Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Studieren trotz Hepatitis B?
Kunstpfuscher
16.06.2007, 16:26
Nur warum werden nicht suchtkranke Menschen dann bevorzugt behandelt bei der Bereitstellung von Organen ? Jedenfalls im Fall der non compliance ?
Weil die Organtransplantation in dem einen Falle sinnlos wäre. Das ist wie ich es meinte ein natürlicher Faktor. Den können die Ärzte nicht ändern. Außerdem sollte die Organspende zweckgebunden für die Lebensverbesserung benutzt werden. Da hat man auf der einen Seite Menschen die die Leber brauchen können und denen es dann besser geht, auf der anderen Seite akute Säufer, denen die Transplantation nichts bringt und wenige Organe. Da hat es nichts mit Diskriminierung zu tun, nur dem einen die Organe zu geben.
Eine Bevorzugung rührt aus den Erfolgsaussichten, die Vorraussetzung für jede Transplantation darstellen her.
Ja, wenn jemand aber lange clean ist, dann sind, wie Du selbst Zitate anbringst, die Erfolgsaussichten besonders hoch. Dann trotzdem eine Transplantation noch weiter zu versagen, ist eine Unterscheidung, bei der es nicht mehr um das Wohl der Patienten in gleichem Maße geht. Manche werden bevorzugt, andere benachteiligt, und zwar obwohl kein rechtswidriges Handeln in der Vergangenheit vorlag und gleichwertige oder sogar bessere Handlungserfolge zu erwarten sind. In der Ethik haben wir immer verfolgte Ziele und dazu eingesetzte Mittel.
Wenn eine solche Unterscheidung bei der Organvergabe an cleane Süchtige oder anderweitig Kranke vorgenommen wird, die von Dir als ethisches Mittel eingestuft wird, welche Ziele hast Du dann?
Abschreckung vom Trinken oder eventuell Rache? Durchsetzung von Gerechtigkeit?
Alles wäre bisher nicht hinreichend für eine Unterscheidung, denn Trinken ist nicht unrechtens. Daher passt die zweite Sache nicht. Abschreckung und Rache sind aber wie ich jetzt schhn mehrfach betont habe keine rechtsethischen Motive.
Kunstpfuscher
16.06.2007, 16:42
Es gibt garantiert Regeln die einem bestimmte medizinische Tätigkeiten bei Hep B verbieten, aber ich bezweifle ernsthaft das die Uni ein Recht hat einem das generelle Studium zu verweigern.
Ob die das machen wollen ist eine Frage. Ob sie es versuchen können, ist eine andere und die ist mit ja zu beantworten:
"Die Einschreibung kann versagt werden, wenn die Studienbewerberin oder
der Studienbewerberdurch durch Krankheit die Gesundheit anderer Hochschulmitglieder
gefährden oder den ordnungsgemäßen Studienbetrieb erheblich
beeinträchtigen würde"
Jetzt ist natürlich die Frage, ob ein Student "durch Krankheit die Gesundheit anderer Hochschulmitglieder gefährden oder den ordnungsgemäßen Studienbetrieb erheblich beeinträchtigen würde"
Das kann nur ein Gericht klären.
Jedoch frage ich dich:
Welche Konstellationen kannst Du Dir vorstellen, dass jemand mit einer Krankheit die Gesundheit anderer Mitglieder samt Uniklinikpatienten eher gefährden kann als als Medizinstudent mit chronischer HBV?
Mir fallen wirklich nicht viele ein. Daher denke ich, dass die Uni durchaus eine Möglichkeit haben könnte.
In anderen Landeshochschulgesetzen habe ich sowas bisher nicht gefunden. Man müsste halt auch schauen, ob es in der Immatrikulationsordnung der Uni oder in der Prüfungsordnung steht.
MissGarfield83
16.06.2007, 16:42
Eher das Ziel das der Wert und das Ziel einer Organspende geachtet wird.
Hellequin
16.06.2007, 17:09
Ob die das machen wollen ist eine Frage. Ob sie es versuchen können, ist eine andere und die ist mit ja zu beantworten:
"Die Einschreibung kann versagt werden, wenn die Studienbewerberin oder
der Studienbewerberdurch durch Krankheit die Gesundheit anderer Hochschulmitglieder
gefährden oder den ordnungsgemäßen Studienbetrieb erheblich
beeinträchtigen würde"
Jetzt ist natürlich die Frage, ob ein Student "durch Krankheit die Gesundheit anderer Hochschulmitglieder gefährden oder den ordnungsgemäßen Studienbetrieb erheblich beeinträchtigen würde"
Das kann nur ein Gericht klären.
