Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke
Hier ist es recht ruhig. Wo seid ihr denn alle?
Gestern war ich mal wieder zum 24h-Honorardienst. Es ist schon nett, wenn man nur arbeitet, wenn man will und nicht täglich :) Aber der Dienst war zum Abgewöhnen. 2x 20 min und 1 x 1,5 h geschlafen. Zum Glück waren es fast nur sinnvolle Gründe der Störung und kein Schnullikram. Und es ist äußerst praktisch, wenn eine der OÄs an dem Tag Notarzt fährt. Da ist einfach alles schon gemacht und die Übergabe so einfach! Sie hat mir einen anaphylaktischen Patienten gebracht, der noch in übler Verfassung war, als er kam, aber schon wieder lachte, weil es im Gegensatz zu vorher schon 1000x besser war. Er sprach auch schon wieder in ganzen (zwar kurzen) Sätzen, aber leuchtete noch knallrot und Hinlegen war komplett unmöglich.
Gebt ihr leitliniengerecht Adrenalin i.m.?
Huhu..
ich bin gerade ein wenig im Dauernachtdienst versumpft.. dank einiger Ausfälle nimmt unsere Dienstbelastung gerade exponentiell zu, wenigstens haben wir gerade absolutes Sommerloch. Letzte Nacht habe ich sogar 3h am Stück geschlafen!!
Wir geben Adrenalin auf peripheren Stationen bzw der Ambulanz i.m., i.v. nur auf Intensiv. Gottseidank hab ich das bisher nur zweimal gebraucht, einmal bei ner heftigen Reaktion auf Etoposid und einmal bei Erdnüssen.. alles andere ging mit Fenistil und Steroiden weg, vor Anaphylaxien hab ich nämlich nen Heidenrespekt!
Macht ihr 3-Schicht?
Fährt jemand übernächstes WE eigentlich nach Leipzig? ich überlege noch, da ich es nicht vorgeplant habe für die Familie und zu wenig Betreuung für die Kinder organisiert habe. Aber ich brauche keine Übernachtung, sondern könnte auch tageweise anreisen.
WalterSobchak
02.09.2014, 13:34
Die LL sagen ja recht eindeutig eindeutig "erst Adrenalin, dann Steroid und H1-Antagonist"
Trotzdem scheut man sich irgendwie davor, finde ich.
Habs auf Intensiv mal i.v. gegeben, mit konsekutiver kurzzeitiger (ca. 1,5 Monitorlängen) Asystolie.
Da wurd dann MIR plötzlich recht warm ;-)
Sonst gern i.m., allerdings bin ich da (ehrlicherweise entgegen der LL) wohl auch zu zurückhaltend und versuchs bei KL-stabilen Patienten erst mit Tavegil und Steroid.
Nach Leipzig wollte ich erst kommen, hab da nun allerdings Spätdienst.
Aber im November bin ich zur BVKJ-Weiterbildung in Berlin ("Pädiatrie zum Anfassen"). Ist als Neu-Niedergelassener glaub ich nicht verkehrt ;-)
Nach Leipzig schaff ich es leider nicht..ist ausm Süden auch recht weit.
Aber ich gehe im November auf ein Pediatric Life Support Training am Simulator und bin schon sehr gespannt, zumal noch ohne Intensiverfahrung..
Wir haben je Mischung aus Zweischichtbetrieb am Wochenende und nem halben Dreischichtbetrieb unter der Woche, d.h insgesamt zwei Spätdienste für Haus und Notaufnahme, die bis 22:30 da sind. Früher gab's mal eben Spätdienst für jede Station, mittlerweile ist man im Spätdienst nur noch “Feuerwehr“, Stationsarbeit muss der Frühdienst fertig kriegen- im Zweifel mit Überstunden..
WalterSobchak
02.09.2014, 14:11
Smulatortraining ist echt ne geile Sache!! Kommt man gut ins Schwitzen ;-)
Macht ihr es für große Kinder? Hab mal eines für Ngb. gemacht...
Nessiemoo
02.09.2014, 21:55
Hai!
Kann ich mal was von euch fragen? Bin nach meiner Päd-Famulatur mehr als begeistert von dem Fach. Mich schrecken aber zwei Sachen davon etwas ab:
1) Es wird ja gesagt, es gäbe immer weniger Kinder, man hat immer weniger Kinderarztstellen, das Fach ist sehr beliebt - also insgesamt, dass es wirklich sehr schwer ist ein Job zu finden? Und wie sieht es später mit Niederlassung aus?
2) Wie kommt ihr mit dem Verantwortungsgefühl klar? Irgendwie hat man doch bei Kindern wesentlich mehr Angst, dass etwas falsch läuft als sagen wir mal in Geriatrie - oder ist man da irgendwannmal emotional auch drauf gefasst?
