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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alternative Lösungen Psychologie (A)



kongatos
22.08.2007, 00:08
Frage 103:

Bei vielen klinischen Arbeiten werden die Verfahren der Schmerzadjektivskala und der visuellen Analogskala parallel angewandt. Sie gehören wie die numerische Skala zu den Standardverfahren der subjektiven Schmerzmessung im klinischen Rahmen. Es stellt sich die Frage, welches Verfahren für den Zweck der beschriebenen Untersuchung besser geeignet ist: Da die visuelle Analogskala keine diskreten Zahlenwerte aufweist, ermöglicht sie die Ermittlung der Schmerzintensität als kontinuierlicher Variablen. Transformationen erlauben dann die statistische Bearbeitung. Der Vorteil ist eine höhere Sensibilität für Änderungen nach der Intervention.


Frage 108:

Im Buch „Medizinische Psychologie und Soziologie“ von Faller, Lang, Springer Verlag, 2. Auflage, wird auf Seite 65 der Begriff der „Internen Validität“ deutlich definiert: „Bei einer Studie, die die Wirksamkeit einer Intervention prüft, wird die Sicherheit, mit der die gemessenen Effekte kausal auf die Intervention zurückgeführt werden können, als interne Validität der Studie bezeichnet“. Somit ist Aussage E richtig und nicht B (das wäre externe Validität).


Frage 115:

Im Buch der Schwarzen Reihe „Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie“ von Kasten und Sabel, Thieme Verlag, steht auf Seite 264 zur Definition der Rektangularisierung: „Die Bevölkerungspyramide wandelt sich dadurch von einem Dreieck bzw. einer Glockenkurve langsam in ein Quadrat, was als Rektangularisierung bezeichnet wird.“ Somit ist Aussage B richtig. Zwar steht im Satz „im Kontext der Industrialisierung“; das bedeutet aber nicht, dass die Rektangularisierung während der industriellen Revolution vollendet wurde, sondern dass die Industrialisierung die Bedingung für die demographische Transformation darstellt (S. 147 des Buchs vom Springer Verlag.)
Es könnte sein, dass der Begriff der Rektangularisierung auch für die Überlebenschance gebraucht wird, wie im Satz E angedeutet. Das schließt aber die Richtigkeit der Aussage B nicht aus. In dem Fall müsste die Frage aus der Werung genommen werden.


Frage 128:

Auf Seite 11 des Buchs vom Springer Verlag wird der Begriff der Extinktion definiert: „Tritt der konditionierte Reiz auf Dauer nur noch ohne den unkonditionierten Reiz auf, wird die konditionierte Reaktion wieder gelöscht.“ Bei der Patientin spielt die klassische Konditionierung in der geschilderten Situation gar keine Rolle. Es handelt sich um den Entzug negativer Konsequenzen (Desinteresse des Arztes, Vernachlässigung der Patientin), der das Verhalten des Verstummens verstärkt.

Frage 129:

Es stimmt, dass kontinuierliche Verstärkung ein schnelleres Lernen bewirkt aber löschungsanfälligere Verhaltensweisen im Vergleich zur intermittierenden Verstärkung hinterlässt. Deswegen ist es besser, zunächst kontinuierlich zu loben und später nur noch hin und wieder. Bestrafung auf der anderen Seite bewirkt keine Löschung des ungewollten Verhaltens, sondern nur eine Unterdrückung. Da man aber von einem 4-jährigen Kind spricht, muss man davon ausgehen, dass das Kind trotz der positiven Verstärkung des Gesundheitsverhaltens ab und zu mal das krankheitsverursachende Verhalten zeigen wird. Das passiert, weil sich Gesundheitsverhalten und krankheitsverursachendes Verhalten gegeneinander nicht ausschließen. Es stellt sich also die Frage, welche Art von Bestrafung am geeignetesten wäre.
Eine Bestrafung, die jedes Mal angewandt wird, kann zu Reaktanz führen. Deswegen ist es besser, die Bestrafung nur intermittierend zu applizieren. Sobald das Kind verinnerlicht hat, dass das krankheitsverursachende Verhalten zu vermeiden ist, muss die Bestrafung jedes Mal stattfinden, weil sonst das Kind meint, dass das krankheitsverursachende Verhalten verharmlost wird.


