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Leisure Suit Alex
27.03.2007, 14:56
So jetzt versuche ich einfach mal meine volkswirtschaftliche Interpretation der Sache.
Deutschland ist eine demographische Zeitbombe. Ein Rentner hat ( für alle Moralisten: während des Bezuges seiner Rente !) genauso wenig volkswirtschaftlichen Nutzen für die Allgemeinheit wie ein Arbeitsloser.
Das stimmt so nicht, es wurden in der Vergangenheit für den schnellen Stimmenfang von den Politikern einfach zu viele Fehler gemacht.
Rentner haben viel Geld eingezahlt, hätten die Rentenkassen als geschlossenes System funktioniert, dann wäre es nie zu dem Rentenproblem gekommen - sieht man ja z.B. bei der Bayrischen Ärzteversorgung, ein Arzt bekommt auch noch relativ viel Rente und sie wurden in letzter Zeit auch immer noch erhöht.
Das mit der Arbeitslosigkeit wird sich auch irgendwann in Zukunft wieder ändern.
Für Ärzte gab es nicht mal zu Kriegszeiten schlechte Zeiten, also wenn ein Arzt nicht mutwillig verarmen will, dann wird er es auch in Zukunft nicht, aber man kann halt jeden Beruf in einem Land auch nur im Zusammenspiel mit anderen Berufen sehen.
Architekten haben vor 20 Jahren viel mehr verdient, BWLer haben früher viel mehr verdient, Lehrern ging es früher auch besser, usw... Ist halt einfach nur solidarisch, wenn Ärzte nicht das gleiche verdienen wie vor 20 Jahren. ;-)
hennessy
27.03.2007, 15:07
....
Für Ärzte gab es nicht mal zu Kriegszeiten schlechte Zeiten, ....;-)
kannst Du mir das mal genauer erklären, bitte?
Mein Großvater war Arzt im Krieg und der sah dies ein weeeenig anders.
gruß hennessy
Stagger Lee
27.03.2007, 16:41
Ein Rentner hat ( für alle Moralisten: während des Bezuges seiner Rente !) genauso wenig volkswirtschaftlichen Nutzen für die Allgemeinheit wie ein Arbeitsloser.
"Glücklicher" Weise steigt die Zahl beider Berufsgruppen in Relation zur Gesamtbevölkerung in Summe von Jahr zu Jahr.
Das schwächt den Staat und die Sozialsysteme.
Das Großteil der Ärzte lebt aber von der Leistungsfähigkeit der Sozialsysteme und des Staates.Kann ich nicht nachvollziehen. Senkung von Sozialleistungen ist kein Naturgesetz, sondern hat immer die Alternative der Beitragserhöhung. Beim Beispiel Arbeitslosigkeit fehlt es halt meist an eigener Betroffenheit und Empathie ("faul und selbst Schuld"), was noch von den Medien befeuert wird (Florida-Rolf, Henrico Frank). Bei der Krankenversicherung schaut das ganz anders aus, denn krank und beim Arzt war jeder schon mal. Deshalb dürfte das Wahlvolk hier viel eher gegen Leistungssenkungen und für höhere Beiträge sein.
Mag sein, daß es wie bei der Rente läuft. Wenn man genau hinhört, heißt es da aber auch nicht: du wirst im Alter arm sein. Sondern es heißt: sorge privat vor, um deinen Lebensstandard zu halten. Genauso könnte die Politik bei der Krankenversicherung stärker auf private (Zusatz-)Versicherungen setzen. Damit wäre das Ziel erreicht, Gesundheitskosten von den Arbeitgebern auf die Arbeitnehmer umzuwälzen, genauso wie bei der Privatrente. Aber wieso sollte sich das auf die Ärztegehälter auswirken? Ist doch egal, ob die gesetzliche oder eine private Versicherung die Rechnung zahlt.
OK, es wäre der Schritt zur Zweiklassenmedizin. Und mit der privaten Versicherungswirtschaft gäbe es einen Player mehr, der aus dem Gesundheitssystem seine Gewinnmarge ziehen muß. Aber das ist in einer Marktwirtschaft ja nun nichts verwerfliches. Ich sehe jedenfalls nicht, wo die Ärzteschaft, sofern ihr Horizont beim eigenen Konto endet, da betroffen wäre.
hennessy
27.03.2007, 16:47
....OK, es wäre der Schritt zur Zweiklassenmedizin.....
meiner Meinung nach haben wir die längst. Aber Frau Ulla Schmidt will ja dafür sorgen, dass wir eine staatliche Einheitsmedizin bekommen.
gruß hennessy
Stagger Lee
27.03.2007, 16:58
Gut: ein weiterer Schritt zur...
