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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Kinder-Ecke



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Trianna
13.07.2016, 14:41
ja, lasse mich da mittlerweile auch nicht mehr kirre machen.

Aber der Trend zum Pathologisieren ist grauenvoll.

annekii
13.07.2016, 15:04
Ja, das Buch trifft da auch sehr meine Gedanken dazu. Ich lese es parallel zum Krimi gerade ;)

Aber es ist oft soooo schwer, sich da durchzusetzen. Ganz besonders wenn das Kind einfach auch wenig häsulich gefördert wird. Dann ist es oft zurück in so manchen Sachen, z.T. kommen dann Verhaltensauffälligkeiten dazu. Und am Ende soll es die Ergo "spielerisch" lösen. 1x in der Woche zum Spielen zur Ergo und alles soll klappen. "Was? ich soll dann was davon zuhause üben? Nee, dafür haben wir echt keine Zeit, Frau Doktor"

rvq64
13.07.2016, 18:14
Was habt ihr so an Meinungen zu einer Lokaltherapie bei Stomatitis? In meinem PJ-Haus gab es eine sagenumwobene "Stomatitis-Lösung" (deren Zutaten mir leider nicht bekannt sind, ich denke aber, es war sowas wie dieses hier: https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/apotheke/Rezeptur-Vorschriften/Stomatitis-Loesung.pdf ), in meinem aktuellen Haus hat mir eine erfahrenere Kollegin Tantum verde vorgeschlagen - das finde ich (weil alkoholhaltig) aber nicht so ganz optimal.
Was nehmt ihr? Dynexan? oder nur Analgesie und gekühlte Getränke etc.?

Schorsche
13.07.2016, 19:32
Kamistad/Infectogingi ist mein Freund, allerdings auch mit Ethanolextrakt (wobei ich mir da ehrlich gesagt noch nie länger als 5 Minuten Gedanken zu gemacht habe). Ansonsten bei ausgeprägten Befunden zusätzlich fest Ibuprofen und die Kinder dürfen essen, was sie möchten. Ansonsten gibt es noch NRF 7.13. Lidocain+Dexpanthenollösung ohne Kamillenextrakt.

Edit: Danke für den Buchtipp! Passend dazu gab's letztes Jahr von ihm einen schönen Artikel: http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/ein-arzt-empoert-sich-lasst-die-kinder-in-ruhe-12815971.html

Muriel
13.07.2016, 19:48
Das Buch hört ich spannend an, danke für den Tipp :-top
Ich habe derzeit einen solchen mittlerweile elfjährigen Jungen, dessen Mutter mich wahnsinnig macht. Wisst Ihr, was ich meine, wenn ich sage, er ist vom ersten Eindruck schon genau der Typ Kind, von dem man weiß, dass er es ist, der (bildlich gesprochen) in der Pause in der Mülltonne landet? Seit dieses Kind im Vorschulalter ist, wird es von einer Therapie zur nächsten geschickt. Physio, Ergo, Logo... Dann mehrere Jahre die "Therapie" eines hier ansässigen Optometristen, den ich auf den Mond schießen könnte. Dieses Kind hat eine LRS, deren Diagnose in der fünften Klasse nun aber wieder aufgehoben würde, dazu (angeblich?) alles Andere noch dazu. Dieser dickliche Junge sitzt ganz schlapp vor mir, schaut mich nicht an, antwortet sehr marginal und hat einen angegebenen mit Sicherheit aber aggravierten Visus von 0,6 (früher bei uns 1,0). Daneben sitzt eine überbesorgte Mutter, die mir erzählt, was sie mit Sicherheit aus Fürsorge und Liebe zu ihrem Kind an Therapien, Beschäftigungen etc mit ihm macht. Mein Gott, was läuft da seit Jahren schief... Ich habe dann mal das Thema angesprochen, wie es denn so abseits des Unterrichtsstoffs in der Schule laufe, Volltreffer... Der Junge tut mir so Leid, eigentlich bräuchten sie am ehesten eine Familietherapie. Der Zug für "das Kind Kind sein und einfach mal machen lassen" scheint leider abgefahren zu sein. Das Opferschild pappt auf der Stirn.

roxolana
13.07.2016, 21:15
Danke für den Buchtipp, ist bestellt : )

Ich habe eben mit meinem Mann besprochen und wir haben beschlossen, dass wir noch warten wollen mit der Logopädie. Jetzt muss ich nur dem HNO erklären, warum wir das Logo-Rezept immer noch nicht eingelöst haben. Nächste Woche haben wir einen Kontrolltermin dort, weil das Tympanogramm beim letzten Mal komisch aussah... *säufz*

WalterSobchak
17.07.2016, 11:25
Naja, soll der HNO sich doch freuen. Budgetschonende Patienten ;-)

nie
17.07.2016, 12:03
Ich brauch mal Hilfe zum Thema Mekoniumaspiration:

lerne das gerade für Pädiatrie und habe hier 2 verschiedene Vorlesungen und ein Buch, die sich alle widersprechen :-???