Zu 1) kann ich nichts sagen. Die Frage kam ja schon mal, aber ich weiß es einfach nicht. Es ist schon so, dass die Pädiatriestellen schwieriger zu kriegen sind, aber ob das nun an den wenigeren Kindern liegt? Zur Niederlassung ist es halt die Frage, wo man hin will. In der Stadt reißen sich viele drum, auf dem Land auch bei Kindern nicht so viele.
Zu 2) Ich habe keinen Vergleich. Man lernt es ja und kann ja auch was ;) Ich glaube, ich habe nicht mehr Angst als woanders.
Darf ich Euch auch mal was fragen, so in eigener Sache ;-) Um was soll ich bei bevorstehendem Nachwuchs meine Hausapotheke erweitern? Also was macht Sinn, daheim zu haben, wenn man ein Baby bekommt. Mir ist schon klar, dass Neugeborene schon nochmal speziell sind. Aber manches kann ich als Internistin vielleicht auch doch erstmal so machen, bevor ich mit dem Kleinen zum Arzt gehe, oder? Also irgendein Analgetikum oder so da haben? Und hilft irgendwas gegen die gefürchteten Bauchschmerzen?
WalterSobchak
03.09.2014, 07:51
Hmm. schwer zu sagen. Hat ja jeder seine eigene Schmerzgrenze ;-)
Für Neugeborene reichen im Grunde 2 Dinge:
Analgesie/Antipyrese und Fieberthermometer (haben viele tatsächlich nicht). Wenn man bei Neugeborenen mehr braucht, muss man sich sowieso vorstellen. (Ein Neugeborenes mit Fieber gehört selbstverständlich auch angeguckt, aber dann kann man schon mal was geben ;-) )
Gegen das Bauchweh (kriegt ja auch nicht jedes Kind in mega Ausprägung!) hilft wohl Carum carvi. Auch BiGaia-Tropfen (Lactobacilus reuteri) scheinen zu helfen - alles mehr oder weniger evidence-based ;-). Kann man trotzdem gut geben :-)
Gut is zudem Kirschkernkissen (grad bei Bauchweh)
Bei größeren Kindern (ab ca. nem Jahr) empfehle ich gern, Zäpfchen und Saft vorzuhalten (z.B. Ibu-Saft, PCM-Supp oder umgekehrt) um zum einen verschiedene Applikationsformen da zu haben (Supp bei Durchfall is blöd) und zum anderen bei Nichtwirken des einen ggf. einfach umsteigen zu können.
zusätzlich sinnvoll:
Fenistil-Tropfen
1-2 Rectodelt supp
Nasentropfen
einige Tütchen orale Rehydratationslösung (Oralpädon z.B.)
In der Regel sollte man damit erstmal hinkommen ;-)
Grüße :-winky
Für ein Neugeborenes musst du eigentlich nichts außer einem Fieberthermometer vorhalten. Die ersten Fiebermittel bekommt man zur ersten Impfung und da ist schon fast die Zeit vorbei, in der man sowieso bei jeder Temperaturerhöhung nachschauen lassen sollte. Klar kann man schon vorher was geben und dann gehen. Bei Laien bin ich immer froh, wenn sie wegen des fehlenden fiebermittel mit so jungen Kindern kommen und nicht was geben in abwarten. So kleine Kinder haben wirklich selten Fieber!
Zu Walters Liste würde ich noch Vomex später schreiben.
Gegen die Bauchschmerzen finde ich Tragen sehr hilfreich. In einer guten Tragehilfe mit Anhock-Spreiz-Haltung ht man erstens de Hände frei und zweitens einfach eine gute Position, um Blähungen loszuwerden und drittens sind die Kinder nah und abgeschirmt, wenn es gar nicht Bauchschmerzen sondern allgemeine Überforderung mit der Welt ist.
Fieberthermometer für uns ist vorhanden (Braun Ohr-Thermometer) und weil ich gehört habe, dass ich das bei ganz kleinen noch nicht valide verwenden kann (ist das so? und wenn ja, ab wann kann ich im Ohr messen?) habe ich jetzt bei der letzten Grossbestellung im Baby-Versandhaus noch ein einfaches zum rektal messen dazubestellt... Gegen Fieber wohl erst mal Paracetamol supp, oder? Oder auch theoretisch schon Voltaren oder Ibuprofen?
Und keine Angst, ich gehe dann schon mit ihm zum Arzt! Aber ich bin immer dafür, schon mal was gegen Schmerzen geben zu können für den Weg und so...