Im Drang, mich kurz zu fassen, stolpere ich halt manchmal über meine eigenen Füße.
ehem-user-02-08-2021-1033
27.03.2007, 17:53
Sicherlich ist eine Senkung der Leistungen kein Naturgesetz.
Doch ist es ein Naturgesetz, dass sich Beiträge nicht beliebig erhöhen lassen und spätestens an diesem Punkt muss man kürzen.
Stimmt wenn das Wahlvolk nur noch aus Rentnern und Arbeitslosen besteht werden keine Leistungen gekürzt, sondern Beiträge erhöht...
Und die Leute , die dann die Beiträge zahlen , werden es freudig hinnehmen ?
Warum es sich auf die Ärztegehälter auswirkt?
Ganz einfach:
Die Demographie,
bereits im Jahr 2015 wird jede dritte Erwerbsperson über 50 sein.
Du bringst das Argument der privaten Absicherung.
Welche private Krankenversicherung wäre denn so dämlich einen Rentner zu einem bezahlbaren Beitragssatz auch nur annähernd mit den Leistungen zu versichern , die man derzeit als gesetzlich Versicherter erhält ?
Folglich fällt das Groß der Rentner schonmal aus dem Kreis der lukrativen Kunden raus...
Von den arbeitslosen wollen wir mal nicht reden.
Sollen sich jetzt in Zukunft alle Ärzte um Privatpatienten prügeln ?
( und ich meine das in extremerer Weise als es jetzt der Fall ist)
Sicherlich ist nur eine Art der Entwicklung.
Nur es ist die Frage , auf wessen Kosten man die demographische Entwicklung ausgleicht.
Auf die der Patienten oder die der Ärzte...
Tja, und da bin ich halt nunmal etwas pessimistisch...
Stagger Lee
27.03.2007, 20:18
Doch ist es ein Naturgesetz, dass sich Beiträge nicht beliebig erhöhen lassen und spätestens an diesem Punkt muss man kürzen.
Stimmt wenn das Wahlvolk nur noch aus Rentnern und Arbeitslosen besteht werden keine Leistungen gekürzt, sondern Beiträge erhöht...Das Volk, das nur noch aus Rentnern und Arbeitslosen besteht, ist ein offensichtliches Zerrbild aus der Boulevardpresse. Ceteris paribus gibt es zwar eine demographische Verschlechterung des Verhältnisses von Beitragszahlern zu Empfängern, aber erstere werden sicher nicht vom Erdboden verschluckt. Die Beiträge müssen also steigen, aber nicht ins Unendliche. Die skandinavischen Länder zeigen, daß es auch noch Raum nach oben gibt, denn dort hat man bei deutlich höherer Staatsquote den gleichen Lebensstandard und höheres Wachstum.
Und die Leute , die dann die Beiträge zahlen , werden es freudig hinnehmen ?Das Argument der überbelasteten Beitragszahler ist schon jetzt nur populistisch vorgeschoben; ernsthaft bemüht sich darum leider keine Partei. Wenn von Lohnnebenkosten und deren Senkung die Rede ist, dann ist eigentlich immer eine Senkung des Arbeitgeberanteils gemeint. Bei gleichen oder gar steigenden Lasten zieht das zwangsweise sogar eine Erhöhung der Arbeitnehmerbeiträge nach sich. Diese erfolgt halt meist clever versteckt, z.B. in der durch Leistungssenkungen erzwungenen Privatvorsorge (ohne paritätischen Arbeitgeberanteil).
Gegen diese faktische Beitragserhöhung hat es bis jetzt noch keinen Volksaufstand gegeben. Im Gegenteil, die Gier (auf Zinsgewinne) macht manche ekstatisch, obwohl Privatrenten notorisch schlecht verzinst sind...
Leisure Suit Alex
27.03.2007, 21:27
kannst Du mir das mal genauer erklären, bitte?
Mein Großvater war Arzt im Krieg und der sah dies ein weeeenig anders.
gruß hennessy
Im 2.WK war man als Medizinstudent schonmal im Gegensatz zu anderen Studenten unentbehrlich oder wie man das nannte, d.h. man musste nicht an die Front.