Buch (Muntau, 6. Auflage von 2011) sagt: sofort Absaugen sobald man an den Kopf des Kindes rankommt. Inklusive laryngoskopischer Einstellung und allem drum und dran.

VL 1 sagt "kein intrapartales Absaugen" und postpartal erst "kein routinemäßiges Absaugen bei leblosen Kind" und drei Folien später dann "Absaugen beim leblosen Kind".
Außerdem "vitale Kinder nicht absaugen"

VL 2 sagt: "kein intrapartales Absaugen" und seit 2015 allgemein kein Absaugen mehr. Unabhängig von Kindszustand.
Außerdem kommt dann danach eine völlig zusammenhangslose Folie auf der steht, dass man unbedingt Maskenbeatmen soll und nur Intubieren wenn mans sicher kann. Buch sagt allerdings, dass Maskenbeatmen kontraindiziert ist (was in meinem Kopf auch mehr Sinn macht...).

Also was soll ich denn jetzt machen? Absaugen? Wenn ja, wen? Und wenn ich niemand absauge, was mache ich dann stattdessen?

WalterSobchak
17.07.2016, 12:39
Mein Kenntnisstand:
Bei mekoniumverschmiertem, leblosen Kind KEIN intrapartales Absaugen (bietet keinen Vorteil).
Zügige Entwicklung des Kindes, dann auf der Reha-Einheit Mund und Oropharynx absaugen, ggf. (bei weiter bestehender Apnoe/Bradykardie laryngoskopisch einstellen und Absaugen, dann Beginn BMV und ggf. Intubation, wenn kein Erfolg.
mekoniumverschmiertes vitales Kind: normales Handling, ggf. Absaugen des Magens.

nie
17.07.2016, 12:49
Vielen Dank!

Dann weiß ich bezüglich intrapartalem Absaugen (da ist mein Buch wohl einfach zu alt) und vitalen Kindern schonmal Bescheid.
Muss ich nur noch rausfinden, welche Meinung unsere Pädiatrie bezüglich leblosen Kindern vertritt.

WalterSobchak
17.07.2016, 13:04
Naja. Großartig anders als oben beschrieben kann/wird/darf der Ablauf eigentlich nicht sein ;-)
Ist auch ERC - Standard.

P.S. Guck mal hier: http://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s10049-015-0090-0.pdf

THawk
17.07.2016, 13:39
Ich verstehe es etwas anders: Nur beim leblosen Kind mit thick meconium (wie sagt man das noch auf deutsch?) soll man das Absaugen mit Laryngoskopie erwägen. Zum oropharyngealen Absaugen äußert sich die Leitlinie nicht, wohl aber dass man innerhalb der ersten Minute effektive Beatmung initiieren soll. Das war auch das Design der zugrundeliegenden Studie (Chettri S, Adhisivam B, Bhat BV. Endotracheal suction for nonvigorous neonates born through meconium stained amniotic fluid: a randomized controlled trial. J Pediatr 2015;166:1208–13.): Oropharyngeal absaugen, Beginn Maskenbeatmung. Eben nicht intubieren bevor man Maskenbeatmung gemacht hat.
Kurz zusammengefasst fürs leblose Neugeborene: Stimulation und oropharyngeales Absaugen -> wenn weiter avital: Beginn Maskenbeatmung, wenn keine Verbesserung / ineffektive Beatmung, die auf Obstruktion hinweist -> Laryngoskopie und e.t. absaugen.

Viel Erfolg beim Lernen.

nie
17.07.2016, 14:17
Nochmal danke!

Hab mich jetzt auch mal grob durch die Reanimationsleitlinie gekämpft und unterm Strich läuft es wohl auf das hinaus, was THawk schreibt. Das würde auch zur Vorlesungsfolie passend, die ist nur ohne direkten Zusammenhang schwer zu interpretieren.
Hoffe einfach mal, dass die da nicht genau auf den Details rumreiten :-oopss

THawk
17.07.2016, 14:34
Gern. Die werden sicher nicht so ins Detail gehen wollen, das ist schon spezielles Wissen. Merk dir einfach die drei Grundsätze der Neugeborenen-Erstversorgung: 1. Luft muss in die Lunge, 2. Luft muss in die Lunge, 3. Luft muss in die Lunge.
Und für die Mehrzahl der Kinder wird's durch dieses elendige Intubieren, Absaugen, wieder intubieren, noch ein bisschen absaugen schwieriger (sorry, bin bei diesem Thema etwas befangen :-D).