Frage 140:

Auf Seite 391 des Buchs der Schwarzen Reihe werden die Rahmenbedingungen der Evidenzbasierten Medizin dargestellt: dazu gehören Studien zum Nachweis der Wirksamkeit, Abwägung des Nutzens gegen die Risiken, die Überprüfung der medizinischen Notwendigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Methode. Dazu gehört nicht die Zurückführung der klinischen Ergebnisse auf wissenschaftliche Theorien und Naturgesetze. Deswegen ist Aussage E falsch und Aussage D richtig.


Frage 146:

Wenn die Beschwerden der Patientin an Depression und Suizidalität denken lassen, wie in der Aufgabe erwähnt, können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass die Stimmung und die Lebensfreude der Patientin beeinträchtigt sind. Was für die Differentialdiagnose unbedingt abgeklärt werden muss, ist ob die Symptome der Patientin auf psychische oder organische Ursachen zurückzuführen sind. Deswegen ist Angabe A richtig (Frage nach Medikamentenabusus, der selber alle erwähnten Symptome verursachen kann. Ohne dessen Behebung werden die Symptome immer weiter bestehen. Da die Frau ihren Mann verloren hat, begeht sie ein höheres Risiko für Medikamentenabusus.)


Frage 147:

Sowohl in Aussage A als auch in Aussage E wird der emotionale Erlebnisinhalt des Patienten verbalisiert (ob „sehr niedergeschlagen“ oder „voller Zweifel“ besagt dasselbe.) Entscheidend für die richtige Lösung ist der Begriff der Empathie. Aussage E, auch wenn neutral formuliert, kann vom Patienten als negativ beladen wahrgenommen werden, wobei Aussage A deutlich zeigt, dass sich der Arzt kognitiv in die Lage des Patienten hinein versetzten kann. (S. 209 des Buchs vom Springer Verlag: „der Therapeut wiederholt nicht nur papageienhaft das Gesagte).


Frage 154:

Auf Seite 384 des Buchs der Schwarzen Reihe steht die theoretische Grundlage des Solidarprinzips: „Ursprüngliche Idee einer Versicherung war, dass alle Beteiligten eine Gemeinschaft bilden und etwas Geld ansparen, um einem einzelnen von ihnen helfen zu können, falls dieser einen Schaden erleidet, den er aus eigener Tasche nicht mehr bezahlen könnte. Man bezeichnet dies als Solidarprinzip.“ Heutzutage wird das auf der Ebene des Risikostrukturausgleichs realisiert (S. 385). Also ist Aussage E richtig. Aussage B reicht von alleine nicht aus: Dass die Höhe des Beitrags zur GKV sich nach dem Einkommen des Versicherten bemisst, sagt nichts über die Unterstützung von mehr belasteten Versicherungskassen durch weniger belastete aus, was den Kern des Solidarprinzips darstellen sollte.

Alvorada
22.08.2007, 00:16
Zu Frage 103: Aber es geht doch in der Frage um die "subjektiv erlebte Qualität" der Schmerzen --> somit fällt doch die visuelle Analogskala weg, oder nicht?

Zu Frage 128: es geht in der AUfgabe um den Entzg POSITIVER Konsequenzen, und nicht um den Entzug negativer Konsequenzen, wenn der Arzt aufhört, ermunternde Bewegungen ausführt - oder sehe ich das falsch?

kongatos
22.08.2007, 00:31
Die visuelle Analogskala ist eine Methode zur Messung des subjektiven Schmerzerlebnisses. Der Patient muss ein Kreuz auf eine 10 cm lange Linie eintragen, deren Endpunkte mit Worten beschrieben sind: "kein Schmerz" bzw. "stärkster vorstellbarer Schmerz". Der Patient entscheidet selber, wo er das Kreuz hinmalt- völlig subjektiv. Es werden keine neurophysiologischen Korrelate gemessen.


Es ist eine Sache der Definition, ob die Patientin auf den Entzug der positiven Konsequenz des Kopfnickens reagiert oder ob sie reagiert, um die negative Konsequenz (das Desinteresse) aufzuheben.

Alvorada
22.08.2007, 00:51
Bei der Frage 103 meinte ich eher den Unterschied Qualität <--> Stärke/Quantität. Also pochende, dumpfe, stechende etc. Schmerzen (Adjektivliste) gegenüber starken, mäßigen etc. Schmerzen (Analogskala).