Ausserdem haben die Ärzte nicht direkt an der Front gekämpft, viele waren in der Heimat, welche abgesehen von Bombardierungen recht unkritisch war, und die, die es nicht waren, die waren zumindest in den Lazaretten - ist einfach ein Unterschied zu Leuten, die an die vorderste Front müssen.
Krieg ist schon generell nichts Gutes, bin selber Kriegsdienstverweigerer, aber wenn man es nüchtern betrachtet, dann hat ein Arzt in Notzeiten einfach Privilegien, die andere Berufsgruppen nicht haben, denn auch eine Gesellschaft der es schlecht geht und die an vielen Sachen sparen muss, wird nach der Ernährung, was im Grunde auch Gesundheit ist, direkt in die Gesundheit investieren und dadurch auch in die Ärzte.
KingLoui
28.03.2007, 13:37
Die Prognose für den Arztberuf zeigt meiner Meinung nach, nach oben, denn:
1. Angebot und Nachfrage steigern den Wert einer Ware (hier die Ware Arzt)
2. Die Ärztegehälter eher einen geringen Teil der Kosten des Gesundheitssystems ausmachen. Hier wird eher an anderen Ecken gespart werden.
3. Gesundheit für jeden untentbehrlich ist und die meisten Bürger sehr wohl bereit dazu sind hier kräftig selber zu investieren.
alley_cat75
28.03.2007, 14:52
Sicherlich ist eine Senkung der Leistungen kein Naturgesetz. Doch ist es ein Naturgesetz, dass sich Beiträge nicht beliebig erhöhen lassen und spätestens an diesem Punkt muss man kürzen.
Bin gespannt, wann dieser Punkt kommt. *achderpunktkommt*
... wenn das Wahlvolk nur noch aus Rentnern und Arbeitslosen besteht, werden keine Leistungen gekürzt, sondern Beiträge erhöht... Und die Leute, die dann die Beiträge zahlen, werden es freudig hinnehmen?
Ja, Hase, das werden sie hinnehmen müssen, da es keine Alternativen gibt. Gegen 19% MwSt konnten wir auch nichts unternehmen. :-nix
Welche private Krankenversicherung wäre denn so dämlich einen Rentner zu einem bezahlbaren Beitragssatz auch nur annähernd mit den Leistungen zu versichern, die man derzeit als gesetzlich Versicherter erhält?
Gesetzlich Versicherte bekommen mehr Leistung als Privatversicherte? Habe ich irgendetwas verpasst? Darüberhinaus versichert die PKV nicht ausschließlich junge, gesunde Hüpfer.
Tja, und da bin ich halt nunmal etwas pessimistisch...
Ich würde das nicht pessimistisch nennen, sondern keine Ahnung haben.
ehem-user-02-08-2021-1033
28.03.2007, 20:23
Liebe Vorrednerin,
dein Posting ist an Arroganz nicht zu übertreffen.
Ein Hase bin ich wohl kaum...
Kein Mensch kann Ahnung von der Zukunft haben, es sei denn er ist Prophet.
Tja , und dieser Menschenschlag ist doch recht selten...
Man kann Visionen haben, oder Prognosen machen.
Nenn es wie du willst beides ist meinem Wesen entsprechend von Pessimismus geprägt.
Der Leistungsumfang bezogen sich auf die Zukunft.
Neben Ärzten gibt es auch Aktionäre die Geld verdienen möchten...
Und die können unter Umständen auch aus einem anderem Land kommen und denen ist es scheißegal , wie gut oder schlecht das deutsche Gesundheitssystem ist.
Das nennt man Globalisierung.
MatzeXXL
28.03.2007, 20:53
Ein interessantes Thema verkommt mal wieder zum "Ich hab die fiese Gesundheitspolitik durchblickt und leg hier mal die Fakten auf den Tisch"-Gelaber...
Ich warte eigentlich darauf das dieser Thread mal geschlossen wird, geht ja schließlich alles am Thema vorbei. :-top :peace:
Stagger Lee
28.03.2007, 21:02
Man kann Visionen haben, oder Prognosen machen.Du hast Helmut Schmidts Zitat falsch verstanden: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, nicht Arzt werden. ;-)
ehem-user-02-08-2021-1033
29.03.2007, 09:43
@ Stagger Lee
Ist witzig, irgendwie musste ich als ich die Passage verfasste auch an dieses Zitat denken.
