einweisung vom Orthopäden(!): "therapieresistenter Hüftschmerz." In der Anlage: eine 5 Wochen alte Beckenübersicht (unauffällig, soweit bei mäßiger Bildqualität beurteilbar) sowie eine etwas neuere Skelettszinti (mit Mehrbelegung im Bereich der linken Hüfte) und ein LWS-MRT (Verschleiß, sonst nix). Diese Bilder begucke ich also, während ich mich über diese Einweisung ärgere (Fr. nachmittag, versteht sich...)
Dann kommt der Patient reingehumpelt. Linkes Bein verkürzt und außenrotiert... Aaaaarrrrrgh! Neues Bild: Der Klassiker, aber fast schon Girdlestone, weil vermutlich schon Wochen darauf herumgelatscht...

Naja, das sind halt die Ärgernisse, die einen als Kliniker manchmal auf die Palme treiben. Andersrum ist es wahrscheinlich genauso...

Sackbauer
26.02.2007, 21:26
Naja, dann darf ich hier mal von der Hausarztpraxisfront entgegnen, das es sich mit vollen klinischen Hosen leicht stinken laesst.

Freitag nachmittag: Pat, 50a, ziemliche Dyspnoe, Husten, Sputum, Fieber 39.6, schaut sehr schlecht aus.... So was macht der liebe Kliniker, der die gesamte diagnostische Armada, Stationen mit Schwestern, die den Patienten 24h ueberwachen koennen, grosse Labors, wo man auch um 3h morgens noch ein CRP bekommt, Roentgengeraete, Innere-Assis rund um die Uhr hinter sich hat, wenn er sich mal in die Rolle des Medizinmanns an der Front versetzt? Uebernimmt er die Verantwortung, den Patienten mit ein wenig Clarithromycin aus seiner Praxis, wo er kein Labor, kein Roentgen, keine Schwestern usw. hat, nach Hause schickt? Und das am Freitag Nachmittag, die Ordi natuerlich Samstag und Sonntag zu? - Hee, was zu? So ne Sau der HA! Sperrt der doch glatt seine Ordi zu! Faules Schw*, inkompetenter Sa*, kann nur rosa Venflons legen. Und eingestauchte stabile Schenkelhaelse kann er mit seinen Roentgenaugen auch net diagnostizieren!

Kinder.....

Feuerblick
27.02.2007, 07:00
@Sackbauer: Den eingestauchten stabilen Schenkelhals hat das Wölfchen aber auch OHNE Röntgen- dafür aber mit einem klinischen Blick diagnostiziert...:-top

Heißgeliebt auch die Hausärzte, die die 90jährige präfinale und vor einer Woche zum Sterben in häusliche Umgebung entlassene Omi lieber nochmal mit Getöse und Tatü auf seinen Anruf und seine Einweisung hin am WE in ein Krankenhaus bringen lassen statt den Angehörigen zu sagen, dass es mit Muttern zuende geht...

Dedi
27.02.2007, 09:34
Mit den ICB-Verdachtsdiagnosen ist es auch so eine Sache.
Hatte neulich ein junges Mädel mit laut HA "Verwirrtheitszustand" und "familiären Problemen", das mit ICB-Verdacht kam. ---- Nach zwei Minuten Reden entpuppte sich das ganze als die Erstmanifestation einer Schizophrenie....

Bradypus thorquatus
27.02.2007, 10:11
gelöscht.

Kackbratze
27.02.2007, 10:57
Es ist schön, wie hier manchmal über Einzelfälle hergezogen wird.
Warum nicht alle Allgemeinärzte abschaffen und jede verdammte Grippewelle, Durchfallepidemie und Knöchelverstauchung einfach mal im Krankenhaus anfluten lassen?

Die Allgemeinärzte sind den ganzen Tag damit beschäftigt, schwere von leichten Verläufen zu unterscheiden, sie werden von der KV gebumst, von den Kassen verarscht, sie haben vielleicht spezielle Geräte wie Sono, etc, bekommen aber die Benutzung nicht bezahlt und damit lohnt auch meist die Anschaffung plötzlich nicht mehr. (schon schön, wenn einem die Kostenstelle des KHs einfach ein neues Sono hinstellt, wenn das Alte kaputt ist, oder?)

Und dann gibt es natürlich auchnoch die Nullen, die im Krankenhaus durch ihre abstrusen Einweisungen schön auffallen.
Als ob im KH nur Koryphäen rumlaufen...

Das HA-gedisse ist ja eine zeitlang ganz amüsant, allerdings dürft ihr nie vergessen, dass es einen Teil von euch garantiert auch in die Selbstständigkeit ziehen wird und IHR dann diejenigen seid, die vielleicht auchmal EINE Diagnose falsch machen oder sich irren (als ob das im KH nicht passieren würde).

