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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Epikritischer Bericht Frau Porsche Carrera



hennessy
21.08.2007, 11:27
Frau Porsche Carrera wurde am 23.09.2003 geboren und ist somit knapp 4 Jahre alt. Frau Carrera ist mit einem Zahnarzt verheiratet und hat 6 Zylinder. Von Beruf ist sie Freizeitgestalterin. Die Familienanamnese ist unauffällig. Vater Carrera endete in einem Totalschaden, die Mutter, eine VW-Käferin, lebt und ist gesund. Der ältere Bruder, ein 7 Jahre alter Turbo, leidet ab und zu an Überhitzung, ist aber ansonsten auch gesund. In der Familie sind keine erblichen Krankheiten aufgetreten.
Eigenanamnese: Durchgemachte Kinderkrankheiten: Motorhusten, Röcheln, Rasen und mehrmals Rumps. Der Alkoholkonsum liegt bei bis zu 20 Flaschen Super plus pro 100km. Weiterhin gibt die Patientin an, daß sie unter Streß gelegentlich rauchen würde.
Spezielle Eigenanamnese: Am 09.06. des Jahres um 15.30 h Unfall auf der A 3 zwischen Würzburg und Frankfurt. Die Patientin sei zu einem Wettrennen mit einem zufällig vobeikommenden Ferrari gezwungen worden, der daraufhin ins Schleudern geriet und Frau Carrera seitlich rammte. An den genauen Unfallhergang kann sich Frau Carrera nicht erinnern.
(Fortsetzung folgt)

hennessy
22.08.2007, 19:12
Nach dem Unfall war sie kurze Zeit bewußtlos und hat vor dem Abtransport in die Krankenwerkstatt etwas gebrannt.
Erstversorgung in der Krankenwerkstatt Würzburg. Am 10.09. erfolgte die Verlegung in die Autoklinik nach Frankfurt zur endgültigen Versorgung.
Eingangsbefund: Knapp 4 Jahre alte und 1420 kg schwere, 355 PS starke Patientin in gutem Ernährungszustand. Die Patientin ist nicht fahrbereit, springt aber nach mehreren Starversuchen noch an. Die Körpertemperatur bei achsillärer Messung betrug 71,5 Grad Celsius, der Motorlauf ist normal, die Drehzahl im Leerlauf ist regelmäßig, sie beträgt 800 rpm, der Reifendruck RR ist 2,5/3,0.
(Fortsetzung folgt)

Tombow
22.08.2007, 21:57
Und wie geht's dem Ferrari? :-))

Tombow
23.08.2007, 00:58
In der Familie sind keine erblichen Krankheiten aufgetreten.

Auch keine Fälle von HEÖT (hereditäre erhöhte Öltemperatur)?

Und ansonsten? Keine Fälle von Autothermaticus generale (gemeiner Kolbenfresser) aufgetreten?

hennessy
23.08.2007, 19:13
der spezielle Befund zeigt extra-autal starke Knüll- und Knautschwunden im Bereich der gesamten Front, multiple Lackabschürfungen sowie eine perforierte Platzwunde der Fronscheibe. Der Vorderwagen ist stark verkürzt. Der rechte Lampembulbus steht tiefer als der linke. Die Scheinwerfer reagieren nicht auf Einschalten und Schütteln. Bei der Palpation der Lampenfassungen und Kotflügel finden sich Stufen über beiden foramina xenonaria sowie im Bereich der sutura automaticofrontalis und des rechten Kotflügels. Die Haube ist eingedrückt und seitenungleich beweglich. Die Kabelaustrittspunkte des K. Zündi und des K. batteri sind beidseits frei. Außenspiegel beidseits unauffällig. Die Rahmenkonstruktion zeigt keinerlei Konturunterbrechung und ist überall gut durchzutasten.
(Fortsetzung folgt)

Lava
23.08.2007, 20:56
*aufdemBodenkugelvorLachen*

Mehr davon! Mehr davon!!!

hennessy
25.08.2007, 10:56
*aufdemBodenkugelvorLachen*

Mehr davon! Mehr davon!!!
bitteschön:

Intraautal: Die Türöffnung ist behindert, die Beifahrertür wird zögernd und unsicher geöffnet. Einengung des rechten Fußraumes durch die Kotflügel- und Kofferraumdeckeleindellung mit Fußmattenhämatom. Stufenbildung und Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der crista armaturovolantis beidseits. Die Sitze sind gut beweglich und werden gerade umgeklappt, Liegeposition kann ohne Behinderung eingenommen werden, der Dachhimmel ist o.B. Der Motor sitzt fest und ist in einwandfreiem Zustand. Bei Komprimierung der glandula benzinica entleert sich ein klares, der Norm entsprechend eingefärbtes Sekret. Der Schaltknüppel zeigt eine Lockerung 2. Grades.
Röntgenbefund: Die Radkastenaufnahme zeigt Unterbrechungen der Blechstruktur an der Sutura pirellifrontalis und in der Mitte des rechten Kotflügels. Das Autopantomogramm zeigt eine Impression des gesamten Vorderwagens und ein basale Verschattung beider Fußräume.
(Fortsetzung folgt)

