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FataMorgana
01.09.2007, 20:19
Es nutzt ja auch alles nichts. Es gibt keinen Pertussis-Einzelimpfstoff mehr. Wenn man Pertussis weder hatte noch geimpft ist, dann ist man der Mops, sofern man mit Säuglingen Kontakt hat.
Richtig, nur in den ersten zwei Jahren nach der letzten sollte man die Impfung eben möglichst nicht geben. Das wird jedenfalls von einschlägigen Experten so empfohlen.
Aber auch nicht zu übertreiben. Ein ASS ist deutlich gefährlicher. Und die Pockenimpfung oder der Polio-Lebendimpfstoff waren ebenfalls giftiger.
Mit solchen Vergleichen wäre ich ehrlich gesagt vorsichtig. Pockenimpfstoff - OK, da glaube ich das sofort. Aber OPV? Die VAPP war doch eine sehr seltene Komplikation. Ich meine etwas von 1:4,5 Mio. im Kopf zu haben.
Aus lauter Vergnügen haut sich keiner eine weitere Tetanus-Diphtherie Grundimmunisierung rein. Ich denke das ist klar.
Na ja, die STIKO empfiehlt das z. B. bei Verlust der Impfdokumentation. Finde ich schon etwas fragwürdig. Pragmatischer wäre 1x TdaP-IPV mit anschließender Antikörperbestimmung für Tetanus, Diphtherie und Polio.
Dr. House
01.09.2007, 23:08
Richtig, nur in den ersten zwei Jahren nach der letzten sollte man die Impfung eben möglichst nicht geben. Das wird jedenfalls von einschlägigen Experten so empfohlen.
Wenn man einen Durchschnittsbürger impft schon. Anders sieht es aus, wenn ein gewisses Ziel verfolgt wird. Jemand der mit Säuglingen arbeitet sollte sie nunmal nicht mit Pertussis infizieren. Das gibt sonst Hirnschäden gegen die ein dicker Arm eine Lapalie ist.
Beim Impfen gibt es meist zwei Komponenten: Den individuellen Schutz und den Schutz der Umgebung. Danach sucht man sich aus, was man braucht.
Mit solchen Vergleichen wäre ich ehrlich gesagt vorsichtig. Pockenimpfstoff - OK, da glaube ich das sofort. Aber OPV? Die VAPP war doch eine sehr seltene Komplikation. Ich meine etwas von 1:4,5 Mio. im Kopf zu haben.
1:2,4 Mio
Direkte ja. Indirekt passiert es, das plötzlich Impfstämme kursieren. Dazu gibt es mehrere Arbeiten auf Pubmed. 1991 erwischte es in den USA die Amish, die Impfungen generell ablehnen. Es war ein Impfstamm nicht etwa das Wildvirus.
Nichts desto trotz ist der Sabin hochwirksam und wichtig, wenn die Seuche grassiert. Er ist durchschlagend und impft andere sozusagen mit. Deswegen ist er in Endemiegebieten immer noch im Gebrauch. Aber es gibt leider Mutationen. Auf den Totimpfstoff kann man erst gehen, wenn Polio beseitigt ist. Eine gute Kombi, die unmittelbar vom Mitmachen der Leute abhängig ist. Zu meiner Kindheit haben alle mitgemacht. Deswegen kann man hier nun tot impfen. Das ist ein Segen. Ich habe nichts gegen den Lebendimpfstoff. Ganz im Gegenteil.
Na ja, die STIKO empfiehlt das z. B. bei Verlust der Impfdokumentation. Finde ich schon etwas fragwürdig. Pragmatischer wäre 1x TdaP-IPV mit anschließender Antikörperbestimmung für Tetanus, Diphtherie und Polio.
Antikörperbestimmungen sind unzuverlässig. Mit denen kann man Zahlenspiele machen, aber nicht wirklich sicher erfassen ob jemand individuell geschützt ist. Deshalb gilt bei der STIKO: Impfen wenn der Impfpaß verloren ist.
Das ist schon korrekt und wird nicht nur von der STIKO so vertreten. Auf alles andere gibt es keine Garantie und die Haftung bei Erkrankung trägt der Arzt wenn er nach positivem AK trotz unklarer Lage nicht impft. Dummerweise öfter sogar dann, wenn sich der Impfling gegen das Impfen entschieden hat.
Ein echtes Problem mit dem Überimpfen gibt es auch nicht, außer dem Gesagten. Sonst würde das die STIKO so auch nicht empfehlen. Das wäre teuer für den Staat, wenn es reihenweise zu üblen Komplikationen käme. Der zahlt das nämlich.
FataMorgana
02.09.2007, 08:23
Wenn man einen Durchschnittsbürger impft schon. Anders sieht es aus, wenn ein gewisses Ziel verfolgt wird. Jemand der mit Säuglingen arbeitet sollte sie nunmal nicht mit Pertussis infizieren. Das gibt sonst Hirnschäden gegen die ein dicker Arm eine Lapalie ist.
Das ist ethisch natürlich ein gutes Argument. Trotzdem kann der einzelne nicht gezwungen werden, ein erhöhtes individuelles Komplikationsrisiko auf sich zu nehmen zum Schutz von anderen.
Antikörperbestimmungen sind unzuverlässig.