Wir reden hier von einer Kann-Regel, keiner Muss-Regel.
Mir persönlich ist kein entsprechender Fall bekannt.
Jedoch frage ich dich:
Welche Konstellationen kannst Du Dir vorstellen, dass jemand mit einer Krankheit die Gesundheit anderer Mitglieder samt Uniklinikpatienten eher gefährden kann als als Medizinstudent mit chronischer HBV?
Mir fallen wirklich nicht viele ein. Daher denke ich, dass die Uni durchaus eine Möglichkeit haben könnte.
Mir fallen ziemlich viele ein. :-D
z.B. die ganzen meldepflichtigen Erkrankungen(und eine chron. Hep B ist nicht meldepflichtig im Gegensatz zur akuten).
Und mit den entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ist das Infektionsrisiko verschwindend gering. Da richtet jemand mit einer Grippe einen größeren Schaden bei Kommilitonen und Patienten an.
also wie man seine kommilitonen mit hepB anstecken können soll, kann das jemand mal erklären? (außer daß man mal in der besenkammer verschwindet, aber das könnte man ja auch unimmatrikuliert)
also wenn, dann gehts ja wohl um die patienten-gefährdung und nicht um die kollegen-gefährdung.
diesbezüglich könnt es aber probleme geben. immerhin gibt es in der chirurgie ein (wenn auch sehr geringes#) risiko, daß ein infizierter einen patienten anstecken kann. und zum studium gehören zum beispiel auch 16 wochen chirurgie-pj
Hellequin
16.06.2007, 17:42
diesbezüglich könnt es aber probleme geben. immerhin gibt es in der chirurgie ein (wenn auch sehr geringes#) risiko, daß ein infizierter einen patienten anstecken kann. und zum studium gehören zum beispiel auch 16 wochen chirurgie-pj
Ist ja keine Pflicht in den OP zu gehen. PJ kann man zumindestens bei uns auch in der Notfall-Ambulanz machen.
Bei der Fachrichtung muss man ja auch nicht unbedingt in solche mit höherem Verletzungsrisiko gehen. Und wenn man halt doch mal Haken hält, dann halt doppelt Handschuhe etc.
schwarzwald
16.06.2007, 17:45
Stimmt Hellequin,
eine Bekannte hat noch nie einen OP von innen gesehen und ich jetzt fertig - und wird Psychiaterin ;-)
Und wie gesagt, es gibt ja Möglichkeiten sich & andere zu schützen.
:-meinung
inthemoodforlove
16.06.2007, 19:23
Vielen Dank für eure zahlreichen Antworten!
Muss man zur Immatrikulationszeit in irgendeiner Form vorlegen,
dass man so und so Krankheiten hat bzw. gegen so und so geimpft ist?
Wird von den Praktika, von denen ihr gesprochen habt
(Arbeit mit Blut? zum Beipiel), von jedem Student den Impfpass
oder Gesundheitszeugnis verlangt?
Übrigens
meine Mutter hat Hepatitis B (Virenlast sehr gering, also kaum nachweisbar)
und hat mich sozusagen auf dem Geburtsweg infiziert.
Übrigens,
ich darf wie vereinbart am kommenden Montag mit meinem Pflegepraktikum
anfangen (der Betriebsarzt hat es sozusagen "genehmigt")
Vielen Dank an euch
schwarzwald
16.06.2007, 19:28
Bis jetzt (Ende 4.Semester) hat noch niemand einen Gesundheitsnachweis verlangt.
Bei manchen Praktikas wie Humangenetik und Biochemie haben wir uns gegenseitig Blut abgenommen. Aber alles auf freiwilliger Basis, du musst das nicht machen lassen. Gab bei uns einige die große Angst vor Nadeln hatten ;-) von daher keine Sorge.
Ich wünsch Dir alles Gute und lass dich nicht von deinem Weg abbringen - wenn du vorsichtig mit dir und anderen umgehst sollte dem Nix im Wege stehn.
:-)
inthemoodforlove
16.06.2007, 19:38
Danke für deine Antwort, Schwarzwald!