Sharky86
22.08.2007, 01:52
ad 115: da stimme ich dir zu

ad 128: wenn, dann wird ein positiver Verstärker entzogen (Kopfnicken)

ad 129: das von dir vorgeschlagene Konzept würde nicht zu LANGFRISTIGEM Erfolg führen. Zuerst intermittierend und dann kontinuierlich zu bestrafen, wie von dir vorgeschlagen, hieße, die Nachteile beider Methoden zu kombinieren. Also bleibt es bei Antwort (C).

ad 140: nicht richtig. So sagt z.B. Sackett (hat den Begriff geprägt): "Die Praxis der Evidence-based Medicine bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestverfügbaren externen Evidenz aus systematischer Forschung." (Quelle: Wikipedia.) Also bleibt es hier bei (E).

ad 146: Die Frage gibt hier die Richtung vor: Daher ist eine Abklärung des Ausmaßes der vermuteten Depression vorrangig. (B) ist auf jeden Fall richtig, alle anderen wären auch möglich, sind aber nicht BESTANTWORT im Sinne der Fragestellung.

ad 147: Auch (E) bringt Empathie zum Ausdruck. Entscheidend ist hier, dass sich der Arzt beim aktiven ZUHÖREN eigener Bewertungen enthalten und möglichst das "Gesagte zwischen den Zeilen" verbalisieren sollte. Das trifft (E) deutlich besser als (A). „sehr niedergeschlagen“ oder „voller Zweifel“ sind übrigens keineswegs dasselbe! Letzteres (E) konkretisiert im Sinne des aktiven Zuhörens die Sorgen des Patienten. Das hat mit "papageienhaft" nichts zu tun, das würde bedeuten, den Patienten wörtlich zu wiederholen! (E) ist ohne Zweifel richtig, die Aufgabe ist IMHO eindeutig.

ad 154: (B) ist auf jeden Fall richtig. Liest man in der Schwarzen Reihe zwei Sätze weiter als du zitierst, wird das ganz klar. Ist übrigens eine Altfrage aus dem Herbst 2004, da wurde ebenfalls (B) als richtig anerkannt.

fritzline
22.08.2007, 08:17
bei 128 bin ich mir ziemlich sicher, dass C eigentlich richtig ist, schließlich wurde die arme Frau vorher nicht extra konditioniert.

ChilltMal
22.08.2007, 12:07
bei 128 bin ich mir ziemlich sicher, dass C eigentlich richtig ist, schließlich wurde die arme Frau vorher nicht extra konditioniert.


Meine Meinung !
Beim Solidarprinzip dachte ich auch immer, dass es darum geht, das die Schwachen von den STarken gestützt werden, oder raff ich nicht mal mehr unser System

ViPbiLLy
22.08.2007, 12:16
Es ist eine Sache der Definition, ob die Patientin auf den Entzug der positiven Konsequenz des Kopfnickens reagiert oder ob sie reagiert, um die negative Konsequenz (das Desinteresse) aufzuheben.

würde ich nicht so sehen.
Ich halte auch den Entzug von "positiven Konsequenzen" für richtig.

Schließlich zielt die Frage eindeutig darauf hingewiesen, dass ihr Verstummen einsetzt nachdem er das Nicken eingestellt hat.

"... . Die Patientin berichtet immer stockender, bis sie fast völlig verstummt..."

Die Folge ist ja: Sie schweigt - sie ändert ihr Verhalten.
Die Frage ist doch inwiefern das bei einem "Entzug negativer Konsequenzen" positiv wirken soll. Schließlich möchte sie ihre Krankheit mitteilen und die Aufmerksamkeit vom Arzt wird durch ihr schweigen NICHT gezwungenermaßen steigen. -> von daher eigentlich kein Entzug negativer Konsequenzen.

Vielmehr hat sie sich durch das Kopfnicken in ihrem Erzählen bestärkt gefühlt und hat, nachdem diese positive Verstärkung verschwunden war, angefangen zu stocken.

Denüse
22.08.2007, 13:16
Nach Absprache mit den Admins dieses Forums kommt hier erstmal ein Schlösschen dran.

Falls ihr die unklaren Fragen weiter diskutieren möchtet, wäre es nett, wenn ihr sie nach dem ursprünglichen Schema aufschlüsselt.

Die gewünschte Form ist hier (http://www.medi-learn.de/medizinstudium/foren/showthread.php?t=31894) vorgegeben.

Nachdem der Threadersteller es nach mehrmaliger Aufforderung bisher nicht geschafft hat, die Fragen aufzuschlüsseln, müsst ihr das jetzt wohl übernehmen. :-nix

Liebe Grüße, Denüse

-MediLearn-Moderatorin-