WalterSobchak
03.09.2014, 10:27
Guck mal, bei Annekiis Bauchschmerztipps merkt man gleich, dass sie nicht nur Ärztin, sondern auch Mutter ist :-)
Du hast recht, mit Fieber und Fiebermitteln bei Ngb. bin ich auch immer recht ambivalent, da ein fieberndes Kind <6 Wochen gesehen werden MUSS. Allerdings sage ich den Eltern immer, dass sie auf jeden Fall kommen müssen, auch wenn sie was gegeben haben.
Zum Vomex - Hmm, sone Sache. Mein Chef argumentiert immer, dass die müde machende Wirkung die Rehydratation beeinflussen könnte ("wer schläft, trinkt nicht") und möchte deshalb nicht, dass wir es unseren Patienten geben.
(Mach ich trotzdem manchmal - wer den ganzen Tag gekübelt hat und dann ne Nacht durchschlafen kann, trinkt in der Zeit zwar nicht, hat aber dann beim Aufwachen mit Chance das Schlimmste hinter sich ;-) )
Deshalb wäre das Chef-Argument keines, was mich dran hindern würde, Vomex @home zu haben.
Allerdings kanns bei weniger differenzierten Eltern schon mal sein, dass sie ungeduldig werden, wenn das Zäpfchen keine Zauberwirkung entfaltet und dann noch 1-2 nach geben. Und dann ist das Intox-Potential bei Vomex nicht so ganz gering. Deshalb gebe ich denen maximal eines mit, rezeptiere aber nichts.
Wie verfahrt ihr bei euch mit Antiemetika?
WalterSobchak
03.09.2014, 10:32
Die Ohrthermometer messen mit Infrarot am Trommelfell - bei dem engen Gehörgang von Ngb. nahezu unmöglich. Noch schlimmer - Stirnthermometer :-?
Ich würde <2 Jahre immer rektal messen. Ist einfach genauer.
Das häufig gehörte Argument "er/sie möchte das aber nicht" ist m.M.n. häufig nur fehlende Abgrenzung der Eltern zu kindlichen Bedürfnissen ;-)
Ibu nicht <3 Monaten (potentielles Hochgehen eventuell vorhandener ductusabhängiger Vitien - super selten, aber wenn, dann scheiße), Voltaren nicht <15 Jahre!
Ich gebe in der Klinik genau ein Vomex mit, erkläre es als "notfallmittel", wenn das Kind nicht mehr zu brechen aufhört und erkläre, dass es dann schlafen wird und sicher auch nicht trinken wird. Aber dass diese Ruhe für den Magen nötig ist für die nächsten Versuche nach dem Schlafen.
In der Praxis habe ich ganze Packungen verordnet, aber auch da ginge ja auch nur eins mitgeben. Ich kenne einige Praxen, die auch nur ein einziges Zäpfchen nach Impfungen mitgeben. Weil alles, was mehr braucht, wieder vorgestellt werden soll.
Zu NG und PCM: da geht ja erstmal eigentlich nur der Saft. Auch bei 4 kg sind ja 75 mg Supp. überdosiert. Und der Saft schmeckt saueklig.
Zu Schmerzen würde ich im NG-Alter eher kein Schmerzmittel vor Vorstellung geben. Entweder es sind Blähungen oder es ist was abklärungsbedürftiges würd ich jetzt behaupten.
75mg sind noch überdosiert? Bis vor gar nicht so langer Zeit (sechs Jahre?) gab es ja sogar nur 125mg. Aber PCM wird eh nicht gegeben, gibt nur Ibu, wenn es sein muss. Bigaia fand ich übrigens deutlich besser als alles Entschäumende wie Lefax und Co. Und Tragen und Bauchmassage sind eh das Beste.
@walter: Voltaren ist ja hier auf dem Notfall das Standard NSAR für Kleinkinder. Die megesupersüssen Tropfen mit Kindergaugummigeschmack... Gemäss compendium.ch an 12 Monate. Warum sagst Du nicht unter 15 Jahre?
WalterSobchak
03.09.2014, 15:41
Jip - 10-15mg/kgKG is standarddosierung. In der Klinik haben wir noch 50mg supp.
Alternative für noch kleinere Kinder (eher nur für die Klinik): PCM-Saft via kleiner Magensonde rektal geben... ;-)
WalterSobchak
03.09.2014, 15:42
Eilika - ich guck nochmal Fachinfo.
Meines Wissens ist Diclofenac - zumindest in D - für Kinder <15 nicht zugelassen...
Edit: Nochmal nachgelesen (Rote Liste Online): unter 15 Jahren nicht zugelassen
Echt interessant. Gemäss compendium.ch ab 1 Jahr...
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