WalterSobchak
17.07.2016, 14:42
Guck mal, Stimulation bei avitalem, mekoniumverschmierten Kind war bei uns unter Androhung von Schlägen ( ;-) ) verboten...
Ansonsten meinen wir alle das selbe, denke ich...

annekii
17.07.2016, 18:33
Muss man die Kinder nicht erstmal anpusten?? :-dance :-peng

Nee, im Ernst, ich habe es auch so gelernt, wie THawk es beschreibt. Allerdings selten erlebt und durchführen müssen. Ein richtig lebloses Kind hatte ich zum Glück nur einmal. Die anderen haben alle wenigstens ein bisschen was getan und ne eine echte Mekoniumaspiration hatte ich auch nicht dabei. Einmal hat ein alter Aushilfs-Gyn-OA tatsächlich intrapartal abgesaugt, weil er sagte, das sei eine gewesen, aber nachträglich hat es sich nicht so dargestellt.

ehem-user-11022019-1151
17.07.2016, 21:44
Vielen Dank euch noch für die Antworten wegen dem Kind mit den Suizidgedanken.

Ich habe manchmal bisschen das Empfinden, dass man Kindern ungern glauben möchte.
Woran liegt das? Also mir persönlich fällt es auch schwieriger einem Kind als einem Erwachsenen zu glauben.

erdbeertoertchen
18.07.2016, 19:47
Vielen Dank euch noch für die Antworten wegen dem Kind mit den Suizidgedanken.
Ich habe manchmal bisschen das Empfinden, dass man Kindern ungern glauben möchte.
Woran liegt das? Also mir persönlich fällt es auch schwieriger einem Kind als einem Erwachsenen zu glauben.
Wieso? Eltern können echt auch viel erzählen, was das Kind so zu Hause gemacht hat, nur damit man es aufnimmt.
Besonders schwierig wirds, wenn man zwei Version vorgesetzt bekommt, zB erzählt der Jugendliche etwas anderes als die Eltern. Bei sowas wäge ich erst Mal ab wer für mich stimmiger ist und halte Rücksprache mit meiner(m) OA.

febee
02.08.2016, 19:15
nochmal ganz kurz zurück zur Ventilation: ich weiß, vielleicht eine schwer zubeantwortende Frage, aber was is eure Erfahrung? Ab welchem Zeitraum (postpartal) würdet ihr intubieren, wenn Maskenbeatmung/Rachentubus nicht erfolgreich sind?

THawk
03.08.2016, 05:06
Hey febee. Von was für einem Kind reden wir denn hier? Term oder preterm? Und wie viel Erfahrung im intubieren hast du?

Generell ist es schwer zu sagen. Bis auf die Sonderfälle wie Zwerchfellhernie etc. werden die Kinder intubiert, die auf eine nicht-invasive Unterstützung nicht ausreichend ansprechen (ketzerisch: wobei das in den meisten Fällen nicht am Kind liegt, sondern am Arzt...). Die Amerikaner fassen das ganz schön als MR SOPA zusammen (d.h. die Handlungsschritte, wenn Maskenbeatmung nicht zum adäquaten HF-Anstieg führt).
M Mask readjustment
R Reposition the head (Neutralstellung / Schulterrolle)
S Suction
O Open mouth
P Pressure increase (höherer PIP)
A Alternative Airway (Lama / Intubation)
Die werden immer im zweier Paket abgehandelt (also MR, SO und PA).

Grundsätzlich würde ich (versuchen zu) intubieren bevor ich Herzdruckmassage beginne, weil einfach zu 99% die Beatmung nicht effektiv war wenn die HF nicht anspringt. Wenn du unerfahren bist: Larynxmaske sofern Kind > 34 SSW ist. Bei den preterms gibt es immer noch sehr verschiedene Schulen, mein Ziel ist sie am CPAP zu stabilisieren (FiO2 wie halt notwendig, SpO2 adäquat fürs Lebensalter, stabile HF > 100), dann wird nach der 10. Lebensminute sekundär intubiert um Surfactant zu geben sofern FiO2 > 40% trotz adäquatem PEEP.
Beim reifgeborenen Kind wie schon gesagt - sofern die Herzfrequenz in die richtige Richtung geht und > 60 ist lasse ich mir Zeit. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann wird nach Stimulieren und Maskenbeatmung intubiert bevor es nachfolgend (nach 30s effektiver Beatmung mit korrekter Tubuslage!) in die Thoraxkompressionen geht. Gerade bei den späten Frühchen und den reifgeborenen Kindern steigt meiner Erfahrung nach die Rate der "Reanimationen" mit Thoraxkompressionen sprunghaft an je unerfahrener die Entbindungsklinik / das Team ist.
Und kaum ein Kind stirbt weil du es nicht intubierst - aber es stirbt sich relativ leicht wenn du nicht vernünftig CPAP / Maskenbeatmung kannst.

Hoffe, das war jetzt nicht total konfus sondern ein wenig hilfreich ;-)