PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Doktorarbeit - Allg. Fragen



Seiten : 1 [2]

Monty
09.11.2007, 10:10
Das Problem bei den experimentellen Arbeiten ist einfach, dass man entweder Glück haben muss oder bei seinem ersten Thema fast zwangsläufig gegen den Baum fährt: man lässt sich als wissenschaftlich interessierter Student einfach zu leicht von toll klingenden Methoden, Techniken und Inhalten begeistern und sagt schnell zu (könnte ja auch schnell weg sein!)... und stellt dann fest, dass nichts funktioniert, die Methoden stink langweilig oder schlecht etabliert ist und sich für das Thema im Grunde dann auch keiner interessiert. Irgendwann schmeißen dann viele ihr erstes Thema und suchen sich dann mit etwas mehr Weitsicht und Hinterfragen ein besseres. Ist auch klar, dass es so läuft, da die Doktorväter im Allgemeinen oftmals schon ein Interesse an einem Pipettiersklaven haben, der ihnen die Drecksarbeit für lau macht, das muss man sich aber auch vergegenwärtigen, da wird auch durchaus damit gerechnet, dass mehrere Doktoranden verheizt werden, bis die Arbeit durch ist. Wie auch immer, eine Arbeit, die 2,5 Jahre dauert... no way! Finger weg! Wenn du das nebenbei machen sollst und die Arbeit nicht 100%ig dein Ding ist, reibst du dich daran auf und schmeißt es dann evtl. nach 'nem halben Jahr frustriert hin. Such dir was handliches kompaktes mit wenigen gut durchdachten Methoden, die auch vom Zeitaufwand nebenbei locker zu betreiben sind, sonst wird es irgendwann wirklich anstrengend! Ferner sollte dir das Laborumfeld gefallen, denn da verbringt man dann viel Zeit, es gibt durchaus Labore in denen man sich einfach nicht gern freiwillig aufhält, das ist schonmal eine schlechte Voraussetzung und der Doktorvater sollte sympathisch sein und nicht zu viel zu tun haben.

Peter_1
09.11.2007, 11:07
@ Monty :-dafür

Dies ist auch meine Erfahrung, Du kannst in der Regel den angegeben Zeitrahmen locker mal verdoppeln. Weiterhin schauen was es für Methoden sind die angewandt werden, hier liegen oft ungeahnte Fußangeln, ein gutes Team und ein guter Betreuer sind verdammt wichtig. Leider hat man eigentlich am Anfang selten den Überblick um überschauen zu können ob es hinhaut oder nicht. Wenn man dann aber ein paar Monate drinsteckt, dann bekommt man meistens ein Gespür ob das Konzept realistisch ist oder nicht, im Zweifel besser füher wie später abspringen und was neues suchen.

Poro
09.11.2007, 11:54
Na ja, ich werde einfach mal da nächste Woche hin und mehr Informationen bekommen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, werden wohl auch drei verschiedene Themen vergeben, die unterschiedlich zeitaufwendig sein sollen.
Ansonsten wollte ich eh meine Hausarbeit damit verbinden. Ich könnte also meine HA dort schreiben im fünften und wenn ich es nicht so toll fand, dann mache ich halt nicht weiter. Das geht doch oder? Muss man denn eigentlich so eine Art Vertrag machen? Dann habe ich nicht wirklich viel verloren.
Aber danke für eure Hinweise.

McBeal
09.11.2007, 13:24
@Lava: Du kannst es drehen und wenden, wie Du willst, bei uns bekommst Du, neben den anderen Kriterien wie alleinerziehend am Ort, Behinderung etc. auch eher einen PJ-Platz an Deinem Wunsch-Haus, wenn Du dort eine Diss machst. Dazu muss man dann zur PJ-Bewerbung eine Kopie der Diss-Anmeldung dazulegen. Ich mache meine Diss zwar nicht an dem Haus, um dort einen Platz zu bekommen, sondern weil mich Fach und Thema interessieren, aber ich hätte die Arbeit wahrscheinlich noch nicht angemeldet, wenn es mir nicht quasi meinen PJ-Platz gesichert hätte.

Ich mache etwas klinisch-experimentelles und wie die Niere schon schrieb zieht es sich bei mir nicht wegen Laborarbeit und -methoden in die Länge, sondern weil ich auf Patienten angewiesen bin, die z.T. nur alle drei Monate kommen und die ich noch nicht wieder "erwischt" habe, weil ich gerade im Ausland bin. Bei mir sind die Experimente also echt nicht das Prob, sondern die Patienten.

