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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Beschichtung Vacutainer - EDTA vs. Heparin vs. Citrat



Robokopi
05.06.2007, 15:55
Tach auch,

ich bin letztens auf die Frage gestossen, wieso es denn überhaupt unterschiedliche Antikoagulantien in Vacutainern gibt. Wieso macht man nicht überall EDTA rein und hemmt durch die Calciumkomplexierung die Gerinnung? Oder andersrum, warum nicht überall Natriumcitrat?

Was sind also die Wechselwirkungen der einzelnen Gerinnungshemmer, die sie für gewisse Indikationen disqualifizieren?

Und ist in Serumröhrchen überhaupt Antikoagulanz drin? Bei denen ist das Füllungsverhältnis scheinbar nicht so wichtig wie bei Blutbild(EDTA) und Gerinnung(Citrat).

Dank Euch!

Rico
05.06.2007, 17:41
Kommt drauf an was Du wissen willst.

Im Serumröhrchen sind beispielsweise die kleinen Kügelchen, an denen das Blut gerinnt, da kannst Du halt nachher keine Gerinnung mehr drauß machen, wenn alles Fibrinogen schon als Fibrin an den Kügelchen hängt...

Wenn Du ein Blutbild machen willst, dann kannst du ruhig alles Kalzium mit EDTA komplexieren, das stört die Auswertung nicht....

wenn Du Metabolite (Glucose, Lactat) bestimmen willst, dann müssen die Stoffwechselreaktionen zum Abnahmezeitpunkt gestoppt werden, etc...

...und so gibt's eben für die diversen Analyte das passende Röhrchen.

beim EDTA ist das Füllungsverhältnis übrigens auch egal, nur beim Citrat ist's wichtig, weil das ne relevante Menge in Flüssigkeit gelöst drin ist (ist so ein richtiger Tropfen da drinnen) und es sonst Verdünnungsfehler gibt.

tonexxx
05.06.2007, 21:16
beim EDTA ist das Füllungsverhältnis übrigens auch egal, nur beim Citrat ist's wichtig, weil das ne relevante Menge in Flüssigkeit gelöst drin ist (ist so ein richtiger Tropfen da drinnen) und es sonst Verdünnungsfehler gibt.
Oh ja... Immer zuerst dran denken, wenn der INR plötzlich auf 4,7 hochschnellt!

Zoidberg
05.06.2007, 22:00
darum auch erst das Serumröhrchen, damit nicht die Butterflyluft im Citratröhrchen landet und das fluoridröhrchen für Laktat und Glucose wie Rico schon geschrieben hat

warum bei Gerinnung Citrat und nicht EDTA hat glaube mit den Geräten der Analytik und dem Verfahren zu tun, vielleicht kann da FataMorgana noch was dazu sagen :-))

Robokopi
05.06.2007, 23:49
dank euch erstmal.

das natriumcitrat komplexiert doch aber ebenso wie das edta die calcium-ionen. folglich müsste doch beides gegeneinander austauschbar sein.

und würde heparin zu einer thrombozytenveränderung führen? pathochemisch ist mir das nicht klar, denn atIII beeinflußt ja nicht direkt den thrombozyten.

Rico
06.06.2007, 00:10
das natriumcitrat komplexiert doch aber ebenso wie das edta die calcium-ionen. folglich müsste doch beides gegeneinander austauschbar sein.Je nach Analyt geht das auch.

und würde heparin zu einer thrombozytenveränderung führen? pathochemisch ist mir das nicht klar, denn atIII beeinflußt ja nicht direkt den thrombozyten.Außer es gibt ne HIT auch im Röhrchen :-D

Im EDTA-Röhrchen kann es z.B. durch (in vitro) Aggregation von Thrombozyten oder anlagerung an Granulozyten bei automatischen Meßverfahren zu falsch niedrigen Werten kommen (Pseudothrombozytopenie), dann kann man die Messung auch mit Citrat- oder Heparinblut machen lassen (kann man extra anfordern im Labor).

FataMorgana
06.06.2007, 00:33
das natriumcitrat komplexiert doch aber ebenso wie das edta die calcium-ionen. folglich müsste doch beides gegeneinander austauschbar sein.

