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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DIW empfiehlt osteuropäische Ärzte als Lückenfüller ?!?!?!



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Kackbratze
11.08.2007, 18:06
Im Krankenhaus ist ein Chirurg der Sektionsleiter war gegangen. Als Ersatz sind 2 Honorarärzte jetzt da, die nur für die OPs quasi da sind.

Das spart für die Verwaltung Geld. Und pisst zum einen die anderen OAs an, weil die ja dann auch sehen, wie ersetzbar die sind und auch, weil bei denen noch mehr Arbeit liegen bleibt (per se fehlt ja eine volle OA-Stelle) und auch die Assistenten, weil die OAs nur operieren, kaum Informationen weiterleiten und für Fragen kaum zur Verfügung stehen, weil die nach OP wieder weg sind...

Ex-PJ
11.08.2007, 18:45
Dazu paßt die folgende Meldung, gefunden auf facharzt.de:

Assistenzarzt in der Klinik? Nein danke, denken sich offenbar viele junge Mediziner und bevorzugen eine gut bezahlte Position in der Industrie. Mittlerweile fahnden sogar schon sogenannte Headhunter nach Klinikärzten, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ).

"Die Situation wird immer schwieriger", sagte der Direktor des St. Barbara-Hospitals in Gladbeck, Dr. Notger Brüstle, dem Blatt. "Bereitschaftszeiten im Sinne der EU-Richtlinien machen Stellen finanziell weniger attraktiv." Brüstle suche schon seit geraumer Zeit einen neuen Assistenzarzt für die chirurgische Abteilung, was sich als ungemein schwierig erweise, berichtet die WAZ. "Es herrscht Ärztemangel landauf und landab, die Krankenhäuser suchen immer verzweifelter nach Fachpersonal. Was zunächst in den neuen Bundesländern ein Problem war, ist nun auch im Westen deutlich spürbar", heißt es weiter.

Potentielle Interessenten entschieden sich wenn überhaupt für Kliniken, die die vom EU-Gerichtshof verabschiedeten Richtlinien für die Bereitschaftszeit der Ärzte nicht umsetzten. Schließlich hätten sie dort monatlich 600 Euro mehr in der Tasche, schreibt die WAZ. Die Patienten bekämen den Ärztemangel im St. Barbara-Hospital allerdings noch nicht zu spüren, denn die Arbeit werde auf die verbleibenden Ärzte in der Chirurgie verteilt. "Die nehmen Überstunden in Kauf, um den Betrieb zu gewährleisten", heißt es in dem Artikel. Im Notfall springe ein Gastarzt für zirka 500 Euro am Tag ein.



Man beachte auch den letzten Satz. Ein Tageshonorar von 500 EUR ist offensichtlich ein Preis, der in manchen Regionen für einen Arzt (ob Facharzt oder nicht, wird leider nicht erwähnt) am hiesigen Markt gefordert werden kann- und mittlerweile auch bezahlt wird!
Aber leider gibt es noch vielzuviele Leute, die sich weit unter Wert verkaufen (und damit auch noch zufrieden sind). Den eigenen Ärzten hat diese Klinik ganz bestimmt nicht 500 EUR/d angeboten –und verlangt haben diese es auch nicht, wetten? TvÖD/MBT ist ja soooo prima….


Man sollte auch immer bedenken, daß ein Ärztemangel auch immer durch lokale Ursachen wie Arbeitsbedingungen in der Abteilung oder den Chefarzt bedingt sein kann. In diesem Fall könnte eine personenbedingte Ursache vorliegen, da ich den erwähnten Chef aus seiner Zeit als OA in Essen im Alfried-Krupp-Kh. kenne, wo ich mal 1 Jahr chirurgisch gearbeitet hatte, bevor ich mich dann aus verschiedenen Gründen auf Innere umorientiert hatte.

tarumo
11.08.2007, 18:50
Man sollte auch immer bedenken, daß ein Ärztemangel auch immer durch lokale Ursachen wie Arbeitsbedingungen in der Abteilung oder den Chefarzt bedingt sein kann. .

Selbstverständlich! Du nennst schon mal zwei wichtige Gründe für den Ärztemangel hierzulande. Ganz Deutschland eine Lokalregion...

Relaxometrie
12.08.2007, 08:46
Von der Uniklinik in Bonn flüchten auch einige Ärzte/Oberärzte.
Aus der Chirurgie und der Inneren weiß ich es aus erster Hand.
Die Flucht wird leider mit Worten, wie "Die Uni ist traditionell eine Ausbildungsstätte. Man geht wieder weg, wenn man das erreicht hat, was man erreichen wollte" erklärt. (= Ulla-Schmidt-Niveau)
Da frage ich mich nur, warum so viele Ärzte völlig verärgert und frustriert gehen. Für eine gute Ausbildung ist man ja dankbar und geht dann, wenn auch karrieretechnisch sehr gut verständlich, trotzdem mit einem weinenden Auge. Wie mir scheint, gehen die Ärzte aber alle mit zwei lachenden Augen.
Es gibt an der Uni auch alteingesessene Ärzte, die aber nicht (mehr?) als Oberärzte bezahlt werden, und sich zu Recht weigern, einige anspruchsvolle Zusatzaufgaben zu erledigen, solange sie mit einem Assistententgehalt abgespeist werden. Die Patientenversorgung leidet darunter ganz direkt. Das lässt sich weder durch Ulla, noch durch die Verwaltung, wegdiskutieren.
Über den Oberarzt-Bezahlungskrieg der Bonner Uni gab es im letzten Marbuger Bund Mitgliederblättchen sogar einen Artikel.

Was auch witzig ist: durch eine bombastische Absolventenfeier mit stark US-amerikanisch geprägten Anteilen (schwarze Umhänge, eckiger Hut) will die Uni ihren Absolventen einen tollen Abschied machen.
Hihi. Erstmal sollte die Ausbildung gut sein. Wenn man dann merkt, daß man sich an der Uni wohlfühlt, kann eine solche Abschiedsfeier noch das i-Tüpfelchen sein. Bei grottiger Ausbildung, die sich durch alle klinische Semester zieht, weiß ich allerdings nicht, was ich bei einer solchen Absolventenfeier soll.

tarumo
12.08.2007, 11:38
Das mit der Oberarztvergütung hat sich schon wieder erledigt:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=18268

Demnach kann jetzt also jeder einzelne Oberarzt seine Vergütung einklagen. Was rauskommt, sieht jedes Gericht anders.
Vielleicht gibt es ja in fünf, sechs Jahren dazu mal einen bundesweit verbindlichen Spruch. Zu diesem Zeitpunkt werden dann aber wohl die Oberärzte als solches abgeschafft und durch nichtssagende Titel ersetzt worden sein. Hauptsache, keine Beförderung!