Das ist eine falsche und unzulässige Verallgemeinerung. Gegenbeispiele:
- Diphtherie-Toxin-Neutralisationstest
- Polio-Neutralisationstest
Beides extrem zuverlässige Methoden zur Bestimmung der Immunität. Auch bei anderen Erregern ist dies gut möglich (Tetanus, Hepatitis B, Röteln...). Bei Pertussis hingegen so gut wie gar nicht. Es hängt von Erreger und Labormethode ab.
Ein echtes Problem mit dem Überimpfen gibt es auch nicht, außer dem Gesagten. Sonst würde das die STIKO so auch nicht empfehlen. Das wäre teuer für den Staat, wenn es reihenweise zu üblen Komplikationen käme. Der zahlt das nämlich.
Ich glaube, dass das fragwürdige Neubeginnen der Grundimmunisierung bei verlorenem Impfpass kaum jemand macht. Deswegen gibt es auch keine Haftungsprobleme.
Und nochmal zum Impfabstand bei Tetanus:
Neuere Studien zeigen offensichtlich, dass man auch bis zu 18 Monaten runtergehen kann, ohne dass es zu wirklich ernsthaften Sicherheitsproblemen kommt. Mit verstärkten Lokalreaktionen muss man dann aber natürlich rechnen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez?Db=PubMed&Cmd=ShowDetailView&TermToSearch=16511379
Trotzdem bleibt festzuhalten:
1. Es ist bescheuert, dass kein "mono"valenter Pertussis-Impfstoff auf dem Markt ist. Dadurch setzt man Personen, die die Impfung dringend benötigen, einem unnötigen Risiko und unnötigen Nebenwirkungen aus.
2. Eine jahrelang vorausschauende Impfplanung ist deswegen notwendig.
Relaxometrie
13.11.2007, 20:25
Meine Meinung bzgl. der alle 10 Jahre empfohlenen Tetanus-Auffrischungsimpfung darf ich freundlicherweise als bekannt voraussetzen :-))
Hier (http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30423) ein Link, der meine Vermutungen nun ein wenig bestätigt.
Jetzt muß ich mich mal gerade mit einer Frage einklinken, da Ihr Euch ja anscheinend auskennt und ich ein bißchen faul zum suchen bin :-angel . Falls Ihr keine Lust zum antworten habt, könnt Ihr natürlich auch einfach schreiben, dass ich gefälligst selbst nachlesen soll :-)) .
Ich bin aktuell ausreichend gegen Tetanus und Polio geimpft (unser Betriebsarzt besteht auf der Polio-Impfung für Neurologen, seit wir mal so einen lästigen Verdachtsfall hatten). Beide letzte Auffrischimpfungen sind vielleicht so drei Jahre her.
Gegen Pertussis bin ich laut Impfausweis noch nie geimpft. Kann das überhaupt sein bei Eltern, die sicher keine Impfung abgelehnt haben und Baujahr 1977? Nun ist das Kind auf meinem Arm schon fast 6 Monate alt und selbst geimpft und ich gebe zu, dass ich vor der Geburt über Pertussis nicht wirklich nachgedacht habe. Aber bevor wir über eine No 2 nachdenken, sollte ich mich vielleicht doch gegen Keuchhusten impfen lassen, nicht wahr? Und da gibt es also nur eine Kombi-Impfstoff mit Polio (und Tetanus?)? Das wär ja mal blöd. Also: impfen oder nicht?
Lg und vielen Dank
Ute
FataMorgana
20.11.2007, 16:54
Gegen Pertussis bin ich laut Impfausweis noch nie geimpft. Kann das überhaupt sein bei Eltern, die sicher keine Impfung abgelehnt haben und Baujahr 1977?
Ja, kann sein. Die azellulären Impfstoffe gibt es ja noch nicht so lange (erstmals 1981 eingeführt). Und die zuvor erhältlichen Ganzzell-Impfstoffe waren relativ schlecht verträglich und daher umstritten.
Aber bevor wir über eine No 2 nachdenken, sollte ich mich vielleicht doch gegen Keuchhusten impfen lassen, nicht wahr?
Ja! Und Dein Partner/Mann auch. Die Eltern sind heutzutage die häufigste Infektionsquelle bei Säuglingen.
Und da gibt es also nur eine Kombi-Impfstoff mit Polio (und Tetanus?)?
Poliokomponente ist nicht in allen Kombinationsimpfstoffen enthalten, aber um Tetanus und Diphtherie kommt man im Zusammenhang mit Pertussis (leider) nicht drumherum.
Also: impfen oder nicht?
Ja, schon impfen. Insbesondere dann, wenn Du bisher keine Probleme mit der Veträglichkeit der Tetanuskomponente hattest. Ein Abstand größer gleich 18 Monate zur letzten Tetanusauffrischung ist akzeptabel (siehe weiter oben). Darunter gibt es bisher noch zu wenig Daten. Theoretisch kann man das Risiko einer hyperergischen Reaktion durch die Tetanuskomponente durch eine vorherige Titerbestimmung genauer einschätzen. Aber großartige Konsequenzen hätte die auch eher nicht. Die Nutzen-Risiko-Analyse (Schutz des Säuglings vor Pertussis vs. Gefahr verstärkter Lokalreaktionen durch die Impfung) würde wohl auch bei hohem Tetanus-Antitoxin zugunsten der Impfung ausfallen.
@FataMorgana:
Vielen Dank!
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