Aber wenn man selber schon seinen Stationsarztnachfolgern beigebracht hat, über Niedergelassene zu schimpfen kann man kaum erwarten, dass man selber plötzlich anders behandelt wird, wenn man nicht mehr Stationsarzt ist.

:-meinung

Bradypus thorquatus
27.02.2007, 12:13
Das HA-gedisse ist ja eine zeitlang ganz amüsant, Darum geht es mir nicht.


Es ist schön, wie hier manchmal über Einzelfälle hergezogen wird. Es geht mir nicht ums Herziehen über einen Einzelfall, sondern um ein Beispiel dafür, dass man die Diagnose 'funktionelle Störung' nicht voreilig stellen sollte.

....Die Allgemeinärzte sind den ganzen Tag damit beschäftigt, schwere von leichten Verläufen zu unterscheiden....
..Warum nicht alle Allgemeinärzte abschaffen und jede verdammte Grippewelle, Durchfallepidemie und Knöchelverstauchung einfach mal im Krankenhaus anfluten lassen?... Im Gegenteil, wir brauchen mehr Allgemeinmediziner und vor allem eine besonders gute Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Das Hausarzt-Bashing finde ich auch nicht gut. Deren Image sollte eher aufgewertet werden, denn es ist wirklich nicht nötig, wegen Kinkerlitzchen gleich zum Spezialisten zu gehen.

Ich könnte hier auch einige Fälle posten, bei denen sich die Stellung der richtigen Diagnose verzögert hat, weil die Patienten zuerst bei den vermeintlich zuständigen Fachärzten waren und erst später, als die Behandlung bei den Spezialisten nichts gebracht hatte, zum Hausarzt gegangen sind, der dann an die richtige Diagnose gedacht hat.


Edit.: Auf Mediziner (egal ob Allgemeinmediziner, Orthopäden oder was auch immer), die sich vorrangig als Psychologen betätigen, kann man imho verzichten. Die Diagnose 'psychosomatische Störung' muss eine Ausschlussdiagnose sein.

adinea
27.02.2007, 16:05
Ich arbeite zur Zeit als Dienst- und Notfallärztin in einer neurologischen Reha. Da ich ca 2 Wochen im Monat frei habe, habe ich letzte Woche mal in eine klassische Landarztpraxis geschnuppert und dort bei einer Kollegin, die ich aus der Balintgruppe kenne, 1 Woche Praxisvertretung gemacht. Das geht hier in der Schweiz relativ unkompliziert.

Und, es ist keine Überraschung, aber vor Ort sieht das nämlich alles ganz anders aus. Mit meinen Vorerfahrungen (Psychiatrie, Kardiologie, Neuro) habe ich Patienten im Alter von 1 - 90 Jahren behandelt und gynäkologische Untersuchungen gemacht, Trommelfelle gesucht, komische Pickel bestaunt, BD-Medikamente umgestellt, Ernährungsberatung gemacht, Fixateur externa / Zystofix / Ulcus verbunden und ggf gewechselt, exotische und einheimische Krankheitsbilder erraten, Feuerwehrtauglichkeitsuntersuchungen gemacht, und und und.......

Alle die, die sich über unsinnige (?) Hausarzt-Einweisungsdiagnosen echauffieren, als wären sie Chirurgie-CA höchstpersönlich, sollten sich mal überlegen, ob sie es besser machen können. Und vor allem, es mal alleine in einer -abgelegen- Praxis mit kleinem Notfallabor versuchen. Und dann, liebe "Kollegen", wenn ihr keine Fehler macht und alles besser wisst, dürft ihr euch gerne weiter fröhlich das Maul zerreissen......

es grüsst, jetzt wieder von der tollen super-Maximalversorgungskrankenhaus-mit-immer-schnell-OA-anrufen-können-Front,

Adinea

catgut
27.02.2007, 16:29
Gut, dann halt mal zur Abwechslung ein Gegenbeispiel aus dem KH:

Patient, 72 J., männlich, seit Wochen in der Gerontopsychiatrie wegen Depressionen. Vor 6 Wochen im Bad gestürzt und klagt seitdem vehement, ihm tue der Rücken so weh. Mittlerweile steht der Patient nicht mal mehr aus dem Bett auf. Reaktionen der beiden Ärzte: Umstellung der Antidepressiva.
Nach besagten 6 Wochen insistiert das Pflegepersonal auf eine genauere Untersuchung der Wirbelsäule, da einigen "etwas faul" vorkommt.
Ergebnis: angebrochener BWK 6
Sofortige Überweisung auf die somatische.