Tombow
25.08.2007, 13:18
Sutura pirellifrontalis

Hieß das nicht Sutura yokohamofrontalis?

hennessy
25.08.2007, 13:29
Hieß das nicht Sutura yokohamofrontalis?
im Prinzip besitzen beide termini technici dasselbe autale Korrelat. Bei Kaukasiern jedoch wird diese Struktur als Sutura pirellifrontalis bezeichnet. ;-)
Nachzulesen z.B. in: "Taschenlehrbuch autale Embryologie"

nanni83
25.08.2007, 14:03
man, man, man ich komm aus dem lachen nicht mehr raus :-))

hennessy
25.08.2007, 14:07
man, man, man ich komm aus dem lachen nicht mehr raus :-))
lachen ist gesund, nanni!
Also hat der fred sein Ziel erreicht.
lg
hennessy

Lava
25.08.2007, 14:11
Therapie? Prozedere?

hennessy
25.08.2007, 14:15
Therapie? Prozedere?
Gemach! Gemach!
Gut Ding braucht Weile.
Ich bin an der abschließenden Erstellung einer Diagnose und der Therapieplanung.
Evtl. noch ein interdisziplinäres Konzil von Kollegen?
nur zu!

hennessy
25.08.2007, 18:23
Und wie geht's dem Ferrari? :-))
Eine Anfrage in einer Spezial-Sportklinik ergab, dass der Unfallgegner während des Ereignisses eine maligne Tachyrhythmie erlitten hatte (rpm über 12000), was zunächst zu einer Ruptur des Filamentum olio dante führte. Konsekutiv kam es sodann zu einer Längsfissur des caput zylindri und infolge dessen zu einer blow out fracture des Zylinders Nr. 8.
Auch die sofortige Hinzunahme eines Spezialisten Teams aus dem italienischen Modena konnte die sich anbahnende Motorinsuffizienz und später das vollständige Organversagen nicht mehr verhindern, so dass eine Not-Transplantation des erst 2 Jahre alten Motors eingeleitet wurde.
Da jedoch auch weitere lebenswichtige Organe irreversibel geschädigt wurden, erscheint die Prognose eher infaust.
(Ende folgt)

hennessy
25.08.2007, 20:00
Diagnose:
Es handelt sich um eine Frontfraktur nach Carl Benz II-III mit isolierter Aussprengung des rechten Kotflügels. Dislokation des rechten Scheinwerfers. Scheibenfraktur der Frontscheibe. Multiple Lackabschürfungen am gesamten Vorderwagen. Commotio mechanici.

hennessy
25.08.2007, 23:21
Therapie:
Unterboden- und Dahtransplantate für die zerstörten Blechteile. Drahtkunststoffschiene im Kofferraum und an den Kotflügeln. Schweißnähte an der Sutura pirellifrontalis rechts nach Reposition des rechten Scheinwerfers.Fixation der Haube durch automaticofrontale Aufhängung rechts und Kotflügelaufhängung links, Scheibenkleister. Türgelenke ausrichten und ölen. Antibiotikagabe Castrol RS. Mehrwöchige Garagenruhe. Nach Einheilung der Neuteile Abnahme der Schienen und leichte Bewegungsübungen auf der Landstraße im unteren Geschwindigkeitsbereich. Übungsgefechte mit Golf GTI und Mercedes SLK. Ampelanfahrten gegen japanische Sportfahrzeuge. Nach langsamer Steigerung kann auch sporadisch gegen BMWs der M-Kategorie gefahren werden, so dass nach ca. 3 Monaten eine vollständige restitutio ad integrum erreicht wird.

(ENDE)

Flemingulus
26.08.2007, 18:37
Bürste, Sie sind ein Genie! Ihrer Carrere als AUTOr sollte ja jetzt nichts mehr im Wege stehen.

:-top

Sehr stark aufgemunterte Grüße!

F.

hennessy
26.08.2007, 19:03
vielen Dank!
Freut mich, wenns gefallen hat.
lg
hennessy

primus
04.11.2007, 13:45
ich schmeiss mich weg !!!
perlen vor die säue...

powerzivi
07.10.2008, 17:35
Made my day :-))