LG,
Ally

Lava
10.11.2007, 15:40
OK, wusste nicht, dass die Doktorarbeit mancherorts als Vorteil gewertet wird. In Freiburg zählen da nur Kriterien wie Ehepartner und Kinder.

Tja, was die Sache mit den experimentellen Arbeiten angeht.... das wurde wahrscheinlich andernorts schon ausführlich diskutiert, aber ich will trotzdem mal meinen Senf dazugeben.
Von mir werden da keine positiven aussagen kommen, weil ich eben z.Z. echt nur noch frustriert bin und es mir gar keinen Spaß mehr macht. Andere Leute gehen in ihrer Diss auch voll auf und manche sogar so sehr, dass sie gleich nahtlos weiter forschen.
Aus meiner Sicht sind es vor allem 2 Punkte, die einem die Sache vermiesen können:

- Ahnungslosigkeit und
- Naivität

Man wird ja praktisch dazu gezwungen, relativ früh mit einer Doktorarbeit anzufangen. Teilweise im ersten Semester nach dem Physikum, oder zumindest im ersten Jahr, damit man auch ja fertig wird vor dem PJ. In dieser Phase weiß man allerdings noch sehr, sehr wenig, was einen überhaupt interessiert. Ich z.B. hab damals eine Arbeit in der Kardiologie angefangen und habe erst später gemerkt, dass mich das eigentlich doch nicht interessiert. Gut, die Labormethoden sind überall die gleichen, aber zumindest fürs Beschäftigen mit dem Thema ist es von Vorteil, wenn man sich dafür interessiert.

Zum zweiten Punkt: mir haben damals einige Leute davon abgeraten, genau diese Arbeit anzufangen und es sprachen wirklich extrem viele Fakten dagegen: erste Doktorandin des Betreuer, Doktorvater ist ins Ausland gegangen, viele nicht etablierte Methoden. Aber ich war eben so naiv zu glauben, dass das alles schon klappen wird irgendwie. Mein Betreuer ist ganz spitze darin, Leute immer wieder um den Finger zu wickeln.

Als ich aus dem PJ zurück kam, waren da gleich drei neue Doktoranden in unserem Labor, alle unter der Leitung meines Betreuers. Ich hab die dann mal gefragt, ob sie überhaupt wissen, dass unser gemeinsamer Betreuer derzeit FÜNF (!) Doktoranden betreut und noch KEINEN (!) zu einer fertigen Diss gebracht hat. Außerdem ist deren Doktorvater nicht mehr derselbe wie meiner (logisch, weil der ja immer noch im Ausland ist), sondern der Chef der Abteilung, der aber wahrscheinlich nicht mal von der Existenz "seiner" Doktoranden weiß und ungefähr alle 3 Jahre mal im Labor vorbei schaut um zu gucken, ob es noch steht.

Was ich damit sagen will: hört euch um, ob ein Labor fair zu seinen Doktoranden ist (das gibt es nämlich durchaus) und HÖRT auch wirklich darauf, was euch Leute sagen.

Poro
10.11.2007, 21:25
Aber wie kann man sich denn umhören außer im Forum der Fachschaft? Ich habe nur im Internet gelesen, dass schon einige bei ihm promoviert haben. Bis jetzt hat er sich zumindestens schon mal gut "gekümmert", z.B. all meine Fragen fleißig und sofort beantwortet (na ja, aber vielleicht findet er ja auch sonst keinen anderen :-blush )

Hellequin
11.11.2007, 15:50
Ich fühle mich jetzt mal gemüßigt auch mal was positives zu schrieben.Zwar kotzt mich das zusammenschreiben gerade etwas an und ich kenne auch genügend Leute bei denen es schlechter gelaufen ist als bei, mir nichtsdestotrotz auch mal ein Bericht von jemandem bei dem es eigentlich alles ganz gut gelaufen ist. ;-)