Werwolf
27.02.2007, 17:31
Und eingestauchte stabile Schenkelhaelse kann er mit seinen Roentgenaugen auch net diagnostizieren!

Kinder.....

Nö. Eingestauchte stabile sicher nicht. Und auf dem Röntgenbild von vor 5 Wochen war auch noch nix zu sehen. Aber danach ist die Fraktur ganz offensichtlich ganz erheblich disloziert. Und zwar so massiv, daß der Patient eine deutliche Beinlängendifferenz nebst Außenrotation hatte. Von einem Orthopäden erwarte ich, daß er daraus entsprechende Schlüsse ziehen kann und dann vielleicht nochmal ´n neues Röntgenbild macht statt ´ne Szinti, MRT LWS und eine Einweisung wegen "therapieresistenter Schmerzen" zu veranlassen...

Und für diejenigen, die es immer noch nicht kapiert haben- es geht mir nicht darum, aus der zugegebenermaßen "bequemen" Situation des Klinikers willenlos über Hausärzte herzuziehen. Ich finde es einfach nur bemerkenswert, daß freitags nachmittags deutlich mehr und deutlich fragwürdigere Einweisungen kommen als an allen anderen Tagen der Woche.
Ich rege mich genauso über Angehörige auf, die Omma ins Krankenhaus schaffen, "die hat immer so Schmerzen und ist ja aus´m Bett gefallen und ist ja auch dement". Nachfrage bei Omma, "nööö, nicht richtig gefallen", obligatorisches Röntgen - nix. Also- Omma nach Hause. Angehörige "neeee, geht gaaaar nicht! Wir fahren in Urlaub. Ist keiner da, der sich kümmert!" Soso. Urlaub geplant, Katze zum Nachbarn, Hund ins Tierheim, Omma ins Krankenhaus, dann ist für alle gesorgt. :-(

alex1
27.02.2007, 18:40
Mir geht's nicht um unsichere Hausärzte die Patienten beim kleinsten Verdacht ins Krankenhaus überweisen. Nein.
Mir geht's auch nicht um Hausärzte die offensichtliche Krankheitsbilder nicht erkennen.

Mit geht's um Hausärzte die BEHANDLUNGSFEHLER machen. Hausärzte die falsche Medikamente ansetzen, Patienten mit HOCM digitalisieren, Nierenisuffizienten Hydrochlorothiazid verschreiben und INR alle 3 Wochen bei Marcumar-Patienten mit Schluckstörungen kontrollieren.

Um die geht es mir.

Das sehr viel Diagnostik in Deutschland unnötigerweise läuft ist klar. Aber dafür ist das System schuld dran. Jeder gesetzlich versicherter Patient kann Symptome vortäuschen, den Hausarzt schnell wechseln und in unzähligen Internet-Foren sich verrückt machen über alle möglichen Krankheiten.
Und dann wird er auch seinen Überweisungsschein fürs cMRT bekommen.

Die Frage ist aber wenn soviel Diagnostik in Deutschland gemacht wird, wieso ist es immer noch so daß immer noch kein flächendeckendes Mammographiescreening eingeführt ist und kein Coloskopie-Vorsorge betrieben wird.

Es ist einfach nur traurig.

actin
27.02.2007, 18:50
Die Frage ist aber wenn soviel Diagnostik in Deutschland gemacht wird, wieso ist es immer noch so daß immer noch kein flächendeckendes Mammographiescreening eingeführt ist und kein Coloskopie-Vorsorge betrieben wird.
Soweit ich weiß, hat jeder ab 50 Anspruch auf eine Früherkennungs-Koloskopie auf Kosten seiner Krankenversicherung, egal ob GKV oder PKV.

Und für Frauen ab 55 gibt es vielen Bundesländern bereits Mammografie-Screening (http://www.ein-teil-von-mir.de/die_karte/die_karte.php)-Programme.

Edit.:Sehr bedenklich finde ich allerdings so etwas: Link (http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?p=koloskopie&src=suche&id=26785)


Die Effektivität der Darmkrebsfrüherkennung hängt in hohem Maße von der Sorgfalt ab, mit der die Koloskopie durchgeführt wird. In einer Studie im New England Journal of Medicine (NEJM 2006; 355: 2533-2541) bestand eine nahezu lineare Abhängigkeit von der Untersuchungszeit und der Zahl der gefundenen und entfernten Polypen, den Vorläuferläsionen des Kolorektalkarzinoms.Wer hätte das gedacht ;-)

Große Unterschiede zeigten sich in der Sorgfalt. Ein möglicher Qualitätsmaßstab ist die „Rückzugsgeschwindigkeit“. Das ist die Zeit, die der Arzt nach Aufsuchen des Caecums benötigt, um das Endoskop wieder bis zum Anus zurückzuziehen. Während dieser Zeit wird die Schleimhaut nach verdächtigen Läsionen abgesucht. Ein Arzt benötigte 3,1 Minuten, ein anderer nahm sich 16,8 Minuten Zeit(...). Wenn Polypen gefunden und entfernt werden, dauert die Prozedur entsprechend länger (5,6 bis 19,1 Minuten)......