Also ich habe Immatrikulationsordnung von den verschiedenen Unis
gelesen und rausgefunden,dass doch viele Unis vor der Immatrikulation
ein Gesundheitszeugnis von mir haben wollen.
Praktisch könnte ich dann schon da viele Probleme bekommen..
Aber vielen Dank!
schwarzwald
16.06.2007, 19:43
Also ich habe Immatrikulationsordnung von den verschiedenen Unis
gelesen und rausgefunden,dass doch viele Unis vor der Immatrikulation
ein Gesundheitszeugnis von mir haben wollen.
Praktisch könnte ich dann schon da viele Probleme bekommen..
Dann ist die Uni HD wohl ´ne Ausnahme :-nix
Wundert mich aber trotzdem, dass das rechtens ist, wenn´s sonst nicht mal dem Gesundheitsamt gemeldet werden muss.
Wie schon mal geschrieben, ich würde an deiner Stelle mal beim Gesundheitsamt anfragen.
alley_cat75
16.06.2007, 21:47
Ich habe nur bis zur zweiten Seite dieses threads gelesen und bevor ich vom vielen Kopfschütteln noch einen elliptisch-zerebralen Anfall bekomme, äußere ich mich ohne den Rest zu kennen. Sorry also, wenn ich Dinge wiederhole...
Rein theoretisch kann man sehr wohl trotz Hep. B Medizin studieren. Ich wurde bis zum PJ-Beginn nicht ein einziges Mal medizinisch untersucht. Dass mit dem Hantieren des eigenen Blutes sowie dem der Komillitonen ist ein mäßiges Argument. Vorsicht sollte immer im Umgang mit Körperflüssigkeiten geboten werden. Ihr könnt Euch später auch nicht des Infektionsstatus Eurer Patienten sicher sein. Als Arzt gibt es diverse Möglichkeiten, auch infiziert tätig zu sein. Ich kenne so manchen Hep. B positiven oder gar HIV-pos. Arzt. Und wer kennt die Zahl derer, die es nicht wissen? :-nix Ich würde anstelle des Threadstellers mal zu einem universitären Betriebsarzt gehen und mich beraten lassen. Termin bekommt man auch ohne Immatrikulation.
Jedenfalls wird dann garantiert seine Berufshaftpflicht später preislich explodieren ....
Schwachsinn. Der Versicherungsträger fordert kein Gesundheitszeugnis.
MissGarfield83
17.06.2007, 08:51
Dann war ich wohl falsch informiert und ziehe meine Behauptung zurück.
Danke für deine Antwort, Schwarzwald!
Also ich habe Immatrikulationsordnung von den verschiedenen Unis
gelesen und rausgefunden,dass doch viele Unis vor der Immatrikulation
ein Gesundheitszeugnis von mir haben wollen.
Praktisch könnte ich dann schon da viele Probleme bekommen..
Aber vielen Dank!
Bei uns war es auch nicht zur Immatrikulation. Allerdings wurde im ersten klinischen (im Rahmen eines Praktikums) von allen Blut abgenommen und auf HepB-Aks und (wenn man einverstanden war) HIV getestet. Ich meine aber nicht, dass es zur Exmatrikulation geführt hätte, wenn man HepB gehabt hätte. Kannst Du nicht mal bei den Unis, die für Dich in frage kommen, anfragen. Wäre ja blöd, wenn sie Dich nicht zu Beginn, aber mitten im Studium dann untersuchen und es dann Probleme gibt. Welche Fachrichtung würdest Du eigentlich gern einschlagen?
LG und alles Gute,
Ally
inthemoodforlove
17.06.2007, 13:56
Oh Danke, ich werd es machen.
Ich habe mich informiert und bei den Unis, die für mich in Frage
kommen, muss man schon vor Immatrikulation ein Gesundheitszeugnis
vorlegen.
Ich hoffe aber mal, dass sie Ausnahme machen werden,
denn ich habe chronische Hepatitis B, aber
der Virenlast ist kaum nachweisbar, sprich die Infektiosität ist
bei sehr sehr gering und ich bin auch in ner Langzeittherapie.
Hoffe, es wird alles gut gehen.
Ich wollte eigentlich Herzchirug werden, aber
na ja..wird wohl kaum möglich sein! Aber weiter hoffen und kämpfen.
Vielen Dank für eure Antworten!
Eure Antworten haben mir sehr viel Mut gemacht!
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