Ich habe ebenfalls eine klinische gemacht.
Eigentlich bin ich damals eher zufällig an die Arbeit gekommen. Gesucht hatte ich eine klinische Arbeit, habe aber nichts in dem Bereich gefunden. Zufälligerweise war ich dann im Liquorlabor gewesen und hab dann halt neugierigerweise mal gefragt ob sie da auch Doktorarbeiten zu vergeben haben. Zu dem Zeitpunkt war gerade eine Arbeit frei und die hat sich auch ganz interessant angehört.
Ich habe von Anfang an gesagt das ich zumindestens mit dem praktischen Teil bis zum Anfang des PJs fertig sein möchte. Deren Aussage war das der praktische Teil etwa 1-1 1/2 Jahre dauern würde. Gebraucht habe ich knapp ein Jahr.
Anfangs habe ich sehr mit mir gerungen ob ich jetzt tatsächlich eine experimentelle Arbeit machen soll. Was mich letztendlich überzeugt hat, war meine Betreuerin. Sie ist Biologin und selber wahnsinnig begeistert von der Methodik mit der wir dort arbeiten. Wobei die Methode mit der ich gearbeitet habe zum damaligen Zeitpunkt noch recht neu war und ich auch erst der zweite Doktorand in der Abteilung war der mit ihr gearbeitet hat.
Sie hat mir dann von sich aus vorgeschlagen, das sie mich für 2 Monate in die Methodik einlernt und ich mich dann entscheide ob das ganze experimentelle Gedöns was für mich ist oder nicht. Ich hatte sie während dem praktischen Teils immer als Ansprechpartner zur Verfügung und der Großteil der auftretenden Problem hat sich sehr schnell lösen lassen.

Lava
11.11.2007, 16:28
Aber wie kann man sich denn umhören außer im Forum der Fachschaft?

Absolut jeden fragen, der dir über den Weg läuft, wo er Doktorarbeit gemacht hat und wie es war. Am besten Leute fragen, die fertig oder fast fertig sind. wenn man frisch anfängt, neigt man immer so zu Übermut. ;-)

Blondi
11.11.2007, 21:01
Ich habe in den letzten Wochen viele Emailanfragen abgeschickt und es gibt ein paar, die meinen, sie würden Doktoranden suchen. Sicherlich ist eine experimentelle gut fürs Ego, wenn sie denn klappt, aber ich denke, dass ich, obwohl ich es sehr gern versuchen würde, wohl besser die Finger davon lassen will, und wenn ich mich zwingen muss, es nicht zu probieren. Eigentlich will ich im Grunde nichts weiter als eine sichere Kiste, die einfach klappt und das in angemessener Zeit, ich denke ich hätte nicht die Geduld, da mehrere Jahre reinzustecken und dann auch noch das Risiko zu tragen, dass alles umsonst war. Ich kenne Leute, bei denen das so gewesen ist und muss sagen, dass ich damit definitiv nicht klarkommen würde, die Welt würde für mich untergehen, da ich neige, Dinge zu überdramatisieren. Zweitens bin ich im Moment körperlich und psychisch total im Sand, hätte gar nicht die Kraft für eine Experimentelle.

Was denkt ihr ist der minimale Zeitraum, in dem man eine Doktorarbeit fertig kriegen könnte? Sind eigentlich auch Einzelfallstudien als solche zugelassen? Ist denn jede theoretische Arbeit automatisch von statistischer Natur? (So etwas wie Geschichte will ich aber allerdings auch auf gar keinen Fall machen). Muss man bei statistischen Arbeiten, wo man eigentlich nur ein Datenverwalter ist, ebenfalls den angegebenen Zeitrahmen verdoppeln oder versuchen sie einen da weniger zu täuschen, da sie sich nicht so viel Engagement erwarten wie bei jemandem, der forschen möchte?

Danke!

Poro
13.11.2007, 20:06
Hallo,

ich hatte mich ja heute mal mit dem Oberarzt, siehe oben, getroffen, der das Projekt leitet. Habe auch einen Teil des Teams kennengelernt (sehr nette Atmosphäre auf den ersten Blick), und es kommen wohl noch drei bis vier Doktoranten dazu. Ich könnte ja wegen dem Physikum sowieso erst im April dazustoßen. Aber er meinte, man müsse JEDEN Tag dahin. Das Projekt würde wohl für drei Jahre genehmigt worden sein, aber man könnte auch nach ca. 1,5 Jahren die Arbeit schreiben. Und dau kommt, dass man an jedem 4. und 12. Tag nach Einlieferung des Pat. noch 8-10 Stunden Muskelbiopsien untersuchen muss (insg. sollen 100 Pat. untersucht werden). Es hört sich zwar alles sehr interessant an und mich reizt die Arbeit schon sehr, nur kann ich mir kaum vorstellen wie man das neben dem Studium schaffen soll. Er meinte zwar, man muss nicht jeden Tag da sein, aber einer der Doktoranten müsste schon immer anwesend sein. Und Auslandsfamulaturen würden wohl auch eigentlich nur schwer gehen, es sei denn die anderen Doktoranten sind damit eineverstanden (aber das kann man ja vorher schlecht klären, wenn man diese noch nicht kennt).
Meine Idee war jetzt wie folgt: Ich könnte ja innerhalb dieses Projektes im fünften meine Hausarbeit zu genau dem Thema der Doktorarbeit schreiben. So kann ich ca. 3-4 Monate sehen, wie es mir gefällt und ob das zeitlich auch noch ein weiteres Jahr möglich wäre. Wenn nicht, dann habe ich es nicht ganz umsonst gemacht. Wenn der Aufwand dann vielleicht auch ein bisschen viel für eine HA gewesen wäre. Und dann könnte ich mir immer noch später eine neue Doktorarbeit suchen.
Hatte denn jemand von euch eine Doktorarbeit geschrieben, wo man wirklich fast jeden Tag anwesend sein musste?