Thema Medizinstudium abbrechen:
Die Threaderöffnerin beklagte sich über die derzeitige lausige Situation der Ärzte.
Dies lies in ihr Zweifel über den Sinn ihres Studiums aufkommen.
Meine These:
Lausig ist es jetz, aber mittelfristig wird es dank der Demographie noch lausiger.
Sorry,
dass ich mich so kurz fasse.
Aber anscheinend sind einige Leute mit einem mehrzeiligen Beitrag derart überfordert , dass sie ihn als Gelaber bezeichnen.
Es tut mir leid. :-keks
Leisure Suit Alex
29.03.2007, 09:47
Die Möglichkeit auszuwandern bleibt ja auch noch, hast du mit Szeged ja anscheinend auch schon gemacht... Für viele, einschließlich mich, wäre auswandern nix, aber man weiss ja nicht wie das beim Threadersteller aussieht - die Möglichkeit fast überall zu arbeiten ist halt auch ein Vorteil des Medizinstudiums.
Die Ärzte beispielsweise in England verdienen ja auch bedeutend besser als in Deutschland, trotz der gleichen demographischen Entwicklung.
Oberster Betäuber
29.03.2007, 17:48
Ja, mit der Möglichkeit, auszuwandern, hat man als Mediziner in der heutigen globalisierten Welt wirklich ein Ass im Ärmel ! Es dürfte keine andere Industrienation auf der Welt geben, die derart viele Ärzte exportiert wie Deutschland !
Obwohl es zwar richtig ist, daß die Bezahlung im KH nicht so schlecht ist, daß man in die Armut abzurutschen droht, so wurde bislang jedoch nicht erwähnt, daß das eigentliche Dilemma die Phase nach der Facharztweiterbildung betrifft. Hier liegt der Hauptgrund für den massiven Exodus der Ärzte, denn das alte Modell des niedergelassenen Facharztes in eigener, selbstfinanzierter Praxis funktioniert nicht mehr. Hugh, ich habe gesprochen :-))
Ehemaliger User 20130505
29.03.2007, 20:05
Hier liegt der Hauptgrund für den massiven Exodus der Ärzte, denn das alte Modell des niedergelassenen Facharztes in eigener, selbstfinanzierter Praxis funktioniert nicht mehr. Hugh, ich habe gesprochen :-))Dann bleibt als Alternative immer noch die ambulante Tätigkeit als Angestellter in einem Medizinischen Versorgungszentrum: Keine riskanten Investitionen in eine eigene Praxis und statt dessen geregelte Arbeitszeiten und festes Gehalt.;-)
also ausland ist für mich eigentlich nie in frage gekommen.
mir gehts nicht nur um die unangemessene bezahlung sondern hauptsächlich um die nicht mehr vorhandene freizeit und zeit für familie, freunde, sozialleben eben.
und die mvz's...wie das in zukunft aussieht, steht doch in den sternen...oder? die gibts ja erst seit ein paar jahren..
Relaxometrie
01.04.2007, 13:28
Die äußeren Faktoren sind in keinem Beruf 100%ig abzuschätzen und man weiß eh nicht, wo man nach dem Studium genau landet. Deswegen würde ich rein nach fachlichem Interesse entscheiden.
Wenn Dich die Medizin in ihren Bann gezogen hat, Du Dich gerne mit den meisten Fächern auseinandersetzst, gerne in den Büchern liest, fachliche Dinge spannend findest und hinterfragst, studiere weiter.
Wenn Dich die Zukunftsängste bzgl. einer Berufslaufbahn in der Medizin vom konzentrierten Studium abhalten, dann brich das Studium ab. Denn dann würdest Du Dir später bei den kleinsten Problemen im Berufsalltag immer wieder den Vorwurf machen, nicht doch noch umgeschwenkt zu haben.
Die Zeit, die Du bisher ins Studium investiert hast, war ja nicht verloren. Auch wenn manche besonders karrierebewussten Menschen einem das immer wieder einzureden versuchen.
Ich würde auch noch nicht krampfhaft nach Alternativen suchen, sondern zuerst ganz klar entscheiden: Medizin - ja oder nein?
Wenn Du Dich dann für das "nein" entscheidest, wirst Du bestimmt eine schöne Alternative finden. Es gibt solche Massen an Berufsausbildungen, daß für jeden Menschen etwas dabei ist, was ihm Spaß machen kann.
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