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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "House of God" - wie fandet ihr es, ist es realistisch?



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Lenni
01.05.2007, 17:08
ich fand es ok, mehr aber auch nicht.....manche sachen waren ja ganz lustig.

jatina
09.05.2007, 19:34
Ich persönlich fand das Buch- und auch seinen Nachfolger, Mount Misery, nicht schlecht.
Allerdings finde ich auch, das es in der deutschen Übersetzung so einiges an Witz verliert.......

Was die Realitätsnähe angeht- klar ist Manches überzogen.
Andererseits erkenne ich (nach vier Jahren in der Medizin vor dem Studium bei Niedergelassenen und mittlerweile 10 Semestern auf dem Buckel) doch so manche Situation wieder.

Beispiele...nun, zum Beispiel die totale Ratlosigkeit in Notfallsituationen, die einen als Anfänger überkommen kann- siehe der Moment in der Notaufnahme wo ein älterer Herr Bash mit Herzstillstand quasi vor die Füße fällt und letztendlich der Dicke ranmuss weil Bash völlig gelämt ist.

Oder die Tatsache, das man, wenn man die ersten Male für etwas Verantwortung übernehmen muss, plötzlich alltägliche Prozeduren mit ganz anderen Gefühlen betreibt (siehe die Situation als Aspirin verschrieben werden soll und plötzlich die Flatter umgeht, ob das denn nun richtig so und überhaupt.....).

Und das Turfen- oh doch, das habe ich im Klinikalltag schon mehr als häufig gesehen und es war auf manchen Stationen sogar ein stehender Begriff a la "OH- die Kardio versucht gerade einen Patienten rüberzuturfen......".

Mir fallen jetzt noch mehr Beispiele ein- also ja, Vieles in dem Buch ist überzogen aber in meinen Augen ist manches von der Wahrheit gar nicht so weit entfernt.

Ösiman
09.05.2007, 19:56
-- hey, vor allem die gute Formel

Harnstoff + Lebensalter = Lasixdosis

funktioniert wirklich!!
- habe mich mal so rangetastet, aber die ist echt effektiv...! Die pinkeln dann wirklich....
(die Urologen unter uns mögen mich jetzt strafen, aber nachts um 2 ist das dann doch oft der Renner...)
:-)) :-))

Dr. Hyde
13.05.2007, 17:00
gibt viele zutreffende und gut beschriebene szenen. natürlich dramaturgisch überspitzt und nicht 100% realitätsnah, aber charaktere sind gut getroffen.

auch deutsche krankenhäuser sind voll von leggos, fischen und putzeln. und irgendwann kommen auch die help-boys :-)
die grundmaxime "die beste ärztliche behandlung ist keine behandlung" hat auch was...

Evil
13.05.2007, 17:11
die grundmaxime "die beste ärztliche behandlung ist keine behandlung" hat auch was...
Ist aber ein uralter Hut... die Sprüche "holt dich fern vonne Dokters" oder "die Volksgesundheit hält sogar die Ärzte aus" gab's schon zu Virchows Zeiten...

Dr. Hyde
13.05.2007, 17:21
interessant ist halt, wie wenig man sich auf diese weisheiten verläßt. statt dessen wird "immer das beste für den patienten" getan (Jo, die kardiologin ;-) ) anstatt einfach mal das beste zu lassen :P

Giant0777
13.05.2007, 18:44
Also meine Frage: Wie seht ihr den KH-Alltag im Vergleich zu diesem Buch? Ist es wirklich ein Genervt-Sein von Patienten, eine Art Loswerden-Wollen und eine Versorgung, die halt gemacht wird, damit halt eine Versorgung gemacht wurde, aber das in möglichst kurzer Zeit, und auch nur, um den Fall abhaken zu können, und weniger, um was erreicht zu haben?Läuft im KH vieles auf die derbe Tour? Sind wirklich alle so desillusioniert nach kurzer Zeit?

Also, ich selbst habe das Buch schon 3 oder 4 mal gelesen und kann mich immer wieder gut amüsieren. Zur Realität kann ich allerdings nur als KPP´ler berichten:
Ich war letztes Jahr 3 Monate in einem kleinen Kreiskrankenhaus mit Grundversorgung und war in der Inneren, der Notaufnahme und der Chirurgie ( jeweils 1 Monat ):

Wenn der stadtbekannte Alkoholiker zum 4x im Monat völlig zugedröhnt aufschlägt, die halbe Aufnahme "vollbricht" und danach regelmässig ins Delirium fällt, dann kann man schon sowas wie leichte Ernüchterung bei Arzt+Pflegepersonal feststellen ( die Vorstellung, solche Patienten weit abzuschieben, ist dann schon äusserst verlockend ).
Oder wenn Diabetiker mit entgleistem Zucker heimlich 4 glassierte Pfannkuchen ins Kh geschmuggelt bekommen, der Zucker dann dezent entgleist und der Assi auf diese Art ewig braucht, den Zucker neu einzustellen, dann wirste sicher glauben, dass die Ärzte WENIG Hoffnung in ihre Therapie setzen.

Das sind zwar nur 2 Bsp, die mir so spontan einfallen, aber es gibt noch mehr. Ich selbst habe das Buch direkt vor meinem Praktikum gelesen und echt ´ne Menge wieder gefunden, einfach weil dass Buch eben Stationsalltag beschreibt und oben genannte Dinge ( Abschieben, genervt sein, Desillusion ) dazu gehören.

Vllt fällt es eben manchmal nur schwer, sich das einzugestehen, dass man auch mal keine Lust hat auf Patienten! Das Buch beschreibt es eben mit einer Direktheit, die man sich halt nicht im Alltag leisten kann, aber wohl doch ab und an so denkt!

Und Du glaubst nicht, wie oft ich bei uns RUUUUUUUUUUUUUDL wiedergefunden habe!

Grüsse, Giant

Kackbratze
13.05.2007, 22:00
Wobei die Desillusionierung schon im Studium eingesetzt hatte....

Werwolf
15.05.2007, 17:38
dieses buch ist die wahrheit!


Dem würde ich mich anschließen. In manchen Dingen sicherlich überspitzt, aber verdammt gut beobachtet und beschrieben. (Literarisch allerdings sicherlich nicht besonders hochwertig.) Ich habe das Buch mit großem Genuß gelesen und stelle immer wieder fest, daß der Klinikalltag auch heute und in D nicht so besonders weit weg ist vom House of God.

"Mount Misery" und "Dr. Fine" fand ich allerdings schon enttäuschend.

jatina
19.05.2007, 19:56
Und Du glaubst nicht, wie oft ich bei uns RUUUUUUUUUUUUUDL wiedergefunden habe!


Allerdings. Bei uns zuletzt in der Variante "Hallihallo.....hallihallo......hallooooooooooo.... .hallihallo!"

War auch schön...... :-blush