Peter_1
14.11.2007, 14:55
Was denkt ihr ist der minimale Zeitraum, in dem man eine Doktorarbeit fertig kriegen könnte? Sind eigentlich auch Einzelfallstudien als solche zugelassen? Ist denn jede theoretische Arbeit automatisch von statistischer Natur? (So etwas wie Geschichte will ich aber allerdings auch auf gar keinen Fall machen). Muss man bei statistischen Arbeiten, wo man eigentlich nur ein Datenverwalter ist, ebenfalls den angegebenen Zeitrahmen verdoppeln oder versuchen sie einen da weniger zu täuschen, da sie sich nicht so viel Engagement erwarten wie bei jemandem, der forschen möchte?
Danke!

Moin Blondi,
wie schon oft geschrieben: es sind definitiv keine Pauschalurteile drin! Soll heissen: kommt auf die konkrete Arbeit an! Alles ist drin: von 3 Monaten-10 Jahren. Die "statistische Arbeit" bitte nicht unterschätzen, wenn man gar keinen Bock hat "Papier" zu wälzen und ganz besonders auf Kriegsfuss mit Statistik steht ist das nicht immer die schnellere und einfachere Alternative (kann man sich überhaupt motivieren wenn gar kein Interesse am Thema vorhanden ist?)! Einzelfallstudien sind denke ich in der Regel nicht dissertationswürdig, eine Dissertation sollte keine "Beschreibung" von irgendwas sein sondern sollte eine wissenschaftliche Abhandlung sein.

lore
14.11.2007, 20:55
Muss man bei statistischen Arbeiten, wo man eigentlich nur ein Datenverwalter ist, ebenfalls den angegebenen Zeitrahmen verdoppeln oder versuchen sie einen da weniger zu täuschen, da sie sich nicht so viel Engagement erwarten wie bei jemandem, der forschen möchte?

der doktorvater täuscht dich genauso wie ein anderer, egal was für eine art von arbeit. wobei ich das noch nicht mal für absicht halte. die überschätzen einfach selbst auch manchmal, was ein doktorand schaffen kann. ist ja schön, wenn man sehr motiviert anfängt, aber pflichtseminare oder sowas sind eben nicht zu verhindern.
ich vermute bei einer statistischen arbeit täuscht man sich eher selber: für eine statistische arbeit sollte man was über statistik wissen oder lernen. find ich kompliziert, wenn man nicht sehr gut angeleitet wird. außerdem kann auch da unvorhergesehenes dazwischen kommen. so wie zellen nicht reagieren oder patienten nicht mehr in der ambulanz auftauchen können akten verwschwunden oder schlecht ausgefüllt sein, dein datenprogramm kann abstürzen, dein doktorvater kann sich nach nem halben jahr überlegen, dass er die zweite stelle hinterm komma doch interessant findet...

Lifendhil
20.11.2007, 22:53
Hatte denn jemand von euch eine Doktorarbeit geschrieben, wo man wirklich fast jeden Tag anwesend sein musste?
Das find ich einfach nur extrem. Kann auch kaum nachvollziehen, warum du überhaupt über so etwas nachdenkst. :-nix Und das auch noch über Jahre. Ok, wenn du in die Forschung willst und dir deine praktische Ausbildung nicht so wichtig ist, dann mag das eine Alternative sein. Aber selbst dann würde ich eher eine "echte" bezahlte gute Doktorarbeit ans Studium dranhängen, als nebenher täglich (!!!) ohne Bezahlung zu schuften. Auch wenn dich das Thema interessiert... es gibt doch sicher noch andere Themen, die du interessant findest und Doktorarbeiten, die nicht diesen Arbeitsaufwand verlangen.

Blondi
20.11.2007, 23:05
3 Monate...das wäre ein Traum. Aber es ist wohl so gut wie unmöglich, so etwas zu finden.