Nein. EDTA inaktiviert die Gerinnungsfaktoren V und VIII und ist daher für Gerinnungsanalysen (zumindest für koagulometrische) nicht geeignet. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass EDTA im Gegensatz zu Citrat auch andere zweiwertige Kationen sehr effektiv komplexiert (z. B. Magnesium). Da bin ich mir aber nicht ganz sicher.


und würde heparin zu einer thrombozytenveränderung führen? pathochemisch ist mir das nicht klar, denn atIII beeinflußt ja nicht direkt den thrombozyten.

Nein, primär nicht. Prinzipiell ist Heparinblut auch für die Hämatologie geeignet. Allerdings ist die Thrombozytenzahl im EDTA-Blut länger stabil. Der bedeutendste Vorteil von EDTA-Blut ist aber, dass man die Leukozytenmorphologie darin am besten beurteilen kann.

Zoidberg
08.06.2007, 08:14
vielen Dank :-)

Robokopi
08.06.2007, 20:14
dem schließ ich mich an....vielen Dank.

man kann also zusammenfassend sagen:

Blutbild: EDTA erste Wahl, da beste Lymphozytenmorphologie und längste Thrombo-Zähldauer; Citrat und Heparin ebenso möglich

Gerinnung: Citrat; EDTA und Heparin hemmen Gerinnungsfaktoren, fallen raus

Blutgas: Heparin; EDTA und Citrat verändern ph-Wert, fallen raus


alles richtig?

LG,
Robo

FataMorgana
08.06.2007, 23:20
alles richtig?

Ja, soweit schon. Aber natürlich noch längst nicht erschöpfend.

christo
09.06.2007, 09:46
Watn dann für Blutgase?
Hat jemand mal den Unterschied CPDA und EDTA für mich parat?

Hellequin
09.06.2007, 09:59
Watn dann für Blutgase?

Bei uns ist das ein Vollblutröhrchen ohne Zusätze, was dann auch der Grund sein dürfte warum das ganze möglichst schnell ins Labor soll.

FataMorgana
09.06.2007, 17:28
Hat jemand mal den Unterschied CPDA und EDTA für mich parat?

CPDA ist ein Citrat-basiertes Antikoagulans (Citrat+Phosphat+Dextrose+Adenin). Wird vor allem in der Transfusionsmedizin verwendet.

FataMorgana
09.06.2007, 17:30
Bei uns ist das ein Vollblutröhrchen ohne Zusätze, was dann auch der Grund sein dürfte warum das ganze möglichst schnell ins Labor soll.

Sicher, dass da kein Heparin drin ist? Dann gerinnt es doch noch auf dem Weg ins Labor und verstopft das BGA-Gerät. Der Grund für den raschen Transport ist doch eher derjenige, dass die Blutgase eben bei Raumtemperatur sehr instabil sind.

Hellequin
09.06.2007, 18:02
Sicher, dass da kein Heparin drin ist?
Hab nochmal nachgeschaut, und behaupte ab jetzt das Gegenteil.:-))

http://www.sarstedt.com/php/main.php?newlanguage=de&SID=87b77a8a79a1c9a84d6b74bda9b7dc61

Hab mich wohl davon irritieren lassen, das die BGA-Monovetten im Unterschied zu den sonst bei uns verwendeten S-Monovetten offen sind.

christo
09.06.2007, 18:27
Also doch Heparin?

CPDA: Kennt jemand auf die Schnelle nen Vorteil gegenüber EDTA?

Edith:
Für meine Monozyten nehm ich immer CPDA, weiß aber ehrlich gesagt nicht wieso.

FataMorgana
10.06.2007, 13:23
CPDA: Kennt jemand auf die Schnelle nen Vorteil gegenüber EDTA?

Die Zellen bleiben in CPDA länger vital, da Nährstoffe enthalten sind.

Tombow
10.06.2007, 15:04
Okay, nächste Frage(n):

Was ist der Grund, wieso Lactat aus einem (Lithium? Natrium?)Fluorid-Röhrchen bestimmt wird? Und weswegen HbA1c aus EDTA-Blut?

Zoidberg
10.06.2007, 16:06
Lactat da durch das Fluorid im Röhrchen der Metabolismus gehemmt wird, darum auch Glucose aus demselben