Ärzte, die das Endoskop in weniger als 6 Minuten durch das Kolon zurückzogen, fanden fortgeschrittene Adenome bei 2,6 Prozent der Patienten. Ärzte, die sich länger Zeit ließen, entdeckten diese Präkanzerosen bei 6,4 Prozent der Patienten. Auch bei den weniger verdächtigen Hyperplasien gab es große Unterschiede (10,2 versus 26,8 Prozent). .....

Es ist keineswegs die erste Studie, die Qualitätsunterschiede bei der Koloskopie aufzeigt. Joel Levine und Dennis Ahnen, beide Denver, beziffern die „miss rate“ in einer Übersicht (NEJM 2006; 355; 2511-2557) auf 6 bis 12 Prozent für Adenome mit einer Größe von mehr als einen Zentimeter, und auf 12 bis 25 Prozent für kleinere Adenome. Eine mögliche Folge könnten jene 0,3 bis 0,9 Prozent von Intervall-Karzinomen sein, die in Studien innerhalb von 3 Jahren nach der Koloskopie auftraten, wie David Lieberman, Universität Portland, im Editorial erwähnt (NEJM 2006; 355: 2588-2589). Sicherlich kann nicht jedes Intervall-Karzinom als Beweis für übersehene Adenome gewertet werden, die großen Unterschiede in der aktuellen Studie dürften jedoch zu Überlegungen führen, wie die Qualität der Darmkrebsfrüherkennung, in die die Kassen viel Geld investieren, sichergestellt werden könnte. © rme/aerzteblatt.de

Sackbauer
27.02.2007, 20:00
...Nierenisuffizienten Hydrochlorothiazid verschreiben...

Was passt dir daran net?

FataMorgana
27.02.2007, 21:36
Ein s.c. Heparin bei jmd. mit einem Malignom zu geben ist völlig ok, aber doch nicht therapeutisch mit Marcumar einzustellen, oder?

Wieso nicht? Ein Malignom ist keinesfalls eine Kontraindikation für eine orale Antikoagulation. Es geht hier um eine Risikoabwägung. Wie Du wissen dürftest, haben Patienten mit soliden Tumoren häufig ein deutlich höheres Thromboembolie- als Blutungsrisiko. Insofern können diese Patienten von eine OAK durchaus profitieren. Es handelt sich um eine absolute Standardtherapie, wenn ich mal so in Pubmed schaue:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?itool=abstractplus&db=pubmed&cmd=Retrieve&dopt=abstractplus&list_uids=14760208
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?db=pubmed&cmd=Retrieve&dopt=AbstractPlus&list_uids=16286367&query_hl=10&itool=pubmed_docsum


Es gibt nur sehr wenige Malignome wo sich das jemand trauen würde und zwar die nicht blutenden, zB Sarkome.

Nein, es gibt eine Reihe von soliden Tumoren mit geringem Blutungrisiko. Dazu gehört z. B. auch das metastasierte Mamma-Ca.


Würdest du jemandem mit einem fortgeschrittenem BronchialCa, ÖsophagusCa, MagenCa, CervixCa oder HNSCC therapeutisch marcumarisieren um Thrombosen vorzubeugen?

Kommt auf den individuellen Patienten an. Du hast natürlich jetzt als Beispiel Tumoren gebracht, die öfter mal bluten. Ich habe durchaus schon Patienten mit paraneoplastischer Thrombembolie oral antikoaguliert, um die Frage mal so zu beantworten.


Irrsinnig sage ich nur, irrsinnig.

Hey, jetzt bleib mal auf dem Teppich. Willst Du grundsätzlich alle Patienten mit metastasiertem Tumorleiden an ihrer Rezidiv-LE sterben lassen? Da spielst Du Dich aber ganz schön als Richter über Leben und Tod auf.

Werwolf
28.02.2007, 18:10
Zitat von alex1
...Nierenisuffizienten Hydrochlorothiazid verschreiben...


Was passt dir daran net?

HCT ist bei Niereninsuffizienz kontraindiziert.